Mir als jemandem, der den zeitgenössischen Literaturbetrieb verabscheut, könnte es egal sein, dass man dort heutzutage mehr oder minder bereit zu sein scheint, vor der Maschine zu kapitulieren, oder es könnte mich boshafterweise sogar freuen. Aber ich sehe diesen selbstverschuldeten Niedergang in einem größeren Zusammenhang, und der ist noch übler als das, was dort üblicherweise so zusammengeschrieben wird.
Dass Maschinen darauf programmiert werden, belletristische Texte zu verfassen, ist keine neue Idee; mir ist sie zum ersten Mal in George Orwells Roman „1984“ begegnet, in dem auf diese Weise das billige Lesefutter für die dumpf-glücklichen Massen produziert wird. Kaleidoskopartig werden dort Handlungsstränge der Geschichten rekombiniert und dann wohl mit passenden Figuren und abgestimmtem Erzählstoff ausgefüllt. Als Orwell das skizzierte, war es technisch vermutlich Zukunftsmusik, von der Sache her aber entsprach es ganz der Realität der Massenproduktion der Groschenhefte.
Die geradezu mechanische Fabrizierbarkeit von gehaltvollen Texten ist ein Effekt der Buchstabenschrift. Deren Elemente sind in einer endlich großen Zahl rekombinierbar, von denen selbstverständlich nur eine viel kleinere Anzahl als sinnvolle Wörter, Sätze, Texte gelesen werden. (Auch syllabische und ideographische Schriften sind, ausreichend riesige Datensätze vorausgesetzt, schematisch reproduzierbar, aber ihre Verknüpfungsregeln sind andere.) Wird Sprache als etwas zu Verschriftlichendes oder gar immer schon schon Verschriftlichtes konzipiert, wird sie zum Ding und hat also messbare Quantitäten. Diese und erst sekundär irgendwelche Sinneffekte, gilt es zu regulieren.
Das Sprache-ist-Schrift-Konzept hat folgerichtig zum Denkbild von den sehr, sehr vielen Affen geführt, die sehr, sehr lange willkürlich auf Schreibmaschinen herumtippen und dabei, wenn es nur lange genug (nämlich nahezu unendlich lang) dauerte und Papier und Tintenbänder nicht ausgingen, irgendwann sämtliche möglichen Texte herstellten, Shakespeares Werke und die Bibel miteinbegriffen. Die Affen wüssten selbstverständlich nichts davon, was in den Texte stände, und die Entstehung der Werke wäre bloßer Zufall.
Heutige Großrechner benötigen keine Affen (es wären denn ihre Macher und Bediener welche), sie tippen sozusagen innerlich selbst, und die Willkürlichkeit der Buchstabenkombinationen wird vorab durch statistische Gewichtungen und ermittelte Muster eingeschränkt; Bedeutung hat demnach, was häufig und in wiederkehrenden Verbindungen vorkommt und zwar in unvorstellbar großen Textmengen, die dafür ausgewertet werden.
Während die automatische Erzeugung von Texten, die geschäftliche und wissensvermittelnde Funktion haben, inzwischen eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz findet ― die einen bestehen ohnehin fast nur aus „Textbausteinen“, die anderen suchen und erfinden bereits vorkommende Aussagen über Tatsachen ―, trifft die Erzeugung belletristischer Texte derzeit noch auf eine gewisse Skepsis und erweckt bei manchen ein unbestimmtes Unbehagen, während andere sich schon mit Feuereifer beim „Schreiben“ ihrer Werke „helfen“ lassen. Schäne Literatur hat anscheinend noch eine Rest-Aura, die im Spannungsverhältnis zur gedankenlosen Statistik und Kombinatorik der Maschinen zu stehen scheint. Kreativität, subjektive Empfindung und persönliche Einsicht gelten manchen noch als unverzichtbare Quellen des anspruchsvollen Schreibens. Andere sind bereits damit zufrieden, sich als bloße Auftraggeber und Verbesserer des von den Roboter lesefertig Formulierten zu konzipieren.
Dass „Künstliche Intelligenz“ als Mittel eingesetzt wird, um belletristische Texte zu verfertigen, wirft für viele viele Fragen auf: Wie ist die Qualität dieser Texte? Was ist mit dem Urheberrecht? Worin besteht da noch die kreative Leistung? Usw.
