Dienstag, 31. Mai 2011

Vermischte Meldungen (1)

„Eine Studie hat ergeben …“ — so beginnen ja viele Lügengeschichten und Wissenschaftsmärchen. Diesmal geht es so weiter: „… dass ein glücklicher Gesichtsausdruck Frauen attraktiv macht, während Männer eher attraktiv gefunden werden, wenn sie stolz dreinblicken.“ Wirklich großartig, was die Wissenschaft alles so herausfindet, nicht wahr, auf derlei wäre man als Laie ja nie im Leben gekommen.
Allerdings kann man an dem, was Jessica L. Tracy und Alec T. Beall an „Erkenntnissen“ publiziert haben (in der Zeitschrift „Emotion“, Mai 2011) doch einige Zweifel anmelden. Zunächst haben sie wohl nicht wirklich untersucht, welche Gesichtsausdrücke oder Körperhaltungen von Männern und Frauen auf Männer und Frauen wie wirken, sondern sie haben lediglich eine Statistik darüber angelegt, welche Angaben Probanden und Probandinnen zu Fotos von Frauen bzw. Männern machen, die (nach Meinung der Experimentatoren) glücklich, stolz, beschämt oder neutral wirken. Was nun aber, wenn im wirklichen Leben derselbe Stimmungsausdruck bei verschiedenen Personen unterschiedlich bewertet würde? Oder wenn verschiedene Ausdrücke bei derselben Person für gleich attraktiv gehalten werden?
Unter www.ubc-emotionlab.ca/emotionattraction kann man anscheinend die verwendeten Bilder begutachten. Die Zuordnung ist ziemlich simpel gestrickt: Ein Lächeln gilt als Zeichen von „happiness“, ein gesenkter Kopf als Indiz für „shame“. Aber ist es wirklich so einfach? Erstens lassen sich Gemütsausdrücke doch wohl schwerlich auf bloß „happy“, „neutral“, „pride“ und „shame“ reduzieren. Zweitens gibt es doch wohl Übergänge und Differenzierungen, etwa eine gewisse Traurigkeit im Lächeln, ein gewisser Trotz in der Trauer oder ein bisschen Selbstzweifel im Trotz. Und drittens könnte es doch sein, dass jemand unabhängig vom jeweiligen Gesichtsausdruck attraktiv oder unattraktiv ist, oder?
Der verheerendste Fehler von Tracy und Beall, der ihre „Erkenntnisse“ im Grunde wertlos macht, besteht jedoch darin, dass sie „sexuelle Attraktivität“ anscheinend nur als heterosexuelle Attraktivität begreifen. Denn sie zeigten Frauen nur Männerbildchen und Männern nur Frauenbildchen. Damit ist aber das Ergebnis der Experimente in der Versuchsanordnung schon vorweggenommen. Heterosexuelle Männer und heterosexuelle Frauen sind ja offensichtlich bereits geprägt von sehr bestimmten Vorstellungen davon, was sie attraktiv zu finden haben und was nicht. Untersucht wurde also weniger, was attraktiv gefunden wird, sondern welche Normen des Attraktivfindens eingehalten werden.
Dieser Unterschied ist ganz entscheidend für die Interpretation der Ergebnisse. Im abstract heißt es: Effects were largely consistent with evolutionary and socio-cultural-norm accounts. Dass eine Übereinstimmung mit soziokulturellen Normen herausgefunden wurde, ist offensichtlich und auch nicht anders zu erwarten, wurden diese Normen doch bereits in der Versuchsanordnung zu Grunde gelegt. Wie zum Henker aber kommen Tracy und Beall auf die Idee, sie hätten irgendetwas Relevante über „Evolution“ herausgefunden?
Ins selbe hohltönende Horn stößt freilich der deutsche Wissenschaftsjournalist Florian Rötzer (Telepolis, 26. Mai), der trompetet; „Sexuelle Attraktivität folgt nach einer Studie alt-evolutionären Schemata.“ Man muss sich schon sehr dumm stellen, um in der Versuchsanordnung von Frau Professor Tracy und ihrem Assistenten Beall irgendeine „evolutionäre Selektion“ am Werk sehen zu können. Ich erkenne darin nur eine Selbstbezüglichkeit des ideologisch verkorksten Wissenschaftsbetriebes und seiner eben solchen Propagandisten, also wieder einmal ein schönes Beispiel dafür, wie man sich und andere mittels „Wissenschaft“ dumm machen kann.
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Ist das nun bloß dumm oder ist es bösartig oder ist es beides? Diese Frage drängt sich mir auf, wenn ich Sätze lese wie diese: „Ich glaube, dass es eine echte Gefahr ist, wenn der Kreationismus, der Glaube, dass hinter allem die göttliche Schöpfung steckt, wieder Akzeptanz gewinnt. Man kann die Schritte der Aufklärung offensichtlich auch wieder zurückgehen.“ (Philipp Blom in einem von Paul Jandö geführten Interview. „Welt online“, 27. Mai 2011).
Zunächst einmal: Kreationismus und Schöpfungsglaube sind nicht dasselbe. Als Kreationismus bezeichnet man den Glauben, dass die Schöpfung genau so stattgefunden hat, wie es in bestimmten Schriften (Bibel oder Koran) beschrieben wird. Für die meisten Anhänger eines Schöpfungsglaubens — und keine Religion kommt wohl ohne Vorstellungen davon aus, wie die welt entstanden ist — besteht keinerlei Widersprich zwischen mythischer Darstellung und den Ausführungen der modernen Naturwissenschaften, da die jeweiligen Aussagen sich nur scheinbar auf denselben Gegenstand beziehen und jedenfalls von so unterschiedlicher Art und so unterschiedlichem Kontext sind, dass sie einander gar nicht widersprechen können. Zwischen Glauben und echter Aufklärung gibt es keinen Gegensatz, wohl aber einen zwischen Kreationismus und aufgeklärter Theologie — und zwischen Religion und dummem Geschwätz über Religion.
Ist nun Herrn Blom, der sich doch als Wissenschaftsjournalist bezeichnet, der Unterschied von Kreationismus und Schöpfungsglauben nicht bekannt? Versteht er ihn nicht? Ist er ihm egal? Setzt er sich über ihn aus Gründen der ideologischen Propaganda hinweg? Letzteres scheint der Fall zu sein, denn worin nun eigentlich die Gefahr besteht, wenn Menschen daran glauben, dass die Welt von Gott oder Göttern geschaffen wurde, verrät Blom nicht. Er deutet bloß an, dass derlei eben ein Rückfall hinter die „Aufklärung“ sei. Diese Gleichsetzung von Aufklärung mit Atheismus ist ungebildet und historisch falsch. Es mag schon sein, dass die von Blom bewunderten und von ihm selbst als „böse“ bezeichneten „Aufklärer“ Materialisten waren. Aber diese Art von „Aufklärung“ hatte auch nie etwas mit echter Aufklärung zu tun, sondern war ein reichlich mit Vorurteilen und Ressentiments bestückter Obskurantismus.

