Dienstag, 30. Dezember 2025

Bluten wird billiger

Die da Österreich regieren haben sich etwas Großartiges ausgedacht und werden es, weil sie es können, auch umsetzen: Die Tamponsteuer wird abgeschafft! Dass es in Wahrheit gar keine eigene Steuer für Tampons, Binden und andere Hygieneartikel für dem Mentruationsfall gibt, ficht die Regierenden nicht an. Sie streichen einfach die zehnprozentige Mehrwertsteuer. Und hoffen, dass die Händler die Preise entsprechend senken und sich nicht einfach etwas dazuverdienen.
In dem Zusammenhang habe ich zwei neue Wörter gelernt: „Periodenprodukte“ und „Periodenarmut“. Sehr schön. Herrlich bescheuert. Periode ist ein Allerweltswort, dass passende Wort wäre Menstruation, aber das ist wohl zu unfein.
Um welche Produkte es sich handelt, wurde schon erwähnt. Und die Armut? Man hat entdeckt, dass es Frauen gibt, die sich Hygienartikel nur schwer oder gar nicht lesten können. Statt nun aber Armut zu bekämpfen oder wenigstens Sachen oder Gutscheine billig oder gratis zugänglich zu machen, bringt der Staat die steuerrechtliche Gießkanne zum Einsatz. Und so werden Tampons, Binden & Co. nicht etwa nur für Transferleistungsbezieherinnen günstiger, sondern auch für Millionärsgattinen. (Wenn der Handel mitspielt.)
Die periodische Ersparnis für die Konsumentinnen ist dabei naturgemäß enorm. Wenn bisher für acht Binden 2,99 Euro zu blechen waren, sind es in Zukunft rechnerisch nur noch 2,72. Rechnet man, was weiß ich, sechzehn Binden zwölfmal im Jahr, so kann eine durchschnittlich blutende Frau jährlich über 50 Euro sparen! (Wer mehr blutet, sogar mehr.) Das sind 14 Cent am Tag. Wenn das nicht Armutsbekämpfung ist, weiß ich auch nicht.

Samstag, 27. Dezember 2025

Maximen für Zeitgenossinnen und Zeitgenossen

Zeige andere nur dann, wie sehr sie dir lästig sind, wenn du nichts von ihnen brauchst.
 
Besser sich einen fremden Einfall zu Nutze machen, als gar keinen zu haben.
 
Glücklichsein kannst man vergessen. Zum Glück gibt es genug Ersatz dafür.
 
Je leerer das Leben, desto mehr Platz für Dinge, die man kaufen kann.
 
Was man nicht selbst macht, kann man umso besser kritisieren.
 
Rechne immer damit, dass die Leute selbst das Wenige, das sie richtig machen, aus den falschen Gründen machen.
 
Wegschauen hilft: Wenn man vom Unglück anderer Leute nichts weiß, muss man auch nichts dagegen tun.
 
Nur der Rausch, den man selber hat, kann einen ablenken von was auch immer.
 
Wozu eine eigene Meinung haben, wenn die Meinungen anderer völlig ausreichen?
 
Man muss nur immer gerade so viel wissen, um sich eine gute Ausrede ausdenken zu können.
 
Das Argument „Für mich ist das aber so“ ist unschlagbar.
 
Mach es wie alle: sei ganz du.
 
Unterscheide dich von anderen, indem du dich noch besser anpasst als sie.
 
Man kann tun und lassen, was man will, solange man sich dabei gut fühlt.
 
Frage nie um Erlaubnis, wenn du nicht sicher bisst, dass du sie bekommen wirst.
 
Was du haben willst, darauf hast du auch ein Recht.
 
Wer dir etwas vorenthalten oder verbieten will, verletzt deine Menschenrechte. Immer.
 
Um die Folgen deines Handelns musst du dich nicht kümmern, wenn sie dich nicht betreffen.
 
Konstruktiv zu kritisieren macht nicht so viel Spaß wie hintenrum zu lästern.
 
Der Sex der anderen ist auch nicht besser, egal, was sie sagen. Das merkt man ja spätestens, wenn man mit ihnen Sex hat.
 
Lieben heißt, durch einen anderen gute Gefühle zu bekommen. Wenn das aufhört, muss man sich trennen.
 
Wenn man immer schön oberflächlich bleibt, kann man auch nicht tief verletzt werden.
 
Die tiefsten Gefühle muss jeder für sich selbst haben, aber das können die anderen ruhig wissen.
 
Wenn man etwas scheint, ist es dasselbe, als wäre man es. Was nützt es einem, in irgendetwas gut zu sein, wenn keiner davon weiß? (Besser, man wird für gut gehalten und ist es nicht, als man ist gut und keiner weiß es.)
 
Die anderen machen mein Leben entweder besser oder schlechter oder sie können mir egal sein.
 
Es kommt darauf an, möglichst viel Spaß zu haben.

