Mittwoch, 9. Januar 2019

Fall Spacey

Ein erwachsener Mann macht einem anderen erwachsenen Mann Avancen, die diesem nicht recht sind. Schließlich greift der Interessierte dem Nichtinteressierten in die Hose. Dieser filmt drei Minuten lang die unerwünschte Berührung. Das war’s schon.
Dieser Vorfall kann sicher als ungebührliches Verhalten des Älteren gegenüber dem Jüngeren gewertet werden. Um ein Verbrechen aber handelt es sich ohne jede Zweifel nicht. Nicht wenn es nach Vernunft und Anstand geht.
Dass die Sache trotzdem nach Jahren vor Gericht landet, hat mit Recht nichts zu tun, sondern mit der Schwachsinnigkeit US-amerikanischer Gesetze und dem hysterischen Puritanismus der US-amerikanischen Öffentlichkeit. Hätte Kevin Spacey William Little nicht Alkohol ausgegeben, sondern ihn zu Schießübungen eingeladen, wäre alles in schönster Ordnung.

Glosse LXVIII

Eine längst überfällige Bemerkung: Le gilet jaune heißt übersetzt „die Warnweste“. Dass es sich dabei im Fall der französischen Bewegung der Gilets Jaunes um ein leuchtend gelbes Kleidungsstück handelt (und nicht etwa ein orangefarbenes oder neongrünes), sei zugegeben. Aber niemand (zumindest niemand, der den festen Begriff nenennen will, nicht dessen Umschreibung) sagt „gelbe Weste“, wenn er Warnweste meint. „Das Mitführen einer gelben Weste im Automobil ist vorgeschrieben. Wer auf der Autobahn sein Fahrzeug verlässt, muss eine gelbe Weste tragen, ein gelber Pullover à la Genscher ist kein zulässiger Ersatz.“ Die Wort-für-Wort-Übersetzung von „les Gilets Jaunes“ als „Gelbe Westen“, „Gelbwesten“ oder „Gelbwestler“ ist darum sachlich falsch und sprachwidrig. Zugleich aber ein wunderbares Symptom der Idiotie einer Journaille , die Wissen und Nachdenken längst durch Nachplappern ersetzt hat.

Montag, 7. Januar 2019

Fall Ribéry

Mon dieu! Wenn ein Millionär (Fußballer) nicht mehr in Ruhe ein vergoldetes Steak verzehren kann, ohne dass der Pöbel (Fußballfans) ihn dafür beschimpft, dann macht das Reichsein auch keinen Spaß mehr. Dann will aber bald auch keiner mehr Fußballgott werden. Und in Zukunft werden sich die Deppen, die heute noch von der Fußballindustrie abgezockt werden, selber dafür bezahlen müssen, dass sie sich dabei zuschauen lassen, wenn sie Bälle treten.
Sehe ich einen Mann und eine Frau einander küssen, ist mir, als sähe ich einen Hund, der sich zwischen den Beinen leckt. Es mag sehr natürlich sein, aber appetitlich finde ich es nicht.

Sonntag, 6. Januar 2019

Notiz zur Zeit (214)

Herr Präsident verwirft die „extreme Gewalt“ bei den Gilets Jaunes. Nun, wenn das Macrönchen meint, das bisschen Gewalt sei schon das Äußerste, irrt es womöglich.