Montag, 5. Oktober 2026

„Unsere Demokratie“

Man hat ihnen das Wahlrecht gewährt, aber sie haben nichts daraus gemacht. Außer das zu wählen, was nichts ändern. Und allenfalls noch Populisten, die alles noch schlimmer machen. Weder von den Unterschichten, der sogenannten Arbeiterklasse oder Frauen gingen jemals irgendwelche politische Impulse aus, die die Gesellschaft verändert und sich so von dem unterschieden hätten, was „weiße männliche Bürger“ auch so hinbekommen hatten.
Wir leben in einer Demokratie, heißt es immer. Da fragt man sich schon, warum zum Frauen, die sic doch immer für benachteiligt halten und darum Sonderrechte fordern, diese Forderungen immer an Männer richten, die sie ihnen erfüllen sollen, statt einfach entsprechend zu wählen. Sie sind doch in der Mehrheit.
Das Wahlrecht der Untertanen ist ein Mittel zu ihrer Beherrschung, sonst nichts. Indem man den Leuten einredet, sie selbst seien es ja, die alles entschieden, hält man sie davon ab, die wirklichen Entscheidungen derer in Frage zu stellen (oder sich auch nur bewusst zu machen), die wirklich an der Macht sind. Einer Macht, die nicht zur Disposition steht, schon gar nicht durch das Herumwählen der Untertanen.
Die real existierende Demokratie ist, könnte man sagen, eine Verschwörung zum Zwecke der Verhinderung freier, gemeinschaftlicher Selbstbestimmung ― also dessen, was Demokratie im Prinzip zu sein vorgibt,. in der Realität aber nicht ist. Es handelt sich um eine offen zu Tage liegende Verschwörung, die gerade darum unsichtbar bleibt, zumal berufsmäßige und sich selbst berufende Schwätzer unentwegt zu Ablenkungszwecken von Demokratie faseln, als ginge es dabei nicht um Entmündigung, Raub und Betrug, sondern um ernstzunehmende Verfahren, den „Volkswillen“ zu ermitteln und einzusetzen.
Real existierende Demokratie funktioniert nur dann im Sinne ihrer Erfinder und Betreiber, wenn es gelingt, die Leute dazu zu bringen, entgegen ihren Interessen zu wählen. Also nicht Solidarität, Gerechtigkeit, Umweltschutz, allgemeinen Wohlstand und freies Miteinander, sondern Konkurrenz, Ausbeutung, Zerstörung, Unterdrückung, Manipulation, Bespaßung und Ungleichheit.
„Unsere Demokratie“, sagt ihr, und ich lache. Aber es ist kein Scherz, stelle ich fest, ihr meint das ernst. Ihr glaubt wirklich daran, dass das politische System euer eigenes ist und um euretwillen funktioniert. An diesem Glauben haltet ihr fest und beschwört ihn, allen gegenläufigen Erfahrungen zum Trotz. Wobei für einen mündigen Menschen die entscheidende Erfahrung sein sollte, dass sich durch Wahlen nichts ändert. Dass man wählen kann, wen und was man will, dass dann aber irgendwelche korrupten, inkompetenten Statthalter des Kapitals regieren. Wer das nicht mitbekommen hat oder wer es leugnet oder herunterspielt, hat sein Wahlrecht völlig umsonst.

Tefaukritik: „Explosive Mischung“

Was genau will uns dieser trübe, zähflüssige, inhaltsarme „Tatort“ sagen? Dass man Jahrzehnte lang als Tefaukommissarin tätig sein kann, auch wenn man über nur anderthalb Gesichtsausdrücke verfügt? Dass Frauen, die sich von ihren Ehemännern und anderen Beischläfern schlagen lassen, dem nicht entkommen können, weil die Frauenhäuser überfüllt sind. Dass Jungpolizistinnen in ihrer Ausbildung nicht gelernt haben, einen bewaffneten Angreifer zu überwältigen, sondern sich an ihn klammern müssen wie an ihren Lieblingsteddy und dabei und danach herumheulen, als wäre ihnen ihr Handy schon wieder ins Klo gefallen? Dass für geschlagene Frauen die Lösung nur in Mord bestehen kann?
Ich nütze die Gelegenheit, um einmal mehr verpflichtende Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen zu fordern. Wer kein Zeugnis einer erfolgreichen Absolvierung vorweisen kann, muss sich von Männern fernhalten. Frauen, die sich schlagen lassen, verdienen kein Mitleid, sondern psychiatrische Behandlung. Sie sind Opfer, weil sie das sein wollen. Daran ändert die Täterschaft von Männern nichts. Solange das nicht anerkannt wird, ist das ganze Herumgejammer über Gewalt und Femizide realitätsfernes Geschwafel. Frauen, die sich nicht beizeiten selbst ermächtigen ― nicht durch Forderungen an Männer! ―, brauchen von Gleichberechtigung nicht zu reden. Oder soll die ein Geschenk der Männer sein?
Harte Worte? Wenn jemand seine Geldbörse offen sichtbar im Einkaufskorb spazieren trägt, lädt er Taschendiebe geradezu ein. Will das jemand bestreiten? Gewiss, der Dieb ist der Täter. Aber wer sich als Opfer anbietet, braucht auch nicht zu jammern, wenn er bestohlen wird. Er soll daraus lernen und sich in Zukunft schützen. Punkt.

