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Sonntag, 21. Dezember 2025

4. Advent 2025

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin keiner von denen, die meinen, Weihnachten müsse Weihnachten bleiben. Oder Weihnachten solle wieder so werden, wie es einmal war (und in Wahrheit wohl nie war). Ich will nicht zurück, ich will vorwärts. Ich wäre für eine Umkehr, Erneuerung, Reinigung der Christen. Durch eine radikale Trennung vom säkularen „Weihnachten“ und eine Vorbereitung und Feier strikt nur des echten Weihnachten. (Was die Nichtchristen feiern und wie. ist mir wurscht.)
Alles, was thematisch nichts mit der Geburt unseres Herrn und Erlösers zu tun hat, sei es uralter Brauch oder modischer Erfindung, kann weg und soll weg. Die Adventszeit soll wieder der Besinnung, Einkehr, Umkehr werden. Symbolfarbe ist Violett, nicht Rot und Grün und goldener Flitter.
Für Weihnachten steht die Krippe, die Darstellung der Geburt zu Bethlehem, mit der Anbetung erst durch die Hirten, dann durch die Weisen aus dem Morgenland. Der Weihnachtsbaum ist irgendwas Heidnisch-Protestantisches, eingeschleppt vor zweihundert Jahren, völlig ohne christliche Symbolik. Woher der ganze Dreck mit Weihnachtsmann, Elfen, Rentieren, Nordpol kommt (oder Vater Weihnachten oder Weihnachtsfee usw. usf.), will ich gar nicht wissen. Keine Lügen gegen Kinder: Der Nikolaus ist nur gespielt und die Geschenke bringen die Eltern, nicht das Christkind.
Reinigung, wie gesagt. Weniger ist mehr. Klare Verhältnisse. Kein Konsumterror mehr und keine Sentimentalitätsstimulanz.
Stattdessen geistliche Auseinandersetzung mit dem Festgeheimnis: Gott ist Mensch geworden, um uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von unseren Sünden loszukaufen. Er wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten, die einen werden in den Himmel kommen, die anderen in die Hölle.
Das würde ein segensreiches Weihnachtsfest!

Sonntag, 7. Dezember 2025

2. Advent 2025

„Mit dem Aufstellen des Adventkranzes beginnt für Familien zu Hause die Weihnachtszeit.“ Sagt der ORF. Woher weiß das der ORF? Ich sage nicht, der ORF habe Unrecht, aber ich frage: Woher weiß er es? Und fiel dem Journalisten oder der Journalistin, als es zu dieser Formulierung kam, nicht auf? Warum heißt es Adventkranz und nicht „Weihnachtskranz“, wenn doch damit angeblich die Weihnachtszeit beginnt? Ganz abgesehen davon, dass das Weihnachtsfest am 25. Dezember beginnt (liturgisch: am Abend davor), sodass die Weihnachtszeit ja wohl erst danach liegen kann.
Vielleicht versteht man beim ORF einfach nicht, was Advent bedeutet. Manche sagen dazu Vorweihnachtszeit. Aber warum dann dieses Wort „adventus“, das doch (das kann man nachschlagen) Ankunft heißt. Weil man die Geburt Christi erwartet, sein Zurweltkommen, gewiss. Aber da ist noch mehr.
Wozu kam der Menschensohn in die Welt? Um zur Umkehr aufzurufen. Zur Abkehr von der Sünde und zur Hinwendung zu Gottes Willen. Und er hat angekündigt wiederzukommen. Wie es im Glaubensbekenntnis heißt: zu richten die Lebenden und die Toten.
Darum geht es bei Weihnachten: Dass diese Welt ein Ende haben wird, dass alles untergeht, dass die, die sich gegen Gott entschieden und Böses getan haben, in die Hölle kommen werden und die, die wenigstens versucht haben, Gutes zu tun, in den Himmel.
Weihnachten ist, wenn man so will, ein Weltuntergangsfest, ein Fest der Zerstörung des Bisherigen, ein Fest der Erwartung des Gerichtes, auf das ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis folgen. Die Zeit davor hätte also sinnvollerweise eine der Besinnung zu sein: Führe ich mein Leben richtig? So wie Gott es will? Oder tue ich, was die Menschen wollen, häufe nutzlose Dinge an, kümmere mich vor allem um meinen Spaß und Rausch und ignoriere alle Warnungen?
Statt heidnisches Brauchtum ins Wohnzimmer zu holen (Adventkranz, Weihnachtsbaum), das keinerlei christliche Tradition hat, täten die Leute gut daran, das Böse in der Welt zu bekämpfen. Warum akzeptieren sie so leichten Herzens, dass es Ausbeutung, Armut, Umweltzerstörung gibt? Statt Kerzen anzuzünden (oder einzuschalten), sollten sie kaputt machen, was sie und andere kaputt macht oder zumindest sich dem Mitmachen verweigern.
Wenn man nicht an Gott glaubt, wenn einem die Geburt Christi und die Erwartung seiner Wiederkehr nichts bedeutet, wozu feiert man dann Weihnachten? Aus Sentimentalität, Konsumlust und Gewohnheit? Dann ist tatsächlich die Zeit vor Weihnachten die Weihnachtszeit. sinnlos, sinnwidrig, böse. 
Weihnachten ohne Gott ist wie ein Fußballspiel ohne Ball und ohne Spieler. Dann kann man sich selbstverständlich immer noch vor dem Spiel anlassgerecht kostümieren, sich besaufen, irgendwen anfeuern, Fangesänge anstimmen, und seinen Spaß haben. Man kann das dann Fußballspiel nennen und von Vorfußballspielzeit reden. Es hat aber nichts mit Fußball trotzdem zu tun.

