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Mittwoch, 3. Juni 2026

Westlichen Interessen: Ja, und?

Manche ganz, ganz Schlauen sagen, zwar habe Russland die Ukraine angegriffen, aber dass der Krieg immer weitergehe, liege an den westlichen Interessen, vor allem dem Militärisch-industriellen Komplex. Überhaupt habe ja der Westen Russland zum Krieg gewissermaßen gezwungen und westliche Firmen verdienten jetzt daran, dass die Ukraine sich nicht ergeben dürfe. Zu Lasten der bedauernswerten Ukrainer und Ukrainerinnen.
Nun, westliche Interessen sind im Zusammenhang mit Russlands Aggression und der Verteidigung der Ukraine nicht zu leugnen. Das mit der Bedrohung und Einkreisung Russlands ist zwar Quatsch (und die Idee, die Ukrainer verteidigten sich nicht freiwillig, sondern würden von Washington und Brüssel dazu genötigt, erst recht), aber es gibt tatsächlich westliche Unternehmen, die vom Krieg profitieren. Und, was folgt daraus? Sollen sich die Ukrainerinnen und Ukrainer Russland unterwerfen und zu rechtlosen Untertanen einer mörderischen Diktatur werden, um westlichen Rüstungskonzernen ein Geschäft zu verderben, das diese dann wieder direkt mit Russland machen möchten? (Wo der Militärisch-industrielle Komplex identisch ist mit der regierende Oligarchie.) Sollen die Menschen in der Ukraine auf Freiheit, Würde, Selbstbestimmung, Demokratie und Rechtsstaat verzichten (denn das alles gibt es in Putins Reich nicht), damit ein paar überschlaue „Pazifisten“ an ihren gemütlichen (weil im Westen stehenden) Schreibtischen „Ätsch!“ zu USA und NATO sagen können?
Es ist leider wahr: Dass die Ukraine sich gegen einen völkermörderischen Feind verteidigt, hebt den globale Kapitalismus nicht auf. Doch bei aller berechtigten und nötigen Kritik am Westen gilt auf jeden Fall: Russland, Rotchina, Nordkorea etc. sind keine Alternative, politisch nicht, gesellschaftlich nicht, wirtschaftlich nicht, ökologisch nicht, kulturell nicht. Wer aus lauter Hass auf den Westen östliche Diktaturen, menschenverachtende Regimes, wahnsinnige Schlächter, brutale Ausmerzer von Umwelt und Kultur favorisiert, hat weder Intelligenz noch Recht noch Ethik auf seiner Seite. Ganz im Gegenteil. 

Dienstag, 16. Dezember 2025

Eine Bemerkung über Pazifismus und Krieg

„Pazifismus tötet.“ Nein, nicht Pazifismus tötet, Krieg tötet. Der Sinn des Pazifismus ist es, Krieg zu verhindern und Kriege zu beenden. Das ist und bleibt vernünftig und ethisch richtig. Kapitulationsforderungen sind nicht Pazifismus und sie beenden auch weder den Krieg (weil der folgende „Frieden“ nur ein Krieg mit anderen Mitteln wäre) noch verhindern sie weitere Kriege. Pazifismus ohne die Forderung nach Leben, Freiheit, Würde, Gerechtigkeit ist nur ein leeres Wort. Pazifisten sind die Ukrainerinnen und Ukrainer, die so unglaublich mutig und witzig gegen einen menschenverachtenden Feind kämpfen in der Hoffnung auf Frieden. Lasst uns Pazifisten sein und die Menschen in der Ukraine mit allen Mitteln darin unterstützen, selbstbestimmt und in Frieden zu leben, nach dem Krieg. 

Mittwoch, 7. Mai 2025

Krieg und die Unmoral der Neutralität

Wenn irgendwo auf der Welt irgendwer gegen irgendwen Krieg führt, dann geht mich das etwas an, dann betrifft das auch mich, dann hat das auch mit mir zu tun, dann ist das auch ein Krieg gegen mich. So wie niemand wirklich frei ist, wenn nicht alle frei sind, so lebt auch niemand in Frieden, wenn nicht jeder in Frieden leben darf.
Zugegeben, das scheint eine völlig abstrakte Haltung zu sein. Denn eine Sache ist es, dem Krieg unmittelbar ausgesetzt zu sein; eine andere, sich vom Schreibtisch aus über ihn zu empören, ihn zu beklagen, ihn zu verwerfen. Eines ist es, beschossen und bombardiert zu werden und Stunden in Luftschutzkellern verbringen zu müssen, fliehen zu müssen und allerhand Einschränkungen und Entbehrungen erfahren zu müssen; ein anderes, eigentlich nichts zu entbehren und im Gegenteil die Muße zu haben, darüber nachzudenken, zu sprechen, zu schreiben. Eines ist es, Angehörige und Freunde zu verlieren, Hab und Gut zu verlieren und eine gesicherte Zukunft; ein anderes irgendwo in Sicherheit und Bequemlichkeit darüber zu hören, zu lesen und Bilder zusehen.
Trotzdem, ich kann nicht anders. Ich bin gegen den Krieg, gegen jeden, aber wenn er nun einmal stattfindet, kann ich nicht neutral sein, ich muss Partei ergreifen, für die Opfer sowieso und jedenfalls für die Angegriffenen und Verteidiger gegen den Aggressor und seine expliziten und impliziten Komplizen und Propagandisten. Das scheint mir ethisch geboten (und nicht nur gefühlsmäßig erforderlich), wenn ich es denn ernst nehme, dass jeder meiner Mitmenschen dasselbe Recht auf Leben und Wohlergehen hat wie; zumal wenn er sich nichts anderes „zu Schulden“ hat kommen lassen als zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.
Ich gehöre nicht zu denen, die mit Erleichterung und sogar einer gewissen Selbstzufriedenheit sagen können: Das ist deren Krieg, uns geht das zum Glück nichts an. Es geht mich sehr wohl etwas an, weil mich ein solches Wir der Verschonten, Herausgehaltenen, scheinbar Unbeteiligten nicht interessiert; ich verachte es sogar. Wenn das Haus meines Nachbarn brennt usw. Und selbst wenn es der Nachbar in einer anderen Stadt und einem anderen Land lebt. Der Brand muss gelöscht und weitere Brände müssen verhindert werden. Punkt.
Es gibt Staaten, die erklären sich für neutral, und viele ihrer Untertanen haben das längst in ihr komfortables Selbstverständnis integriert. Doch sagen wir so: Belgien war auch neutral und wurde in zwei Weltkriegen von den Deutschen überrannt und besetzt. Die Schweiz ist traditionell neutral, was sie noch nie gehindert hat, an Kriegen zu profitieren. Österreichs Neutralität war immer ein Witz. Rundum von NATO-Staaten (und der Schweiz und Liechtenstein) umgeben, die seine Sicherheit de facto garantieren (und die Neutralität bei Bedarf missachten), verstand es sich zu Ostblockzeiten immer als westlich und kann seit dreißig Jahren als Teil des unierten Europas gar nicht anders, als dessen Bedrohtheit zu teilen, egal, wie vielfältig die ökonomischen Interesse auch mit dem östlichen Aggressor verbandelt sein mögen.
Ein moralisches Individuum kann ohnehin nicht neutral sein. Und will das auch nicht. Es muss und will Unrecht als Unrecht benennen und das tun, wozu es Gelegenheit und Möglichkeit hat, Unrecht abzustellen. Sonst handelt es selbst falsch und ist Teil dessen, wogegen es zu sein hätte.
Die wirksamen Möglichkeiten mögen für die meisten Menschen gering sein und die Umstände oft ungünstig. Das ändert nichts an der Verpflichtung. Unerlaubt ist es jedenfalls, sich zu freuen, dass es einem selbst nicht so schlecht ergeht wie anderen, wenn man eigentlich mit diesen anderen solidarisch zu sein und irgendetwas zu tun hätte, um ihnen zu helfen.

