Wenn jemand jemanden einen Neger nennt, so wird man dies als rassistisch zurückweisen. Warum? Weil, so dürfte gesagt werden, „Neger“ (auch „das N-Wort“ genannt) ein rassistischer Ausdruck ist. Das allerdings stellt eine zirkuläre Definition dar: Zu sagen, ein rassistischer Sprachgebrauch liege vor, wenn ein rassistisches Wort gebraucht werde, heißt ja bloß, dass rassistisch ist, was rassistisch ist.
Wenn man verstehen will, was Rassismus ist (und einen Rassismus-Vorwurf nicht nur zum Zwecke der Verbesserung der eigenen Diskursposition erhebt), kommt man so nicht weiter.
Wenn man sagt, „Neger“ sei ein rassistischer Ausdruck, was meint man damit? Es scheint nicht darum zu gehen, dass eine sachliche falsche Bezeichnung verwendet wird (was übrigens auch bei „Schwarzer“ der Fall wäre; niemand ist wirklich schwarz), zumal das dann womöglich die Möglichkeit einer zutreffenden Verwendung des Wortes impliziert. Offensichtlich geht es aber nicht darum, dass jemand als „Neger“ bezeichnet wird, bei dem die Bezeichnung (weil er „Weißer“ oder „Asiate“ ist) gar nicht zutreffen kann, sondern darum, dass sie dort, wo sie in dem Sinne zutrifft, dass der Bezeichnete „schwarz“ ist (also „als schwarz gelesen wird“, wie mache gerne schreiben), nicht in der Sache, sondern wegen der Auswahl aus verschiedenen möglichen Bezeichnungen rassistisch ist.
Man könnte argumentieren, dass „Neger“ ganz einfach für sich genommen, also sozusagen begriffsgeschichtlich, eine abwertende Bezeichnung sei. Etwa so, wie „Mof“ oder „Piefke“ abwertende Bezeichnungen für Deutsche sind; allerdings käme wohl niemand auf die Idee, die Verwendung des M-Wortes oder des P-Wortes für rassistisch zu erklären, und es käme aber auch niemand auf die Idee, Nichtdeutsche als Moffen oder Piekes zu bezeichnen.
„Neger“ funktioniert anscheinend nur deshalb eine abwertende Bezeichnung für Menschen mit dunkler Haut und einer angenommenen Herkunft (der Vorfahren) „aus Afrika“, wenn sich tatsächlich dunkle Haut zu haben scheinen und ihre Herkunft irgendwie afrikanisch ist. Niemand nennt einen Eskimo oder einen Finnen einen „Neger“. Und täte er es, wer fände es rassistisch?
Die (innerhalb welcher Weltsicht auch immer) gelingende Zuordnung zu unterstellter Herkunft und gedeutetem Aussehen ist also die Grundlage, um dann gegebenenfalls eine Bezeichnung zu wählen: eine, die als zutreffend oder neutral gilt, oder eben eine, die abwertend und beleidigend ist. Doch es stellt sich eine entscheidende Frage: Ist es nicht überhaupt schon bedenklich, nur bei manchen Menschen die „Hautfarbe“ und die „Abstammung“ zu bezeichnen, bei anderen aber nicht? Einen Unterschied dort zu machen, wo es um ihn gar nicht zu gehen hat, nennt man Diskriminierung. Rassistische Diskriminierung und Rassismus sind aber nicht dasselbe.
Rassistische Diskriminierung setzt Rassismus voraus und Rassismus wird unter anderem auch mittels Diskriminierungspraktiken vollzogen. Aber sie sind nicht dasselbe, aus dem einfachen Grund, weil es auch andere Diskriminierungen als solche auf Grund von „Rasse“ gibt.
Rasse ist etwas anderes als Aussehen und etwas anderes als Herkunft. Es werden Menschen wegen ihres Aussehens abgewertet und ausgegrenzt, ohne dass angenommen wird, sie gehörten einer anderen Rasse an. Ebenso werden Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer Migrationsgeschichte diskriminiert, ohne dass jemand ihnen in jedem Fall „Fremdrassigkeit“ unterstellt. Ebenso gibt es Diskriminierungen auf Grund der Religion oder der kulturellen oder politischen Präferenzen, die unabhängig von der Zuschreibung einer „rassischen“ Zugehörigkeit stattfinden.
