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Freitag, 9. August 2024

Notizen zu Fluchtursachen

Von Fluchtursachen und ihrer Bekämpfung ist oft und gern die Rede, nicht aber von Freiheit, Gerechtigkeit und Würde, nicht von einem selbstbestimmten Leben auf der Grundlage eines verünftigen Miteinanders, nicht von jenem wie harta uch immer erarbeiteten Mindestmaß an allgemeinem Wohlstand, das die Sorglosigkeit erlaubt, die wohl zu einem menschenwürdigen Dasein dazugehört.
Bekämpfung der Fluchtursachen: Ein paar Almosen und eine verbesserte Integration in die unverändert ungerechte Weltwirtschaftsordnung. Als ob Armut und Unsicherheit nicht ohnehin schon fester Bestandteil des globalen politisch-ökonomischen Systems wären. Und als ob Hilfe, die keinen Bruch mit Ausbeutung und Entrechtung bedeutete, etwas anderes wäre als das Beträufeln von heißen Steinen mit warmem Öl. (18. August 2023)

Solange man Fluchtursachen nicht um der Fliehenden und den zur Flucht Bereiten willen bekämpfen will, also radikal und nachhaltig, sondern nur zum Schutze des eigenen unversehrten Wohlstandes, ist solche Politik immer nur improvisierte Kosmetik und punktueller Terror.
Die Kooperation mit korrupten und repressiven Regimes, um sie zur „Rücknahme" ihrer anderswo unerwünschten Staatsbürger (als ob es sich um Poststücke handle, deren Annahme verweigert wurde) zu bringen, zeigt die skrupellose Unmoralität der westlichen Regierungen, die dem Populismus huldigen ― und sei es nur aus Angst, von noch populistischeren Kräften rechts überholt zu werden.
Die Deportations-Variante, mit den Menschen zugleich  deren Rechtsansprüche (etwa auf ein ordentliches Verfahren) in willige Drittländer zu exportieren, zeugt davon, dass der Unmoral nach unten hin kaum Grenzen gesetzt sind.
Die wichtigste Fluchtursache ist der Wunsch nach einem besseren Leben. Den zu bekämpfen wäre unmenschlich. Weshalb von den herrschenden Menschenfeinden alles daran gesetzt wird, ihn den Menschen sysstematisch auszutreiben. (9. August 2024)

Montag, 5. August 2024

Balken & Splitter (104)

„Nicht jede Abwehr gegen Migration ist rassistisch.“ (Ivan Krastev) Doch, irgendwie schon. Zugegeben, wenn aus reichen Ländern in arme migriert wird (also z. B. aus der BRD nach Thailand), ist das Kolonialismus und die Abwehr nicht rassistisch, sondern antiimperialistisch; und wenn aus reichen Ländern in noch reichere migriert wird (z. B. aus der BRD in die Schweiz oder nach Monaco) ist das in der Regel Steuerflucht und es gibt keine Abwehr. Wenn aber die Zuwanderung aus armen Ländern, die ja nicht zuletzt deshalb arm sind, weil so der Reichtum der reichen Länder erzeugt und gesichert wird, abgewehrt wird, weil man vom Reichtum nichts an die abgeben will, die nicht so sind wie wir und nicht hierher gehören, dann weiß ich nicht, was daran nicht rassistisch sein könnte. Zwei Arten von Menschen werden unterschieden, und der mögliche Tod der einen wird als Bedingung des Überlebens der anderen in Kauf genommen. „Die“ können ruhig krepieren, solange es „uns“ nur weiter gut geht ― eine klassische Rassismusformel. (Nicht immer ist es so dramatisch, ersetze Tod durch Benachteiligung und Überleben durch Bevorzugung; Rassismus light.)