Mittwoch, 2. April 2025

Friedensdemonstrierer

Die da von Frieden reden und ihn ohne Waffen schaffen wollen, befinden sich in der privilegierten Situation, dass sie nicht bombardiert werden, dass ihre Angehörigen nicht getötet, verstümmelt, gefoltert, verschleppt, vertrieben wurden, dass der Krieg, der auch gegen sie (und übrigens auch gegen ihr gutes Recht auf freie Meinungsäußerung) geführt wird, derzeit von den Ukrainerinnen und Ukrainern ausgehalten werden muss. Sie tun so, als ginge der konkrete Krieg sie nichts an, für sie existiert er nur als abstraktes Problem. Dieses Abstraktum macht ihnen Angst. Es fordert sie moralisch-ideologisch heraus. Sie wissen sich ihm aber überlegen und bekämpfen es mit ihren bewährten Parolen. Der wirkliche Krieg, der jetzt gerade stattfindet, interessiert sie allenfalls als Anlass, das zu wiederholen, was sie seit langem sagen. Die wirklichen Opfer sind ihnen ziemlich egal. Den Gedanken, wirksame Hilfe zu leisten, was ja vernünftigerweise auch Waffenhilfe bedeuten müsste, weisen sie von sich. Ihr Anliegen ist größer als die empirische Realität. Ihre Betroffenheit ist selbstgewählt und darum nicht so zufällig wie bei den Bedrohten, Bombardierten, Getöteten und denen, die ihr Hab und Gut verloren haben. Deshalb wissen sie besser Bescheid als diese. Ihr Urteil ist nicht von der Parteilichkeit der Leidenden verzerrt. Sie folgen unbeirrt ihren Überzeugungen. Was sie sagen, ist immer richtig, solange es nicht mit Tatsachen verglichen wird. Nicht nur ihre Vorstellungen von Krieg sind abstrakt, auch was sie mit Frieden meinen, ist nichts Konkretes. Die Waffen nieder, das ist ein guter Slogan. Aber anscheinend ist er mit der Duldung von Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung vereinbar. Gesellschaftliche Bedingungen, wirtschaftliche Interessen, politische Voraussetzungen interessieren sie nicht. Sie haben keine konkreten, realitätsbezogenen, praktikablen Vorschläge zu machen. Sie haben Angst und sind im Recht, sie verfügen über moralische Grundsätze und ein reines, weil zur Selbstkritik unfähiges Gewissen. Mehr brauchen sie nicht. Dafür gehen sie auf die Straße. Dass sie damit der falschen Seite nützen und der richtigen schaden, ficht sie nicht an. Nicht alle werden von Russland bezahlt. Viele handeln auch bloß aus Dummheit so.

Samstag, 29. März 2025

Friedenshetze

Dieser Krieg findet statt. Um ihn zu beenden, muss man ihn zu Ende führen. Von alleine hört er nicht auf. Selbst wenn der Angreifer die Angegriffenen doch noch überrennt, wäre das kein Frieden, sondern ein Krieg mit anderen Mitteln, mit freilich gar nicht so anderen: Denn aus den derzeit schon besetzten Gebieten weiß man, wie die Besatzung der Ukraine durch Russland aussähe: Unterdrückung, Folter, Mord, Verschleppung, Einsperrung.
Die Ukrainer und Ukrainerinnen (und solidarische Kämpfer aus vielen Ländern) sind es, die diesen Krieg, der gegen sie und den Westen geführt wird, allein führen. Die Hilfe des Westens, so entscheidend sie ist, ist zögerlich und ungenügend.
Waffenhilfe genügt nicht. Der Westen muss selbst aktiv in den Krieg eingreifen. das ist genau das, was der Feind fürchtet und wogegen er wüste Drohungen ausspricht.
Eine als möglich (oder auch nicht) in Aussicht gestellte NATO-Mitgliedschaft nützt der Ukraine nichts. Sie ist jetzt schon einem Angriff ausgesetzt, wenn also das westliche Bündnis sie als Teil seiner selbst behandeln will, dann jetzt und nicht erst, wenn „dort drüben“ alle tot oder versklavt sind.
Die Angst vor dem Dritten Weltkrieg ist verständlich. Sie ist nicht zufällig Putins stärkste Waffe, Aber vor lauter Angst vor einem Weltkrieg lauter Nichtweltkriege zuzulassen, ist dumm und selbstzerstörerisch. Aus Angst vor Atomwaffengebrauch einem konventionellen Aggressor Konzessionen zu machen, ist dumm und selbstzerstörerisch. Man hat es mit einem schlauen Irren zu tun, der nur die Srache der Gewalt versteht, Dann muss man die eben sprechen.
Wozu sind die sündteuren Atomwaffen der USA, Großbritanniens und Frankreichs eigentlich gut, wenn ihr Abschreckungswert so gering ist? Wenn ihr Einsatz sowieso grundsätzlich abgelehnt wird?
Auch ich lebte weitaus lieber in einer Welt ohne Atomwaffen und ohne Kriege. Die Frage ist: Wie kommt man dorthin? Durch Abwarten? Durch Dulden schurkischer Atomstaaten? ― Der Iran hat und will keine Atomwaffen (gemäß einer Fatwa Chomeinis), aber er wird trotzdem sanktioniert, als arbeite er daran, welche zu haben. Israel hat Atomwaffen, aber niemand redet darüber. Warum ist die real existierende israelische Bombe kein Problem, die nicht existierende iranische schon? Und warum wird das Recht von Diktaturen wie Russland und Rotchina, Atomwaffen zu haben, nie bestritten nie in Frage gestellt, das der Diktatur Nordkorea aber sehr wohl? Irgendetwas stimmt doch da nicht in der Atomwaffenpolitik des Westens. 
Es gibt Geistesschwache, die von Verhandlungen faseln. Was soll zwischen der Ukraine und Russland abgemacht werden? Russland hat die Ukraine überfallen und hält Teile ihres Territoriums besetzt (und die Bevölkerung dort unter Terror), das muss enden. Wenn das nicht Punkt 1 eines Abkommens ist, ist es ein himmelschreiender Skandal und null und nichtig.
„Verhandlungen“ soll also wohl heißen: Die Ukraine tritt Land und Leute an Russland ab, ersetzt seine Regierung durch eine Russland genehme und koppelt sich vom Westen ab. Das ist es, was Putin will (und Trump ihm gewähren möchte).
Wer solche „Verhandlungen“ und Verträge befürwortet, ist ein Kriegsgegner, ein Feind. Nicht nur der Ukrainenerinnen und Ukrainer, sondern der Menschheit. Egal, ob aus Dummheit, aus Bosheit oder weil er von Moskau bezahlt wird.
Frieden schaffen ohne Waffen: Schön gesagt. Aber abrüsten sollte man vor dem Krieg und um Krieg zu verhindern, nicht im schon stattfindenden Krieg. Es geht für den Westen darum nicht um Aufrüstung aus Jux und Dollerei, sondern um dringend erforderliche Nachrüstung. Die Vernachlässigung der militärischen Verteidigungsfähigkeit, aber auch der moralischen (warum ist „kriegstüchtig“ sonst eine viele in der BRD so verblüffende Vokabel?) rächt sich. Wer immer noch glaubt, in Frieden leben zu können, wenn die Nachbarn schon kämpfen und sterben, ist ein Dummkopf oder ein Schwein.
Frieden schaffen ohne Waffen: Wie denn dann? Durch Hokuspokusfidibus? Die Realität ist vielleicht Scheiße, aber sie ist nun einmal das, womit man arbeiten muss. Wenn Krieg ist, ist Krieg. Und der ist erst vorbei, wenn der, der ihn begonnen hat, ihn nicht mehr führt. Am besten: Nicht mehr führen kann. Russlands Sieg brächte nicht Frieden, sondern Unterdrückung und künftigen Krieg. Darum muss die Ukraine diesen Krieg gewinnen. Oder alles ist verloren.
Слава Україні! Героям слава!

Samstag, 22. Februar 2025

Auf die Frage, ob man denn etwa nicht gegen Krieg sei

Sie reden vom Krieg, als ob man eine Wahl hätte. Als ob man dafür oder dagegen sein könne. Das kann man aber nicht, wenn er bereits stattfindet. Jedenfalls nicht so einfach und bequem wie im Frieden. Wenn der Krieg schon stattfindet, hat man keine Wahl, denn selbst dann, wenn man gegen ihn ist, muss man ihn zu Ende bringen, also führen (oder führen lassen).
Sie reden vom Krieg, also ob er, wenn er schon stattfindet, plötzlich aufhörte, wenn man nur genug dagegen wäre. Das tut er aber nicht.
So ist das im Leben. Dinge geschehen, von denen man nicht wollte, dass sie geschehen. Da sie nun einmal geschehen, muss man sich zu ihnen verhalten. Es genügt nicht, zu betonen, dass man sie nicht will. Man muss auch sagen können, wie man von dem, was man nicht will, zu dem kommt, was man nicht will.
Einfach nur die Augen zu schließen und sich was zu wünschen, ist kindisch.
Man mag sich wünschen, der Krieg wäre ausgeblieben. Ist er aber nicht. Man könnte sich wünschen, er würde von denen beendet, die ihn herbeigeführt haben, das wird er aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn man sie nicht dazu zwingt.
Wünschen genügt nicht. Man muss auch handeln und Handeln befürworten und unterstützen. 
Man kann auch so tun, als sei der Krieg etwas Abstraktes, etwas das nur anderen angetan wird, bei dem man sich selbst aber heraushalten kann (und darf). Man kann auch fliehen. Flucht in der Realität ist auch ein Verhalten im Krieg. Flucht in die Einbildung ist ein imaginärer, nutzloser, zum Teil schädlicher Möchtegernpazifismus.
Den Krieg nicht zu wollen, mag vernünftig sein. Ihn zu wollen, ist Wahnsinn. Trotzdem findet er statt. Weil er stattfindet, muss man sich zu ihm verhalten.
Wer statt Krieg Frieden will, muss sagen, wie er vom Krieg, der stattfindet, zum Frieden kommen will, der aussteht. (Oder er muss untätig abwarten, was passiert.)
Sich zu wünschen, die Angegriffenen mögen aufhören, sich zu verteidigen, führt nicht zum Frieden. Der Krieg hört nicht auf, wenn der Angreifer siegt, er nimmt nur eine etwas andere Gestalt an.
Wer Friede für die Ukraine will, muss den Sieg der Ukraine wollen. Der ist nur mit diesem Krieg und als dessen Ergebnis zu haben.
Ein Sieg der Ukraine bestände in nichts anderem, als dass der Angreifer das Land verlässt und die Menschen nicht mehr tötet und bedroht.
Wer etwas anderes will, will nicht Frieden, sondern Krieg. Egal, was er sagt.

„Gebietsabtretungen“?

Immer wieder ist im Zusammenhang mit einem künftigen Frieden in der Ukraine von zwar vielleicht unerfreulichen, aber doch sehr wahrscheinlich unvermeidbaren „Gebietsabtretungen“ die Rede. Selbstverständlich von solchen der Ukraine an die Russländische Föderation. Diese hält ja bekanntlich seit 2014 und 2022 Teile des ukrainischen Staatsgebietes besetzt (und hat sie auch in völkerrechtlich null und nichtigen „Annexionen“ zu eigenem Staatsgebiet erklärt).
Dazu muss man sagen, dass der Ausdruck „Gebietsabtretungen“ völlig untauglich ist, um die Wirklichkeit zu bezeichnen, die dahintersteht. „Gebietsabtretung“, das klingt irgendwie nach harmloser Flurbereinigung, nach ein irgendeinem beliebigen Territorium, auf dessen Besitz die Republik Ukraine sich doch bitte nicht kaprizieren solle. Was machen so ein paar Quadratkilometer weniger schon aus!
Nur geht es gar nicht in erster Linie um Land (Gebäude, Infrastruktur, Bodenschätze), sondern um Menschen. Ukrainisches Gebiet, das schon jetzt russländisch besetzt ist, auch rechtlich an Russland abzutreten, würde heißen, die Menschen, die dort leben, dauerhaft an Putins Diktatur auszuliefern.
Es ist bekannt (wenn auch im Westen weitgehend ignoriert), was schon jetzt die russländische Herrschaft im Donbass und auf der Krim bedeutet: Unterdrückung, Verfolgung, Verschleppung, Folter, Mord. Man kennt die Berichte und Bilder aus Butscha und Irpin und all den anderen Orten, von denen die russischen Kriegsverbrecher wieder abziehen mussten. Weniger bekannt ist der mörderische Umgang mit allen, die sich der russischen Herrschaft in welcher Form auch immer widersetzen (oder dessen verdächtigt werden) überall in der besetzten Ukraine. Konzentrationslager, Folterkeller, „normale“ Gefängnisse, Morde: Das bedeuten „Gebietsabtretungen“. Und auch die Ukrainer, die sich nicht wehren oder verweigern, würden trotzdem in völliger Unfreiheit, in scharfer Ausbeutung, unter ständiger Polizeiwillkür und unter der Herrschaft des Scheins und der Lüge leben müssen.
Nein, „Gebietsabtretungen“ kommen nicht in Frage. Aus Gründen des Völkerrechts, weil kein Aggressor von seinen Verbrechen auch noch durch Gebietsgewinn profitieren darf. Aus Gründen der kollektiven Würde und Selbstachtung der ukrainischen Bürger und Bürgerinnen. Und vor allem aus Gründen des Menschenrechts auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Terror und Erniedrigung.

Freitag, 13. Dezember 2024

„Sicherheitsgarantien“?

Reihum erklären westliche Länder, sie würden, nachdem die Ukraine mit Russland verhandelt und einen Waffenstillstand vereinbart haben würde, für die unbesetzten Gebiete „Sicherheitsgarantien“ abgeben. Da stellen sich doch zwei Fragen. Zunächst: Warum wird die Sicherheit der Ukraine nicht schon jetzt garantiert? Das Völkerrecht verbietet Angriffskriege und Annexionen. Warum wird dieses verbindliche Recht nicht durchgesetzt? Warum wird nicht erstens alles unternommen, die Verteidigungsbemühungen der Ukraine zu unterstütze, und zweitens der Aggressor direkt angegangen? Stattdessen gibt es viele schöne Reden, unzureichende Unterstützung und viel Angst vor Russland und dessen angedrohten Dritten Weltkrieg.
Das führt zur zweiten Frage: Was sind „Sicherheitsgarantien“ wert? Angenommen, es käme zu Verhandlungen und einem Abkommen über einen Waffenstillstand, wodurch Teile von Land und Leuten der Ukraine „vorläufig“ Russland überlassen würden. Und irgendwann später entschlösse sich Russland, doch wieder die Ukraine anzugreifen und dort zu morden, zu zerstören und vielleicht ein bisschen mehr des Nachbarlandes zu besetzen. Würden „Sicherheitsgarantien“ dann nur bedeuten, dass es wieder viele schöne Reden, unzureichende Unterstützung und viel Angst vor Russland und dessen angedrohten Dritten Weltkrieg gibt? Oder würde der Krieg gegen den Westen, den Russland bereits führt (und in dem die Ukraine „nur“ die Stellvertreterin ist), endlich auch vom Westen geführt?
Die Rede von „Sicherheitsgarantien“ entbehrt der Substanz, wenn sie keine glaubwürdige Androhung von militärischer Gewalt umfasst.
Zur Erinnerung: Im „Budapester Memorandum“ von 1994 wurde durch die USA, Großbritannien und Russland die Souveränität und territoriale Unverletzlichkeit der Ukraine, die gerade auf ihre Atomwaffen verzichtet hatte, garantiert. Was war diese Garantie wert, als Russland 2014 die Krim und Teile des Donbass eroberte und diese Gegenden gegen jedes Recht später „annektierte“?
Die Ukraine braucht keine vollmundigen, aber wirkungsloesen „Garantien“, sie braucht Waffen und Munition. Gegen Russland hilft nur Gewalt und ― wenn diese einmal nicht mehr unmittelbar nötig sein sollte ― die Androhung von Gewalt im Falle von Fehlverhalten. Alles andere ist Blabla und gefährdet Recht, Anstand und Menschenleben.

Montag, 11. November 2024

US-Faschist will Russlands Herrscher die Ukraine schenken, die ihm nicht gehört

„Die Ukraine solle die von Russland eroberten Gebiete abtreten. Im Gegenzug wird garantiert, dass die Ukraine nicht der NATO beitritt.“ So wird der „Friedensplan“ des künftigen Präsident Trump umschrieben, mit dem dieser den Krieg Russlands gegen die Ukraine „binnen 24 Stunden“ beenden wolle.
Was heißt da „Gegenzug“? Beides sind innige Wünsche Putins. „Überlasst mir euer Territorium (und eure Bürger), dafür bestimme ich dann eure Außen- und Sicherheitspolitik.“ Das ist kein Friedensplan, das ist völkerrechtswidrige Anerkennung von Annexion, Kapitulation vor einem Aggressor und Unterwerfung unter eine mörderische Diktatur.
Die Ukraine ist ein souveräner Staat. Als solcher kann sie jeder Organisation beitreten, die sie aufnehmen will. Alles andere ist eine Abwertung des ukrainischen Staates zu einem Protektorat Russlands.
Und es geht auch nicht um Gebiete, die da abgetreten werden sollen, sondern um Millionen Menschen. Was schon jetzt in den von Russland besetzten Gebieten geschieht, all die Repressalien, Folterungen, Verschleppungen und Morde, kann doch kein anständiger und vernünftiger Mensch gutheißen oder gar durch internationales Recht garantieren wollen. Keiner darf zulassen, dass noch mehr Menschen in Putins Fänge geraten.
Wer derlei „Friedensplan“ nennt, ist dumm oder bösartig oder beides.

Sonntag, 1. September 2024

Ein gefährlicher Trottel

Habermas war immer schon ein Trottel, jetzt im Alter aber ist er ein gefährlicher Trottel. Gegen jede Vernunft und Faktenlage besteht er auf „Verhandlungen“ zwischen Russland und der Ukraine, um den Krieg zu beenden. Was zur Hölle gibt es denn da zu verhandeln? Russland ist in die Ukraine 2014 einmarschiert und 2022 noch weitergegangen. Die Ukraine wehrt sich. Was soll da bei Verhandlungen herauskommen? Wie viele Menschen und wie viel Territorium der demokratische Staat Ukraine der mörderischen Diktatur Russland abtreten darf, damit diese ihn nicht mehr bombardiert?
Menschen und Länder sind nicht die Verfügungsmasse alberner Gedankenspiele greiser Philosophaster. Die Menschen wollen und dürfen selbst entscheiden, ob sie lieber in Freiheit und Würde leben (und sterben) oder sich Putin und seinem dummen und völkermörderischen Regime unterwerfen wollen. Sie wollen es nicht, und das Heldentum der ukrainischen Nation ist bewundernswert. Das versteht der Pimpf Habermas naturgemäß nicht.
Der Westen sei mitschuldig am Krieg, sagen Habermas und seine Nachplapperer. Waffenlieferungen, hülfen bloß der Ukraine, sich zu verteidigen und verlängern so die Zeit bis zu Russlands Sieg.
Tolle Logik. So hätten denn die USA, indem sie (vor ihrem Kriegseintritt) Großbritannien mit Rüstungsgütern und anderem unterstützten, den von den Deutschen (übrigens zunächst im Verein mit der Sowjetunion) betriebenen Weltkrieg nur unnötig verlängert? Tja, hätte Großbritannien bloß 1940 oder 1941 kapituliert, dann wären Europa Millionen Tote erspart geblieben. Es gäbe ein gemütliches Großdeutsches Reich und seine Satellitenstaaten, keine Juden und Zigeuner mehr in Europa, die Ostvölker wären dezimiert und versklavt und Habermas hätte, statt verdünnten Marx und Kant in Frankfurt zu lehren, eben an der Reichsuniversität Oxford aus Hitlers „Mein Kampf“ vorgetragen.
Wie man so dumm und bösartig sein kann, den Menschen der Ukraine ihr Recht auf Verteidigung abzusprechen ― und trotzdem nicht allgemeiner Ächtung verfällt, verstehe ich nicht. Wie moralisch verwahrlost muss eine Öffentlichkeit sein, um einem dementen Deppen wie Habermas immer noch eine Bühne zu bieten?
Der Westen, so ein weiteres „Argument“, handle verantwortungslos, weil er kein „realistisches“ Kriegsziel benennen könne. Als ob das Ziel nicht offensichtlich wäre: Keine von Russland besetzte oder zerstückelte, keine von Russland bombardierte Ukraine. was ist daran nicht klar und eindeutig? Es sei denn natürlich, man meinte mit „Realismus“ ein vorauseilendes Einknicken vor dem Aggressor: Das kann man doch nicht machen, dieser sympathischen Großmacht den klitzekleinen Wunsch abzuschlagen, ein paar Millionen rechtloser Untertanen mehr zu haben? Die russischen Kazetts und Folterkeller auf der Krim und im Donbass haben sich doch bewährt. Meinungsfreiheit wird überschätzt, in Russland geht es doch auch ohne sie. Vielleicht möchte Habermas vom Starnberger See aus dazustoßen, wenn weiteres „Münchner Abkommen“ unterzeichnet wird; ich bin sicher, er hatte damals beim Jungvolk die „Erledigung der Resttschechei“ ausgiebig mitgefeiert, mit der „Erledigung der Restukraine“ schlösse sich dann der Kreis.
Dummschwätzer wie Habermas sind gefährlich, weil sie unerfindlicherweise ein Renommee haben. Seine philosophische Lebensleistung ist heiße Luft, aber darauf stehen die Leute ja. Trotzdem darf man hoffen, dass irgendwann mit der Unsinnsproduktion Schluss ist und Habermas an der Kremlmauer beigesetzt werden kann, wo er hingehört.

Mittwoch, 14. August 2024

Leute (11)

Und dann die Sache mit Dostojewski. X. war empört, dass ihrer Behauptung zufolge Veranstaltungen zu russischer Kultur nicht mehr stattfinde könnten und russische Literatur nicht mehr gelesen werden solle. Davon wisse ich nichts. Russische Literatur sei überall erhältlich und werde wohl auch weiter gelesen. Dass Kulturveranstalter derzeit (im Sommer 2023) Bedenken hätten, so zu tun, als könne man sich unbelastet und bedenkenlos mit russischem Kulturgut befassen, währen Russen Ukrainer massakrierten (durch Raketen und Drohnen, aber auch von Hand wie in Butscha und anderswo) sei ja wohl verständlich. Aber dafür könne doch de russische Literatur nichts, so X. mit Nachdruck. Ob sie Dostojeweski wirklich gelesen habe, nicht nur die Romane, auch seine politischen Texte? Unzählige russische Autoren seien mitverantwortlich für die Ideologie der russischen Großmachtpolitik, die die ganze Menschheit bedrohe darunter auch ihr ach so geliebter Herr Dostojewski mit seinem Hass auf den Westen und die Ukraine. Aber Dostojewski sei Weltliteratur!, kreischte, geradezu. Das sei mir egal. erwiderte ich kaltschnäuzig, wenngleich aufgebracht. Weltliteratur sei ein willkürlicher Begriff. Dostojewski als politischer Schriftsteller sei einfach Dreck, der entsorgt gehöre. ― Nach diesem unerfreulich Gespräch und noch einigen merkwürdigen e-mails habe ich X. nicht mehr getroffen, gesprochen oder ihr geschrieben. Auch sie verhält sich so.

Dienstag, 13. August 2024

Leute (10)

Ich musste damals, irgendwann nach dem Februar 2022, eine „Freundin“, die ich zufällig in einem sozialen Netzwerk kennengelernt hatte (der ich aber im „realen“ Leben nie begegnet war) aus der Freundschaftsliste entfernen und blockierte sie. Wir waren einander recht sympathisch gewesen, weil wir über einen gemeinsamen Bekannten entdeckt hatten, dass wir zu manchen gesundheitspolitischen Themen sehr ähnliche, von der Allgemeinheit abweichende Einschätzungen und Auffassungen hatten. Aber als sie plötzlich zustimmend eine pro-putinistische, anti-ukrainische Äußerung der unsäglichen Sahra Wagenknecht zitierte, vollzog ich sofort und kommentarlos einen Schnitt. Das ist für mich eine absolute Grenze. Da gibt es kein Vertun. Die Ukraine ist im Recht, Russland im Unrecht. Wer etwas anderes behauptet, ist niederträchtig. Wer es sagt, weil er es nicht besser weiß, ist unerträglich dumm. So oder so: Weg damit!

Leute (9)