Ich frage mich noch etwas anderes: Warum macht das überhaupt jemand? Gewiss gibt es Leute, die einen ökonomischen Zwang unterliegen, literarische Produkte in den Markt einzuspeisen, weil sie sich auf einen Lebensentwurf eingelassen haben, in dem sie durch Schreiben das nötige Geld verdienen. Aber auch für sie gilt doch hoffentlich, was für alle gilt, die als Schreibende leben: Man schreibt, weil man das will. Weil das Schreiben eine Existenzform ist. Eine Reihe von Akten, mit denen man sein Weltverhältnis gestaltet. Etwas sentimental formuliert: Schreibend drückt man sich aus, arbeitete sich an Erinnertem und Geahntem, Gewünschtem und Befürchteten ab. Wer schreibt, will schreiben, fühlt das Bedürfnis, es zu tun, will die Lust des Formens und Umformens erleben und weiß, dass das Ausbleiben dieser Lust ebenfalls etwas über ihn sagt, worauf er hören sollte.
Wie kann jemand, der seinen Lebensinhalt in kreativem Umgang mit Sprache sieht, diese existenziellen Ereignisse an eine Maschine delegieren wollen? Dass ist doch, als hätte man nicht selbst Sex mit jemandem, sondern steckte ihm einen Roboter ins Bett, der einem mit der Mühe der Fremdbefriedigung auch noch den eigenen Orgasmus abnähme …
Und doch gibt es anscheinend Schriftsteller, die genau das tun. Die die künstliche Texterzeugung als „Hilfsmittel“ verwenden, wie sie sagen; oder gleich den ganzen Text nicht selber schreiben, sondern nur einen für sie herbeigerechneten „überarbeiten“. Was ist das für ein Selbstverständnis? Warum stört und zerstört diese Ersetzung des Menschlichen durch das Maschinelle nicht das Selbstverständnis dieser Leute?
Jahrzehntelang hat man dem interessierten Publikum eingeredet, es sei die Sprache selbst, die spreche, das Subjekt sei nur ein Effekt der Texte, und niemand brauche es zu kümmern, wer überhaupt spreche. Das war immer schon falsch, aber verständlich, weil es die die Erfahrung der Fremdheit und Verdinglichung in der industriellen Moderne artikulierte. Doch auch solche Diskurse wurden noch von Hand geschrieben oder getippt. Dass Maschinen die Diskursivität als rein quantitative Simulation erzeugen würden, war damals für fast alle noch dystopische oder techno-euphorische Phantasie. Dass der Automatismus heute Realität ist, macht die Sache nicht unverständlicher.
Wenn ein Schüler den ihm abgeforderten Aufsatz oder das Referat nicht selbst verfasst, sondern diese Arbeit von einem Programm erledigen lässt, so wird man dies nicht deshalb kritisieren, weil der präsentierte Text schlechter ist, als einer, den der Schüler mühevoll erarbeitet hätte, im Gegenteil, das Maschinen-Werk kann und wird besser sein als das, was das Kind oder der Jugendliche alleine zu Stande bekommen hätte. Was man zu Recht kritisiert ist vielmehr, dass der Schüler, die Leistung nicht erbracht hat, die man ihm deshalb abverlangte, damit er, sie erbringend, dabei etwas lerne. Der sich der „künstlichen Intelligenz“ bedienende Schüler hat in der Sache nicht gelernt und sich der Übung in ihrer Darstellung entzogen. Er hatc sich fürs Dummbleiben entschieden und das Hilfsmittel gefunden, das ihm das erlaubt. ― Keine Frage, Rechner etwas errechnen zu lassen, kann das Leben leichter machen. Aber gar nicht erst selbst rechnen zu lernen, weil man ohnehin Zugang zu Rechnern hat, bedeutet Verdummung und Unfreiheit.
Menschen schreiben Belletristik, weil das Gestalten als solches ihrem Wesen entspricht. Ob Materie oder Sprache: Dem, was man macht, eine Form zu geben, die über Funktionalität hinausstrebt, ist Kernbestand der Humanität. Manche sind dabei zugegebenermaßen kreativer als andere, einige sind bedürftiger als andere, sich des Gestaltens als Lebensmittels zu bedienen. Ein solches Bedürfnis verträgt sich nun allerdings überhaupt nicht mit der Auslagerung an Automaten. Nicht, weil diese nicht aus ungeheuren Datensätzen neue, wie Geschriebenes wirkende Buchstabenkombinationen hervorbringen könnten, das könnten sie offensichtlich. Sondern aus einem banalen Grund: Weil Maschinen nicht lieben und hassen, weder Freude noch Angst kennen, keine Gefühle, kein Begehren, keine Lust haben. Weil literarische Texte gelesen werden nicht bloß wegen dem, was darinsteht, sondern weil sie von anderen Menschen stammen und, pathetisch gesagt, ein Seele sich bei einer anderen wiederfinden will.
Nun gebe ich zu (oder behaupte vielmehr), dass schon ganz ohne KI viel Geschriebenes , dass der Markt vertreibt, ganz nach den (von Verlagen anhand von Verkaufszahlen definierten) anspruchslosen Erwartungen des Publikums gemodelt ist. Literatur als existentzielle Abweichung, als nicht geschickt inszenierter, sondern unabgesicherter Bruch mit dem Bestehenden und Vorhersagbaren wäre, kommt nicht oder nur in Nischen vor. Dem Erwartbaren eilt die simulatorische Texterzeugung entgegen. Der Krimi oder die Liebesschmonzette oder der Fantasyquatsch sind schon immer der Form nach auf genretypische Muster angelegt, die von Maschinen noch leichter zu imitieren sind als von menschlichen Autorinnen und Autoren. Für andere Genres gilt Entsprechendes. Aber kann die Massenware für Zerstreuungswillige das Modell für Literatur überhaupt sein?
Manche meinen, „kreatives Schreiben“ sei lehrbar, ein Handwerk des Spannungsaufbaus und der Figurencharakterisierung. Das ist zweifellos der Fall, und so gekonnt und langweilig ist das Zeug dann auch. (Langweilig für solche wie mich, für die seit jeher Spannung nur ein durchschaubarer Trick ist, Affekte durch Ignoranz zu manipulieren; daraus lernt man jedenfalls nichts über das, was ist.) Das Konzept und die Praxis, dass Schreiben nur ein Metier und keine Existenzform ist, begünstigt die Maschinisierung auch dieser Aktivität. Der Fortschritt (Verfall) kennt kein Halten, wenn damit Geld zu machen ist. Für die „Ingenieure der Seele“ (wie Stalin die Schriftsteller nannte), sind Texterzeugungsprogramme ideale Produktionsmittel. Es stellt sich freilich die Frage: Verfügen jene über diese oder umgekehrt? Und wenn das die schöne neue Welt der Literatur ist, frage ich mich: Wer will das?
Dass Maschinen darauf programmiert werden, belletristische Texte zu verfassen, ist keine neue Idee; mir ist sie zum ersten Mal in George Orwells Roman „1984“ begegnet, in dem auf diese Weise das billige Lesefutter für die dumpf-glücklichen Massen produziert wird. Kaleidoskopartig werden dort Handlungsstränge der Geschichten rekombiniert und dann wohl mit passenden Figuren und abgestimmtem Erzählstoff ausgefüllt. Als Orwell das skizzierte, war es technisch vermutlich Zukunftsmusik, von der Sache her aber entsprach es ganz der Realität der Massenproduktion der Groschenhefte.
Die geradezu mechanische Fabrizierbarkeit von gehaltvollen Texten ist ein Effekt der Buchstabenschrift. Deren Elemente sind in einer endlich großen Zahl rekombinierbar, von denen selbstverständlich nur eine viel kleinere Anzahl als sinnvolle Wörter, Sätze, Texte gelesen werden. (Auch syllabische und ideographische Schriften sind, ausreichend riesige Datensätze vorausgesetzt, schematisch reproduzierbar, aber ihre Verknüpfungsregeln sind andere.) Wird Sprache als etwas zu Verschriftlichendes oder gar immer schon schon Verschriftlichtes konzipiert, wird sie zum Ding und hat also messbare Quantitäten. Diese und erst sekundär irgendwelche Sinneffekte, gilt es zu regulieren.
Das Sprache-ist-Schrift-Konzept hat folgerichtig zum Denkbild von den sehr, sehr vielen Affen geführt, die sehr, sehr lange willkürlich auf Schreibmaschinen herumtippen und dabei, wenn es nur lange genug (nämlich nahezu unendlich lang) dauerte und Papier und Tintenbänder nicht ausgingen, irgendwann sämtliche möglichen Texte herstellten, Shakespeares Werke und die Bibel miteinbegriffen. Die Affen wüssten selbstverständlich nichts davon, was in den Texte stände, und die Entstehung der Werke wäre bloßer Zufall.