Sonntag, 30. November 2025

1. Advent 2025

„Verfickte Scheiße, ist das besinnlich“, druckt ein kommerzieller Kerzenfabrikant auf seine Waren und trifft damit den Punkt. Die „Vorweihnachtszeit“, die für die meisten Menschen den Advent restlos aufgefressen hat, und das Fest, auf das sie angeblich hinausläuft, wird gern mit „Besinnlichkeit“ in Verbindung gebracht. Aber was heißt das? Wie kann der Mischmasch aus amerikanisch-britischem Konservengedudel, grün-rot grundiertem Dauergeglitzer, groteskem Elch- und Wichtelterror, Punsch- und Glühweinkonsum, internalisierter Einkaufsliste und von den Amis dem Globus geschenkten Bläckfreidäh-Geplärr „besinnlich“ sein“? Der Duden definiert besinnlich so: „nachdenklich; beschaulicher, geruhsamer Besinnung dienend“. Wer kann das mit der real existierenden Vorweihnachtszeit, die von etwa Ende August bis zum 24. Dezember dauert, zusammenbringen? Nachdenken, besinnen, gar das eigenen Leben im Zusammenhang mit anderen und den Weltverhältnissen betrachten ― Fehlanzeige. Sentimental sein, konsumfreudig, berauscht ― so geht das.
Der Advent war und ist eine Zeit der Besinnung und Buße, also der Umkehr vom Misslingenden zum Gelingenden, der Hinwendung an die Gnade Gottes. Als Vorbereitung des Festes der Geburt des Mensch gewordenen Gottes, unseres Herrn und Erlösers, damals in Bethlehem. Der wiederkommen wird in Herrlichkeit, niemand weiß wann, es kann auch gleich jetzt sein, und uns richten wird. Er wird nicht fragen: Hast du beim Einkaufen genug gespart, kannst du alle Strophen von Last Christmas auswendig, hast du genug Kerzen und Teelichter aufgestellt, wie lauten die Namen der Rentiere von Santa Claus? Sondern er wird fragen: Was hast du gemacht aus deinem Leben? Warst du für andere da? Hast du dich eingesetzt für das Gute, auch dort, wo der Einsatz unbeliebt ist und weh tut?

Sonntag, 22. Dezember 2024

Wozu über Weihnachten lügen?

Warum belügt man die Kinder über Weihnachten? Warum erzählt man ihnen etwas von erfundenen Figuren wie Weihnachtsmann, geschenkebringendem Christkind, der Fee Befana, Väterchen Frost, irgendwelchen Trollen, Elfen und fliegenden Rentieren? (Und unterm Jahr geht es ja weiter mit dem Osterhasen, der Zahnfee und anderen konsumistischen Pseudomythen.)
Gewiss, Kinder können phantastische Erzählungen, die ihre Phantasie anregen, gut gebrauchen. Aber es ist ein Unterschied zwischen Dornöschen, Schneewittchen, Aschenbrödel usw. und Weihnachtsmann und Zahnfee: Die Märchenfiguren werden als solche ― hoffentlich ― vorgestellt und verstanden und ihre tatsächliche Existenz wird nicht behauptet.
Man sollte Kinder überhaupt nie belügen. Man kann ihnen zudem die Wahrheit über Weihnachten von Anfang an zumuten: Gottes Sohn ist Mensch geworden, ist zu den Menschen gekommen, um sie von allem Schlechten zu befreien und ihnen zu helfen, Gutes zu tun, und wurde darum damals im Stall bei Bethlehem geboren. Aus Freude darüber feiern wir ein Fest und beschenken einander.
Wozu aber diese sinnlosen, mit dem Festgeheimnis überhaupt nichts zu tun habenden Lügengeschichten? Fällt nicht von diesem Unsinn ein Schatten auf die „hochheilige Nacht“? Wenn der Weihnachtmann nur erfunden ist, ist es dann nicht vielleicht auch Jesus?
Gewiss, viele werden sagen, die Lügen hätten ihnen nicht geschadet, und sie erzählen sie darum auch ihren Kindern. Trotzdem, über Weihnachten zu lügen, ist unwürdig. Der Unsinn von Weihnachtsmann und Weihnachtsfee scheint jedoch Teil der längst sehr erfolgreichen Bemühungen zu sein, das Fest nichts mit Gottes Sohn, mit Sünde und Erlösung, mit Wiederkunft und Letztem Gericht zu tun haben zu lassen. Fest der Liebe? Fest der Familie? Fest der Kinder? Fest der Geschenke? Nein, Fest der Geburt Jesu Christi. 
Es gibt genug wahre Geschichten, die man von unserem Herrn und Erlöser erzählen kann und soll und mehr als genug erbauliche Legenden seiner Heiligen. „Putzige“ Lügen in Kinderherzen zu stopfen, mag diese vorbereiten auf eine Welt voller Unwahrheit, Betrug, Ausbeutung und Enttäuschung. Mit dem Sinn von Weihnachten hat es nichts zu tun.

Sonntag, 15. Dezember 2024

Trauriges Thema: Einsame Weihnachten

Viele Menschen seien zu Weihnachten allein und einsam, heißt es. Na und? Das sind sie sonst auch. Warum ist das an Weihnachten besonders schlimm? Weil die Leute meinen, es gehe bei dem Fest (oder seinen Surrogaten) um sie selbst. Tut es aber nicht. Es geht um die Geburt des Herrn und Erlösers und um die Freude auf seine Wiederkunft.
Sich auf Jesus freuen und sich fragen, ob man bereit ist fürs Jüngste Gericht, das kann man auch ganz allein. Vielleicht sogar allein am besten. Nicht abgelenkt von Konsumterror, hohlen Familienritualen und Gedöns. Was nicht dagegen spricht, an liturgischen Feiern teilzunehmen. Und wenn man nicht mobil ist: Es gibt Radio und Tefau und Internet.
Wer einsam ist und das nicht sein will, hat allen Grund, sein Leben zu ändern. Und das ist eigentliche Thema von Weihnachten. Losgekauft worden sein von der Sünde und sich verantworten zu müssen.
Gewiss, manche Ursachen ungewollter Einsamkeit, verantworten die Betroffenen nicht selbst. Und manchmal gibt es auch keine Lösungen. Das muss man dann eben genauso annehmen wie Krankheit und Tod.
Andererseits ist ungewollte Einsamkeit, seien wir unerschrocken ehrlich, oft selbstgemacht. Wer beizeiten für andere da war, und zwar immer wieder mal auch für neue (die also, ums deutlich zu sagen, nicht schon alle weggestorben oder weggezogen sein können), hat gute Chancen, mit vielen in Kontakt zu sein.
Der Kontakt nach oben jedenfalls ist immer möglich. Und darauf kommt es an. Mehr als auf alles andere.Nicht nur an Weihnachten