Donnerstag, 11. Januar 2024

„Remigration“

Die Empörung ist groß ― und meiner Meinung nach ziemlich heuchlerisch. Was ist geschehen? Ein paar Quasi-Nazis haben ein paar Quasi-Nazis getroffen und in gemütlicher Runde darüber phantasiert, wie sie alle Undeutschen im Lande loswerden möchten. Das ist dumm und widerlich, durchaus, und man kann und soll sich darüber empören. Aber reichlich heuchlerisch ist es, menschenfeindliche Überlegungen zur Bevölkerungs-zusammensetzung nur unerträglich zu finden, wenn sie von Identitären, AfD, Wertunion usw. kommen, nicht aber von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen, obwohl deren Konzepte und Praktiken sich nur graduell, nicht prinzipiell von rechten Reinheitsgebote unterscheiden.
„Kriminelle Ausländer ausweisen“ ist ein Motto, dem große Teile der Bevölkerung und Politik zustimmen. Auch „Wer sich nicht integrieren will, fliegt“, „Wir können nicht alle aufnehmen, es sind zu viele“ und „Menschen ohne Bleibeperspektive sollen gar nicht erst ins Land kommen“ sind beliebt und mehrheitsfähig.
Dass bei manchen Politikern und Politikerinnen der Zusatz „Wenn das im Rahmen der Gesetze und Abkommen möglich ist“ eine Rolle spielt, ist zwar unter Umständen in praktischer Hinsicht, aber keineswegs grundsätzlich eine echte Einschränkung fremdenfeindlicher Politik, denn Gesetze kann man ändern und hat es ja auch immer wieder getan. Selbst der Asyl-Artikel im ach so geheiligten Grundgesetz wurde ausgehöhlt.
Nein, der Wunsch, dass die „Deutschen“ unter sich bleiben und möglichst wenig „Ausländer“ ins Land kommen mögen, ist grundlegend. Nur die, die man braucht, sollen kommen und nur die bleiben dürfen, die man ohne humanitären Gesichtsverlust nicht loswerden kann. Währenddessen wird auch fleißig deportiert. Und man deportierte gern noch mehr, (Freilich, man spricht sonst durchgängig von „Abschiebung“, aber das ist ja nur ein anderes Wort; auffälligerweise wird in der Berichterstattung über Martin Sellners „Masterplan“ und seine Zuhörer hingegen sehr wohl der Ausdruck „Deportation“ verwendet ― auch das macht die Empörung heuchlerisch: deportieren pfui, abschieben hui?)
Was legal ist, bestimmt der Staat. Darum ist an der rechtsextremen Phantasie, gegebenenfalls auch „nicht-assimilierte“ Ausländer, die irgendwie die inländische Staatsbürgerschaft ergattert haben, im Grunde nur die Radikalität, nicht das Prinzip erstaunlich. Der Staat legt fest, wer sein Bürger ist und wer nicht, Einbürgerung und Ausbürgerung sind Rechtsakte.
Dass die Verfassung nun einmal verbiete, die einmal verliehene Staatsbürgerschaft wieder wieder wegzunehmen, stimmt so nicht. Zwar sagt Artikel 16 des Grundgesetzes im ersten Satz: „Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden.“ Im zweiten aber „Der Verlust der Staatsangehörigkeit darf nur auf Grund eines Gesetzes und gegen den Willen des Betroffenen nur dann eintreten, wenn der Betroffene dadurch nicht staatenlos wird.“ Es gibt also sehr wohl die Möglichkeit des faktischen „Entzugs“ durch einen gesetzlich herbeigeführten „Verlust“. ― An Artikel 16a wurde herumgepfuscht, um das Asylrecht auszuhöhlen, warum nicht auch an 16?
Ausländer bleibt eben Ausländer, egal, was sein „Aufenthaltstitel“ ist oder welchem Staat er angehört. Auf die Abstammung kommt es an. Die rassistische Rede von „Biodeutschen“ (als ob Deutschsein eine biologische Tatsache wäre) beweist das. Und die geltenden Regelungen zum Erwerb der Staatsbürgerschaft ebenfalls.
Während Neugeborene von Geburt an Deutsche sind, wenn ihre Eltern deutsch sind, muss jemand, der Eltern mit undeutscher Herkunft hat, egal, ob er oder sie hier geboren oder zugewandert ist, sich erst um die Staatsangehörigkeit bemühen: erst nach langer Frist und unter rigiden Bestimmungen. Neugeborene, die noch nicht lange (oder überhaupt) im Lande sind, die noch nichts für die Gesellschaft getan, nichts an Steuern und Sozialabgaben geleistet haben, die nur Kosten erzeugen und kein einziges Wort Deutsch können, sind sofort Deutsche, wenn sie die richtige Abstammung haben. Wer die nicht hat, muss erst Wohlverhalten beweisen („Integration“) und sich testen lassen. Dann vielleicht … Dass all das dem verfassungsmäßigen Verbot einer Diskriminierung wegen Herkunft widerspricht, will man nicht wahrhaben.
Die Rechten, die sich bei dem berüchtigten „Geheimtreffen“, das so geheim ja wohl nicht war, an Deportationsphantasien aufgeilten, lassen sich von juristischem Kleinkram ohnehin nicht beirren, sie denken grundsätzlich: biopolitisch, geopolitisch, ethonpolitisch. Der Staat ist ein Machtinstrument, das man für seine Zwecke zu gebrauchen gedenkt: Wenn ungenügende Integration („Assimilation“ sagt Sellner) ein Ausschlusskriterium aus dem Volksgemeinschaft, äh, der staatsbürgerlichen Gemeinschaft ist, kommt es nur darauf an, wer das Genügen oder Ungenügen definiert. Auch die historischen Nazis waren ja nicht nur Massenmörder, sondern wären auch gern „Eindeutscher“ gewesen. (Blöd nur, dass das Tausendjährige Reich nur zwölf Jahre währte, das „Ausmendeln“ unerwünschten Erbguts aber Generationen braucht.)
Denn wer ist schon so richtig blond und blauäugig? Hitler war’s nicht, Sellner ist es auch nicht (und nicht einmal deutscher Staatsbürger). Das Ethnische muss also politisch definiert werden. Staatsangehörigkeit ist Formsache. Wenn man erst an der Macht ist, werden die Leute schon sehen, was möglich ist. Ist erst einmal die Idee etabliert, Volkszugehörigkeit sei mehr als Staatsbürgerschaft ― und das ist angesichts des Alltagsrassismus nicht so undenkbar ―, braucht man die „ethnische“ Segmentierung der Bevölkerung nur noch in legale Förmchen zu gießen. Und bis man das kann, heizt man damit schon mal weiter die Stimmung an, derzufolge „viel zu viele Fremde“ im Land sind und dieses verändern. Zumal, wenn sie „unsere Werte“ nicht teilen. Die im Wesentlich darin bestehen, dass manche Menschen und ihre Gebräuche wertvoller sind als andere …
Rassismus braucht gar nicht in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen, dort war er immer schon. Und am rechten Rand nimmt das dann grandiose Formen an. Angesichts all der „ethnischen Säuberungen“, die auf der Welt stattfinden, entspricht es ja nur dem Selbstbild deutscher Gründlichkeit, solch menschenfeindliche Unrecht großzügig zu organisieren. Warum also nicht die Unerwünschten in ein zu diesem Zweck zu pachtendes Stück Nordafrika ausschaffen? Dort könnten sie dann sogar. unter Aufsicht, versteht sich, ihren eigenen Staat haben (und darum ihrer deutschen Staatsangehörigkeit verfassungskonform verlustig gehen).
Eine solche menschenrechtsfreie Sonderzone ähnelt übrigens weniger dem „Madagaskarplan“ der Nazis ― möglichst viele Juden sollten auf die afrikanische Insel verbracht werden; eine ursprünglich zionistische Phantasie ―, sondern den Forderung nach „Zonen außerhalb Europas“, in denen über Asylanträge rasch entschieden werden solle, ohne dass die Antragstellerinnen und Antragsteller EU-Territorium betreten dürften. Italien hat mit Albanien bekanntlich bereits einen Vertrag über ein solches Anti-Asyl-Zönchen geschlossen, auch wenn das noch lästige rechtliche Hindernisse birgt. Und was genau soll der Unterschied von Rückführung (wie in „Rückführungsabkommen“) und „Remigration“ sein? Es geht so oder so um „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“. Das Sprech ist verschieden, die Unmoral dieselbe.
Ja, es stimmt, was da an identitärem Schmutz und Schund auf großes Interesse bei AfD, Werteunion, CSU usw. stößt, ist widerlich. Und muss politisch als blanker Rassismus bekämpft werden. Aber es unterscheidet sich, wie gesagt, nur graduell, nicht prinzipiell von der absolut mehrheitsfähigen Linie: So wenig Fremde und Fremdes wie möglich. Wer sich aber erst empört, wenn medienwirksame „Geheimtreffen“ stattfinden, und nicht schon über alltäglichen Rassismus und ein rassistisches „Fremdenrecht“, über asylpolitische Restriktionen und grausame Deportationen, über das Abstammunsprinzip im Staatbürgerschaftsrecht und all die weiteren Ungehörigkeiten, der ist einfach zu spät dran.

Dienstag, 19. September 2023

Zur Migration, schon wieder

Diese Leute gehören hier nicht her. Das ist der Grundsatz, nach dem sie alle denken und handeln. Zuwanderung soll eigentlich gar nicht sein. Manche sagen: Ein bisschen Zuwanderung sollte aber sein, uns fehlen Fachkräfte. Und ein paar Flüchtlinge müssen wir hereinlassen, dazu zwingt uns das Völkerrecht. Aber das sind nur Ausnahmen, der Grundsatz bleibt unangetastet: Diese Leute gehören hier nicht her. Manche sagen: Nur kontrollierte Zuwanderung. Wir können nicht alle aufnehmen. Wir sind jetzt schon überfordert. Irgendwann muss Schluss sein. Manche sagen: Diese Leute gehören nicht hierher, darum darf keiner von denen herein. Wenn wir sie aussperren, geht es uns besser. Noch besser wäre es, die, die schon da sind, wieder wegzuschicken.
Manche sagen: Die Leute hier haben Angst und berechtigte Sorgen. Das nützen die aus, die niemanden hereinlassen wollen. Die werden so immer stärker. Darum dürfen wir selbst nur ganz wenige hereinlassen. Als schwäche man die mit den stärkeren Parolen mit schwächeren Parolen. Als könne man eine Politik dadurch verhindern, dass man sie durchsetzt.
Diese Leute gehören nicht hierher, darin sind sich alle einig, auch wenn es nicht alle so deutlich aussprechen. Die, die den klaren Worten am nächsten kommen, die rassistischen Rechtspopulisten, bekommen Zulauf, weil die anderen zwar im Grundsatz dasselbe wollen, aber auf dies und jenes Rücksicht nehmen und darum weniger klar und deutlich sind in der Ablehnung der Leute, die nicht hierher gehören. Und gerade weil sie mit ihnen den Grundsatz teilen, sind sie machtlos gegen die Populisten. Denen können sie bloß vorwerfen, dass sie keine Rücksicht nehmen. Gerade das aber gefällt vielen.
Alle wollen sie also Zuwanderung begrenzen: möglichst wenig bis gar keine. Darum wollen sie Grenzen schützen und ungesetzliche Grenzübertritte verhindern. Kampf den Schleusern! Dabei gäbe es morgen schon keine Schleuser mehr, wenn man Einwanderung nicht zu unterbinden versuchte. Und es gäbe keine ungesetzliche Einwanderung mehr, wenn man Einwanderung nicht verböte.
Wovor genau sollen sie die Grenzen eigentlich geschützt werden? Wer bedroht sie? Geschwächte Menschen, die nichts haben, außer was sie am Leibe tragen oder in eine Plastiktüte passt? Welche Gefahr stellen die dar? Wie können diese bettelarmen Menschen jemanden bedrohen? Gar ganze Länder, ganz Europa?
Es ist anscheinend die bloße Existenz der Leute, die nicht hierher gehören, die man als bedrohlich wahrnimmt. Sie stellen alles in Frage.
Es kommen ja nicht die Allerärmsten, die Elendsten, die Hungernden, die kurz vorm Verrecken sind. Die gibt es, millionenfach, aber die kommen nicht. Wer sich aufmachen kann, nach Europa zu fliehen, der hatte immerhin noch so viel, sich das leisten zu können. Es kommen die, die noch Hoffnung haben, die für sich und andere ein besseres Leben wollen, die den Verhältnissen ein wenig Glück abtrotzen wollen.
Man nennt sie Wirtschaftsflüchtlinge und zwar zu Recht. Sie fliehen vor den Auswirkungen, die die Weltwirtschaftsordnung auf sie hat. Die, die sich anmaßen, darüber zu entscheiden, wer kommen und bleiben darf und wer wieder verschwinden soll, sagen: Heißen die Folgen Krieg und politische Verfolgung, dann vielleicht. Aber Armut und Chancenlosigkeit sind kein Grund, von dort, wo man ist, wegzuwollen in ein reiches Land.
Auch die reichen Länder haben ihre Armen, zweifellos, und nur ganz wenigen geht es so gut, dass sie nicht wünschen könnten, dass es ihnen noch viel besser ginge. Aber als ganze, als Volkswirtschaften, als Gesellschaften, sind die reichen Ländern eben doch reich, bieten mehr Sicherheit und Wohlstand und Teilnahmemöglichkeiten als arme Länder. Im unmittelbaren Vergleich sind die einen sogar wahnsinnig reich und die anderen wahnsinnig arm. Und wie innerhalb einer Gesellschaft so auch im Rahmen der Weltwirtschaftsordnung: Die einen sind reich, weil die anderen arm sind. Der Reichtum der wenigen ist mit der Armut der vielen erkauft. Es ist nicht so, dass die Reichen klüger, fleißiger, geschickter wären als die Armen. Sie profitieren einfach von den Verhältnissen, die sie entweder geschaffen oder vorgefunden haben, die zu erhalten sie jedenfalls bestrebt sind.
Den Menschen in den reichen Ländern ist es freilich egal, warum ihr Land reich ist. Es ist ihr Land und darum ihr Reichtum, auch wenn sie vielleicht wenig davon haben. Und darum wollen sie eines ganz sicher nicht: Gerechtigkeit. Zur Not kann man ein paar Almosen geben. Aber auf gar keinen Fall darf an der Weltwirtschaftsordnung gerüttelt werden. Das wäre gefährlich, glaubt man.
Jeder Arme, der aus einem armen Land hierherkommt, ist einer zu viel. Denn wenn alle kämen ― was zwar nie passieren kann, aber als rhetorisches Phantasma gut funktioniert ―, dann gäbe es einen Austausch und Ausgleich zwischen Arm und Reich, die Weltwirtschaftsordnung bräche zusammen, die sicher geglaubten Grenzen zwischen uns und denen existierten nicht mehr und alle wären plötzlich wie die, die man hier nicht haben will.
Gewiss gäbe es auch Unmut, wenn sich irgendwo Hunderttausend kanadische Milliardäre niederließen. Auch denen würfe man ihr Anderssein vor und verlangte Anpassung. Aber derlei kommt ja nicht vor. Die Wanderungsbewegungen der Reichen und ihre Reichtums sind unauffällig und nicht massenhaft.
Der gewöhnliche Flüchtling jedoch ist eben beides: arm und fremd. Darum muss er versorgt und angepasst („integriert“) werden. Er hat nichts, also muss ihm alles gestellt werden. Er kann nichts, nicht einmal die Sprache, darum muss ihm alles beigebracht werden, vor allem die Sprache. Das kostet! Der Staat aber muss sparen. Er hat schon jetzt viel zu wenig für das Nötigste. (Außer es kommt eine Pandemie, dann kann das Geld bedenkenlos mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen werden.)
Dass für Flüchtlinge alles getan werden muss, bis man sie halbwegs zur ortsüblichen Selbständigkeit erzogen hat (oder sie wieder losgeworden ist), verweist auf die bestehenden Unzulänglichkeiten. (Es macht sie stärker sichtbar, es verursacht sie nicht.) Es gibt zu wenig Wohnraum für wenig Geld, es fehlt an Infrastruktur der Bildung. der sogenannte Arbeitsmarkt ist schlecht organisiert. (An Luxuswohnungen und teuren Privatschulen ist zwar kein Mangel. Jeder Wohnraum ist bezahlbar, wenn man das nötige Geld hat. Jede formelle Bildung ist käuflich. Es fehlt an Arbeitskräften, aber Menschen sind arbeitslos oder verdienen zu wenig.)
Da der Staat die Aufgabe hat, die Reichen reicher werden zu lassen und alle anderen in Schach zu halten, kommt er mit „Umverteilung“ nur schlecht zurecht. Es gibt sogenannte gut ausgebaute Sozialstaaten und schlecht ausgebaute. Beide haben die Funktion, die Frage gar nicht erst aufkommen zu lassen, wieso es Armut in reichen Gesellschaften eigentlich überhaupt gibt. Während die Superreichen immer reicher werden, müssen die Mittelschichten so weit zur Angst vor Abstieg und zur Hoffnung auf Aufstieg gebracht werden, dass sie im Ganzen ruhig bleiben. Von den Armen geht ohnehin keine Gefahr aus, die die Polizei nicht früher oder später im Griff hätte. „Umverteilung“ ist also eine Inszenierung mit Realitätseffekten, die die zu Grunde liegende Realität der „Vorverteilung“ des Eigentums unantastbar machen soll.
Aber „Umverteilung“ kann nicht beliebig erweitert werden. Der Staat kann Almosen verteilen, aber nur nur unter Ächzen und Stöhnen. Das ist wirklich das Äußerste, mehr geht beim besten Willen nicht! Außerdem ist es gar nicht gut, so viel zu helfen. Die Leute sollen gefälligst was arbeiten und Eigenverantwortung zeigen.
Der Flüchtling ist nun eben einer, der nicht arbeiten darf und völlig unselbständig gehalten werden muss. (Er darf aber auch nichts anstellen!) Und ihm wird unterstellt, dass er genau das will, dass er deshalb gekommen ist: Um auf Kosten von Steuerzahlern zu leben, zu denen er nicht gehört.
Das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen, die ihr Leben riskieren, um aus einem armen Land in ein reiches zu kommen, wollen nicht entmündigt und rundumversorgt werden. Sie wollen arbeiten, sich selbst erhalten und ihre Angehörigen unterstützen. Sie wollen ein selbstbestimmtes Leben führen. Dort, wo sie herkommen, wird ihre Arbeitskraft nicht oder nur unzureichend benötigt. Es fehlt an Kapital, Arbeit zu bezahlen. In den reichen Ländern gibt es das Kapital und auch Arbeitskräfte werden benötigt. Aber nun trifft der Wunsch, etwas zum eigenen und fremden Wohlstand beizutragen auf ein phantastisches Regelwerk. Hier ist das Recht auf Arbeit und Einkommen an allerhand Einschränkungen und Bedingungen gebunden. Schwarzarbeit ist zwar immer möglich, gern auch im „Niedriglohnsektor“, aber wo alles seine Ordnung haben muss, kann nicht jeder tun, wofür er bezahlt werden will.
Alles wäre so viel einfacher, wenn man mal fragte, was die Flüchtlinge eigentlich wollen. Was sie können und was sie brauchen. Statt das über ihre Köpfe hinweg festzulegen und zum Problem zu erklären. Statt die Menschen dem System anzupassen, könnte man versuchen, das System den Menschen anzupassen. Allen. Dann ließen sich Lösungen erarbeiten, die ohne Integration in die schlechten Verhältnisse auskommen. Das darf nicht sein. Die Verhältnisse sind nicht zufällig so, wie sie sind. Umständlichkeit, Bürokratie, Kompetenzwirrwarr. Segregation, Willkür, Unmenschlichkeit usw. usf. sind Teil des Systems. Wenn alles lösungsorientiert einfach funktionierte, wo bliebe da der Staat? Dann könnten ja alle tun und lassen, was sie wollen, wenn sie es nur gemeinsam, mit guten Willen und vernünftig täten. Das kommt gar nicht in Frage.
Es ist, um die Sache abzukürzen, nicht so, dass die reichen Länder sich die Aufnahme armer Flüchtlinge nicht leisten könnten. Es gibt genug Geld, es ist nur zu einem beachtlichen Teil in den falschen Händen. Es gibt auch genug Platz. Und wenn man die Neuankömmlinge nur machen ließe, trügen sie rasch zu ihrem eigenen Unterhalt und zum Wohlstand aller bei. Hier könnten sie das, „zu Hause“ nicht.
Also müssen sie hier zu Hause sein dürfen. Warum auch nicht? Womit lässt sich begründen, dass jeder dort bleiben muss, wohin ihn der Zufall der Geburt (oder des Krieges und der Vertreibung) hat landen lassen? Es gibt keine Pflicht zur Heimat, auch wenn die meisten Menschen sich aus Gewohnheit und Sentimentalität eine Heimat wünschen. Die sie ungern verlassen.
Daran setzt auch die sogenannte „Bekämpfung der Fluchtursachen“ an. Wenn man es in den Ländern des Elends nur ein bisschen erträglicher macht, so die Idee, dann bleiben diese Leute hübsch dort, wo sie sind und wollen nicht hierher, wo sie nicht hingehören. Das ist im Prinzip nicht falsch, aber doch zynisch. Das Elend gerade so abmindern, dass das Bedürfnis nach Aufbruch in ein besseres Leben geschwächt wird, ist ein übler Trick. Seht mal, eure Armut ist doch gar nicht so übel, wir haben vieles für euch erträglicher gemacht, was wollt ihr euer Leben riskieren für einen Traum, der zerplatzen wird, wenn wir euch erst einmal klar machen, dass ihr bei uns unerwünscht seid …
Wollte man die „Fluchtursachen“ wirklich angehen, genügten ein paar Verbesserungen der Lebensbedingungen nicht, man müsste das Übel an der Wurzel packen. Und die entscheidende Ursache der weltweiten Misere und damit „Fluchtursache“ Nummer eins ist nun einmal die herrschende Weltwirtschaftsordnung. Auch Kapitalismus genannt. Der macht wenige Menschen reich und viele arm. Und wenig überraschend ist diese Ausbeutungsmaschinerie auch die Ursache der Umweltzerstörungen, deren eine Folge der menschengemachte Klimawandel ist, dessen Folgen wieder zu Armut führen. Es wäre also nur vernünftig, die Probleme allesamt ganz grundsätzlich anzugehen.
Die Staaten sind dabei allerdings keine Hilfe. Ihre Aufgabe ist eine andere (siehe oben). Es sind ja staatliche Grenzen, die mit Gewalt „geschützt“ werden müssen. So wie mit unsichtbarer und ab und zu auch sichtbarer Gewalt das Eigentum und seine ungerechte Verteilung geschützt wird.
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Außer natürlich, die Gesetze begünstigen die einen und benachteiligen die anderen. Geht man hingegen von unveräußerlichen Menschenrechten aus, ist nicht einzusehen, warum die einen reich werden dürfen, während die anderen arm bleiben sollen. Warum die einen in reichen Ländern leben dürfen, während die anderen in armen Ländern müssen. Es gibt dann schlechterdings keinen Grund, warum diese Leute nicht hierher gehören sollten. Sie haben dasselbe Recht, hier zu sein, wie jeder andere.
Nur wer das System der Ausbeutung, Zerstörung und Verblödung schützen will, kann bestrebt sein, die Grenzen gegen Zuwanderer zu „schützen“. Nicht dass die Flüchtlinge lauter Antikapitalisten wären; im Gegenteil, sie wollen ein winziges Stück vom nach kapitalistischem Rezept gebackenen Kuchen abhaben. Aber ihre bloße Existenz, ihr Ankommen, ihr Zugegensein ist eine ständige Mahnung, dass das System dumm und böse ist, das zwischen ihnen und „uns“ Grenze zieht, viele Grenzen, und diese Grenzen wachsender Wut und Tötungsbereitschaft gegen jede Infragestellung verteidigt.
Diese Menschen gehören nicht hierher? Doch. Aber das System muss weg. Unbedingt.

Freitag, 12. November 2021

Aktueller Lesetipp

Hier der einschlägige Text zur Lage an der polnisch-belarussischen Grenze. (Seltsamerweise wird Lukatschenko darin gar nicht erwähnt. Scheint nicht wichtig zu sein.)
„Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.“

Samstag, 19. Oktober 2019

Zuwanderung aus christlicher Sicht

Was die Zuwanderung betrifft, so ist mit dem Evangelium einzig und allein eine Politik der offenen Grenzen vereinbar. Jeder, der es nötig hat, also nicht nur der „politisch“ Verfolgte, sondern gerade auch der „Wirtschaftsflüchtling“, also der, der vor Armut und Unbildung flieht, muss willkommen geheißen und aufgenommen werden.
Jesus lehrt uns, den Hungrigen und Durstigen etwas zu essen und zu trinken zu geben, die Nackten zu kleiden, die Obdachlosen zu beherbergen und uns um die Kranken und Gefangenen zu kümmern. Schlimm genug, wenn das innerhalb von Gesellschaften nicht geschieht. Doch was die Auswanderung aus einer und die Einwanderung in eine andere Gesellschaft betrifft, gibt es ebenfalls keinen Grund, zwischen „uns“ (für die wir verantwortlich sind) und „denen“ (deren Leid uns nichts angeht) zu unterscheiden.
Es heißt klar und einfach: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und nicht: Sorge nur für den, der dir nützlich ist, für den, von dessen Ausbildung und Beruf du profitieren willst, für den, der deine Sprache spricht, für den, dessen Gewohnheiten sich mit deinen Vereinbaren lassen und dessen Überzeugungen du verstehst und billigst, weil es die deinen sind.
Der Einwand, die Gebote Christi gälten nur für den Einzelnen, nicht für hochkomplexe Gesellschaften, ist falsch. Es kann nicht sein, dass der Einzelne nicht lügen, nicht stehlen, nicht morden darf, eine Gemeinschaft aber schon. Lüge, Diebstahl, Mord sind immer verwerflich. Zumal es keine Handlungen einer Gemeinschaft gibt, die nicht von Einzelnen vollzogen würden. Gemeinschaftliches Handeln ist auf einander bezogenes Handeln von Einzelnen. Schon deshalb gelten dafür dieselben Gebote. Ein Christ kann nicht „privat“ dem Gebot der Nächstenliebe folgen, aber „öffentlich“ nicht. Verhält er sich so, verhält er sich falsch und folgt nicht Christus nach.
Es stimmt, niemand ist über sein Können hinaus verpflichtet. Wer aber sagt, wie viele Menschen genau in eine Gesellschaft einwandern können, bevor die „Belastbarkeit“ überschritten ist? Wer definiert überhaupt die Zuwanderung von Menschen mit Hoffnungen und Fähigkeiten, mit dem Wunsch nach einem besseren Leben als Last statt als Potenzial? Wer sagt, Zuwanderung müsse bedeuten, dass alles beim Alten bleibe und die Zugewanderten mehr oder minder wegassimiliert würden? Wer sagt, dass das (politisch, ökonomisch, kulturell, sprachlich) Gewohnte Ewigkeitswert haben müsse? Gesellschaften verändern sich sowieso. Und ist nicht eine Veränderung besser, die mehr Menschen Sicherheit und Wohlstand bringt.
Das Weiterso-wie-bisher ist tödlich. Es ist der Weg der Sünde. Jesus ruft zur Umkehr auf: Zur Veränderung der Haltung zu Mitmenschen und Gott. Jesus sagt nicht: Schaff dir eine komfortable Nische in dieser Welt, in der du das Elend drumherum überstehen kannst. Er sagt: Liebt einander. Er sagt nicht: Mach Karriere, verdiene viel Geld, flieg oft in Urlaub, kauf dir ein Haus, Unterhaltungselektronik und ein Netflix-Abo usw. usf. Er sagt: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Dienstag, 30. April 2019

Bevölkerungsaustausch

100 + 1 = 101. Das sollte man in der Schule vorm zehnten Lebensjahr mal gelernt haben. Die Rechten aber rechnen: 100 + 1 = 1, weil die 100 gegen die 1 „ausgetauscht“ wird …

Mittwoch, 27. Februar 2019

Haben Flüchtlinge den Hass auf sich verursacht?

„Weltweite Flüchtlingsströme haben zum Hass auf Migranten, die nun «die Anderen» sind, zur Infragestellung der Menschenwürde, der Menschenrechte und zu Internierungslagern geführt (zu Orten der Entbehrung und des Schreckens, die zurzeit der EU Hunderte Millionen Euro wert sind, aktuell entrichtet an Libyen, das keine funktionierende Staatsmacht aufweist).“ (Peter Strasser)
Das (vor der völlig zutreffenden Parenthese) stimmt so nicht. Der Hass war schon da, bevor irgendwelche „Ströme“ kommuniziert wurden; und nicht weltweite Migrationen, sondern nur die von Süd nach Nord haben zu (Wünschen nach) spezifischer Entwürdigung und Entrechtung geführt. Der latente Hass gegen „die (von) da unten“ wurde und wird vom systemrelevanten Rassismus bloß aktiviert bzw. neu manifestiert, er ist nicht Folge, sondern Voraussetzung der real existierenden Weltwirtschaftsordnung und ihrer Verwerfungen, die da heißen: Diktatur, Hunger, Elend, Umweltzerstörung. Ursache und Wirkung sollten in diesem wichtigen Punkt nicht verkehrt werden!

Mittwoch, 23. Januar 2019

Notiz zur Zeit (218)

Es ist natürlich Unsinn, dass der Massenmord an Flüchtlingen durch Unterlassung „keine Politik“ sei. (Wie Mely Kiyak in der „Zeit“ schreibt.) Es ist durchaus die Politik aller in den Parlamenten vertretenen Parteien. Und jeder, der zur Wahl gegangen ist, hat dem zugestimmt. (Nicht, dass Nichtwählen allein schon etwas veränderte. Der Staat müsste weg, aber wer will das schon?)

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Sie kommen!

Einer Umfrage zufolge würde mehr als die Hälfte der Deutschen gerne auswandern.
Dieselbe Zahl, aber in Afrika erfragt, wird von „Experten“ gern herangezogen, um davor zu warnen, dass Millionen Menschen praktisch schon auf gepackten Koffern säßen und Europa bereits jetzt dringend Maßnahmen gegen einen künftigen Migrationstsunami ergreifen müsse.

Freitag, 7. September 2018

Notiz zur Zeit (203)

Meine Güte, nun lasst Herrn Maaßen doch etwas Zeit. Er und sein Verfassungsschutz werden schon noch herausfinden, dass in Chemnitz „Ausländer“ unbescholtene Inländer gehetzt haben.

Donnerstag, 6. September 2018

Dienstag, 4. September 2018

Notiz zur Zeit (203)

Seenotrettung als Unterstützung von Schleppern? Ösilands Innenminister Kickl (FPÖ) ist ein widerlicher Zyniker. Das Geschäftsmodell der Schleuser wäre morgen schon Geschichte, wenn Europa heute beschlösse, legale Fluchtwege zuzulassen.