Rasse ist eine biologische Kategorie. Menschenrassen werden als distinkte Gruppen von mit bestimmten körperlichen Merkmalen konzipiert, die sich auch als mentale, charakterliche Besonderheiten ausdrücken und zu typischem Verhalten führen. Führen müssen, weil Biologie Schicksal ist. ― Das solche Ideologeme nicht dem Stand der wissenschaftlichen Biologie entsprechen, ist für affektive und politische Wirkung irrelevant. Wenn man denn unbedingt Biologie von Biologismus abgrenzen will, können im Falle des Rassismus von Mythobiologie sprechen.
Rassismus ist nur nicht bloß eine Aufteilung der Menschheit in Rassen, sondern vor allem die Überzeugung, dass das Zusammenkommen und Aufeinandertreffen verschiedener Rassen zu Konflikten führen muss, in denen die Verschiedenheit zu Gegensätzlichkeit wird. Die eine Rasse wird als Gefahr für die andere behauptet. Auch Vermischung, also der Verlust der „Reinheit“ ist eine solche angebliche Gefahr, weil sie letztlich die gefährdete Rasse zum Verschwinden bringt. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Konflikte mit ihren politischen und ökonomischen Gegensätzen als „biologische“ reinterpretiert. Während aber politisch-ökonomische Konflikte im Prinzip durch rationale Ausgleich beigelegt werden könnten, kann es bei „biologischen“, also rassischen Konflikten keine friedlichen Löschungen geben. Mit einer Rasse kann man nicht diskutieren und wenn Menschen durch ihre Rasse definiert sind, können sie ihr Verhalten nicht grundsätzlich ändern. Eine Konfliktlösung kann also nur in der Unterdrückung der einen durch die anderen oder durch deren Auslöschung bestehen.
Das Gewaltsame dieses Narrativs taucht allerdings nicht erst bei der Vorstellung möglicher Lösungen auf, es ist schon im Biologismus selbst angelegt. Man kann einen Willen zur Irrationalität und Realitätsverweigerung in dem Bemühen sehen, statt die Komplexität des gesellschaftlichen Miteinander und Gegeneinander zuzugeben und zu analysieren, auf die simple Idee zu setzen, zwei (oder mehr) Arten von Menschen träten gegeneinander an und eine müsse gewinnen.
Gewaltsam ist also schon der Grundgedanke, die Deutung von Verschiedenheit als Zugehörigkeit zu einer Abstammungsgemeinschaft. Denn das ist entscheidend: Es gibt nicht erst Rassen und dann Rassismus. Vielmehr sind „Rassen“ (und Konzepte von deren verschiedener Eigenart) ein Effekt der Rassismen. Rassismus ist die wertende Einteilung in Rassen zu genau dem Zweck, die eine gegen die anderen auszuspielen. Es gib keinen Rassismus ohne das Ziel, einen Konflikt zu konstruieren zwischen „denen“ und „uns“, wobei wir die anderen loswerden (oder zumindest niederhalten) müssen, die uns bedrohen und die uns loswerden (oder niederhalten) wollen.
Darum darf Rassismus ist nicht einfach ein unaufgeklärtes Fehlverhalten missverstanden werden, als Diskriminierung. Rassismus ist eine prinzipiell mörderische Ideologie. Das Leben der anderen ist weniger wert als das Leben der eigenen Leute. Und kann darum gegebenenfalls bedenkenlos geopfert werden. Rassismus bedeutet nicht immer Massenvernichtung, er kann etwa auch in Versklavung bestehen, in der Vernutzung von als minderwertig Angesehenen zum Nutzen von als höherwertig Betrachteten.
Offensichtlich sind rassistische Denkweisen und Praktiken nicht immer derart extrem. Aber das Extreme ist in ihnen als Konsequenz angelegt. Deshalb verweist jede rassistische Diskriminierung auf Auslöschung als letztes Ziel (auch wenn zu ihr vielleicht nie kommt). Racial profiling etwa ist zwar zunächst nur eine beleidigende und ausgrenzte Behandlung durch die Polizei; aber darin steckt die Botschaft: Ihr gehört hier nicht her. Ihr sollt nicht hier sein. Und wenn ihr überhaupt nicht seid, ist es uns auch recht. Eine Gesellschaft, die racial profiling zulässt, ist rassistisch und widerspricht der von ihr auf dem Papier behaupteten Gleichheit vor dem Gesetz und dem Diskriminierungsverbot im Namen einer übergeordneten (von der Polizei und den Ängsten der Bürger definierten) „Realität“ und Erfahrung. man weiß doch, wie diese Leute sind.