Die neue Phase des russischen Krieges gegen die Ukrainerinnen und Ukrainer, der 2014 begonnen hatte, war im Sommer 2022 erst ein paar Wochen alt, als ich X. im Kaffeehaus traf. Wir hatten schon früher gänzlich unterschiedliche Sichtweisen. Ihre Sympathien lagen immer schon bei Russland. Und zwar nicht nur bei der russischen oder sowjetischen Kultur, sondern auch beim aktuellen Russland. (Als ich mich einmal über Putins lächerlichen Gang lustig machte, wies sie das als typisch westliche Überheblichkeit zurück.) Ihr Verständnis für die russische Sichtweise war mir immer schon schwer erträglich. Die NATO habe habe Russland eingekreist, plapperte sie die Propaganda nach. Was für ein Blödsinn, wies ich das scharf zurück, die betreffenden Nachbarländer Russlands hatten von sich aus um den schützenden Beitritt in das Verteidigungsbündnis nachgesucht. Und überhaupt, was heiße eingekreist? Wolle sie mir etwa einreden, der Westen habe vor, Russland anzugreifen? (In meiner Wut über den von ihr verbreiteten Unsinn setzte ich hinzu: Ich wollte, es wäre so. Eine Atombombe auf Moskau, eine auf Petersburg, und dann wäre Ruhe.) Das war 2014 oder etwas später gewesen. Jetzt erklärte X.: Es gebe keine militärische Lösung, es müsse verhandelt werden. Was es denn zu verhandeln gebe?, fragte ich. Russland habe die Ukraine überfallen und völkerrechtswidrig Teile von ihr annektiert. Bevor Russland sich nicht hinter seine Grenzen zurückziehe, sei eben Krieg, für den Rückzug aber brauche es keine Verhandlungen, nur Putins Befehl. Trotzdem, so X., es müsse verhandelt werden. Wie denn eine Verhandlungslösung aussehen solle?, fragte ich. Sollten Menschen und Land Putin und seinem repressiven, mörderischen Regime überlassen werden? Einfach, weil Putin das so wolle? Das sei gerecht und vernünftig und anständig? Das wolle sie? X. bestand darauf, dass eine Lösung nur auf dem Verhandlungswege gefunden werden könne. Ich gab es auf. Sie war wiedereinmal Vernunftgründen nicht zugänglich und versteifte sich argumentlos auf ihre irrationale Postion.

Samstag, 23. März 2024

Moskau brennt (ein bisschen)

„Schreckliche Bilder“? Nein, finde ich nicht. Ich finde es schön, wenn Moskau ein bisschen brennt. Von mir aus könnte es als ganzes brennen. Und die 115 Toten, die vermeldet werden, sind eine gute Nachricht. Ein toter Russe kann keine Ukrainer mehr umbringen.
Ist das grausam, unmenschlich, böse? Keineswegs. C’est la guerre. Die Moskowiter haben dem Westen den Krieg erklärt. In der Ukraine (und Syrien und …) führen sie ihn schon. Grausam und unmenschlich. Nicht nur Putin, der moskowitische Staat und seine Bevölkerung, die ihn trägt und funktionieren lässt, sind böse.
Aber gibt es nicht auch Unschuldige und sogar Oppositionelle? Ja, sofern sie nicht tot oder weggesperrt oder emigiert sind. Aber ich vermute, sie gegen nicht in lustige Musicals, während ihr Feind die Ukraine mit Luftangriffen terrorisiert. Es ist gut, dass die Moskowiter mal spüren, wie es ist, wenn man seines Lebens nicht sicher sein kann.
Mir ist völlig egal, wer den Anschlag ausgeführt hat, der IS oder das Fähnchen Fieselschweif. Das Mörderregime wird dafür haftbar machen, wer immer ihm passt. Entscheidend ist der Effekt. Tote Russen sind, man muss es leider sagen, gute Russen. Terrorismus ist eine Reaktion auf Terror. Unzureichend, aber angemessen.
Sie haben Bosheit gesät, sie werden Bosheit ernten. Möge es China und all den anderen Diktaturen genauso ergehen.
 
Nachtrag. Nun sollen es schon mehr als 130 Tote sein.  Von mir aus auch gerne mehr. Das Land und sein Volk sind aus eigenem Antrieb im Krieg, da wird eben gestorben. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn, wie es Putin gerne hätte, die Ukraine dahintersteckte (was freilich nicht der Fall ist). Damit gibt er ja nur zu, dass mitten in seiner Hauptstadt, allem Terror, aller Unterdrückung, aller Überwachung zum Trotz sein militärischer Gegner zuschlagen kann. Wenn es irgendwelche Terroristen waren (und sie waren es wohl), auch gut. Die Feinde unseres Feindes sind nicht unsere Freunde, aber wenn sie ihm schaden, dann ist das etwas Gutes.
Die Anteilnahme der westlichen Medien ist mir unverständlich. Von Russland ermordete Ukrainer sind augenscheinlich weniger interessamt als Russen, zu denen Tod und Schrecken, die sonst sie in die Welt bringen, zurückkehren. Rührende Bilder von Blumen und Teddybären. Als ob da ein Unfall passsiert wäre und nicht ein Gegenschlag in einem Krieg. (Welchem auch immer, Russland führt viele.) Und was sagt der Kreml dazu, ja was sagt er denn, sagt er bald was, warum sagt er denn nichts? Ach, jetzt sagt er was! Mir doch egal. Es sind sowieso Lügen. Warum wird solcher Unsinn überhaupt berichtet, mit Sondersendungen und von Expertinnen und Experten abgesondertem Deutungssekret.
Mögen die Toten in Frieden ruhen. Aber dass sie tot sind, ist nur bei den Einzelnen vielleicht betrauernswert, nicht aber politisch. Da haben sie es sich selbst zuzuschreiben.