Freitag, 2. Oktober 2026

Zum Funktionieren der Demokratie

Paradoxerweise funktioniert Demokratie gerade dann, wenn sie nicht funktioniert. Will sagen: Wenn durch korrekt ausgeführte demokratische Verfahren Parteien, Politiker und Politiken installiert werden, die nichts zur Lösung der wirklich anstehenden Probleme beitragen ― und in diesem Sinne dysfunktional sind ―, sondern die Probleme verschlimmern, Scheinprobleme zu bearbeiten vorgeben und insgesamt von insgesamt ablenken von den sich jeder demokratischen Verfügung machtvoll entziehenden, die gesellschaftliche Wirklichkeit aber bestimmenden Kräften und deren unheilvollen Absichten und Praktiken ― einer Ablenkung, die nun einmal die Funktion der Demokratie ist und glänzend erfüllt wird.
Wenn Wahlen etwas ändern könnten, wären sie verboten, lautet eine alte Einsicht, und man kann es auch so herum sagen: Weil die Demokratie verklärt wird, die meisten sich übers Wählendürfen freuen und es für ganz, ganz wichtig halten, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, ändert sich nichts. Zur Wahl stehen nicht die, die das Wesentliche entscheiden, und was zur Wahl steht, ist unwesentlich.
Freie, allgemeine und gleiche Wahlen sind eine wunderbare Sache, wenn eine Diktatur gestürzt wurde und eine Gesellschaft sich für einen Neuanfang motivieren will. Demokratie ist besser als Diktatur, keine Frage, nur dass sie eigentlich gar nicht das ist, was die Leute wollen; oder wollen würden, wenn sie wirklich frei sein wollten. wenn sie ihre Leben ohne Zwang und ohne Unterdrückung zusammen mit gleichberechtigten anderen führen wollten.
Die meisten aber sind ohnehin ganz zufrieden mit der behäbigen Demokratie, für die sie sich immer wieder „entscheiden“ dürfen, auch wenn sie tatsächlich nichts entscheiden, weil sie die Systemfrage nicht stellen dürfen. Eine Demokratie aber, die mit Kapitalismus vereinbar ist, ja mehr noch: die diesem zuarbeitet und ihn absichert, ist nicht das, was manche glauben, das es mit Demokratie gemeint ist: gemeinsame Selbstbestimmung; denn Kapitalismus ist Ausbeutung, Unterdrückung, Zerstörung, Betrug und Manipulation. Anders funktioniert Kapitalismus nicht, und das heißt, dass als Hilfsmittel des Kapitalismus fungierende Demokratie, wenn sie funktioniert, dysfunktional ist wie das kapitalistische System insgesamt.
Verklärt wird die Demokratie auch und gerade von denen, die sie in Gefahr sehen, weil immer mehr Menschen das tun, was sie doch eigentlich sollen: sich eine Partei aussuchen und dieser ihre Stimme geben, weil sie von ihr regiert werden wollen. Aber den Freunden der bestehenden Demokratie ist dieses urdemokratische Verhalten auch wieder nicht recht, wenn die freie Wahlentscheidung darauf abzielt, sehr wohl etwas Grundsätzliches zu ändern. Weil Rechtspopulisten, Möchtegernfaschisten und Quasinazis gewählt werden, die das demokratische Votum dafür verwenden wollen, ihre autoritären und illiberalen Phantasien von Reinheit, Überlegenheit, Rücksichtslosigkeit, Ausschluss und Menschenverachtung auszuleben.
Auch das ist paradox: Demokratie gegen die zu verteidigen, die wählen und gewählt werden, weil sie falsch wählen und die Falschen sind. Dass die Leute nicht wählen sollen, wen sie wollen, sondern wählen sollen, wenn sie nach Meinung der Demokratieverteidiger allenfalls wählen dürfen, widerspricht das nicht eigentlich der Demokratie?
Man mag es also drehen und wenden, wie man will: Die einen wollen die wählen, die keine Demokraten sind und letztlich auch keine echten Wahlen wollen. Die anderen hätten gern, dass eine solche Wahl nicht möglich ist (etwa durch ein Parteiverbot), um durch staatliche Einschränkung der Wahlmöglichkeiten diese zu bewahren, auch wenn sie keine echte Wahl sind, weil faktisch nur das Weiterso gewählt werden kann.
Fazit: Wenn die Demokratie dysfunktional ist, also zu Problemlösungen nichts beiträgt (was naturgemäß auch fürs destruktive Rechtswählen gilt), funktioniert sie im Sinne ihrer Betreiber. Funktionierte sie aber richtig ― nämlich als echte Wahl samt der Möglichkeit, sich für anderes als das Bisherige und Fortwurstelnde zu entscheiden ―, wäre das für das System dysfunktional.

