Samstag, 28. März 2026

Videant male consulti …

Die ösiländische Obrigkeit will ein Verbot von Sozialen Medien für Personen im Alter von weniger als vierzehn Jahren. Das soll Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten schützen. Warum man nicht geschützt zu werden braucht, wenn man fünfzehn oder älter ist, bleibt Staatsgeheimnis. 
Medienkompetenz ist das Stichwort. Die soll künftig in den Schulen auch im Fach „Medien und Demokratie“ eingetrichtert werden, wofür der Latein-Unterricht um zwei Stunden gekürzt werden soll, (Was mit denen ist, die keinen haben, ist kein Thema.) 
Pädagogische Peitsche und altbackenes Zuckerbrot: Medienverbot und Main-Stream-Indoktrination sollen übrigens auch gegen „Radikalisierung“ helfen. (Radikalisierung, das ist, wenn man die ganze verordnete Scheiße ablehnt. Das darf man nicht.)
Ob im Unterricht auch nur ein kleines bisschen Wahrheit vorkommen darf? Dass Demokratie ein Farce ist, die das politische Bewusstsein der Leute einschläfern soll? Dass der Staat ein Werkzeug der Reichen ist, durch das sie noch reicher werden sollen? Dass die FPÖ faschistisch ist und dass Parteien, die mit ihr kollaborieren, (schon allein) darum quasifaschistisch sind? Dass nur fundamentale, radikale, extreme Maßnahmen zu einer Lösung der ökologischen, sozialen, politischen, kulturellen Probleme etwas Sinnvolles beitragen können und das übliche Weiterwursteln korrupter und ideologisch verbohrter „Mandatsträger“ verbrecherisch ist? Wohl kaum.
Hinschauen verboten! Denken verboten! Mitlaufen erlaubt.

Glosse CXLIV

Was war denn einer der größten Meilensteine im Umgang mit psychisch Erkrankten?, fragt die Tefau-Reporterin den wissenschaftlichen Leiter der heurigen niederösterreichischen Landesausstellung. (Und der lacht sie nicht aus, sondern antwortet sehr ernsthaft.) Vielleicht ist es im Paralleluniversum des österreichischen Rundfunks tatsächlich so, dass es dort sehr kleine Meilensteine für sehr kurze Meilen gibt und für die ganz langen Meilen gibt es sehr große Meilensteine. Oder aber: bei der Vertreterin der Journaille hat das zwanghafte Verwenden von Floskeln das Hirn angegriffen.
Besagter wissenschaftlicher Leiter sprach dann von einem Künstler, der seinem Talent nachgegangen sei und Aquarelle bemalt habe. Der „Leiter der Landessammlungen Niederösterreich“ ist entschuldigt. Er ist Akademiker (Magister), muss also der Sprache nicht mächtig sein, schon gar nicht in freierc Rede. Ein feiner Zwirn genügt für den öffentlichen Auftritt. 