Wenn man verstehen will, was Rassismus ist (und einen Rassismus-Vorwurf nicht nur zum Zwecke der Verbesserung der eigenen Diskursposition erhebt), kommt man so nicht weiter.
Wenn man sagt, „Neger“ sei ein rassistischer Ausdruck, was meint man damit? Es scheint nicht darum zu gehen, dass eine sachliche falsche Bezeichnung verwendet wird (was übrigens auch bei „Schwarzer“ der Fall wäre; niemand ist wirklich schwarz), zumal das dann womöglich die Möglichkeit einer zutreffenden Verwendung des Wortes impliziert. Offensichtlich geht es aber nicht darum, dass jemand als „Neger“ bezeichnet wird, bei dem die Bezeichnung (weil er „Weißer“ oder „Asiate“ ist) gar nicht zutreffen kann, sondern darum, dass sie dort, wo sie in dem Sinne zutrifft, dass der Bezeichnete „schwarz“ ist (also „als schwarz gelesen wird“, wie mache gerne schreiben), nicht in der Sache, sondern wegen der Auswahl aus verschiedenen möglichen Bezeichnungen rassistisch ist.
Man könnte argumentieren, dass „Neger“ ganz einfach für sich genommen, also sozusagen begriffsgeschichtlich, eine abwertende Bezeichnung sei. Etwa so, wie „Mof“ oder „Piefke“ abwertende Bezeichnungen für Deutsche sind; allerdings käme wohl niemand auf die Idee, die Verwendung des M-Wortes oder des P-Wortes für rassistisch zu erklären, und es käme aber auch niemand auf die Idee, Nichtdeutsche als Moffen oder Piekes zu bezeichnen.
„Neger“ funktioniert anscheinend nur deshalb eine abwertende Bezeichnung für Menschen mit dunkler Haut und einer angenommenen Herkunft (der Vorfahren) „aus Afrika“, wenn sich tatsächlich dunkle Haut zu haben scheinen und ihre Herkunft irgendwie afrikanisch ist. Niemand nennt einen Eskimo oder einen Finnen einen „Neger“. Und täte er es, wer fände es rassistisch?
Die (innerhalb welcher Weltsicht auch immer) gelingende Zuordnung zu unterstellter Herkunft und gedeutetem Aussehen ist also die Grundlage, um dann gegebenenfalls eine Bezeichnung zu wählen: eine, die als zutreffend oder neutral gilt, oder eben eine, die abwertend und beleidigend ist. Doch es stellt sich eine entscheidende Frage: Ist es nicht überhaupt schon bedenklich, nur bei manchen Menschen die „Hautfarbe“ und die „Abstammung“ zu bezeichnen, bei anderen aber nicht? Einen Unterschied dort zu machen, wo es um ihn gar nicht zu gehen hat, nennt man Diskriminierung. Rassistische Diskriminierung und Rassismus sind aber nicht dasselbe.
Rassistische Diskriminierung setzt Rassismus voraus und Rassismus wird unter anderem auch mittels Diskriminierungspraktiken vollzogen. Aber sie sind nicht dasselbe, aus dem einfachen Grund, weil es auch andere Diskriminierungen als solche auf Grund von „Rasse“ gibt.
Rasse ist etwas anderes als Aussehen und etwas anderes als Herkunft. Es werden Menschen wegen ihres Aussehens abgewertet und ausgegrenzt, ohne dass angenommen wird, sie gehörten einer anderen Rasse an. Ebenso werden Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer Migrationsgeschichte diskriminiert, ohne dass jemand ihnen in jedem Fall „Fremdrassigkeit“ unterstellt. Ebenso gibt es Diskriminierungen auf Grund der Religion oder der kulturellen oder politischen Präferenzen, die unabhängig von der Zuschreibung einer „rassischen“ Zugehörigkeit stattfinden.
