Montag, 2. März 2026

Samstag, 28. Februar 2026

Stand der Dinge (6)

Ich gebe zu, ich will von alledem möglichst nichts wissen. So wenig, wie überhaupt geht. Man entkommt dem zwar trotzdem nicht, aber man muss sich ihm ja nicht auch noch zuwenden. Das Schreckliche wird nicht weniger schrecklich, wenn man darüber ins Bild gesetzt wird. Wenn man sich dem Gerede derer aussetzt, die auch nicht mehr zu sagen wissen, als dass das Schreckliche schrecklich ist, aber die sehr froh sind, darüber reden zu dürfen. Viel reden zu dürfen. Das Schreckliche wird nicht weniger schrecklich, aber es wird banalisiert. In gewohnte Formate eingefügt. Das ist ein Schreckliches zweiter Art, das vielleicht das Schreckliche erster Art irgendwie erträglich und konsumierbar machen soll, aber gerade das will ich nicht und kann ich nicht. Das Schreckliche ist unerträglich und soll es bleiben müssen. All das Gerede ist schlimmer als Nichtstun. Zumal man wirklich nichts tun kann. Ja, man könnte protestieren. Weil das die Machthaber dieser Welt immer sehr beeindruckt. Sie sind ja bekannt dafür, zugänglich zu sein für rationale Argumente und moralische Einwände. Proteste rütteln selbstverständlich auch die Massen auf, die schweigende Mehrheit. Auch die ist ja bekannt dafür, zugänglich zu sein für rationale Argumente und moralische Einwände. Sogleich geht sie dann nach den Protesten zur Aktion über und beendet die Missstände. Aber nein, auch Spott ist keine Hilfe. Wer protestieren mag, soll es tun, wenn er sich dann besser fühlt. Ich will mich gar nicht besser fühlen. Aber auch nicht noch schlechter durch das Aufbereiten all der Einzelheiten. Mir genügt es zu wissen, dass Schreckliches geschieht, ungeheures Leid, ungeheures Unrecht, und dass ich dagegen bin. So nutzlos das ist. So nutzlos es ist, dagegen anzuschreiben und angeschrieben zu haben. Du kannst ein Leben lang sagen, was alles nicht stimmt, und kannst sogar Vorschläge machen, was zu tun wäre, um es besser zu machen. Aber wenn die Leute nicht wollen, dann kannst du nichts machen. Lasst mich in Ruhe damit.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Notiz über das Geschlechterverhältnis

„Der männliche Blick ruht auf der Frau.“ So stellt sich Klein-Erna (jeglichen Geschlechts) das vor. Jeder Mann ist vom Begehren von Frauen bis oben hin angefüllt. Die armen Frauen aber wollen gar nicht Schauobjekte sein, sie brezeln sich bloß so auf, nur für sich selbst, weshalb sie all den Aufwand der Kosmetik, Kleidung, Körperformung in der Öffentlichkeit am liebsten unter ein Burka verborgen hielten. Denn Frauen möchten eigentlich für ihre intellektuellen, moralischen, technischen Kompetenzen anerkannt werden. Bloß, die dummen Männer, die besser schauen als denken können, die reduzieren Frauen immer auf ihr Aussehen, so dass sie statt über Spinoza und Sartre, Nockenwellen und Doppelflanschrotatoren, Rote Zwerge und Parallaxensekunden zu reden, Schminktipps geben und Aperol Sprizz saufen müssen. Mit der Peitsche werden Frauen schon als Bädchen (nach der Ballerina- und Prinzessin-Phase) dazu getrieben, lieber Influencerin, Model oder Nagellackentfernerin werden zu wollen als Bauarbeiterin, Zerspanungsmechanikerin oder Totengräberin.
(26. Mai 2023; leicht überarbeitet)

Montag, 23. Februar 2026

Glosse CXLIII

Tscheopspyramide. (So im Tefau gehört.) Damit ist jetzt hoffentlich der Gipfel der Verblödung und somit Tiefpunkt der Bildung erreicht.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Notiz über Technikkonsum

Als es erfunden worden war und auf den Markt kam, brauchte kein Mensch so ein Ding. Wer es sich anschaffte, hatte einfach ein neues Spielzeug. Und zeigte, dass er „für Neues offen“ war, also bereit sich, den Konsumwünschen, die ihm nahegelegt wurden, zu unterwerfen. Dann aber verbreitete sich der Besitz des Dings, zu Zeiten geradezu explosiv, und schließlich wurde es allgemein. Fast jeder besaß eines oder mehrere. Wer dann nicht „wie alle“ eines besaß, war ausgeschlossen und galt als minderbemittelt. Als schließlich unübersehbar wurde, welche Nachteile der Gebrauch des Dings für alle hatte, hieß es: Es geht nicht mehr ohne.
Für „Ding“ kann man in dieser Geschichte, die immer mehr oder minder gleich zu verlaufen scheint, verschiedenes einsetzen; das Automobil oder das Mobiltelephon, den Kühlschrank oder die Klimaanlage. Immer geht es um Konsumterror, beschränkten nutzen und erhebliche ökologische, kulturelle und seelische Kosten
(24. März 2023; überarbeitet)