Samstag, 24. Februar 2024

Zum 24. und 27. Februar

In westlichen Ländern haben viele die Befürchtung, darunter auch viele Politiker und Gestalter der öffentlichen (und privaten) Meinungen, die Befürchtung, die militärische Unterstützung der Ukraine in ihrer Verteidigung gegen den russischen Angriff könne, wenn sie zu weit gehe oder von der Ukraine zu weireichend verwendet werde, den Westen in den Krieg hineinziehen.
Die Ukrainerinnen und Ukrainer haben solche Befürchtungen nicht. Sie sind schon seit zehn und erst recht seit zwei Jahren in den Krieg hineingezogen, täglich sterben in der Ukraine Menschen oder werden verwundet, Gebäude und Infrastruktur werden beschädigt oder zerstört. Luftalarm ist „Normalität“ in der Ukraine, ebenso die Angst um Familienmitglieder oder Freunde und Bekannte, zumal die an der Front.
Der Krieg, den der Westen nicht führen will, wird von den Ukrainerinnen und Ukrainern geführt, ob sie wollen oder nicht. Die Alternative wäre Kapitulation. Aber wie es ist, in Russlands Hände zu fallen, könnten die Toten von Butscha und anderswo erzählen.
Man sagt den Ukrainern und Ukrainerinnen, sie sollen dankbar sein, für all die Hilfe, die sie vom Westen bekommen haben. Oh ja, sie sind dankbar, sehr sogar. Sie wären gern noch viel dankbarer für mehr und bessere Hilfe. Damit sie den Krieg, den der Westen, was ihn betrifft, vermeiden will, der aber stattfindet und tatsächlich ein Krieg gegen den Westen ist, besser führen und Menschen das Überleben sichern können.
Russland wird von einem unberechenbaren Irren regiert. Ja, mag sein, dass der diese oder jene Waffenlieferung als Kriegserklärung betrachten will. Soll man also vorsichtig sein, damit Russland geschont wird und nur Ukrainer sterben in einem mörderischen Abnutzungskrieg, aber niemand im Westen?
Ja, mag sein, das der Kremlzwerg es als „Angriff“ bezeichnen würde, wenn die Ukraine, was völkerrechtlich zulässig wäre und moralisch sowieso, im Zuge ihrer Verteidigung auch russländisches Territorium beschösse. Schon jetzt spuckt der Irre ja Gift und Galle, wenn eines seiner Kriegsschiffe oder seine schöne Brücke explodiert, erklärt sofort das Opfer Ukraine zum Aggressor und droht mit dem Einsatz von Atomwaffen (oder lässt drohen).
Na und? Die irrationalen Zuckungen des Diktators können doch nicht das Kriterium für westliche Strategie sein. De Gefahr, dass Putin auf den roten Knopf drückt, besteht jederzeit. Je früher man ihm zeigt, dass man sich von ihm nichts gefallen lässt, desto besser. Aber man hat ja im Westen auch acht Jahre gebraucht, von der Besetzung der Krim und des Donbass bis zum Beginn der „Spezialoperation“ vor zwei Jahren, um die „Ukraine-Krise“ endlich als russischen Angriffskrieg zu verstehen …
Was sind all die Sonntagsreden von der Solidarität mit der Ukraine wert, wenn immer noch nicht alles getan wird, um den gewaltsamen Tod von Ukrainerinnen und Ukrainern in diesem Krieg zu vermeiden? Durch möglichst geeignete Waffen und Ausrüstungen und möglichst viel davon.
Was die Ukraine bisher geleistet hat, grenzt an ein Wunder. Was der Westen, nicht zu Stande bringt, ist beschämend. Das mächtigste Militärbündnis der Welt, die NATO, und dazu noch alle wohlmeinenden Regierungen auf fünf Kontinenten waren nicht in der Lage, das Leben auch nur eines einzigen Menschen zu retten: Nawalny wurde allen Reden und „Sanktionen“ zum Trotz ermordet, wie so viele vor ihm und vermutlich noch viele nach ihm. Nun ist das offizielle Bedauern groß und es wird viel „gedacht“ und „gemahnt“. Was bringt’s?
Putin und die Seinen sind mit Worten nicht zu stoppen. Ihrer Gewalt muss Gewalt entgegengesetzt werden. Es sei denn, man akzeptiert die Herrschaft des Bösen. Dann sollte aber bitte auch das Geschwätz von den „westlichen Werten“ aufhören.
Der Westen ist schon im Krieg, so sehr er es auch leugnet und so sehr er es auch lieber anders hätte. Die Ukrainer hätten es auch lieber anders, die lebten auch lieber im Frieden. Man kann sich nur leider die Realität nicht aussuchen, in der man lebt und stirbt, aber man kann sie womöglich gestalten. Zu gestalten versuchen. Wenn man die Mittel dazu hat oder sich verschaffen kann. Untätigkeit aus Angst spielt jedenfalls dem Gegner in die Hände. Denn zu Tode gefürchtet ist letztlich auch gestorben.

Montag, 10. Juli 2023

Streubomben

Streubomben sind eine grauenvolle Waffe. Aber alle Waffen sind dazu da, zu töten und zu zerstören. Darum ist der gute Wille, die einen zu verbieten und andere zu erlauben, immer ein wenig absurd und manchmal sogar heuchlerisch. Allerdings gibt es durchaus einen entscheidenden Unterschied. Russland hat Streubomben gegen ukrainische Zivilisten eingesetzt, die Ukraine wird Streubomben gegen russische Angreifer verwenden.

Sonntag, 2. April 2023

Sozialdemokratischer Appell, die Ukraine möge doch endlich Russland ausgeliefert werden

Den Deutschen ist der Krieg in der Ukraine lästig. Viele verstehen nicht, warum man nicht zur guten alten Zeit zurückkehren kann, als man mit Putin doch so gute Geschäfte machte. Jetzt gibt es Flüchtlinge, Teuerung, Engpässe und erhöhte Ausgaben für Militärisches. Das ist nicht mehr die Komfortzone, die man gewohnt war! Ist doch egal, wenn Russland sich Teil der Ukraine und ihrer Bevölkerung unter den Nagel reißt. Es geht darum, dass die Deutsche ihre Ruhe und ihre ungestörte Beschäftigung mit sich selbst zurückbekommen!
Ganz in diesem Sinne ist jüngst ein „Friedensappell“ von Leuten aus SPD und Gewerkschaften ausgebrütet worden. Völlig respektlos gegenüber der ukrainischen Bevölkerung und ohne den Vernichtungskrieg Russlands als solchen zu benennen, werden ein Waffenstillstand gefordert ― also die Festschreibung des Stzatus quo von Putins Eroberungen ― und anschließende Verhandlungen.
Verhandlungen worüber denn? Doch wohl nur darüber, ukrainische Bürgerinnen und Bürger und ukrainisches Staatsgebiet an Russland abzutreten. Darauf läuft es doch hinaus, denn was gäbe es sonst zu „verhandeln“? Wenn Putin bereit wäre, seine Mördertruppen zurückzuziehen (hinter die Grenzen von 2013) und die Verschleppten zurückzubringen, so könnte er das jederzeit tun. Dieses „Angebot“ der ukrainischen Seite liegt auf dem Tisch. Alles andere ist Belohnung eines Aggressors für seine Aggression. Derlei verbietet das Völkerrecht. Und eigentlich schon der Anstand.
Aber kann man Anstand von Sozialdemokraten erwarten? Solche Leute haben noch immer alles verraten und verkauft, was sich nicht wehren konnte.
Das Leid der Zivilbevölkerung in der Ukraine ist diesem Gesindel egal, sie scheren sich nicht um Zerstörung von Infrastruktur, Kulturgütern, Wohnraum. Sie übernehmen einfach Putins Propaganda: „Der Schatten eines Atomkrieges liegt über Europa. Aber die Welt darf nicht in einen neuen großen Krieg hineinschlittern. Die Welt braucht Frieden.“
Erstens wird hier nicht geschlittert, sondern gezielt betrieben: nämlich von Putin. Der Kremlzwerg wirft zwar nicht viel Schatten, aber mit der nuklearen Trumpfkarte spielt er gern. auch wenn er weiß, dass sein moskowitisches Reich einen Atomkrieg mit der NATO nicht überstehen würde. Aber ein bisschen drohen wird man ja noch dürfen. Man muss schon Doofe im Westen finden, die darauf hereinfallen. In Brandt, Ebstein, Käßmann, Thierse, Verheugen usw. usf. hat er sie gefunden.
Zweitens: „Großer“ Krieg? Ist der „kleine“ Krieg, der schon stattfindet, also nicht so schlimm? Sind die Opfer zu vernachlässigen? Sowas kann schon mal passieren? Diplomatie her und schwamm drüber?
„Die Welt braucht Frieden. Das Wichtigste ist, alles für einen schnellen Waffenstillstand zu tun, den russischen Angriffskrieg zu stoppen und den Weg zu Verhandlungen zu finden.“ Nein, das wichtigste ist, die Ukraine bedingungslos zu unterstützen. In der Ukraine wird nicht nur für ein paar Tausend Quadratkilometer und Hunderttausende Menschen gekämpft ― was allein schon legitim und notwendig ist ―, dort werden Menschenrechte, Völkerrecht, anstand und Würde verteidigt und letztlich auch der Weltfriede. Denn Diktaturen wie Russland und Rotchina sind permanent im Krieg, gegen ihre eigenen Untertanen sowieso, aber eben auch schon mal gegen Nachbarländer. Das Hinzunehmen ist absolut friedensfeindlich.
„Die Welt braucht Frieden?“ Ja, aber was sie sich nicht braucht, sind diese Putinfreunde in SPD und DGB, die auf Kosten der Ukraine und der ganzen Welt deutsche Interessen ― nämlich das Ruhebedürfnis des deutschen Michels und vor allem die Proftinteressen deutscher Unternehmen ― gewahrt wissen wollen.