Sonntag, 29. Mai 2011

Die Eierfrüchter der Ösis

Bevor morgen früh Vertreter der österreichischen Lebensmittelaufsichtsbehörde in diversen Gemüseläden auftauchen, um im Auftrag der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit einige Beschlagnahmungen vorzunehmen, und dann im Laufe des Tages in diversen Medien eine Aufzählung der betroffenen Gemüsesorten vorgenommen werden wird, hier noch rasch ein kleiner Hinweis an meine Landsleute: Nennt Gurken bitte Gurken oder Murken und Tomaten Tomaten oder, wenn’s denn sein muss, Paradeiser — aber redet bitte um Himmels willen nicht von „melanzani“!
Das solanum melonagena, auf Deutsch die Eierfrucht, im Französischen l’aubergine und im Englischen the egg-plant, heißt auf Italienisch la melanzana. Die Mehrzahl davon sind le melanzane. Von einer Mehrzahl kann man aber schlechterdings keine Mehrzahl mehr bilden, weshalb die bei Ösis so beliebte Form „melanzani“ also völliger Blödsinn ist. Italienischen Ohren wird das wohl so seltsam klingen wie „Eierfrüchter“. Muss ja nicht sein. Ein bisschen Sprachpflege schadet niemandem. Am wenigsten meinen Landsleuten. Also schön brav „die Melanzana“ und „die Melanzane“ sagen. Oder „O-ber-schie-ne“ (keinesfalls, wie oft zu hören, „Auberschiene“!). Oder halt zur Not „Eierfrucht“. Danke.

Lasst ihre Vorhaut dran!

Huch, was ist denn da los? George H. Niederauer, römisch-katholischer Erzbischof von San Francisco, äußert sich in einem Offenen Brief („The San Francisco Chronicle“, 23. Mai 2011) besorgt über eine Wählerinitiative, die ein Verbot der Beschneidung von männlichen Kindern verlangt. „Zwar ist dies eine Sache, die die Christen nicht unmittelbar betrifft. Doch als kirchlicher Verantwortungsträger kann ich die Vorstellung nur mit Sorge beobachten. Diese fehlgeleitete Initiative würde es Juden und Muslimen, welche ihre Religion praktizieren, verunmöglichen, in San Francisco zu leben“, so der Kirchenfürst.
Da verwechselt wohl jemand etwas. Wenn hier jemand fehlgeleitet ist, dann gewiss nicht die Wählerinitiative. Den sanfranziskanischen Aktivisten geht es, wie auch ähnlichen Initiative anderswo im Land, nicht um Religion. Es geht darum, dass es in den USA seit Jahrzehnten üblich ist, dass Eltern, und zwar völlig unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, mit behördlicher Duldung einen völlig überflüssigen Eingriff an ihrem männlichen Nachwuchs vornehmen lassen, die „circumcision“ (Beschneidung). Man schätzt, dass mindestens 80 Prozent aller in den USA lebenden Männer beschnitten sind. Die Gegner der willkürlichen Vorhautentfernung, meist selbst Beschnittene, wollen nun seit einiger Zeit diese massenhaft praktizierte Körperverletzung von Wehrlosen nicht weiter hinnehmen.
Sie haben völlig Recht. Körperliche Unversehrtheit ist ein Menschenrecht. Die für die Beschneidung (auf die, wie man gelegentlich hört, vor allem Mütter drängen — ein unbewusster Kastrationswunsch?) vorgebrachten „medizinischen“ Gründe sind unsinnig. Beschnitten zu sein ist nicht hygienischer als unbeschnitten zu sein.
Wer sich beschneiden lassen möchte, möge das tun dürfen. Es geht aber nicht an, Knaben irreversiblen Verstümmelungen auszusetzen, bloß weil die Eltern meinen, über die Körper ihrer Kinder verfügen zu dürfen.
Dass Kinder in den religiösen Vorstellungen ihrer „Erziehungsberechtigten“ erzogen werden, ist ebenso unvermeidlich wie auch für sich genommen nichts Schlechtes. Diese Erziehung sollte in Vorbild und Lehre bestehen, körperliche Misshandlung darf nicht dazugehören. In einer freien Gesellschaft kann dann jeder als Erwachsener mehr oder minder frei entscheiden, ob er weiterhin der Religion seiner Eltern anhängen möchten oder nicht. Will er aber kein Jude oder Moslem mehr sein, gibt ihm das seine Vorhaut nicht zurück.
Es ist schon sehr merkwürdig, dass auch Nichtjuden und Nichtmoslems in den USA so fanatische Zirkumzisionisten sind. Das künstliche Verkrüppeln von Füßen oder bizarre Halsverlängerungen würden schließlich auch nicht geduldet. Erst recht nicht Genitalverstümmelungen an Mädchen. Bei der Beschneidung jedoch verhält man sich irrationalerweise anders. Schließlich geht es ja auch „nur“ um Jungs. Mit denen kann man anscheinend machen, was man will …
Wäre mit einem Beschneidungsverbot die Religionsfreiheit in Gefahr? Keineswegs. Der religiöse Hintergrund von Beschneidung ist derselbe wie der diverser Speisegesetze. Es geht um Absonderung. Nun gut, wenn jemand sich aus religiösen Gründen von anderen, die als „Ungläubige“ und „Unreine“ betrachtet, absondern möchte, möge er das tun. Aber die Jungs bleiben gefälligst hier. Und ihre Vorhaut dran!

Samstag, 28. Mai 2011

Herrenmenschen, Gurkentruppe

Die Spanier sind schuld. Diese noch durch nichts bewiesene, im Gegenteil wohl sogar eher unwahrscheinliche Annahme kommt vielen entgegen: den deutschen Gemüsebauern, den deutschen Gemüsehändlern, den deutschen Gesundheitspolitikern und den deutschen Verbrauchern. In Deutschland glaubt man ja immer gern, dass andere schuld sind, am liebsten Ausländer. Deutsche hingegen machen ihrer Selbstwahrnehmung nach eigentlich immer alles richtig, außer selbstverständlich, sie machen etwas, das „typisch deutsch“ ist, das ist dann auch falsch.
Zwei Medienmeldungen trafen zuletzt auf einander. Erstens: Der Krankheitserreger Entero-Hämorraghisches Escherichium coli (EHEC), das für zahlreiche Erkrankungen vor allem im norddeutschen Raum und bereits mehrere Todesfälle verantwortlich gemacht wird, wurde auf aus Spanien importierten Salatgurken nachgewiesen. Zweitens: Ein spanischer Erzeuger und Exporteur von Gurken verweist auf eine ihm vorliegende E-Mail eines Großhändlers in Hamburg, wonach eine Palette mit 180 vollen Gurkenkisten vom Laster gekippt und zu Boden gefallen sei. (Wobei das Gemüse danach, so muss man sich hinzudenken, trotzdem ganz zwanglos weiterverkauft wurde.)
Diese doch recht plausible Darstellung aus Spanien lassen deutsche Medien selbstverständlich nicht gelten. Sie fahren sofort allerhand „Experten“ auf, die die spanische „These“ zurückweisen und für „sehr, sehr unwahrscheinlich“ erklären. Das kann ja auch gar nicht sein, dass nicht diese schmutzigen Ausländer schuld sind, sondern die Deutschen selbst. Dabei könnte einem doch schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass es doch auch anderswo, nicht zuletzt in Spanien selbst, zu Erkrankungen hätte kommen müssen, wenn spanische Gurken, die doch nach ganz Europa exportiert werden, die alleinige Gefahrenquelle wären.
Die deutsche Unart, in überheblichster Manier bei anderen nach Fehlverhalten zu suchen, statt vor der eigenen Haustür zu kehren, passt so sehr zu den Klischees vom deutschen Nationalcharakter, dass man einmal mehr versucht ist, anzunehmen, es handle sich gar nicht um Klischees, sondern um unschöne Wahrheiten …
Jedenfalls ist das Gerede von spanischen Gurken so oder so ein Ablenkungsmanöver. Denn selbst wenn sich irgendwann herausstellen sollte, dass die Escherichia-coli-Bakterien ausschließlich in Spanien auf die Gurken oder auch auf anderes Gemüse gelangt sind, so ist doch etwas anderes, das die Erkrankungen und Todesfälle herbeigeführt hat.
Ach, wie peinlich ist es doch, dass in einem angeblich zivilisierten Land Gesundheitsbehörden und wissenschaftliche Institute die Bevölkerung erst dazu aufrufen müssen, Gemüse vor dem Verzehr und auch sich selbst die Hände zu waschen! Und das ausgerechnet in Deutschland, einem Land, das sich selbst so viel auf seine Sauberkeit und Ordnung zugute hält … (Nicht ganz zu Recht übrigens, wie jeder unvoreingenommene Besucher bemerken kann.)
Es gilt also: Hätten alle Leute die allereinfachsten Grundregeln der Hygiene beachtet, gäbe es, bakterielle Verunreinigung hin oder her, keine Erkrankungen und keines Todesfälle. Das ist nun aber der eigentliche Skandal, dass niemand darüber spricht, dass die Ursache nicht Bakterien, sondern der Umgang mit diesen ist. Dabei wäre das auch der Ansatzpunkt für eine Bekämpfung der derzeitigen EHEC-Hysterie, die den Medienmachern selbstredend gefällt, aber bei Erzeugern und Händlern von Gemüse, wie es heißt, zum Umsatzeinbußen führt: Man muss nur immer wieder darauf hinweisen, dass keine Gefahr besteht, wenn man sein Gemüse vor Zubereitung oder Verzehr gründlich wäscht und es auch an der eigenen Körperpflege nicht fehlen lässt. 

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Zusatz (28. Mai 2011) So macht man das. „Spiegel online“ knallt erst die Schlagzeile „Seuchengefahr: Spanien schließt zwei Großbetriebe“ hin — und gesteht im Text des Beitrages dann beiläufig ein, dass die spanischen Behörden in den Betrieben lediglich ein paar Proben entnommen haben. Von Schließung keine Rede. Es lebe die journalistische Redlichkeit!

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Zusatz (29. Mai 2011) Wenn es in Deutschland regnet, werden in Österreich die Regenschirme aufgespannt. Das Bundesministerium für Gesundheit hat jetzt die Bevölkerung aufgefordert, die allfällig bei 33 österreichischen Bio-Gemüse-Händlern, die ihre Ware bei  zwei deutschen Großhändlern bezogenen haben, eingekauften Gurken, Tomaten und Auberginen auf keinen Fall zu verzehren, sondern zu vernichten. An diesem hysterischen Akt ist mehreres interessant. Erstens handelt es sich bei den drei bisher bekannten Fällen von auf Grund einer EHEC-Infektion Erkrankten in Österreich um drei Deutsche. Dass es in Österreich selbst zu Infektionen gekommen sei, hat noch niemand behauptet. Zweitens sind die EHEC bisher meines Wissens nur auf spanischen Gurken nachgewiesen worden, nicht auf anderem Gemüse. Drittens ist ein Pauschalverdacht gegen spanisches Gemüse und deutsche Großhändler unsinnig. Ginge von diesen generell Gefahr aus, wäre Europa schon tot.

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Zusatz (30. Mai 2011) Neun der zehn derzeit bekannten Todesfälle auf Grund von EHEC-Infektionen und in der Folge Hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS) sind Frauen. Was schließen wird daraus? Frauen essen deutlich öfter Rohkost als Männer. Und waschen sich seltener die Hände. Männern kommt es also wohl zu gute, dass sie weniger vom Gesundheits- und Schlankheitswahn befallen sind. Und dass für gewöhnlich sie die Drecksarbeit machen müssen, weshalb sie sich auch öfter die Hände waschen.

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Zusatz (31. Mai 2011) Ein Satz mit X: Das wahr wohl nix. Die bösen EHEC-Tierlein auf den berüchtigten vier spanischen Gurken sind defintiv nicht die Verursacher der ihnen bis heute in deutschen Medien gerne angelasteten Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle, das gilt nun als wissenschaftlich erwiesen. Und, entschuldigt sich jetzt jemand bei den Spaniern? Fehlanzeige. Im Gegenteil, Bundesministerin Aigner glaubt wie immer, alles richtig gemacht zu haben, und Hamburgs Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks hat sogar die Chuzpe, verlauten zu lassen: „Also als spanische Agrarministerin würde ich schon jetzt der Frage nachgehen, wie kommen Ehec-Erreger auf spanische Gurken.“ Erstens, liebe Dame, mögen die Spanier manche Macken haben, aber so dämlich, so etwas wie Sie zur Gesundheitsministerin zu machen, sind sie ganz sicher nicht. Zweitens sollten die hanseatische Herrenmenschin und ihre Gesinnungsgenossinnen beiderlei Geschlechts mal ihre Überlegenheitsgefühl ablegen und sich klar machen, dass Norddeutschland ein Seuchenherd ist, der mittlerweile ganz Europa bedroht. Die Seuche kam nicht nach Deutschland, sie geht von Deutschland aus! An den spanischen EHEC ist keiner gestorben. Deutschland hingegen exportiert derzeit Todesfälle.* Und keiner macht was. Schließt die Grenzen! Wascht euch! Esst nur saubere Lebensmittel!
(*Auch wenn Wortspiele angesichts der bisher 15 Toten geschmacklos scheinen mögen, hier eine Celan-Paraphrase: Der Tod ist ein Exportweltmeister aus Deutschland.)

