Es ist traurig und nutzlos, wenn man ins Theater geht und mit der Bestätigung dessen wieder herauskommt, was man schon vorher wusste. Die Aufführung von „1984“ im Theater Spielraum in Wien bestätigte mich darin, dass „Bühnenfassungen“ der Komplexität guter Romane auch nicht annähernd gerecht werden können und, wenn nicht unwahrscheinliche Glücksfälle eintreten oder gewaltiges dramaturgisches Geschick beim Einsatz außerordentlicher Mittel alles herausreißt, als eigenständiges Kunstwerk scheitern müssen.
Spielt lieber Theaterstücke, fordere ich seit langem von den Theatern dieser Welt, es gibt unzählige davon und es werden immer noch neue geschrieben, und lasst die Finger von den Romanen. Denn was immer euch davon versprecht, ihr tut weder dem verwursteten Werk noch eure Kunst einen Dienst damit.
Leider behielt ich Recht. Ein ausschnitthaftes Textaufsagen und eine Verdünnung und Simplifizierung der Vorlage, das formbedingte Weglassenmüssen von Differenzierung, Anschaulichkeit, Reflexion unterbot die reichhaltige Ästhetik einer narrativen Prosa, die auf der Bühne nun einmal nicht imitiert werden kann.
Nicht, dass man sich im Theater Spielraum keine Mühe gegeben hätte. Da war viel Leidenschaft dabei und hin und wieder sogar ein bisschen schauspielerisches Können. Das klingt vielleicht gemein, aber wem wäre damit geholfen, wenn man Spielfreude als Darstellungskunst ausgäbe? Zumal jungen Leute durchaus das Recht, vielleicht sogar die Pflicht haben, sich im Off-Off-Theater auszuprobieren und sich so auf bedeutendere Bühnenleistungen vorzubereiten.
Nicht das aber störte mich am Gebotenen, dass es wie gutes Schülertheater wirkte, dass der Bühnenraum lieblos und die Kostümierung scheußlich war, sondern vor allem die Gewalt, die man dem zu Grunde gelegten Text antat, antun musste, dessen Lektüre vor bald fünf Jahrzehnten mein Denken nachhaltig beeinflusst hat. Dabei war alles da: Unterdrückung, Überwachung, Mangel. Lüge, Hass, Umfälschen der Vergangenheit, Sehnsucht, Denunziation, Folter, Kapitulation. Das wurde alles vorgeführt, geradezu vorgetanzt und vorrezitiert, nur eben ohne die Anschaulichkeit und reflexive Intensität des Romans. Wer diesen nicht gelesen hatte, blieb ohne Angebote für die Einbildungskraft, wer ihn gelesen hatte, musste seine Bilder wohl von dort beziehen, und wer ihn hinterher erst lesen wird, darf das „Stück“ getrost vergessen.
Nein, ich meine nicht, dass man es besser machen kann, als es im Theater Spielraum gemacht wurde. Ich meine, dass man es überhaupt lassen sollte. „Romane lesen, Dramen spielen“, sollte die Devise sein. Damit wäre allen geholfen. Besonders mir. Ich wäre so gern eines Besseren belehrt worden. Leider wurde nichts daraus.
Spielt lieber Theaterstücke, fordere ich seit langem von den Theatern dieser Welt, es gibt unzählige davon und es werden immer noch neue geschrieben, und lasst die Finger von den Romanen. Denn was immer euch davon versprecht, ihr tut weder dem verwursteten Werk noch eure Kunst einen Dienst damit.
Leider behielt ich Recht. Ein ausschnitthaftes Textaufsagen und eine Verdünnung und Simplifizierung der Vorlage, das formbedingte Weglassenmüssen von Differenzierung, Anschaulichkeit, Reflexion unterbot die reichhaltige Ästhetik einer narrativen Prosa, die auf der Bühne nun einmal nicht imitiert werden kann.
Nicht, dass man sich im Theater Spielraum keine Mühe gegeben hätte. Da war viel Leidenschaft dabei und hin und wieder sogar ein bisschen schauspielerisches Können. Das klingt vielleicht gemein, aber wem wäre damit geholfen, wenn man Spielfreude als Darstellungskunst ausgäbe? Zumal jungen Leute durchaus das Recht, vielleicht sogar die Pflicht haben, sich im Off-Off-Theater auszuprobieren und sich so auf bedeutendere Bühnenleistungen vorzubereiten.
Nicht das aber störte mich am Gebotenen, dass es wie gutes Schülertheater wirkte, dass der Bühnenraum lieblos und die Kostümierung scheußlich war, sondern vor allem die Gewalt, die man dem zu Grunde gelegten Text antat, antun musste, dessen Lektüre vor bald fünf Jahrzehnten mein Denken nachhaltig beeinflusst hat. Dabei war alles da: Unterdrückung, Überwachung, Mangel. Lüge, Hass, Umfälschen der Vergangenheit, Sehnsucht, Denunziation, Folter, Kapitulation. Das wurde alles vorgeführt, geradezu vorgetanzt und vorrezitiert, nur eben ohne die Anschaulichkeit und reflexive Intensität des Romans. Wer diesen nicht gelesen hatte, blieb ohne Angebote für die Einbildungskraft, wer ihn gelesen hatte, musste seine Bilder wohl von dort beziehen, und wer ihn hinterher erst lesen wird, darf das „Stück“ getrost vergessen.
Nein, ich meine nicht, dass man es besser machen kann, als es im Theater Spielraum gemacht wurde. Ich meine, dass man es überhaupt lassen sollte. „Romane lesen, Dramen spielen“, sollte die Devise sein. Damit wäre allen geholfen. Besonders mir. Ich wäre so gern eines Besseren belehrt worden. Leider wurde nichts daraus.
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