Freitag, 1. Mai 2026

Vorfälle, Übergriffe, Drohungen?

Widerlich, dieses multimediale Gejammer über angeblich „antisemitische“ Übergriffe ― während in der Realität der Staat Israel gleich mehrere Kriege führt und Völkermorde verübt. In der BRD gilt es schon „Antisemitisch“, wenn jemand Palästina erwähnt. Nach den neueren Zahlen (aus den zwölf Monaten seit dem 7. Oktober 2023, in denen Israel völlig jede Hemmung fallen ließ) melden nur 46 der 102 jüdischen Gemeinden in der BRD „Vorfälle, Übergriffe oder Drohungen“, also nicht einmal die Hälfte und das trotz einer so weit gefassten Begrifflichkeit.
Mit anderen Worten: „Antisemitismus“ kommt in der deutschen Gesellschaft kaum vor oder hat zumindest kaum Auswirkungen. Was verwundern könnte. Stehen doch deutsche jüdische Gemeinden und Organisationen fest an der Seite des Zionismus und seiner menschenverachtenden Praktiken (und behandeln jede Kritik, als versuche jemand die Gaskammern zu reaktivieren).
Angesichts ihrer überwiegenden Komplizenschaft mit abscheulichen Verbrechen leben Juden und Jüdinnen in der BRD erstaunlich unbehelligt. Übrigens auch anderswo, etwa in Großbritannien. (Wo ein Messerangriff Schlagzeilen macht und Terrorwarnstufen erhöhen lässt, während die israelfreundliche Regierung zu Völkermord und Angriffskriegen schweigt.)
Ich möchte nicht, dass das anders wird. Ich missbillige Übergriffe und Angriffe. Aber ich betrachte es nicht als Beschimpfung oder Bedrohung, wenn Tatsachen erwähnt und klare moralische Urteile gefällt werden.
Niemand hat etwas davon, wenn außerhalb Israels Privatpersonen oder auch prozionistische Vereinigungen attackiert werden. Das nützen diese immer nur zu Propaganda: zur Umkehr von Opfer und Täter.
Was es braucht, ist die Unterstützung antizionistischer, propalästinensischer, antikolonialistischer Aktivisten und Aktivistinnen. Und einen Rechtsstaat, der nicht die Lügen der Verbrecher, sondern die Wahrheit der Opfer schützt.

Mittwoch, 29. April 2026

Notiz zur Zeit (265)

Die bundesdeutsche Gesundheitsministerin hält Einschränkungen bei den Versicherten für notwendig. Man habe, behauptet sie, seit Jahren über die Verhältnisse gelebt. Hm. Welche Verhältnisse meint sie? Die, in denen die Reichen immer reicher werden und Kinder- und Altersarmut zunehmen?
 
Weiters sagt dieselbe Dummschwätzerin, um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, müsse jeder seinen Anteil leisten. Mit „jedem“ meint sie wohl alle, die wenig haben, aber auf keinen Fall die, die zu viel haben. Außerdem finde ich nicht, dass man sagen kann, dass der Preis für Brötchen stabil bleibt, wenn die Brötchen kleiner werden. Und man auch nochwas dazuzahlen muss.

Donnerstag, 23. April 2026

Die Preise der Macht

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, lautet das Dogma. Gemeint ist: Was selten ist, aber viele haben wollen, kann teuer verkauft werden. Was hingegen wenige haben wollen und reichlich vorhanden ist, muss billig abgegeben werden, wenn man denn überhaupt ein Geschäft machen will.
Man kann es aber auch anders sehen: Der Preis ist das, was ein Verkäufer einem Käufer, der nirgendwo anders (etwas anderes) kaufen kann, im Höchstfall abknöpfen kann, bevor der überhaupt auf den Kauf verzichtet. Eine Verknappung des Angebots spielt dem Verkäufer in die Karten (unter Umständen noch mehr als die Wertigkeit der Ware), das Massenhafte (das oft mit Minderwertigkeit der Ware einhergeht) den Käufern.
Dass etwas teuer ist, macht es nicht besser. Mag sein, dass Gutes teurer ist als Minderwertiges. Doch für die Preisbildung spielt eher die Seltenheit eine Rolle.
Aber warum eigentlich? Wenn ein Bäcker täglich 500 Brötchen bäckt, ihm jedoch eines Tages durch einen technischen Defekt 100 verbrennen, er also im Laden nur noch 400 zum Verkauf anbieten kann, dann kann er ja nicht einfach sagen: So, jetzt kostet ein Brötchen nicht mehr 60 Cent, sondern 75, damit ich meinen Ausfall ausgleichen kann. Sonst sagen die meisten Kunden wohl: Danke, aber dann kaufe ich eben woanders. Schon gar nicht kann er sagen: Ich nehme besser gleich 90 Cent, wer weiß, wann der technische Defekt behoben sein wird. Denn wer anderswo weiter ein Brötchen um 50 oder 60 Cent einkaufe kann, wird das, wenn irgend möglich, auch tun, und der Bäcker hat erst recht Verluste. (Zu Recht.)
Anders die Konzerne, die sich mit dem Verkauf fossiler Brennstoffe eine Art von Lizenz zum Gelddrucken verschafft haben. Krieg der USA gegen den Iran, Speere der Straße von Hormus? Na, da erhöhen wir schon einmal die Preise an den Tankstellen. Obwohl sich unsere Einkaufspreise noch gar nicht erhöht haben. Und selbst wenn Benzin und Diesel wirklich knapp würden: Es handelte sich doch um dieselben Produkte, sie sind nicht besser geworden, warum also teurer? Auch die Nachfrage steigt ja nicht. Warum also der Preis? Weil die Gelegenheit günstig ist.
Und im Unterschied zum Bäckerbrötchen kann der unzufriedene Kunde nicht einfach zu einer anderen Tankstelle wechseln, wenn alle Konzerne die Preise erhöhen. Wem die Brötchen überall zu teuer sind, der kann auf andere Backwaren umsteigen. Wer seine „Mobilität“ von fossilem Treibstoff abhängig gemacht (oder gehalten) hat, muss zahlen, was verlangt wird. Darf aber jammern. denn anscheinend erwartet niemand ― außer irgendwelchen Ökospinnern wie ich ―, dass höhere Spritpreise zu weniger Fahrten führen. Und das scheint zeitnahen Untersuchungen zu Folge auch nicht der Fall zu sein: Es wird gejammert, getankt, gefahren ― und geblecht. Sinnvolle Vorschläge wie ein allgemeines Tempolimit werden sowieso als unrealistisch weggebügelt. Warum spritsparende Geschwindigkeitsbegrenzungen entmündigend sein sollen, hohe Spritpreise jedoch nicht, versteht dabei wohl nur die fossilfixierte Volksseele.
Energieverbrauch senken, Energie nachhaltig und erneuerbar ezeugen: Darum ginge es. Weniger „Individualverkehr“, mehr und bessere öffentliche Verkehrsmittel. Stattdessen sind weiterhin Flugreise, Flughafenausbau und der Bau von gigantischen Rechenzentren angesagt. Es ist, als ob die Menschheit (oder ein leider entscheidender Teil derselben) die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Flora, Fauna und Menschheit geradezu herbeisehnte. Dazu kommen noch die Realitätsabgewandten, die darauf setzen, neue Technologien würden schon irgendwie rechtzeitig alles richten. Die moderne Technik hat die Welt in die Scheiße geritten, nun soll sie sie (demnächst, versprochen!) wieder herauszerren? Gibt es irgendein Indiz dafür? Oder nicht doch bloß Symptome des destruktiven Technofaschismus?
Um auf Bäcker und Konzerne zurückzukommen: Der einzelne Bäcker hat wenig Macht, darum kann er seine Kunden nur wenig bescheißen. Die Multis aber haben sich Machtpositionen geschaffen und darum machen sie gewaltige Geschäfte ― auf Kosten der Kunden, der Zulieferer, der Arbeitnehmer, der Umwelt. Wohlgemerkt: Weil sie mächtig sind, machen sie irrsinnige Vermögen, nicht andersherum. Ihre Gewinne sind abhängig von eigener Marktmacht und von den Staaten, die ihre schützende Hand über Betrug, Ausbeutung, Zerstörung halten.
Im finsteren Mittelalter wurden Bäcker, die zu kleine Brötchen buken, aber dasselbe Geld dafür verlangten, gern in Käfige gesteckt und samt diesen dann in Gewässer getunkt. In unseren herrlichen moderne Zeiten ärgern sich die Leute über die Mineralölkonzerne, aber tanken, zahlen, verbrauchen trotzdem. Was ist vernünftiger?

Glosse CLXV

Kochküche. Selbst für Behördensprech ist das verrückt.

Montag, 13. April 2026

Wie ich es halte

Man kann mir, wenn man möchte, womöglich mancherlei vorwerfen, aber nicht, dass ich nicht konsequent bin. Mag sein, dass ich mich bei diesem oder jene täusche oder irre, dass ich etwas falsch einschätze oder bewerte, dass ich Vorlieben habe und blinde Flecken. Aber immerhin bin ich meiner Meinung nach völlig folgerichtig in meinen Parteinahmen: für die Schwachen gegen die Starken, für die Unterdrückten gegen die Herrschenden, für die Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter, für die Geschädigten gegen die Verursacher, für die Bedürftigen gegen die Verschwender, für die Verleumdeten gegen die Verleumder, für die an den Rand Gedrängten gegen die Vorherrschenden, für die Ehrlichen gegen die Lügner, für die Friedfertigen gegen die Hetzer, für die Wehrlosen gegen die Übergriffigen, für die Ausgesetzten gegen die Eingebunkerten, für die Aufbrechenden gegen die Festsetzer, für die konstruktiven Kritiker gegen die unkritisch Destruktiven, für die Nachdenklichen gegen die Dummschwätzer, für die Unangepassten gegen die Konformisten, für die Moralapostel gegen die konsumistischen Hedonisten, für die Utopisten gegen die Ablenker und Zerstreuer, für die Verdummungsopfer gegen die Verdummungstäter, für die Großzügigen gegen die Knausrigen, für die Feinsinnigen gegen die Brutalen, für die Differenzierten gegen die Niveaulosen, für die Fürsorglichen gegen die Entmündigenden, für die Kultivierten gegen die Vulgären, für die Ehrlichen gegen die Betrüger, für die Schlichten gegen die Gezierten, für die Unverdorbenen gegen die Verführer, für die Anständigen gegen die Rücksichtslosen, für die Aufklärenden gegen die Finsterlinge, für die zu Selbstkritik Fähigen gegen die Bedenkenlosen, für die Menschenfreunde gegen die Maschinenknechte, für die relativistischen Relativisten gegen die absolutistischen Absolutisten, für die Freiheitsliebenden gegen die Unterwürfigen.