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Zusatz (Oktober 2011) Zweimal in der Woche kontrolliert (wie ich dem ARD-Text entnehme) mein Lieblingsfernsehkoch Vincent Klink die Hände seiner Angestellten in seinem Restaurant „Wielandshöhe“ in Stuttgart. Die Hände müssten sauber sein und die Fingernägel geschnitten, aus Gründen der Hygiene. „Das ist einfach logisch. Mein Vater war Tierarzt und gelernter Bakteriologe und hat mir das beigebracht. Dieses ganze EHEC hätte es nie gegeben, wenn alle die Fingernägel geschnitten hätten!“
Das macht Sinn, finde ich. Und es bestätigt eigentlich den Verdacht, dass die EHEC-Krise — wie ich mir bereits oben am 30. Mai anzudeuten erlaubt habe — in erster Linie Frauensache war. Nicht nur, weil Frauen mit ihrem Hang zum dauernden Eincremen der Hände den Kleinstlebewesen ideale Lebensumstände bereiten, sondern auch, weil es eher Frauen als Männer sind, die lange, womöglich noch „dekorierte“ Fingernägel tragen. Wer schön sein will, muss leiden, gewiss; und wenn sich Frauen in Folge ihres unsauberen Selbstbehübschungswahns die Seele aus dem Leib scheißen, ist das ihre Sache. Leider hat ihr Verhalten aber auch Wirkungen auf andere Menschen, und wie käme man als Restaurantgast dazu, am Salat zu krepieren, weil sich die Kaltmamsell nicht die Pfoten gewaschen oder Krankheitserreger mit ihren Kunststoffkrallen übertragen hat?

Sie möchten gerne Nutten sein

Das ästhetische Ideal der Mädchen und Frauen der westlichen Welt ist nun einmal die Straßenhure. Einmal mehr haben sich darum Tausende zu einem slutwalk zusammengetan, diesmal in Melbourne. Ein ähnlichen Aufmarsch gab es bereits in Toronto. Es werde damit gegen die sexuelle Belästigung aufreizend bekleideter (oder eben nicht bekleideter) Frauen demonstriert, heißt es. Nun ja. Wie man gegen sexuelle Belästigung mit ästhetischer Belästigung ankommen will, bleibt rätselhaft …
Jedenfalls haben vielen Frauen und Mädchen offensichtlich die westlichen Werte verinnerlicht und wenden sie auf ihr Äußeres an: Mach dich zur Ware und dann mach Reklame für dich. Aber bekanntlich gibt es Waren sehr selten umsonst. Nur weil man wie ein Flittchen aussieht, treibt man’s noch nicht mit jedem. Das Ideal der Hure ist es, unter den Freiern wählen zu können. (Die Bezahlung hat nicht immer bloß mit Geld zu tun.)
Das nicht-westliche, „orientalische“ Frauenbekleidungsprinzip funktioniert bekanntlich spiegelbildlich. Wird im Westen mehr als nötig gezeigt, so im Osten weniger als möglich. In beiden Fällen geht es darum, den Frauenkörper als möglichst begehrenswert zu inszenieren: Aufreizung durch Reizentzug oder Aufreizung durch Reizsteigerung.
Mich interessiert beides nicht. Ich zöge jedoch im Zweifelsfall Kleidungsstücke für Frauen wie die wunderbare Burka oder den herrlichen Tschador vor, weil sie mir Anblicke ersparen, die mich zwar reizen, aber nicht sexuell, sondern tendenziell zum Kotzen.
Die Nutten mögen also Nutten sein, wenn sie das wollen. Solange ich sie nicht ansehen (oder hören oder riechen) muss, ist es mir egal. Mir tun nur die männlichen Heterosexuellen ein bisschen leid, die auf solch primitive Inszenierungen hereinfallen.