Sonntag, 8. Dezember 2024

Ihr Kinderlein, kommt nicht

„Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben!“ Dieser alte slogan der Abtreibungsbefürworterinnen (beiderlei Geschlechts) ist in seiner ganzen menschen- und religionsfeindlichen Bösartigkeit völlig zutreffend. Dem totalkonsumistischen Wunsch, den Mitmenschen endgültig zur Verfügungsmasse der heteronom eingepflanzen „Rechte“ und „Bedürfnisse“ zu machen, steht im Wesentlichen nur noch das aufrechte Häuflein aufrechter Christen und Christinnen entgegen, das mit dem Rücken zur Wand des unerbittlichen Zeitgeists an der Würde und dem Lebensrecht jedes Menschen, auch des ungeborenen, mit frommem Trotz festhält.
Abtreibung ist Mord und deshalb kann es, egal, was Gesetze besagen, niemals ein „Recht“ auf Abtreibung geben. Daran ist kein vernünftiger Zweifel möglich. Menschen dürfen Menschen nicht töten, das steht fest; Ausnahmen mag es zur Fremd- und Selbstverteidigung oder, je nachts Rechtsordnung, zur Strafe geben. Im Grundsatz aber ist, um es religiös zu formulieren, jedes menschliche Leben heilig und unantastbar.
Dass in dieser wahnsinnigen und verderbten Weltordnung, an der so viele freiwillig und alle mindestens unfreiwillig mitwirken, Menschen im Elend leben, ausgebeutet werden, an Hunger und vermeidbaren Krankheiten oder in Kriegen sterben, ist schrecklich genug, es rechtfertigt nicht, Kinder im Mutterleib zu zerstückeln. Wenn Frauen zu arm sind, soll man ihre Armut beseitigen, nicht ihre Kinder.
In den wohlstandsverwahrlosten Ländern werden ungeborene Kinder ohnehin eher deshalb getötet, weil ein Kind gerade nicht zum Lebensentwurf oder zum Lebensstil passt. So werden beispielsweise 80 bis 90 der Kinder, bei denen pränatal das Down-Syndrom diagnostiziert wurde, nicht zur Welt gebracht, sondern abgemurkst. Bei ähnlichen Diagnosen verhält es sich ähnlich. Und das befürwortet jemand? Das ist eine Entscheidung, die eine Frau für ihr Kind treffen darf?
Denn es geht nicht, wie die Pro-Abtreibungs-Ideologie behauptet, um die freie Verfügung von Frauen über ihr Eigentum, hier: ihren Körper. Selbst wenn es nur darum ginge, wäre es fraglich, ob man mit sich wirklich alles machen darf, wonach einem der Sinn steht. Doch tatsächlich geht es ja um einen anderen Menschen, um das Kind, dass sich im Körper der Frau befindet. Selbst wenn man also ein Verfügungsrecht über den eigenen Körper zugestände, was ist mit dem Recht des anderen Menschen auf Leben und körperliche Unversehrtheit? Steht dieses Recht nicht höher als die Unbilden einer „ungewollten“ Schwangerschaft? Sein Kind töten zu lassen ist etwas grundsätzlich anderes, als sich die Zehennägel zu schneiden oder die Haare zu färben. Hier ist eben nicht nur der eigene Körper betroffen, sondern auch und vor allem der Körper eines anderen Menschen, der ein für allemal vom Leben zum Tode befördert werden soll. Oder eben nicht soll. ― Was nebenbei die „Ungewolltheit“ der Schwängerung betrifft: Wer nicht schwanger werden will, soll halt nicht ficken. Wer zu blöd zum „Verhüten“ ist, soll das nicht am Kind auslassen. (Und was die sehr seltenen Fälle von Schwangerschaften nach Vergewaltigungen betrifft: Warum soll ein unschuldiges Kind für ein Verbrechen seines Vaters bestraft werden dürfen? Noch dazu mit der Todesstrafe?)
Man muss schon sehr fanatisiert oder moralisch heruntergekommen sein, um „für Abtreibungen“ einzutreten sein und dieses Unrecht gar zum „Recht“ umetikettieren zu wollen. Man muss vor allem ohne Achtung und Liebe gegenüber dem Mitmenschen, in diesem Fall dem eigenen Kind sein. Die Befürworterinnen (beiderlei Geschlechts) behelfen sich meist damit, dass sie ihr Gewissen mit der Behauptung kalt stellen, was da heranwachse, sei ja noch gar kein Mensch.
Ja, was denn sonst? Die Ausdrücke „schwanger sein“ und „ein Kind bekommen“ sind synonym. Sobald eine Frau schwanger ist (und wenn sie nicht schwanger wäre, könnte sie nicht „abtreiben“), ist ein Kind unterwegs. Von der befruchteten Eizelle über die Einnistung derselben und dann die Monate der Schwangerschaft bis zur Geburt ist ein weiter Weg, auf dem manches schief gehen kann. (Auch ein natürlicher Abortus ist leider möglich.) Aber das rechtfertigt kein willkürliches Eingreifen, schon gar keine Tötung jenes lebendigen „Zellverbandes“, von dem absolut niemand genau und mit Gewissheit sagen kann, ab wann er, wenn nicht von Beginn an, denn nun ein „richtiger“ Mensch ist. Vernünftig, weil sachlich angemessen und ethisch verantwortungsbewusst, ist darum nur, schon die befruchtete Eizelle als Kind, als zwar noch unausgebildeten, aber doch um nichts weniger zu achtenden, ja zu liebenden Mitmenschen anzunehmen.
Zur Erinnerung: Lebenswertes von nicht lebenswertem Leben zu unterscheiden und letzteres folgerichtig zu vernichten, war eine Vorliebe der Nazis. Die waren zwar, was Arierinnen betraf, sehr fürs Kinderkriegen und darum gegen Verhütung und Abtreibungen, aber „Erbkranke“und die Kinder der „fremdrassigen“ massakrierten sie durchaus, geboren oder ungeboren, und gern deren Mütter und Väter noch dazu. Das ist die Traditionslinie von Eugenik, Euthanasie und eben auch Abtötung der Leibesfrucht, in die sich stellt, wer „noch kein Mensch, nur ein paar Zellen“ sagt, wenn von ungeborenen Kindern die Rede ist.
Keine Frage, es gibt reaktionäre Kräfte, die die Gegnerschaft zur Abtreibung für ihre scheußlichen Zwecke missbrauchen. Ebenso wie sie Religion missbrauchen. Ihnen geht es nicht um Menschenwürde und Menschenrechte, ihnen geht es um Familienideologie, Lebensstil, Segregation, Niederhalten der Armen und die Ausübung von Macht. (Wie sich in den USA zeigt, sind Politiker, die öffentlich für Abtreibungsverbote eintreten, oft Ehebrecher, die ihre Buhlinnen gegebenenfalls zur Abtreibung nötigen. Doch selbst wenn einer mal in dieser und ähnlicher Hinsicht keinen Dreck am Stecken hat, kann er trotzdem ein bösartiger Reaktionär sein.) Dass man aus den falschen Gründen gegen Abtreibung sein kann, ändert freilich nichts daran, dass es auch gute Gründe gibt.
„Hätt’ Maria abgetrieben …“ Hat sie aber nicht. Vielmehr empfing sie vom Heilgen Geist und brachte unseren Herrn und Erlöser zur Welt. Zugegeben, die Geschichte des Christentums ist voller Irrtümer und schwerer Sünden. Bis heute. Doch von den teuflischen Machenschaften der Menschen bleibt, wenn man es ernst nimmt, das Evangelium unberührt. Gott ist der Gott des Lebens, der auf der Seite der Schwachen und Benachteiligten steht ― und nicht der der Mächtigen und Benachteiligenden. Wer aber wäre schwächer, schutzloser, schutzbedürftiger als ein ungeborenes Kind?
Christ sein muss heißen, für die Würde, das Wohlergehen, das unbeschädigte Leben des Mitmenschen einzutreten. Ausbeutung, Zerstörung, Verblödung, kurzum: die herrschende Weltunordnung ist unvereinbar mit dem Evangelium. „Was ihr für den geringsten meiner Brüder getan habt …“ Wer also ein Kind töten lässt, geboren oder ungeboren, stellt sich gegen Gott. Und hat darum zu Recht nichts zu erwarten als die Hölle, die er (oder sie) anderen schon auf Erden bereitet hat.

Freitag, 6. Dezember 2024

Rede der beiden Blinden, denen die Augen geöffnet worden waren

Da wurden ihre Augen geöffnet. Jesus aber wies sie streng an: Nehmt euch in Acht! Niemand darf es erfahren. Doch sie gingen weg und erzählten von ihm in der ganzen Gegend. (Mt 9,30f)
 
Vergib uns, Herr, dass wir deine Anweisung missachtet haben. Aber wir waren blind, und du hast uns sehend gemacht! Wie hätten wir da unsere Freude nicht mit aller Welt teilen sollen? An uns war ein Wunder geschehen, und alle sollten wissen, wer es vollbracht hat, der Heilige Gottes. Du freilich wolltest keine Berühmtheit werden, kein Spektakel für die Massen. Du wolltest das Evangelium vom Reich Gottes verkünden und die Menschen zur Umkehr bewegen. Unsere Unbedachtheit hat, wie die Kunde von vielen anderen Zeichen, die du aus Barmherzigkeit an so vielen gewirkt hast, den Rummel um deine Person vermehrt und damit die Obrigkeit weiter gegen dich aufgebracht. Bereits deine Lehre war ihr verdächtig, aber dass so viele dich sehen. hören, vielleicht sogar berühren wollten, machte sie wütend. Damit wurde die Sache politisch. Das hattest du vorausgesehen. Du wusstest, dass man dich verfolgen würde, aber du hattest vorher noch so viel zu sagen, deinen Jüngern und allen Menschen. Schließlich ging die Sache übel aus und du wurdest hingerichtet. Die an dich glauben als an den Sohn Gottes, den Heiland und Erlöser, wissen, dass das nicht das Ende war. Und auch wir können bezeugen: Er hat sich unser erbarmt. Wir waren blind, und er hat uns sehend gemacht. Wer sonst hätte das vermocht als unser Herr und Gott?

Sonntag, 1. Dezember 2024

Advent? Welcher Advent?

Ich bin es müde, jedes Jahr dasselbe zu schreiben: Ohne Weihnachten kein Advennt. Weihnachten aber als das Fest unseres Herrn und Erlösers ist ja bekanntlich abgeschafft zu Gunsten eines konsumterroristischen Sentimentalitätsspektakels mit Elfen, Rentieren, Glitzerramsch und nervigem Schmalzgedudel. Und darum ist der Advent folgerichtig längst durch eine ominöse Vorweihnachtszeit ersetzt worden, die im Sommer beginnt, wenn die ersten Lebkuchen in den Regalen auftauchen, und spätestens nach Halloween flächendeckend wird, wenn die omnipräsente Saisonal-Reklame völlig überschnappt. Kaufe, schenke, konsumiere. Euer Geld gehört in die Kassen der Konzerne und Einzelhändler. Berauscht euch am Sinnbefreiten und denkt ja nicht, ihr könntet euch mit Bethlehem und Kind in der Krippe herausreden.
Derartiges sage ich jedes Jahr, und selbstverständlich ändert sich nichts. Wie auch? Ich bin ein Prophet, auf den keiner hört.
Aber ihr werdet schon sehen. Advent, das heißt ja auch: Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi, auf das Ende der Zeiten und das Letzte Gericht. Davon ist nichts zu merken, das darf nicht wahr sein und die sogenannten Kirchen (eine diffuse Bezeichnung für eine diffuse Sache) machen in der Hinsichta uch kein glaubwürdigs Angebot.
Man wird sich freuen, wenn einmal im Jahr die Kirchenbänke rappelvoll sind und die Kollekten scheppern. Was soll man die Leute mit Buße und anderen Kernpunkten des evangeliums belästigen, wenn sie sich doch mit inbrünstig geträllerten Weihnachtsliedern und Kerzenglanz zufrieden geben?
Ich sage nur (alle Jahre wieder): Das nimmt kein gutes Ende. Das scheint nur schön, weil es unwahr ist. Das müsste anders werden, wenn es vor Gott bestehen soll.
Gott? Welcher Gott?

Sonntag, 5. Dezember 2021

Maranatha (2)

Fürchtet euch, lautet die Botschaft der Mächtigen dieser Welt. Fürchtet euch davor, das, was ihr habt, zu verlieren und nicht zu bekommen, was ihr euch wünscht. Fürchtet euch vor Unbequemlichkeiten und Leiden. Fürchtet euch vor euch selbst und eurem Unvermögen, euren heimlichen Lastern und euren öffentlichen Untugenden. Fürchtet euch vor einander. Fürchtet euch vor eurer eigenen Gier und der Gier der anderen, vor eurer eigenen Rücksichtslosigkeit und der der anderen, vor eurer Dummheit und der der anderen. Fürchtet euch, nicht dazuzugehören. Fürchtet euch, nicht normal zu sein. Und vor allem fürchtet euch vor dem Tod.
Die Botschaft des Evangeliums lautet hingegen. Fürchtet euch nicht. Sterben werdet ihr, so oder so, aber es kommt darauf an, wie ihr lebt. Kehrt um, tut Gottes Willen, liebt euren Nächsten wie euch selbst ― und der Tod kann euch nichts anhaben, sondern ihr werdet das ewige Leben haben und Gott schauen.
Die Angst ist das wichtigste Mittel der Mächtigen dieser Welt. Dadurch herrschen sie. So erpressen sie Gehorsam, so lügen sie ihn herbei, schmeichelnd und drohend: Wenn ihr nicht tut, was man euch sagt, werdet ihr allein gegen alle stehen, ihr werdet Schmerzen haben, ihr werdet sterben. Wenn ihr aber fügsam seid, erlauben wir euch Normalität (wobei wir bestimmen, was normal ist).
Furchtlosigkeit oder vielmehr die Überwindung von Furcht ist ein Zeichen der Heiligkeit. Wer auf der Seite Gottes steht, dem kann nichts geschehen. Alles Böse, das die Welt ihm antun kann, ist nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die ihm durch ein Leben in Wahrheit und Gerechtigkeit zukommt.
Und die, die sich zur Angst haben verführen lassen? „Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.“ (Mt 25,30)

Sonntag, 28. November 2021

Maranatha! (1)

Die Leute hätten gern, dass immer alles so weitergeht, wie sie es gewohnt sind. Allenfalls noch eine Steigerung scheint ihnen wünschenswert: Dass es endlich wieder so wird, wie es nie war. Sie wollen Normalität. Darunter verstehen sie, dass sie alles richtig machen und dafür belohnt werden. Die Realität ist aber eine andere. Die meisten Leute sind Komplizen des Systems der Ausbeutung, Zerstörung und Verblödung. Alle sind zugleich auch dessen Opfer, aber einer dünnen Schicht wird ein hedonistischer Lebensstil gewährt, dessen konsumistischer Pseudo-Individualismus über die moralische Leere und die Sinnlosigkeit des Mitmachens hinwegtäuschen soll. Das Böse triumphiert. Der Mensch wird zum Tier, zum Ding unter Dingen degradiert und zur restlosen Vernutzung freigegeben. Es gibt kein Halten mehr, wenn es um Profit, Menschensteuerung und Naturverbrauch geht. Die Welt ächzt unter der Last der Sünden. Es kann so nicht weitergehen. Es wird so nicht weitergehen. Die von Gier und Geilheit aller Art (Geld, Macht, Sex, Rausch) notdürftig angetriebene Maschinerie rast auf den Abgrund zu. Katastrophen sind jetzt schon merkbar und werden noch merkbarer werden. Das Elend der vielen wächst. Der Reichtum weniger wird unermesslich. Die Hoffnung der wohlhabenden Mitte knüpft sich unterdes an neue Technologien. Aber es gibt keine technischen Lösungen für ethische Probleme. Nur echte Umkehr und bedingungsloses Füreinander können offen werden lassen für Gnade. Glück ist nicht herstellbar. Erlösung kann man nicht kaufen.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Sein Geburtstag

Heute wäre sein Geburtstag. Sein siebenundfünfzigster, wenn ich mich richtig erinnere. Aber er ist ja schon zweiunddreißig Jahre tot. Schwerer, selbstverschuldeter Autounfall, ein paar Tage im Koma, dann Exitus. Wir alle, seine Freunde und Studienkollegen, waren damals schwer getroffen. Nach dem Begräbnis saßen wir im Kaffeehaus und redeten. Noch wochenlang redeten wir, um das Unfassbare zu fassen. Immer wieder fielen dabei Sätze wie: „Er ist nicht tot, solange wir an ihn denken. In unseren Erinnerungen lebt er weiter.“ Und ich weiß noch, ich dachte mir: „Scheiße, das ist nicht genug.“
Nein, das war überhaupt nicht genug. Bei weitem nicht. Ich war in ihn verliebt gewesen. Sehr sogar. Selbstverständlich hatte ich ihm nichts davon gesagt. Das hätte ich nicht über mich gebracht. Und niemand hätte etwas davon gehabt, er hatte ja eine Freundin, stand nicht auf Männer. Ich hatte mich also damit begnügt, ihn heimlich anzuhimmeln und mich zu freuen, wenn wir miteinander Zeit verbrachten, etwa nebeneinander im Hörsaal saßen oder im Kaffeehaus diskutierten oder mit anderen aufs Land fuhren.
Sein Tod traf mich bis ins Mark. Zum ersten Mal starb ein Mensch, den ich geliebt hatte. Nicht wie man als Kind seine Oma liebt, die dann stirbt und die man sehr vermisst. Sondern er starb, und durch die Welt ging ein Riss, durch mich ging ein Riss. Es war fast unerträglich. Wie sollte ich danach weiterleben?
Und dann eben dieser falsche Trost, den die anderen sich und einander zusprachen. „In unseren Erinnerungen lebt er weiter. Er ist nicht tot, solange wir an ihn denken.“ Auch das war unerträglich. Soll das heißen, wenn wir uns nicht mehr erinnern, wenn keiner mehr an ihn denkt, gibt es ihn nicht mehr? Was ist das für ein ausgedachtes Weiterleben, das von so etwas unsicherem und vergänglichen wie Erinnerung abhängt?
Mir war das nicht genug. Nicht einmal ansatzweise. Ich begriff, dass ich mehr brauchte, viel mehr. Ich begriff, dass ich, wie schwach mein Glaube auch ansonsten sein mochte, an ein Leben nach dem Tode glauben musste, dass es also Gott geben musste, damit es ein solches wirkliches Weiterleben geben konnte. Selber weiterzuexistieren, und zu glauben, er existiert nicht mehr, das war inakzeptabel. Es war etwas, das ich, ich in jeder Hinsicht meiner Existenz, ablehnte: physisch, psychisch und intellektuell. Ich begriff, dass ich nicht anders konnte, als an Gott und die Unsterblichkeit der Seele zu glauben,
Ich konnte nicht anders, das heißt nicht: Ich musste mir etwas einreden, um das Unerträgliche auszuhalten. Ich studierte ja Philosophie und Theologie, und war mir selbst und allen „Wahrheiten“ gegenüber kritisch genug, denke ich, um es zu durchschauen, wenn ich mir bloß irgendwas zurechtgelegt hätte, irgendeinen billigen Realitätsersatz.
Nein, die Notwendigkeit des Daseins Gottes und des Lebens nach dem Tode war keine Idee, sondern eine existenzielle Erfahrung. Keine, die jemand anderer auch machen muss, aber eine, die jeder machen könnte, der liebt. Jemande zu lieben heißt doch, das Dasein des anderen ganz und gar zu bejahen, unbedingt zu wollen, dass es ihn gibt. Dass es ihn angeblich nicht mehr gäbe, ist nicht hinnehmbar. Wahre Liebe will Ewigkeit. Der Tod kann nicht das letzte Wort sein. Billiger Trost kann nicht das letzte Wort sein. Irgendwelche komischen Ideen von Weiterleben in der erinnerung oder Rückkehr in eine Weltseele und Wiedergeburt als Wasweißich können nicht das letzte Wort sein.
Das letzte Wort muss sein: Er lebt. Das glaube ich. Ich weiß nicht genau, was das heißt. Es gibt dazu Lehren, und ich habe keine Einwände gegen sie. Himmel, Fegefeuer, Hölle, das klingt doch recht plausibel. Jedenfalls für mich. Jeder bekommt, was er sich mit seinem Tun und Lassen aussucht: das Gute, das Ungute und dazwischen die Möglichkeit der Läuterung. Wie auch immer. Entscheidend ist: Es gibt ihn, es gibt ihn immer noch, er lebt, auch wenn er gestorben ist. Das ist wichtiger, als dass es mich gibt. Ich liebe ihn immer noch. Ohne ihn wäre alles völlig sinnlos. Er lebt. Und darum schreibe ich das hier an seinem Geburtstag und nicht an seinem Todestag. Um sein Leben zu feiern, das ich ein paar Monate lang ein bisschen begleiten durfte, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde, weil es mich glücklich machte. Ihm begegnet zu sein, ihn gekannt, ihn geliebt zu haben, war ein Geschenk. Wie also sollte ich nicht auf jenes andere Geschenk hoffen: ihn wiederzusehen.