Sonntag, 21. Dezember 2025

4. Advent 2025

Um nicht missverstanden zu werden: Ich bin keiner von denen, die meinen, Weihnachten müsse Weihnachten bleiben. Oder Weihnachten solle wieder so werden, wie es einmal war (und in Wahrheit wohl nie war). Ich will nicht zurück, ich will vorwärts. Ich wäre für eine Umkehr, Erneuerung, Reinigung der Christen. Durch eine radikale Trennung vom säkularen „Weihnachten“ und eine Vorbereitung und Feier strikt nur des echten Weihnachten. (Was die Nichtchristen feiern und wie. ist mir wurscht.)
Alles, was thematisch nichts mit der Geburt unseres Herrn und Erlösers zu tun hat, sei es uralter Brauch oder modischer Erfindung, kann weg und soll weg. Die Adventszeit soll wieder der Besinnung, Einkehr, Umkehr werden. Symbolfarbe ist Violett, nicht Rot und Grün und goldener Flitter.
Für Weihnachten steht die Krippe, die Darstellung der Geburt zu Bethlehem, mit der Anbetung erst durch die Hirten, dann durch die Weisen aus dem Morgenland. Der Weihnachtsbaum ist irgendwas Heidnisch-Protestantisches, eingeschleppt vor zweihundert Jahren, völlig ohne christliche Symbolik. Woher der ganze Dreck mit Weihnachtsmann, Elfen, Rentieren, Nordpol kommt (oder Vater Weihnachten oder Weihnachtsfee usw. usf.), will ich gar nicht wissen. Keine Lügen gegen Kinder: Der Nikolaus ist nur gespielt und die Geschenke bringen die Eltern, nicht das Christkind.
Reinigung, wie gesagt. Weniger ist mehr. Klare Verhältnisse. Kein Konsumterror mehr und keine Sentimentalitätsstimulanz.
Stattdessen geistliche Auseinandersetzung mit dem Festgeheimnis: Gott ist Mensch geworden, um uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung von unseren Sünden loszukaufen. Er wird wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten, die einen werden in den Himmel kommen, die anderen in die Hölle.
Das würde ein segensreiches Weihnachtsfest!

Samstag, 20. Dezember 2025

Nachtrag zu „Ein Teufelspakt“

„Was würde der Teufel tun, um die Leute zu verführen? Würde er sagen: Tut Böses, um einander die Hölle auf Erden zu bereiten? Nein, er würde sagen: Um das Gute zu erreichen, das wir ja alle wollen, müssen wir leider ab und zu zu solchen Mitteln greifen, die vielleicht nicht gut erscheinen: aber der Zweck heiligt die Mittel.“
Das notierte ich mir am 15. August 2020. Das war wohl damals schon naiv. Heute denke ich mir:
„Was tut der Teufel, um die Leute zu verführen? Er sagt: Was immer ihr wollt, es ist euer gutes Recht. Ihr dürft keine Bedenken und schlechtes Gewissen haben, wenn ihr euch nehmt, was euch zusteht, und tut, was ihr könnt. Was man kann, das darf man auch tun. Was man will, das braucht man auch, und was man braucht, muss man sich nehmen dürfen. Andere sind nur neidisch auf eure Stärke und euer Selbstbewusstsein. Achtet nicht auf sie. Beleidigt sie. Bekämpft sie. Tut, was ich will, äh, was ihr wollt!“ 

Ghostwriting durch die Maschine

Haben Sie Schwierigkeiten, Ihre Doktorarbeit oder wissenschaftliche Arbeit zu schreiben? Was wäre, wenn ein Prompt einen ganzen 80-seitigen Entwurf für Sie generieren könnte ― komplett mit Inline-Zitationen und Referenzen aus echten wissenschaftlichen Arbeiten?
Tja, was wäre dann? Dann hätte nicht ich diesen Entwurf verfasst.
Darum geht es aber bei einer wissenschaftlichen Arbeit, mit der man zeigen soll, dass man etwas kann (also einer „Abschlussarbeit“): Sie selbst zu machen. Nur dadurch beweist man, dass man Wissen erworben, Fähigkeiten geschult und dadurch eine gewisse Selbständigkeit ausgebildet hat, und nicht einfach andere für sich denken und schreiben lässt. 
Wer sich nicht zutraut, die jeweilige Abschlussarbeit seines Bildungsweges selbständig zu verfassen, hat ein ganz anderes Problem, als sich durch das Vor-Schreiben durch eine Maschine lösen lässt. Wer es tatsächlich nicht kann, soll es lassen; und wenn er es simulieren lässt, betrügt er.
Kämen jemand auf den Gedanken, statt selbst Schach zu spielen, einen Computer gegen wen auch immer spielen zu lassen? Statt selbst ins Fitnessstudio zu gehen, einen Roboter zu schicken, damit der trainiert?
Mag sein, dass man sich von Maschinen diese oder jene lästige Tätigkeit abnehmen lassen kann. Aber doch nicht die, die einen ausmachen und die, gerade weil sie herausfordernd sind, einem das Vergnügen und die Befriedigung verschaffen, sie zu meistern.
Es ist offensichtlich, wird aber nicht oft genug gesagt: Texte die „Künstliche Intelligenz“ produziert (oder „entwirft“), sind keine eigenen Texte, keine eigene Leistung, also auch kein Befähigungsnachweis dessen, der derlei in Auftrag gibt.
Wenn ein Schüler sich seine Hausaufgaben von einem anderen schreiben lässt, wird man das zu Recht für Betrug erklären. Nicht anders verhält es nicht mit „künstlich-intelligent“ erzeugten Texten. Sie sind aus dem Geschriebenen anderer durch fremde Rechenleistung zusammengebastelte Waren, keine eigenständige Arbeit.

Lustig finde ich auch diese Formulierung aus der eingangs zitierten Reklame: Schreib deine hausarbeit oder Thesis mit (…) Einer „Intelligenz“, die die einfachsten Regeln der Klein- und Großschreibung nicht beherrscht, sollte man nicht unbedingt zutrauen, aus „echten wissenschaftlichen Arbeiten“ zitieren zu können (zumal KI ja auch aus den eigenen Lügen immer nur lernt, weiter zu lügen).