Dienstag, 16. August 2022

Balken & Splitter (81)

Verstehe ich das richtig: Weil die Gasverkäufer auf Grund bestehender Verträge ihre Ware nicht beliebig verteuern können, greift ihnen Vater Staat unter die Arme und bestimmt durch ein Gesetz, dass die Gaskäufer höhere Preise zu zahlen haben, genannt „Gasumlage“. Dann jammert Vater Staat, dass die Bürger und Bürgerinnen, vor allem die einkommensschwachen, von höheren Preisen ungebührlich belastet würden. Und erwägt allerhand „Entlastungen“.
Auf die einfache Idee, dass die niedrigen Einkommen erhöht werden müssen, kommt anscheinend keiner. Höhere Preise, höhere Einkommen, das wäre ja Inflation. Die beträfe auch die (jetzt schon) höheren Einkommen, die ja dann ein bisschen weniger wert wären, und das geht nicht.

„Übergewinne“ besteuern, eine phantastische Idee! Nur dass keiner erklären kann, was genau ein Übergewinn ist. Gewinn ist Gewinn, es gibt große und kleine, aber kein Zuviel. Und gilt es nicht als Logik der Marktwirtschaft, dass steigende Nachfrage und sinkendes Angebot die Preise erhöhen? Besteht die Intention dieser Wirtschaftweise nicht darin, Profite zu maximieren? Und trotzdem machen die Mineralölkonzerne jetzt angeblich etwas falsch, weil sie genau der Logik und Intention folgen, die sonst als die Voraussetzungen der besten aller Welten gelten? „Eat the rich“ mag populär sein, und am liebsten hätten die Autofahrer und Autofahrerinnen ihren Sprit ja umsonst, aber aus Ressentiment und Widersinn wird weder soziale Gerechtigkeit noch ökonomische Rationalität entstehen. Es braucht in Wirklichkeit ein anderes Wirtschaften, eine andere Logik, ein andere Absicht ― als die, die Reichen reicher werden zu lassen und den Rest in Schach zu halten; mit spontanen, improvisierten und willkürlichen Enteignungen wird nichts erreicht als innerkapitalistische Umgruppierung und Neuformation. Das System bleibt dasselbe. (Zudem wird es verdammt schwer, Unternehmen, die hierorts kaum oder gar keine Steuern zahlen, höher zu besteuern …)

Montag, 15. August 2022

Glosse CX

Facebooks Automat übersetzt Fête de l'Assomption mit Fest der Wahrscheinlichkeit. Ich falle lachend vom Stuhl.

Dienstag, 9. August 2022

Glosse CIX

Der Dessert. Der Bruschetta. Die Pesto. Die/der Basilikum. Man muss des Französischen, Italienischen oder Lateinischen nicht mächtig sein, um solche teutonischen Geschlechtsverirrungen als Misstöne zu hören. Man muss nur Deutsch können.

Glosse CVIII

In einem Café im heutigen Lwiw () vor dem Zweiten Weltkrieg (). Nun, ich halte doch eher dafür, dass es sich in der Zeit vorm Zweite Weltkrieg durchaus um das damalige Lwiw gehandelt haben muss. Oder geht es um den ukrainischen Namen L'viv im Unterschied zum polnischen Lwów, zum russischen Lvov, zum armenische Lvov, zum jiddischen und deutschen Lemberg? Man sollte nicht so tun, als hätten die Ukrainer irgendwann der Stadt, die eigentlich anders geheißen habe, einen neuen Namen verpasst. Die Stadt wurde mit all den erwähnten Namen (und dem lateinischen Leopolis, dem französischen Léopol, dem italienischen Leopoli usw.) zu fast allen Zeiten genannt, also vorm Ersten, vorm Zweiten und sogar jetzt, vorm Dritten Weltkrieg, mal amtlich, mal mal nicht, die verschiedenen, verlustlos ineinander übersetzbaren Namen koexistierten und koexistieren selbst heute immer noch ein bisschen, zumindest in der Erinnerung und in der Phantasie

Samstag, 6. August 2022

Dienst am russischen Bären

„Amnesty international“ behauptet, die Ukraine verstoße gegen Völkerrecht, weil seine Streitkräfte im Zuge der Verteidigung gegen Russland Angriff „aus Wohngebieten heraus opriert hätten“.
Geht’s noch?
Wenn Müller den Meyer erschießen will, Meyer neben Schulze steht und Müller Schulze erschießt ― ist dann Meyer am Tod von Schulze schuld? Nein, selbstverständlich Müller.
Was für einer perversen Logik der Schuldumkehr folgt „amnesty international“ da? Auf ihrem eigenen Territorium dürfen sich die ukrainischen Verteidiger doch wohl aufhalten, wo sie wollen, wie kann das völkerrechtswidrig sein? Und um die von Russland Vernichtungskrieg betroffenen Gebiete, einschließlich der Wohngebiete, zu verteidigen, müssen die Ukrainer ja wohl von auch dort aus operieren.
Mit seinen absurden Anschuldigungen erweist sich „amnesty international“ einen Bärendienst. Die Vertrauenswürdigkeit der Organisation leidet. Ich kenne die Hintergründe nicht, weiß also nicht, was „amnesty“ dazu bewogen hat, solchen Blödsinn von sich zu geben. Das ukrainische ai-Büro war jedenfalls, wie es mitteilt, nicht in die Erstellung des Berichtes eingebunden und die Darstellung erfolgt ausschließlich russischen Angaben. 
Man sollte denken, „Amnesty international“ habe mehr als genug mit den tatsächlich Verbrechen Russlands in der Ukraine und in Russland zu tun, da müsse es nicht noch ukrainische Völkerrechtsverstöße erfinden.