Sonntag, 22. Dezember 2019

„Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten“

Das Christentum wäre eine feine Sache, wenn die Christen nicht wären. Wenn sie nicht so wären, wie sie sind. Wie die allermeisten von ihnen sind. Nämlich wenig bis gar nicht christlich. Wenn alle Christen wirklich das glaubten, was zu glauben sie gelegentlich beteuern, wenn sie sich wirklich an das hielten, was ihr Glaube ihnen zu tun und zu lassen vorgibt, dann wäre das Christentum auch für Nichtchristen eine überzeugende Sache, und nur die wirklich Niederträchtigen und sehr Dummen schlössen sich ihm nicht an.
So aber …
Die Vorgaben sind klar. Du sollst Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Das klingt radikal, extrem und fundamental und ist es auch. Aber es dürfte nicht so schwer fallen. Wenn Gott der ist, für den man ihn hält, der völlig Gute und bedingungslos Liebende, der Barmherzige, bei dem nichts unmöglich ist, wie sollte man ihn da nicht lieben wollen? Wie sollte man da nicht diese Liebe für das Höchste und Wichtigste halten, an dem alles zu messen ist? Wie sollte man da nicht sich dieser Liebe überlassen und sein Leben mit ihr erfüllen wollen?
Dazu gehört auch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Stelle nicht dich, deine Bedürfnisse und Wünsche, deine Ängste und Launen über ihn und das, was ihn betrifft. Behandle ihn so, wie du von ihm behandelt werden möchtest. Nimm ihn so ernst, wie du dich ernst nimmst und von anderen ernst genommen werden willst. Behandle ihn nicht schlechter, als du dich behandeln würdest, wenn du an seiner Stelle wärst.
Also: Nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht lügen und betrügen, allen mit Respekt und Rücksichtnahme begegnen. Weiters: Den Hungernden zu essen und den Dürstenden zu trinken geben, die Fremden und Obdachlosen aufnehmen, die Nackten kleiden, sich um die Kranken und Gefangenen kümmern. Ist das so schwer?
Und doch gibt es solche, die sich Christen nennen, und die nicht nur nicht so leben, sondern geradewegs das Gegenteil tun. Die die Armen schikanieren oder schikaniert sehen wollen. Die gegen „Ausländer“ hetzen. Die Obdachlose verachten. Die ihre Kinder schlagen oder seelisch beschädigen. Die Menschen weggesperrt sehen wollen. Die die Bedürftigkeit erst geprüft haben wollen, bevor jemand etwas vom gemeinsamen Reichtum abbekommen darf.
Auch solche die sich Christen nennen, wirken zum Teil freiwillig und freudig an der Weltunordnung mit, die Ausbeutung, Zerstörung und Verdummung bewirkt. Sie wählen Politiker und Parteien, die nichts daran ändern werden. Eine einschneidende Änderung des Lebensstils zur Schonung der Umwelt kommt für sie nicht in Frage. Sie fliegen zum Spaß in ferne Länder oder machen Kreuzfahrten. Sie verbrauchen sinnlos Wasser und Energie und erzeugen Unmengen an Müll. Sie nehmen es hin, dass für ihren Lebensstil andere die Zeche zahlen. Wie sie es ja auch hinnehmen (oder sogar daran mitarbeiten), dass es Kriege gibt und jemand davon profitiert, dassd andere krepieren, verstümmelt werden, im Elend hausen.
Christen schauen weg. Christen beruhigen ihr Gewissen. Christen sind selbstgerecht und schamlos. Christen sind Komplize und Profiteure, sind an vorderster Front, wenn es um Unrecht und Unheil geht, nicht um dagegen zu sein, sondern weil sie mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit ganzen Denken und mit voller Kraft dafür sind.
Gewiss, es gibt Ausnahmen. Ohne sie wäre das Christentum nur ein schlechter Witz. Und viele Christen sind so in die herrschenden Verhältnisse eingespannt, dass sie weder verstehen, was sie tun, noch es ändern zu können vermeinen. Aber das Evangelium kennt keine Ausnahmen und keine Einschränkungen.
Einer: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Aber lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.“ Jesus: „Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber folge mir nach.“ Ein anderer: „Ich will dir nachfolgen, Herr. Aber zuvor lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.“ Jesus: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“
Jesus zu allen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt? Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Hoheit kommt und in der Hoheit des Vaters und der heiligen Engel.“
Nun, Hand aufs Herz, wer kann sich, daran gemessen, wirklich als Jünger Christi bezeichnen, als faktischer, nicht nur nomineller Christ?