Heutige Großrechner benötigen keine Affen (es wären denn ihre Macher und Bediener welche), sie tippen sozusagen innerlich selbst, und die Willkürlichkeit der Buchstabenkombinationen wird vorab durch statistische Gewichtungen und ermittelte Muster eingeschränkt; Bedeutung hat demnach, was häufig und in wiederkehrenden Verbindungen vorkommt und zwar in unvorstellbar großen Textmengen, die dafür ausgewertet werden.
Während die automatische Erzeugung von Texten, die geschäftliche und wissensvermittelnde Funktion haben, inzwischen eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz findet ― die einen bestehen ohnehin fast nur aus „Textbausteinen“, die anderen suchen und erfinden bereits vorkommende Aussagen über Tatsachen ―, trifft die Erzeugung belletristischer Texte derzeit noch auf eine gewisse Skepsis und erweckt bei manchen ein unbestimmtes Unbehagen, während andere sich schon mit Feuereifer beim „Schreiben“ ihrer Werke „helfen“ lassen. Schäne Literatur hat anscheinend noch eine Rest-Aura, die im Spannungsverhältnis zur gedankenlosen Statistik und Kombinatorik der Maschinen zu stehen scheint. Kreativität, subjektive Empfindung und persönliche Einsicht gelten manchen noch als unverzichtbare Quellen des anspruchsvollen Schreibens. Andere sind bereits damit zufrieden, sich als bloße Auftraggeber und Verbesserer des von den Roboter lesefertig Formulierten zu konzipieren.
Dass „Künstliche Intelligenz“ als Mittel eingesetzt wird, um belletristische Texte zu verfertigen, wirft für viele viele Fragen auf: Wie ist die Qualität dieser Texte? Was ist mit dem Urheberrecht? Worin besteht da noch die kreative Leistung? Usw.
Ich frage mich noch etwas anderes: Warum macht das überhaupt jemand? Gewiss gibt es Leute, die einen ökonomischen Zwang unterliegen, literarische Produkte in den Markt einzuspeisen, weil sie sich auf einen Lebensentwurf eingelassen haben, in dem sie durch Schreiben das nötige Geld verdienen. Aber auch für sie gilt doch hoffentlich, was für alle gilt, die als Schreibende leben: Man schreibt, weil man das will. Weil das Schreiben eine Existenzform ist. Eine Reihe von Akten, mit denen man sein Weltverhältnis gestaltet. Etwas sentimental formuliert: Schreibend drückt man sich aus, arbeitete sich an Erinnertem und Geahntem, Gewünschtem und Befürchteten ab. Wer schreibt, will schreiben, fühlt das Bedürfnis, es zu tun, will die Lust des Formens und Umformens erleben und weiß, dass das Ausbleiben dieser Lust ebenfalls etwas über ihn sagt, worauf er hören sollte.
Wie kann jemand, der seinen Lebensinhalt in kreativem Umgang mit Sprache sieht, diese existenziellen Ereignisse an eine Maschine delegieren wollen? Dass ist doch, als hätte man nicht selbst Sex mit jemandem, sondern steckte ihm einen Roboter ins Bett, der einem mit der Mühe der Fremdbefriedigung auch noch den eigenen Orgasmus abnähme …
Und doch gibt es anscheinend Schriftsteller, die genau das tun. Die die künstliche Texterzeugung als „Hilfsmittel“ verwenden, wie sie sagen; oder gleich den ganzen Text nicht selber schreiben, sondern nur einen für sie herbeigerechneten „überarbeiten“. Was ist das für ein Selbstverständnis? Warum stört und zerstört diese Ersetzung des Menschlichen durch das Maschinelle nicht das Selbstverständnis dieser Leute?
Jahrzehntelang hat man dem interessierten Publikum eingeredet, es sei die Sprache selbst, die spreche, das Subjekt sei nur ein Effekt der Texte, und niemand brauche es zu kümmern, wer überhaupt spreche. Das war immer schon falsch, aber verständlich, weil es die die Erfahrung der Fremdheit und Verdinglichung in der industriellen Moderne artikulierte. Doch auch solche Diskurse wurden noch von Hand geschrieben oder getippt. Dass Maschinen die Diskursivität als rein quantitative Simulation erzeugen würden, war damals für fast alle noch dystopische oder techno-euphorische Phantasie. Dass der Automatismus heute Realität ist, macht die Sache nicht unverständlicher.
