Freitag, 6. November 2026

Eine falsche Revolution

Sie nennen es Revolution, aber es ist nur ein Blutvergießen, ohne Sinn und Verstand, aus Mordlust und Zerstörungswut, um irgendwen an die Macht zu bringen, der es vorher nicht war, und die, die an der Macht waren, endlich abzumurksen. Massenmord als Politik, davon träumen viele. Lüge, Habgier und Wollust sind in solchen Zeiten als praktische Vernunft anzuerkennen. Hass und Schrecken sollen Gemeinschaft stiften, und man befüllt Lager und Massengräber mit den Hinderlichen. Gewalt weicht der Gewalt, und wer nicht entkommen kann, muss sich unterwerfen oder verschwinden.
 
Sie schreiben den Menschen vor, was sie denken müssen und erklären falsches Denken zum Verbrechen. Aber zu ihrem großen Ärger können sie nicht in die Köpfe hineinsehen und wissen darum nicht, ob sich hinter gehorsamem Reden nicht doch unzulässige Gedanken verbergen. Also sind ihnen alle jederzeit verdächtig und gelten ihnen im Grunde schon als schuldig.
 
Am meisten misstrauen die, die an der Macht sind, und sei es auch nur ein wenig, einander. Und das zu Recht. Jeder von ihnen ist jederzeit bereit, jeden anderen zu verraten, wenn ihm das einen Vorteil verschafft oder weil es verlangt wird. Jeder ist eines jeden zukünftiger Henker.
 
Weil sie nichts zu sagen haben, reden sie viel. Die Phrasen, die sie vorbeten und die unbedingt nachzubeten sind, werden immer mechanischer. Immer ist alles gerechtfertigt, was sie wollen und tun, auch wenn es gestern etwas anderes war. Widerspruch gibt es nicht. Wer widerspricht, wird ausgelöscht.
 
Weil Menschen bloß Dinge sind, die man zu jedem Zweck gebrauchen kann ― was für eine bequeme Ideologie! ―, gibt es weder Achtung noch guten Willen. Nur Macht. Nur Bitterkeit. Säuerlichkeit. Weggespülte Verzweiflung.
 
Weil sie die Realität nur durch Zerstörung und Mord, durch Unwahrheit und Terror die Realität gestalten können, interessiert sie diese nicht, sie leben in einer Scheinwelt, alles ist dort schön und wird immer schöner. Sie überprüfen das mit Genickschüssen.
 
Die totale Freudlosigkeit, all der Schmutz und Verfall und die Trostlosigkeit alles Neuen und der erwartbaren Zukunft spitzt sich zur äußerten Erniedrigung zu, wenn die eigene Entrechtung, Entwürdigung und Beraubung auch noch unentwegt gefeiert werden muss.
 
In diesem Sinne bin ich gewiss ein Konterrevolutionär, ein entschiedener Gegtner des Umsturzes um des Umsturzes willen, um der Gewalt willen, um des Tötens willen, um der Unmoral willen, um der Macht willen. Eine sogenannte Revolution, die zur Unfreiheit führt, zu Heuchelei, zu verschärfter Ausbeutung von Mensch und Natur, ist ohne jeden Zweifel verdammenswert. Überhaupt tauschen politische Revolutionen nur die Machthaber aus. Das ist belanglos, auch wo es furchtbar ist. Zu einem besseren Leben, auch miteinander, führt nur die geistliche Revolution, die Umkehr zum Willen Gottes.

Donnerstag, 5. November 2026

Über Witz

„Das ist zu Ernst, um darüber Witze zu machen“, sagt irgendwer. Je nun, denke ich mir, wenn es tatsächlich zu ernst ist, dann sollte es ja wohl besser weniger ernst genommen werden. Und was wäre tauglicher, den Ernst zu mindern, als ein Witz?

Mittwoch, 4. November 2026

Ein paar Bemerkungen

Statt das Gesicht zu verziehen, über das, was ich euch zumute, solltet ihr froh sein über das, was ich euch erspare.
 
Meinetwegen können die alle Hans heißen, auch die Frauen, und mit Nachnamen Wurst, denn genau das sind sie mir.
 
Auch wenn vielleicht nicht mehr viel vom Leben erwartet, wenn man es dann aber bekommt, wünscht man sich mehr.
 
Mir macht keine Angst, was alles die Menschheit und das Leben auf Erden bedroht, Krieg, Hunger, Technik, mich enttäuscht und ärgert, dass so wenig dagegen getan wird.
 
Sie fürchten wohl den Tod, aber sie ändern deswegen ihr Leben nicht so, dass sie den Tod nicht mehr fürchten müssten.
 
Miteinander ginge alles besser als gegeneinander. Warum wissen das die Leute nicht?

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Dialog über Protestantismus und Faschismus

A: Sie behaupten also einen Zusammenhang von Protestantismus und Faschismus? Aber zum Beispiel der fascismo unter Mussolini kam doch in einem katholischen Land auf und an die Macht.
B: Auch die Protestantismen entstanden in katholischen Ländern. Sie sind ja gegen das Katholische gerichtet.
A: Aber was ist denn nun der Zusammenhang vom Protestantismus und Faschismus?
B: Beides sind Subjektivismus. Der Protestantismus ist ein religiöser Subjektivismus, der Faschismus ein politischer. Grob gesagt lehrt Luther, dass man nur daran glauben müsse, erlöst zu sein, um tatsächlich erlöst zu sein. Auf irgendwelche guten Taten komme es nicht an, das wäre sogenannte Werkgerechtigkeit, sondern nur aufs Fürwahrhalten. Calvin geht sogar noch weiter und dreht es so, dass man sogar ein kapitalistischer Ausbeuter sein könne, und trotzdem ein braver Christ. Ganz entgegen dem Wortlaut der ausdrücklichen Lehre Christi, sei Reichtum begrüßenswert und ein Zeichen von Gottes Wohlwollen. Ohne könne nichts, was einer tue oder lasset, etwas daran ändern, ob einer in den Himmel komme oder zur Hölle fahre, denn darüber habe Gott schon im Voraus entschieden.
A: Aber steht ein solcher Determinismus, als den man die Prädestinationslehre ja wohl verstehen muss, nicht in entschiedenem Gegensatz zum Aktionismus und Voluntarismus der Faschismen?
B: Zumindest scheint es so. Doch Tatkraft und und Willensstärke sind gemäß den faschistischen Ideologien nicht einfach gegeben. Man sucht es sich ja nicht aus, ob man durch Rasse oder Schicksal, beides verstanden als historisch unweigerlich wirksame Naturbedingungen, zu Großem berufen ist. Der anderen Völkern und Klassen überlegene Herrenmensch muss sich als Raubtier verhalten, nur dann ist er schöpferisch und folgt seiner Natur.
A: Und das Subjektivistische daran ist was?
B: Der Kult der Gewalt und der Glaube an das Recht des Stärkeren. Ich setze mich durch, wir setzen uns durch. Wer siegt, hat Recht, wer unterliegt war immer schon im Unrecht. Recht und Gerechtigkeit sind keine Sache der Verhandlung, der Intersubjektivität, nichts objektiv Gegebenes, sie werden willkürlich gesetzt und durchgesetzt. Der Stärkere und Geschicktere erweist sich als der „objektiv“ von Natur und Geschichte ins Recht gesetzte, aber erst durch den Kampf, durch individuelle und kollektive Bewährung, durch Eroberung. Ihm bleibt aber auch sozusagen gar nichts anderes übrig, als heldenhaft zu kämpfen, die Alternative ist der Untergang. