Montag, 12. November 2018

Kleine theologische Skizze (für M. Y.)

Die Frage, warum wir da sind, fragt nach dem Grund unseres Daseins, nicht nach einem Zweck („wozu?“) oder Sinn („wofür?“) und ist von der Frage, was wir tun sollen, zumindest formal verschieden. Der Grund unseres Daseins kann nicht das Dasein selbst sein oder welchen Zweck es hat oder welches Sollen sich damit verbindet; denn solange wir nicht sind, sind wir nicht, der Grund unseres Daseins muss also diesem Dasein selbst vorausliegen. (Was nicht ist, hat keinen Grund.) Religiös formuliert: Gott hat uns ins Dasein gerufen. Durch ihn sind wir da. Dass Gott uns will, jeden Einzelnen, ist der Grund unseres Daseins. Nun hat Dasein im Deutschen wunderbarer Weise eine wenigstens zwiefache Bedeutung: dasein als existieren und dasein als sorgen für, sich kümmern um jemanden. „Ich bin für dich da“ heißt also sowohl: „Ich existiere für dich (du hältst mich für existierend)“ als auch „Ich sorge für dich, kümmere mich um dich (stehe bereit für dich)“. Wenn also aus dem Dasein selbst eine Verpflichtung, ein Sollen erwächst oder zumindest sich damit verbindet, dann in dem Sinne, der schon angelegt ist im die Sache bezeichnenden Wort: dazusein für andere. Nicht bloß im Sinne des Existierens, sondern der Fürsorge, der Unterstützung, der Hilfe. Christlich formuliert: Gottes Liebe hat uns ins Dasein gerufen, unsere Antwort ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Sinn unseres Daseins ist das, worauf unser Dasein verweist. Auch dies kann nicht einfach das Dasein selbst sein, sondern muss über das Dasein hinausgehen. Das irdische Dasein ist endlich. Wenn aber sein Grund unendlich ist, wird auch sein Sinn unendlich sein. Theologisch formuliert: Der Sinn unseres Daseins ist Gott. So zu leben, dass wir für Gott da sind (ihn loben und rühmen) und für unsere Mitdaseienden (miteinander füreinander dazusein), verweist auf das ewige Leben auch über den Tod hinaus. Unser Dasein stammt aus der Fülle von Gottes Zuwendung zu uns und will und soll sich darin erfüllen. Konkret heißt das, so zu leben, dass keine unserer Handlungen dem Dasein eines anderen abträglich ist. Maßstab ist unser eigenes Dasein in der Welt: Die anderen so behandeln, wie wir behandelt werden wollen. Darauf folgt nicht „Belohnung“ im vordergründigen Sinne, sondern das Gute, das wir tun, ist — gleichsam ins Unendliche verlängert — selbst der Lohn der Tat. Unserer Schwachheit kommt Gottes Gnade zu Hilfe. Wir vermögen fast nichts (außer vor allem uns und einander zu schaden), aber für Gott ist nichts unmöglich. Sein Dasein ist Grund und Sinn unseres Daseins. Er will uns und auch wir sollen uns und einander wollen. Gott ist gut, darum sollen auch wir gut sein. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Unterwegs (5)

Das phone mag smart sein, der Gesichtsausdruck der Leute, die unablässig aufs display glotzen, ist interessanterweise meist ziemlich dämlich.

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Partielle Hirnlähmung durch Smartphonitis: Einer steigt vor mir in den Fahrstuhl, steht vorm Knöpfchen und vergisst zu drücken. Wohl weil ihm gerade keiner getweetet hat, dass er das jetzt tun soll. Ich nehme mir die Zeit, warte ein paar Sekunden. Nichts. Dann drücke ich.

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Unterwegs in der Stadt, den Leuten dabei zuschauend, wie sie immer und überall auf ihr smartphone starren, selbst aber keines besitzend — fühlt sich an wie ethnologische Feldforschung. Nichtteilnehmende Beobachtung bei fremden Stämmen.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Notiz zur Zeit (206)

Allein die Art und Weise, wie sie die Brexit-Verhandlungen führen, wäre schon Grund genug, diese Scheißengländer aus der EU zu schmeißen.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Sympathische Manifestation

Unbedingt hat „Unteilbar“ (oder muss man das # mitschreiben?) meine Sympathie, wie auch die meisten anderen derartigen Auftritte. Hätte ich nicht diese Abneigung gegen Menschenmassen, ich hätte auch überhaupt kein Problem mitzumarschieren, wenn’s gewünscht würde. Aber … Aber ich frage mich doch, an wen eine solche Demonstration sich eigentlich richtet, was sie zeigt, was sie bewirkt. Die schon Überzeugten überzeugen einander von ihrer Überzeugtheit. Eine sonst auch nicht gerade schweigende Vielzahl widerspricht dem sonst vorherrschenden Eindruck, Rassismus sei in der Mehrheit. Und wenn es anders wäre, wenn die, die für Solidarität, Toleranz usw. usf. eintreten, tatsächlich eine Minderheit wären, hätten die Rassisten dann Recht? Geht es um Bilder? Um Selbstbestätigung? Um ein gutes Gefühl? Nicht, dass das etwas Schlechtes wäre, wenn es darum ginge. Ich bin aber überzeugt, dass eine solche Manifestation — so sympathisch sie ist, so Recht sie hat, so gut sie tut — weder einen einzigen Rassisten von seiner Dummheit und Gemeinheit abbringen wird, noch wird sie „die Politik“ dazu bringen, eine andere Politik zu machen. Wozu also „Unteilbar“?

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Volksverräter (2)

Obwohl die allermeisten Österreicher und Österreicherinnen dafür sind, blockiert die FPÖ das generelle Rauchverbot in der Gastronomie. Was schert dieses Gesindel die Gesundheit und das Wohlbefinden von Personal und Gästen! Nun ja, mich überrascht das nicht, ich war immer schon der Meinung, Rauchen sei faschistisch …