Sonntag, 15. Dezember 2019

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“

Ihr redet von Weihnachten, aber Ihr meint es ja gar nicht. Ihr meint nicht das Fest der Geburt des Sohnes Gottes, der am Kreuz starb und am dritten Tage auferstand, um uns von unseren Sünden zu erlösen, der zum Vater ging und wiederkehren wird, um die Toten und die Lebenden zu richten und alles zu vollenden. Ihr meint nicht das Fest der Geburt unseres Herrn und Erlösers, sondern diese Sache mit den Rentieren und Elfen, mit Weihnachtsmann und Weihnachtsbaum, mit Lichterketten, Christbaumkugeln, Zuckerstangen, Strümpfen, Deko und Grün und Rot und anderem Kulturmüllimport, mit Punsch und Gans, mit Kunstschnee und nerviger Musik, und mit Hektik und Streit und vor allem mit Geschenken, Geschenken, Geschenken.
Das säkulare Weihnachten, das mit dem echten Weihnachten nur den ungefähren Termin gemein hat, ist ein Fest des Konsums und der Sentimentalität. Erfunden haben es die Protestanten. In ihrem Hass auf alles Heilige, ertrugen sie es nicht, dass an den Festen des Hl. Nikolaus (6. Dezember) und der Hl. Drei Könige (6. Januar) nach altem Brauch Kinder beschenkt wurden. Sie erfanden stattdessen das „Christkind“ als Geschenkebringer, also Christus als Knaben, was aber bald nicht mehr verstanden wurde, weshalb die Leute aus dem Christkind ein als Engel verkleidetes Mädchen machten. Darum ist es auch eine besondere Ironie der Kulturgeschichte, dass für das säkulare Weihnachten global der „Weihnachtsmann“ viel wichtiger geworden ist, eine Zerrform des Hl. Nikolaus, ein fetter alter Mann in rotem Kostüm mit Kunstpelzbesatz, ein launiger Paketbote mit Schlitten und Rentieren, Elfengehilfen und Fabrik am Nordpol. Säkulare Pseudomythen, Hauptsache, man hat etwas, um die Kinder damit zu belügen.
Längst ist die christliche Krippe vom neuheidnischen Weihnachtsbaum überwuchert. An die Stelle der Feier, dass Gottes Sohn sich uns schenkt, ist eine Orgie des schlechten Geschmacks und der deformierten Gefühle geworden, die die Kassen der Konzerne und Kleinhändler zum Klingeln bringen soll. Umsatz statt Erlösung.
Jeder weiß es, kaum einer kann sich davon freimachen. Dass auch Christen das Spiel mitspielen, dass sie Weihnachtsbäume in und vor ihre Kirchen stellen (es fehlen nur noch Rentiere statt Ochs und Esel) weder den Advent, zu dem der Heilige Abend noch gehört, als Zeit der Besinnung und des Fastens begehen, noch Weihnachten als Fest, das auf die Wiederkunft Christi verweist, also auf die Auferstehung der Toten und das Jüngste Gericht, ist zutiefst traurig. Sie essen und trinken, sie singen und schenken sich selbst ihren Untergang herbei.

Montag, 9. Dezember 2019

„Siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker“

Wir schauen lieber weg. Nicht immer, denn es gibt vorzügliche Berichte mit Bildern, die sich ins Gedächtnis brennen. Aber wir schauen mit dem Herzen weg. Mehr noch, das Elend der Welt, von dem wir nichts wissen wollen, soll bleiben, wo es ist und auf keinen Fall zu uns kommen, und wenn seine Ausläufer uns erreichen, wählen wir Politiker, die versprechen, es uns vom Hals zu halten.
Wir wissen: Es gibt viel zu viele Menschen auf der Welt, die hungern, die im Dreck leben, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, die an eigentlich leicht heilbaren Krankheiten sterben, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft werden.
Wir wissen: Das Elend der anderen und unser Wohlstand hängen zusammen. Die reichen Länder beuten die armen aus, ihre Rohstoffe und Arbeitskräfte. Wir lassen billig „dort unten“ produzieren und liefern Waffen, damit die Kriege nicht enden.
Wir wissen: Selbst wenn es bei uns nicht jedem gut geht, geht es jedem besser als der Masse der Menschen dort, wo wir vielleicht Urlaub machen, aber nicht leben wollen würden.
Wir wissen das. Aber wir schauen mit dem Herzen weg. Wir stellen das Gewissen auf Durchzug: Was kann ich schon ändern? Wenn ich mir das neueste Handy nicht kaufe, geht nicht auch nur ein Kind mehr zur Schule, dort, wo wichtige Materialien meines Spielzeugs herkommen.
Stimmt. Einzelne können wenig tun. Aber leben wir nicht in Demokratien? Dürfen wir unsere Regierungen nicht wählen? Warum geben so viele Menschen Politikern ihre Stimme, die nichts gegen Ausbeutung, Umweltzerstörung und Verdummung leisten, sondern im Gegenteil ein Weiterwursteln im herrschenden Weltwirtschaftssystem befürworten? Warum gibt es eigentlich keine anderen Politiker?
Vielleicht gäbe es sie, wenn wir bereit wären, sie zu wählen. Wir wollen aber nicht, dass wir unsere Lebensweise, unsere Einstellung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen, unser Verhalten in der Welt ändern müssen. Wir haben uns in den herrschenden Verhältnissen eingerichtet, den Preis lassen wir nicht zuletzt andere bezahlen.
Aber wie lange noch? Bis zum Jüngsten Tag? An den glauben wir nicht. Wir haben die Evolution erfunden, die Genetik, die Tiefenpsychologie, die Hirnforschung, um für nichts mehr verantwortlich zu sein. Wir wissen, was wir lieber nicht wahrhaben wollen. Wir haben das Gewissen abgeschafft und Moral zu einem Schimpfwort gemacht oder zu einem schlechten Witz. Wir können ohnehin nichts tun. Und letztlich wollen wir es lieber nicht gewesen sein. Wider besseres Wissen schauen wir mit dem Herzen weg.

