Jeder Mensch hat dasselbe Recht darauf, danach beurteilt zu werden, ob er sich anständig verhält oder selbstsüchtig, heuchlerisch, schamlos, gierig, gemein und bösartig, ob er zu den Sachkundigen gehört oder zu dem Dampfplauderern, ob zu den Befähigten oder zu den Untauglichen, zu den Wohlgesinnten oder zu den Böswilligen, zu den Großzügigen, Hilfsbereiten und Verantwortungsvollen oder zu den Geizigen, Kaltherzigen und Gleichgültigen, zu den Selbstkritischen oder den Egomanen, zu den Barmherzigen oder den Grausamen, zu den Verbesserungswilligen oder den Angepassten; und je nach dem darf man jeden Menschen für einen erträglichen bis erfreulichen Zeitgenossen halten oder für einen minderwertigen.
Minderwertig im moralischen, kognitiven, charakterlichen Sinne, beurteilt nach Verhalten und geäußerten Überzeugungen; selbstverständlich nicht nach Abkunft, Herkunft, zufälliger Zugehörigkeit.
Minderwertigkeit ist kein Schicksal, schon gar kein angeborenes. Prägung, Erziehung, Milieu, Kontext ― das macht etwas mit den Menschen. Es gibt Strukturen, Institutionen, Gewohnheiten, obrigkeitliche Normen und soziokulturelle Anreize, die die Entfaltung der in jedem Menschen angelegten Güte behindern, beschränken, unterbinden. Wie man zum Guten geführt werden kann, so kann man zum Bösen verführt werden.
Die Möglichkeit zur Minderwertigkeit ist jedem gegeben, die Gefährdung ist groß, und doch gelingt es vielen, sich nicht reduzieren zu lassen aufs Niedrige und Gemeine, sondern ab und zu zu oder habituell das Richtige zu tun. Andererseits nutzen nur wenige die ebenfalls fast jedem gebotene Chance, dauerhaft angeeigneten Verkümmerung zu entkommen.
Minderwertig im moralischen, kognitiven, charakterlichen Sinne, beurteilt nach Verhalten und geäußerten Überzeugungen; selbstverständlich nicht nach Abkunft, Herkunft, zufälliger Zugehörigkeit.
Minderwertigkeit ist kein Schicksal, schon gar kein angeborenes. Prägung, Erziehung, Milieu, Kontext ― das macht etwas mit den Menschen. Es gibt Strukturen, Institutionen, Gewohnheiten, obrigkeitliche Normen und soziokulturelle Anreize, die die Entfaltung der in jedem Menschen angelegten Güte behindern, beschränken, unterbinden. Wie man zum Guten geführt werden kann, so kann man zum Bösen verführt werden.
Die Möglichkeit zur Minderwertigkeit ist jedem gegeben, die Gefährdung ist groß, und doch gelingt es vielen, sich nicht reduzieren zu lassen aufs Niedrige und Gemeine, sondern ab und zu zu oder habituell das Richtige zu tun. Andererseits nutzen nur wenige die ebenfalls fast jedem gebotene Chance, dauerhaft angeeigneten Verkümmerung zu entkommen.
Andere Menschen haben andere Lebensentwürfe. Daran ist zunächst nichts Besonderes und auch nichts auszusetzen. Dass mir dies und das womöglich nicht gefällt, muss ich aushalten. Jeder darf so leben, wie er will, und soll so leben dürfen wie er kann. Allerdings sind die verschiedenen Lebensweise nie ganz ohne Auswirkungen aufeinander, Wirkungen, die unterschiedlich ausfallen, aber immer insgesamt das gesellschaftliche Gefüge bestimmen.
Wenn ich also vermuten muss und belegen kann, dass diese oder jene Lebensweise für andere unangenehm, bedrückend, gefährdend oder schädlich ist, vielleicht sogar für alle, für die Gesellschaft als ganze, dann bin ich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, das zu kritisieren, Rechenschaft zu verlangen und auf Änderung zu drängen.
Wenn ich also vermuten muss und belegen kann, dass diese oder jene Lebensweise für andere unangenehm, bedrückend, gefährdend oder schädlich ist, vielleicht sogar für alle, für die Gesellschaft als ganze, dann bin ich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, das zu kritisieren, Rechenschaft zu verlangen und auf Änderung zu drängen.