Wenn ein Schüler den ihm abgeforderten Aufsatz oder das Referat nicht selbst verfasst, sondern diese Arbeit von einem Programm erledigen lässt, so wird man dies nicht deshalb kritisieren, weil der präsentierte Text schlechter ist, als einer, den der Schüler mühevoll erarbeitet hätte, im Gegenteil, das Maschinen-Werk kann und wird besser sein als das, was das Kind oder der Jugendliche alleine zu Stande bekommen hätte. Was man zu Recht kritisiert ist vielmehr, dass der Schüler, die Leistung nicht erbracht hat, die man ihm deshalb abverlangte, damit er, sie erbringend, dabei etwas lerne. Der sich der „künstlichen Intelligenz“ bedienende Schüler hat in der Sache nicht gelernt und sich der Übung in ihrer Darstellung entzogen. Er hatc sich fürs Dummbleiben entschieden und das Hilfsmittel gefunden, das ihm das erlaubt. ― Keine Frage, Rechner etwas errechnen zu lassen, kann das Leben leichter machen. Aber gar nicht erst selbst rechnen zu lernen, weil man ohnehin Zugang zu Rechnern hat, bedeutet Verdummung und Unfreiheit.
Menschen schreiben Belletristik, weil das Gestalten als solches ihrem Wesen entspricht. Ob Materie oder Sprache: Dem, was man macht, eine Form zu geben, die über Funktionalität hinausstrebt, ist Kernbestand der Humanität. Manche sind dabei zugegebenermaßen kreativer als andere, einige sind bedürftiger als andere, sich des Gestaltens als Lebensmittels zu bedienen. Ein solches Bedürfnis verträgt sich nun allerdings überhaupt nicht mit der Auslagerung an Automaten. Nicht, weil diese nicht aus ungeheuren Datensätzen neue, wie Geschriebenes wirkende Buchstabenkombinationen hervorbringen könnten, das könnten sie offensichtlich. Sondern aus einem banalen Grund: Weil Maschinen nicht lieben und hassen, weder Freude noch Angst kennen, keine Gefühle, kein Begehren, keine Lust haben. Weil literarische Texte gelesen werden nicht bloß wegen dem, was darinsteht, sondern weil sie von anderen Menschen stammen und, pathetisch gesagt, ein Seele sich bei einer anderen wiederfinden will.
Nun gebe ich zu (oder behaupte vielmehr), dass schon ganz ohne KI viel Geschriebenes , dass der Markt vertreibt, ganz nach den (von Verlagen anhand von Verkaufszahlen definierten) anspruchslosen Erwartungen des Publikums gemodelt ist. Literatur als existentzielle Abweichung, als nicht geschickt inszenierter, sondern unabgesicherter Bruch mit dem Bestehenden und Vorhersagbaren wäre, kommt nicht oder nur in Nischen vor. Dem Erwartbaren eilt die simulatorische Texterzeugung entgegen. Der Krimi oder die Liebesschmonzette oder der Fantasyquatsch sind schon immer der Form nach auf genretypische Muster angelegt, die von Maschinen noch leichter zu imitieren sind als von menschlichen Autorinnen und Autoren. Für andere Genres gilt Entsprechendes. Aber kann die Massenware für Zerstreuungswillige das Modell für Literatur überhaupt sein?
Manche meinen, „kreatives Schreiben“ sei lehrbar, ein Handwerk des Spannungsaufbaus und der Figurencharakterisierung. Das ist zweifellos der Fall, und so gekonnt und langweilig ist das Zeug dann auch. (Langweilig für solche wie mich, für die seit jeher Spannung nur ein durchschaubarer Trick ist, Affekte durch Ignoranz zu manipulieren; daraus lernt man jedenfalls nichts über das, was ist.) Das Konzept und die Praxis, dass Schreiben nur ein Metier und keine Existenzform ist, begünstigt die Maschinisierung auch dieser Aktivität. Der Fortschritt (Verfall) kennt kein Halten, wenn damit Geld zu machen ist. Für die „Ingenieure der Seele“ (wie Stalin die Schriftsteller nannte), sind Texterzeugungsprogramme ideale Produktionsmittel. Es stellt sich freilich die Frage: Verfügen jene über diese oder umgekehrt? Und wenn das die schöne neue Welt der Literatur ist, frage ich mich: Wer will das?
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