Sonntag, 1. Dezember 2019

„Zu dir erhebe ich meine Seele“

Manchen passt nicht, was Jesus nach dem Zeugnis der Evangelien sagte, sie hätten gern, dass anderes gesagt worden wäre oder das Gesagte anders. Neuerdings hätte man gern, das Jesus die Gleichheit von Männern und Frauen propagiert hätte, die Mütterlichkeit Gottes, das weibliche Priestertum, dass er Ehebruch und andere Unzucht gutgeheißen hätte und überhaupt mehr dem vorgegriffen hätte, was heute Zeitgeist ist.
Dem Einwand, dass aber nun einmal geschrieben stehe, was geschrieben stehe, und dass man entweder am Zeugnis der Schrift festhalten oder sich willkürlich ein anderes Evangelium erfinden müsse, begegnen die ganz Schlauen damit, dass sie behaupten, Jesus habe eben zu seiner Zeit nicht alles sagen können, was er habe sagen wollen, seine Zeitgenossen hätten ihn sonst nicht verstanden und wären vor den Kopf gestoßen gewesen.
Wer so argumentiert, sagt implizit zweierlei. Zum einen, dass wir heute so schrecklich viel klüger sind als Jesu Zeitgenossen, wir sind aufgeklärt und vorurteilsfrei und wissen es einfach besser, als jene, die gewürdigt wurden, dass der Sohn Gottes unter ihnen lebte, und von denen die Schriften stammen, die Leben und Lehre, Tod und Auferstehung Jesu bezeugen. Erst wir Heutigen sind in der Lage, richtig zu verstehen, was Jesus sagte und was er eigentlich hätte sagen sollte.
Und zum anderen ist mit der Behauptung, Jesus habe nicht alles sagen können, was er hätte sagen sollen, mitgesagt: Jesus war nicht Gottes Sohn. Er hatte keine Vollmacht von oben, er verkündete nicht den Willen Gottes, sondern er lehrte, was gut ankam, was die Leute hören wollten, nichts, was sie hätte überfordern müssen. Ebenso wenig wie den Propheten vor ihm war es ihm möglich, etwas zu verkünden, was den Vorstellungen seiner Zeitgenossen widersprochen hätte. Jesus war ein Kind seiner Zeit und ihr verhaftet. Kurzum, selbst wenn er wollte, könnte Gott sich nicht gegen die Vorurteile der Menschen durchsetzen.
Beides ist selbstverständlich falsch. Auch wenn Jesus zu einer bestimmten Zeit an bestimmten Ort lebte und in bestimmten Sprachen sprach, so war seine Rede doch nicht gebunden an beschränkte Vorstellungen und herrschende Vorurteile. Mehr als einmal stieß er, nach dem Zeugnis der Schrift, seine Zuhörer vor den Kopf. Letztlich wurde er wegen seiner Lehre getötet. Aber was er lehrte, war zu allen Zeiten überall allen Menschen guten Willens zugänglich, es ist einfach und klar. Wo es zum Verständnis des historischen Kontextes und zur Deutung des theologischen Wissens bedarf, so wurde beides zu allen Zeiten von der Überlieferungsgemeinschaft, auch Kirche genannt, mit größter Achtsamkeit und penibler Sorgfalt im Rahmen des Möglichen bereitgestellt.
Es braucht also kein anderes Evangelium. Nicht die Wünsche und Vorurteile irgendwelcher jeweils Heutiger sind das Maß der Verkündigung, sondern die Menschen aller Zeiten müssen sich an dem messen lassen, was Jesus verkündigte und denen, die an ihn glauben, zur Verkündigung auftrug.
Alle Christen müssen wissen: Wo die Kirche sich dem Zeitgeist unterwirft, verrät sie Christus, wo sie Christus folgt, wird sie dem Zeitgeist widersprechen müssen.

Freitag, 16. November 2018

Unterwegs (6)

Adventmärkte, meinetwegen. Eigentlich ist ja immer Advent. Aber Weihnachtsbäume? Kein Wunder, dass die Leute spätestens am 25. Dezember, wenn die weihnachtliche Festzeit doch erst begänne, die Schnauze längst voll haben und nach Silvester gieren.

Montag, 12. November 2018

Kleine theologische Skizze (für M. Y.)

Die Frage, warum wir da sind, fragt nach dem Grund unseres Daseins, nicht nach einem Zweck („wozu?“) oder Sinn („wofür?“) und ist von der Frage, was wir tun sollen, zumindest formal verschieden. Der Grund unseres Daseins kann nicht das Dasein selbst sein oder welchen Zweck es hat oder welches Sollen sich damit verbindet; denn solange wir nicht sind, sind wir nicht, der Grund unseres Daseins muss also diesem Dasein selbst vorausliegen. (Was nicht ist, hat keinen Grund.) Religiös formuliert: Gott hat uns ins Dasein gerufen. Durch ihn sind wir da. Dass Gott uns will, jeden Einzelnen, ist der Grund unseres Daseins. Nun hat Dasein im Deutschen wunderbarer Weise eine wenigstens zwiefache Bedeutung: dasein als existieren und dasein als sorgen für, sich kümmern um jemanden. „Ich bin für dich da“ heißt also sowohl: „Ich existiere für dich (du hältst mich für existierend)“ als auch „Ich sorge für dich, kümmere mich um dich (stehe bereit für dich)“. Wenn also aus dem Dasein selbst eine Verpflichtung, ein Sollen erwächst oder zumindest sich damit verbindet, dann in dem Sinne, der schon angelegt ist im die Sache bezeichnenden Wort: dazusein für andere. Nicht bloß im Sinne des Existierens, sondern der Fürsorge, der Unterstützung, der Hilfe. Christlich formuliert: Gottes Liebe hat uns ins Dasein gerufen, unsere Antwort ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Sinn unseres Daseins ist das, worauf unser Dasein verweist. Auch dies kann nicht einfach das Dasein selbst sein, sondern muss über das Dasein hinausgehen. Das irdische Dasein ist endlich. Wenn aber sein Grund unendlich ist, wird auch sein Sinn unendlich sein. Theologisch formuliert: Der Sinn unseres Daseins ist Gott. So zu leben, dass wir für Gott da sind (ihn loben und rühmen) und für unsere Mitdaseienden (miteinander füreinander dazusein), verweist auf das ewige Leben auch über den Tod hinaus. Unser Dasein stammt aus der Fülle von Gottes Zuwendung zu uns und will und soll sich darin erfüllen. Konkret heißt das, so zu leben, dass keine unserer Handlungen dem Dasein eines anderen abträglich ist. Maßstab ist unser eigenes Dasein in der Welt: Die anderen so behandeln, wie wir behandelt werden wollen. Darauf folgt nicht „Belohnung“ im vordergründigen Sinne, sondern das Gute, das wir tun, ist — gleichsam ins Unendliche verlängert — selbst der Lohn der Tat. Unserer Schwachheit kommt Gottes Gnade zu Hilfe. Wir vermögen fast nichts (außer vor allem uns und einander zu schaden), aber für Gott ist nichts unmöglich. Sein Dasein ist Grund und Sinn unseres Daseins. Er will uns und auch wir sollen uns und einander wollen. Gott ist gut, darum sollen auch wir gut sein. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Adventgedanken

„Zu einem richtigen Weihnachten gehört“ — nach dem Verständnis der Leute — anscheinend alles Mögliche, aber nicht notwendig die Geburt des Erlösers.
 
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Das mit der Abschaffung des Advents und der Verkitschung von Weihnachten hat der Teufel ziemlich gut hingekriegt.

Freitag, 1. Dezember 2017

Ihr Kinderlein, kommet nicht

Die Adventszeit steht kurz bevor, bald wird das Fest der Geburt Christi gefeiert. Wen wundert’s da, dass eine große Zahl von Mitgliedern des deutschen Bundestages dafür eintritt, das Verbot der kommerziellen Werbung für Kindsmord abzuschaffen. Wohl nach dem schönen alten Slogan: „Hätt’ Maria abgetrieben wär’ und was erspart geblieben!“