Samstag, 12. September 2026

Bei mir ist das so

Ich verstehe das alles nicht. Das gestehe ich mir immer wieder ein. Ich verstehe nicht deshalb nichts, weil ich dumm wäre und nicht das eine oder andere gelernt hätte, sondern weil es mir trotz Scharfsinn und allerhand Bildung nie gelungen ist, bis zu dem vorzudringen, wo für andere vermutlich das Unbefragte, das Selbstverständliche besteht. Wie jeder andere auch muss ich mir meine Begriffe zurechtlegen, um auch nur ansatzweise irgendetwas von dem erfassen zu kriegen, was ist, aber ich habe das Gefühl, das immer und immer wieder machen zu müssen, jedes einzelne Mal, während andere sich beständig in einer ungezwungenen Zwangsläufigkeit des Denkens und Sprechens bewegen, einem gesicherten Gefüge aus Meinungen, Auffassungen, Benennungen, Folgerungen, Wertungen usw., das einfach nicht meines ist. Als müsste ich bei jeder Gelegenheit aus einem verlorenen (oder nie existiert habenden) Original übersetzen, während andere munter drauflosschnattern, wie ihnen die Schnäbel gewachsen sind. Darum verstehe ich das alles nicht. Ich versuche, es mir irgendwie zu deuten, und habe womöglich einige Übung darin, da ich es lange genug machen muss, aber wen könnte ich fragen, ob meine Deutungen stimmen? Jede Antwort wäre wieder ein Rätsel, nicht immer ein schweres, aber doch jedes eine Herausforderung. Das geht, wie gesagt, schon lange so, seit jeher. Wenn ich je die Erwartung hegte, es könne je anders werden, ist die längst verschwunden. Ebenso wie die Hoffnung, ich könnte mich meinerseits gelegentlich verständlich machen. Was für eine absurde Vorstellung!

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