Samstag, 25. August 2018

Dienstpflicht für Flüchtlinge

Also ich finde das eine prima Idee. Warum nicht, wenn jemand schon weniger Rechte hat, ihm auch gleich mehr Pflichten auferlegen! Selbstverständlich dient es vor allem der Integration, wenn diese Leute gleich merken, aus welcher Ecke der Wind hierzulande weht.
Seit Jahren plädiere ich für die Wiedereinführung der Sklaverei. Es freut mich zu bemerken, dass die CDU (wie ich aus der Befürwortung der Dienstpflicht schließe) für diesen Gedanken grundsätzlich offen ist. Einwanderer werden bei Grenzübertritt zu Sklaven und auf Betriebe verteilt. Menschenrechte dürfen kein Hindernis sein, wenn es um das Gemeinwohl geht.

Dienstag, 14. August 2018

Notiz zur Zeit (199)

Achgottchen. Wie ich lese, besteht die Gefahr, dass die Herkunftsländer von Flüchtlingen durch deren Abwanderung „ausgezehrt“ würden. Na, das will ja wohl niemand, dann sollen die eben lieber dort bleiben, wo immerhin der Pfeffer wächst.

Freitag, 13. Juli 2018

Notiz zur Zeit (196)

Der gegenwärtige Staatsterror gegen Seenotrettung ist nur ein Aspekt. Aber vielleicht eine Gelegenheit zu kapieren, dass die Verhältnisse, von denen der Globalen Norden profitiert, prinzipiell (und nicht bloß zufällig und unwesentlich) grausam und mörderisch sind.

Montag, 2. Juli 2018

Notiz zur Zeit (195)

Hören die Leute sich eigentlich zu, wenn sie reden? „Verteilung von Flüchtlingen“ — Menschen verteilt man nicht wie Hustenbonbons. (Was man bei solchen Redensunarten allerdings verteilen möchte, sind Ohrfeigen.)

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„Grenzen schützen“! Vor wem denn? Vor erschöpften, schlecht genhrten, schlecht angezogenen Flüchtlingen, die weniger mit sich führen, als sie tragen könnten? Vor denen muss irgendwer geschützt werden, die bedrohen irgendwen, gefährden irgendwas? Die spinnen, die Europäer.

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Wie verroht und verdummt muss man sein, um es für eine Selbstverständlichkeit zu halten, dass Flüchtlinge nicht in den Ländern Zuflucht erbitten können, in denen sie selbst das möchten?
 
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Für jedes „Flüchtlingsproblem“ gäbe es sofort eine Lösung, wenn die, die etwas zu entscheiden haben, sich auch nur einen Augenblick lang vorzustellen bereit wären, sie selbst wären in der Lage von hilfsbedürftigen Geflüchteten. Stattdessen behandeln sie Menschen als anonyme Verfügungsmasse ihrer Politspielchen, mit denen sie von den wirklichen Problemen ablenken. Fahrt zur Hölle!
 
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Darüber, dass möglichst wenig Fremde ins Land kommen sollen, sind sie sich völlig einig. Sie streiten nur darüber, wie man das am niederträchtigsten anstellt. Kann man Ablenkungs— und Ressentimentbedienungspolitik eigentlich noch widerwärtiger gestalten, ohne gleich zu Mord und Totschlag überzugehen?
 
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Warum führt man in Europa nicht einfach die Sklaverei ein? Das wäre ehrlicher. Und kostengünstiger!
 
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An die gute alte Zeit, in der der eine oder andere nicht ins rechte Eck gestellt werden wollte, erinnert man sich wehmütig in Zeiten, wo sich so viele darum prügeln, möglichst weit rechts stehen zu dürfen.

Montag, 25. Juni 2018

Aufgeschnappt (bei Leoluca Orlando)

Wenn man mich fragt, wie viele Migranten wir in Palermo haben, sage ich: Keinen einzigen. Ich unterscheide nicht zwischen denen, die hier leben, und denen, die hier geboren sind.

Freitag, 22. Juni 2018

Die Krise sind „Wir“

Eine Flüchtlingskrise hat es nie gegeben. Was es aber gab und leider immer noch gibt, ist eine Einheimischenkrise.
 
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Zum Flüchtling oder Einwanderer kann man aus den verschiedensten Gründen werden. Einheimischer aber ist man immer nur aus einem einzigen Grund: aus Zufall.

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Es freut mich so für Europa, dass sein größtes Problem, ja praktisch sein einziges, darin besteht, möglichst wenig Flüchtlinge hereinzulassen.

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Das Problem der illegalen Migration ist leicht zu lösen: Man legalisiere sie.

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Was man seltsamerweise viel zu selten hört oder liest, ist die Wendung „Wir Ausländer“

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Und die Wendungen „Wir Flüchtlinge“ oder „Wir Asylsuchende“ scheinen gar nicht zu existieren.

Montag, 11. Juni 2018

Ein gewisser Ali B. ist zurück

Darin sind der deutsche Staat und seine Bürger sich einig: Sie mögen keine Ausländer. Von den Flüchtlingen sollen so wenige wie irgend möglich ins Land dürfen und möglichst viele es wieder verlassen müssen. Aber einen einzelnen mutmaßlichen Straftäter fliegt man mit viel Aufwand und hohen Kosten ein, um ihn vor Gericht stellen zu können. Vermutlich, um ihn dann als kriminellen Ausländer wieder auszuweisen. Deutsche Ordnung, deutsche Gründlichkeit, deutscher Irrsinn.