Tefaukritik: „Reif für die Insel“

Es gibt diese locker-leichten französischen Filmkomödien, die einfach nur ein Scheißdreck sind, eine Verschwendung von Ressourcen und eine Beleidigung fürs Publikum. „Les Cyclades“ (mit dem oben genannten, ebenso dämlichen wie darum passenden deutschen Titel) ist so ein Fall: unintelligent, von dürftigstem Humor, schlecht geschrieben, erwartbar gespielt, von dem leicht durchschaubaren Trick, das Auge der massentouristisch verblödeten Zuschauer mit dem landschaftlichen Elend hellenische Eilande zu erfreuen, nicht verbessert. Bis zum Ende habe ich die Zumutung nur deshalb geschaut, weil ich hoffte, dass der als dummer geiler Bock hingestellte Maler sich am Ende als französischsprachig und allen Betrug durchschauend herausstellen werde; auch diese Pointe wurde freilich ausgelassen.

Mittwoch, 30. September 2026

Theaterkritik: „1984“ im Theater Spielraum

Es ist traurig und nutzlos, wenn man ins Theater geht und mit der Bestätigung dessen wieder herauskommt, was man schon vorher wusste. Die Aufführung von „1984“ im Theater Spielraum in Wien bestätigte mich darin, dass „Bühnenfassungen“ der Komplexität guter Romane auch nicht annähernd gerecht werden können und, wenn nicht unwahrscheinliche Glücksfälle eintreten oder gewaltiges dramaturgisches Geschick beim Einsatz außerordentlicher Mittel alles herausreißt, als eigenständiges Kunstwerk scheitern müssen.
Spielt lieber Theaterstücke, fordere ich seit langem von den Theatern dieser Welt, es gibt unzählige davon und es werden immer noch neue geschrieben, und lasst die Finger von den Romanen. Denn was immer euch davon versprecht, ihr tut weder dem verwursteten Werk noch eure Kunst einen Dienst damit.
Leider behielt ich Recht. Ein ausschnitthaftes Textaufsagen und eine Verdünnung und Simplifizierung der Vorlage, das formbedingte Weglassenmüssen von Differenzierung, Anschaulichkeit, Reflexion unterbot die reichhaltige Ästhetik einer narrativen Prosa, die auf der Bühne nun einmal nicht imitiert werden kann.
Nicht, dass man sich im Theater Spielraum keine Mühe gegeben hätte. Da war viel Leidenschaft dabei und hin und wieder sogar ein bisschen schauspielerisches Können. Das klingt vielleicht gemein, aber wem wäre damit geholfen, wenn man Spielfreude als Darstellungskunst ausgäbe? Zumal jungen Leute durchaus das Recht, vielleicht sogar die Pflicht haben, sich im Off-Off-Theater auszuprobieren und sich so auf bedeutendere Bühnenleistungen vorzubereiten.
Nicht das aber störte mich am Gebotenen, dass es wie gutes Schülertheater wirkte, dass der Bühnenraum lieblos und die Kostümierung scheußlich war, sondern vor allem die Gewalt, die man dem zu Grunde gelegten Text antat, antun musste, dessen Lektüre vor bald fünf Jahrzehnten mein Denken nachhaltig beeinflusst hat. Dabei war alles da: Unterdrückung, Überwachung, Mangel. Lüge, Hass, Umfälschen der Vergangenheit, Sehnsucht, Denunziation, Folter, Kapitulation. Das wurde alles vorgeführt, geradezu vorgetanzt und vorrezitiert, nur eben ohne die Anschaulichkeit und reflexive Intensität des Romans. Wer diesen nicht gelesen hatte, blieb ohne Angebote für die Einbildungskraft, wer ihn gelesen hatte, musste seine Bilder wohl von dort beziehen, und wer ihn hinterher erst lesen wird, darf das „Stück“ getrost vergessen.
Nein, ich meine nicht, dass man es besser machen kann, als es im Theater Spielraum gemacht wurde. Ich meine, dass man es überhaupt lassen sollte. „Romane lesen, Dramen spielen“, sollte die Devise sein. Damit wäre allen geholfen. Besonders mir. Ich wäre so gern eines Besseren belehrt worden. Leider wurde nichts daraus.