Mittwoch, 25. März 2026

Hass auf Israel

Die Journalistin Ana Kasparian hat klargestellt. „Ihr werdet nicht gehasst, weil ihr jüdisch seid. Ihr werdet gehasst, weil ihr unschuldige Menschen tötet.“ Sie weist damit den Vorwurf zurück (der beispielsweise in der BRD Staatsdoktrin ist), sich gegen Israels Verbrechen auszusprechen, sei „antisemitisch“. Kasparian erklärt, dass sich ihr Zorn nicht gegen das jüdische Volk, sondern explizit gegen den Zionismus und die Politik der israelischen Regierung richte, insbesondere angesichts der andauernden, verheerenden zivilen Opferzahlen in Gaza, Libanon und Iran.
Kasparian hat völlig Recht. Allerdings muss man andererseits auch sagen, dass alle jüdischen Organisationen, einschließlich der Kultusgemeinden, die entweder Israel erlauben, im Namen aller Juden zu sprechen, oder die Israel sogar unterstützen (egal, ob „im Prinzip“ oder in jeder Hinsicht) und die sich nicht wahrnehmbar und unmissverständlich gegen die zionistischen Verbrechen Stellung zu beziehen, nichts anderes als Komplizen sind.
Das gilt auch für jeden einzelnen, der je in der Öffentlichkeit „als Jude“ gesprochen hat und sich, beispielsweise als Zeitzeuge oder Intellektueller, für zuständig hält, über Politik und Moral, Gewissen und Unrecht zu reden. Wer nichts gegen Israel sagt, wer nicht ohne Vorbehalt Verbrechen Verbrechen nennt, soll schweigen. Wer aber schweigt, stimmt zu, und wer zustimmt, hilft mit.
Zudem geht es nicht nur um den Mord an Unschuldigen und Zivilisten. Man darf auch angebliche oder tatsächliche Kombattanten nicht ohne weiteres massakrieren, und auch im Krieg (den wer wem erklärt hat?) hat jeder als unschuldig zu gelten, der nicht in einem ordentlichen Verfahren von einem unabhängigen und zuständigen schuldig gesprochen wurde. Einfach so „Feinde“ abzumurksen, ist kriminell. Massenhaft Menschen zu töten, zu verletzten, zu Vertreiben, ihrer Lebensgrundlagen zu berauben, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Das kann man wollen. Aber dann ist man hassenswert. Man kann es auch billigen oder beschweigen. Aber dann ist man ebenfalls hassenswert. Ja, Hass ist hässlich und nichts Gutes. Aber manchmal ist er berechtigt und unvermeidlich.

Montag, 23. März 2026

Aufgeschnappt (bei Robert Spaemann)

Nicht um Gesinnungsgenossenschaft kann es heute gehen und nicht darum, lieber mit den Freunden zu irren als mit Nicht-Freunden recht zu haben. Irrtum ist in unserer Lage schlimmer als jede Lumperei.

Dienstag, 17. März 2026

Trampelpfade

Als Kind und Jugendlicher mochte ich sie überhaupt nicht, diese von unzähligen Füßen nach und nach und seit langem in irgendeine Grünfläche hineingestampften Abkürzungen, meistens krumm, längst zur Institution geworden, die alle nutzen, nützlich, weil zeitsparend. Sie waren eine ungeplante, zunächst spontane Weigerung, die von anonymen Planern festgelegten Wege zu gehen, die umständlicher waren, meistens rechtwinklig, immer gepflastert oder asphaltiert. Ich ging lieber die vorgesehen Wege. Die Abweichungen erschienen mir hässlich und zwanghaft, ein Verstoß gegen sinnvolle Ordnung und eine Anmaßung Unbefugter. Gerade weil alle anderen die Trampelpfade nutzten, verweigerte ich sie.
Erst später im Leben begriff ich, dass die von den Leuten ausgetreten Wege auch ein ein Protest waren gegen die Unüberlegtheit des obrigkeitlichen Planens und Bauens, das nicht Bequemlichkeit der Benutzer, sondern Gängelung durch abstrakte Formen im Sinn hatte.
Ich war immer eigensinnig und gerade darum skeptisch gegenüber vorgegeben Rebellionen. Wenn, wie gesagt, alle den Trampelpfad nutzen, ist er keine Abweichung mehr, sondern eigentlich eine Vorschrift. Andererseits verletzt er sehr wohl die gebauten Vorschriften. Es ist also schwierig, einen Weg zu finden, der den eigenen aufrechten Gang weder dem Konformismus der Masse unterwirft noch sich abfindet mit der angemaßten Autorität herrschender Strukturen. Man müsste halt durch Wände gehen können. Da man das aber nicht kann, gilt es im Einzelfall zu unterscheiden, welcher Weg der bequemere und zweckmäßigere ist. In jedem Fall sollte es der eigene sein.