Rasse ist eine biologische Kategorie. Menschenrassen werden als distinkte Gruppen von mit bestimmten körperlichen Merkmalen konzipiert, die sich auch als mentale, charakterliche Besonderheiten ausdrücken und zu typischem Verhalten führen. Führen müssen, weil Biologie Schicksal ist. ― Das solche Ideologeme nicht dem Stand der wissenschaftlichen Biologie entsprechen, ist für affektive und politische Wirkung irrelevant. Wenn man denn unbedingt Biologie von Biologismus abgrenzen will, können im Falle des Rassismus von Mythobiologie sprechen.
Rassismus ist nur nicht bloß eine Aufteilung der Menschheit in Rassen, sondern vor allem die Überzeugung, dass das Zusammenkommen und Aufeinandertreffen verschiedener Rassen zu Konflikten führen muss, in denen die Verschiedenheit zu Gegensätzlichkeit wird. Die eine Rasse wird als Gefahr für die andere behauptet. Auch Vermischung, also der Verlust der „Reinheit“ ist eine solche angebliche Gefahr, weil sie letztlich die gefährdete Rasse zum Verschwinden bringt. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Konflikte mit ihren politischen und ökonomischen Gegensätzen als „biologische“ reinterpretiert. Während aber politisch-ökonomische Konflikte im Prinzip durch rationale Ausgleich beigelegt werden könnten, kann es bei „biologischen“, also rassischen Konflikten keine friedlichen Löschungen geben. Mit einer Rasse kann man nicht diskutieren und wenn Menschen durch ihre Rasse definiert sind, können sie ihr Verhalten nicht grundsätzlich ändern. Eine Konfliktlösung kann also nur in der Unterdrückung der einen durch die anderen oder durch deren Auslöschung bestehen.
Das Gewaltsame dieses Narrativs taucht allerdings nicht erst bei der Vorstellung möglicher Lösungen auf, es ist schon im Biologismus selbst angelegt. Man kann einen Willen zur Irrationalität und Realitätsverweigerung in dem Bemühen sehen, statt die Komplexität des gesellschaftlichen Miteinander und Gegeneinander zuzugeben und zu analysieren, auf die simple Idee zu setzen, zwei (oder mehr) Arten von Menschen träten gegeneinander an und eine müsse gewinnen.
Gewaltsam ist also schon der Grundgedanke, die Deutung von Verschiedenheit als Zugehörigkeit zu einer Abstammungsgemeinschaft. Denn das ist entscheidend: Es gibt nicht erst Rassen und dann Rassismus. Vielmehr sind „Rassen“ (und Konzepte von deren verschiedener Eigenart) ein Effekt der Rassismen. Rassismus ist die wertende Einteilung in Rassen zu genau dem Zweck, die eine gegen die anderen auszuspielen. Es gib keinen Rassismus ohne das Ziel, einen Konflikt zu konstruieren zwischen „denen“ und „uns“, wobei wir die anderen loswerden (oder zumindest niederhalten) müssen, die uns bedrohen und die uns loswerden (oder niederhalten) wollen.
Darum darf Rassismus ist nicht einfach ein unaufgeklärtes Fehlverhalten missverstanden werden, als Diskriminierung. Rassismus ist eine prinzipiell mörderische Ideologie. Das Leben der anderen ist weniger wert als das Leben der eigenen Leute. Und kann darum gegebenenfalls bedenkenlos geopfert werden. Rassismus bedeutet nicht immer Massenvernichtung, er kann etwa auch in Versklavung bestehen, in der Vernutzung von als minderwertig Angesehenen zum Nutzen von als höherwertig Betrachteten.
Offensichtlich sind rassistische Denkweisen und Praktiken nicht immer derart extrem. Aber das Extreme ist in ihnen als Konsequenz angelegt. Deshalb verweist jede rassistische Diskriminierung auf Auslöschung als letztes Ziel (auch wenn zu ihr vielleicht nie kommt). Racial profiling etwa ist zwar zunächst nur eine beleidigende und ausgrenzte Behandlung durch die Polizei; aber darin steckt die Botschaft: Ihr gehört hier nicht her. Ihr sollt nicht hier sein. Und wenn ihr überhaupt nicht seid, ist es uns auch recht. Eine Gesellschaft, die racial profiling zulässt, ist rassistisch und widerspricht der von ihr auf dem Papier behaupteten Gleichheit vor dem Gesetz und dem Diskriminierungsverbot im Namen einer übergeordneten (von der Polizei und den Ängsten der Bürger definierten) „Realität“ und Erfahrung. man weiß doch, wie diese Leute sind.
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