Mittwoch, 18. Oktober 2023

Aufgeschnappt (bei Tonio Schachinger)

Computerspiele sind sehr immersiv und können dadurch noch mehr ablenken als Literatur.

Ein paar Anmerkungen

Angesichts zum Himmel schreienden Unrechts leise sein, womöglich gar besonnen schweigen zu wollen, um Misstöne zu vermeiden, halte ich für unangemessen. Solch vermeintliche Vornehmheit, scheint mir, hat mehr mit Selbstgerechtigkeit zu tun als mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit für alle.

Opfer sind zu beklagen. Also soll man auch klagen. Jeder auf seine Weise. Manche wimmern, manche heulen los.

Wut ist ene verständliche Reaktion auf Unrecht. Ob sie verständig ist, ist eine andere Frage.

Dass neben, hinter, unter dem Krieg der Maschinen und Leiber auch ein Krieg der Meinungen tobt, ist unvermeidlich. Dass es dabei ebenso um Macht geht, heißt nicht, dass es nicht auch um Wahrheit und Unwahrheit geht, um vernünftig entscheidbare Fragen.

Dass „beide Seiten“ in einem Konflikt Unrecht begehen, heißt nicht, dass die eine Seite nicht mehr im Unrecht sein kann als die andere.

Kriege wurden noch nie durch Schweigen, Zuschauen, Aussitzen beendet. Leider.

Donnerstag, 12. Oktober 2023

Sonntag, 8. Oktober 2023

Glosse CXXVI

Sonntags quillt das Fernsehen von Tiersendungen über. Im Vorüberschalten bekam ich mit, wie in drei verschieden Sendungen drei verschiedene Personen von Kitten redeten, womit sie junge Katzen meinten. Das war mir neu. Woher kommt diese seltsame Mode denn nun wieder? Selbstverständlich finde ich sie völlig bescheuert. Wenn es Jahrhundete lang kein Problem war, einfach von Kätzchen, Katzenjungen, Katzenwelpen usw. zu reden, wozu braucht es dann neuerdings eine Übernahme aus dem Englischen? Das ist doch cringe, um nicht zu sagen weird.

Dienstag, 3. Oktober 2023

Attowissenschaftsjournalismus

„Nun lassen sich extrem schnelle Prozesse in Atomen, Molekülen und Festkörpern direkt beobachten.“ So benennt man in der FAZ, was die Forschungen der heute bekannt gegebenen Träger des Nobelpreises für Physik des Jahres 2023 angeblich ergeben haben.
Was für ein Quatsch! Selbstverständlich lässt sich von keinem Menschen etwas beobachten, was in „Attosekunden“ (Quadrillionstelsekunden) stattfindet, weder direkt noch indirekt. Worum es da geht, Lichtblitze, wird nämlich gar nicht beobachtet, sondern gemessen oder vielmehr aus Messergebnissen errechnet.
Aber die zitierte dümmliche Formulierung ist selbstverständlich begründet: Mit dem Vorurteil, die moderne Physik sei eine empirische Wissenschaft. Das ist sie aber nicht, wenn damit gemeint ist, sie befasse sich mit der erfahrbaren Wirklichkeit, die grundsätzlich jedem zugänglich sei. Die „Realität“, die die moderne Physik erforscht, existiert aber in Wahrheit nur als in Laboratorien und mit Algorithmen konstruierte. Sie wird nicht erfahren, sondern, wie gesagt, aus Messergebnissen und Berechnungen erschlossen. Sehen, hören, riechen, schmecken, ertasten kann man sie nicht. Also auch nicht darin leben. Erst in der wissenschaftstheoretischen Vermittlung (oder populäre Darstellungen) werden abstrakte physikalische Modelle zu etwas, was man mit der erfahrbaren Wirklichkeit, in der jeder lebt, gleichsetzen kann.