Bei einem Germanisten lese ich, Novalis habe irgendetwas visioniert. Pfui Deibel, wer Visionierungen hat, soll zum Arzt gehen!
Samstag, 16. Mai 2015
Dass ich wohl nicht so recht von dieser Welt bin, zeigt sich mir auch dann, wenn jemand gestorben ist, den anscheinend alle Welt gekannt hat, von dem ich aber (obwohl er, jüngstes Beispiel, „einer der einflussreichsten Musiker überhaupt“ gewesen sein soll) vor der Nachricht von seinem Tode noch nie etwas gehört hatte.
Freitag, 15. Mai 2015
Glosse XX
Das Kiss-In ist eines der ganz wenigen Aktionsformen, das die Jahrzehnte überdauert hat. Das Schwinden des Gefühls fürs grammatische Geschlecht habe ich bereits glossiert. An diesem Fall freilich erstaunt mich nicht nur, dass solch ein Patzer (den der falsch angeschlossene Relativsatz noch verschlimmert) einem Muttersprachler passiert; der Mann ist Journalist und Schriftststeller und weiß selbstverständlich, dass es „eine der ganz wenigen Aktionsformen, die die Jahrzehnte überdauert haben“ heißen muss. Allerdings ist es für einen Autor immer schwierig, seinen eigener Korrektor zu sein, denn weil er weiß, was er sagen wollte, übersieht er mitunter, dass er es an der und der Stelle nicht oder nur schlecht gesagt hat. Da bleiben dann, besserem Wissen zum Trotz, manche Vertippungen, Verschreibungen oder Verkonstruierungen stehen. Weit erstaunlicher als diese auch mir nur allzu vertraute partielle Blindheit für den eigenen Text finde ich jedoch die Ignoranz der zuständigen Redaktion, die den Text doch abgenommen haben muss. Ohne ihn zu lesen? Ohne ihn gründlich zu lesen? Ich finde das respektlos dem Autor gegenüber, aber auch gegenüber dem Leser.
Sonntag, 10. Mai 2015
Freitag, 1. Mai 2015
Aufgeschnappt (bei einem Polemiker)
Uns ist Politik nur eine Methode, das Leben zu besorgen, damit wir zum
Geist gelangen. Wir verabscheuten eine Politik, die, um jenes zu
verwahrlosen, diesen mißhandelt hat. Wir sind mit einer zufrieden, die
ehrlichen Willens ist, jenes wiederherzustellen und alles weitere uns
selbst zu überlassen. Wir wollen nicht mehr, daß Geist und und
Notwendigkeit verkettet seien, weils dann statt beider Krieg gibt.
Karl Kraus
Abonnieren
Posts (Atom)