Freitag, 24. März 2023

Neuer Friedensvorschlag

Darüber wird man ja noch verhandeln dürfen: Die USA treten Alaska an die Russländische Föderation ab und diese zieht dafür ihre Streitkräfte aus der gesamten Ukraine ab.

Mittwoch, 28. Dezember 2022

Der Merkel muss weg

Wollte man es grobianisch formulieren, könnte man sagen, Reinhard Merkel sei eine miese Drecksau, die aus dem Dorf medialer Debatten hinausgeprügelt gehöre. Man kann aber auch einfach sagen: Seine Auslassungen sind dumm und niederträchtig und haben in der Öffentlichkeit nichts verloren. Des Rechtsprofessors neuester Streich: „Die Ukraine ist kausal beteiligt an der fortdauernden Erzeugung des Elends dieses Krieges.“
Ja klar, wer sich gegen seinen Mörder wehrt, ist kausal daran beteiligt, dass sich die Ermordung so lange hinzieht. Man sollte sich gefälligst einfach umbringen lassen, dann hat das Elend ein Ende.
Weil er verrückterweise die Ukrainer und Ukrainer nicht als Opfer eines unmenschlich geführten Angriffskrieges, sondern als Mittäter sieht (oder zeigen will), behauptet Merkel ferner, die Ukraine sei zu Friedensverhandlungen verpflichtet. Dass Russland keinen Frieden will und was denn eigentlich anderes als die Erreichung russländischer Kriegsziele (Abtretung von Bevölkerung und Gebiet) Verhandlungsergebnis sein könnte (denn für einen sofortigen Rückzu Russland braucht es eigentlich keine Verhandlungen, nur Putins Befehl), interessiert Merkel nicht. Ihm geht es nur darum, die ukrainischen Verteidigungsbemühungen rhetorisch zu sabotieren, indem er Unsinn verbreitet, der einem moralisch verkommenen Teil der deutschen Öffentlichkeit aus der Seele spricht.
Merkel wollte schon 2014 glauben machen, dass die Annexion der Krim zwar formal völkerrechtswirdrig, aber der Sache nach gerechtfertigt gewsen sei. Ja klar, weil die Bewohner der Krim gern Untertanen von Putins Diktatur sein wollten. Seither hat ihn der mörderische Terror, der auf der Krim, in den „Volkrepubliken“ und den 2022 zusätzlich von Russen besetzten Gebieten stattfindet, keines Besseren belehrt. Wahrscheinlich ist er der wissenschaftlich begründeten Auffassung, Gefolterte, Verschleppte und Ermmordete seien „kausal beteiligt“ am Unrecht, das ihnen geschieht, weil sie nicht einfach schon bei den Bombardierungen draufgegangen sind.
Man stelle sich vor, jemand würde mit der Autorität eines Lehrstuhlinhabers erklären, die massiven Lieferungen von Rüstungsgütern der USA an Großbritannien und die Sowjetunion seien kausal beteiligt gewesen an der fortdauernden Erzeugung des Elends des Zweiten Weltkrieges. Stattdessen hätten Churchill und Stalin mit Hitler Friedensverhandlungen führen sollen. Und am besten mit ihm eine Quote vereinbaren, wie viele Juden ihm pro Quartal zur Vernichtung übergeben werden. Was Merkel verkündet, ist im Grunde auch nichts anders als solch bösartiger Blödsinn.
Russland ist der Angreifer, die Ukraine verteidigt sich. Jedes Mittel der Verteidigung gegen einen mörderische Aggressor ist legitim. Alles Recht liegt bei der Ukraine, das Unrecht ist ausschließlich Russland zuzuschreiben. Wer das bestreitet oder auch nur durch Geschwafel verunklart, leistet Beihilfe zu Mord und Zerstörung.
Merkel ist bekanntlich ein Befürworter von Euthanasie („Sterbehilfe“), Menschenverwertung („Embryonenforschung“), Kindsmord („Abtreibung“) und allerhand anderen menschenverachtenden Grauslichkeiten, wie sie schon die Nazis gutfanden. Dass Merkel mit seinen antukrainischem Geschwätz also faktisch dem Kriegsverbrecher und Massenmörder Putin zuarbeitet, kann nicht sonderlich verwundern. Aber könnte bitte endlich Schluss sein, dass derlei unmoralischer Dreck ernstgenommen und von „Qualitätsmedien“ verbreitet wird? Kann man solch dumme und niederträchtige Personen nicht endlich aus öffentlichen Debatten heraushalten?

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Eine Kriegsverbrecherin

„Um Himmels willen nicht noch mehr Waffen in die Ukraine“: Was stellt sich diese maßlos dumme Frau eigentlich vor, was passiert, wenn die Ukrainerinnen und Ukrainer mangels Waffen und Munition nicht mehr kämpfen können? Dass Putin dann sagt: Na gut, jetzt hör ich auch auf? Glaubt sie wirklich, dass auch nur ein Mensch weniger stirbt, eine Sache weniger zerstört, eine Frau (oder ein Mann) weniger vergewaltigt wird, wenn die Ukraine wehrlos ist? Wir wissen, was in den russisch besetzten Gebieten passiert. Glaubt die Verrückte, es wäre anders, wenn Russland die ganze Ukraine besetzt hielte?
Dummheit kann, wenn sie ein bestimmtes Maß überschreitet, zur faktischen Bösartigkeit werden. Die Agitation dieser unmoralischen Person, die ja auch seit Jahrzehnten den Mord an Ungeborenen propagiert, kann, egal, ob sie auf fruchtbaren Boden fällt oder nicht und die ukrainische Verteidigungsfähigkeit dadurch geschwächt wird oder nicht, als moralisches Kriegsverbrechen gewertet werden. Im Grunde gehört diese niederträchtige Schwachsinnige also vor Gericht. Das Urteil hat sie sich ohnehin schon selbst gesprochen.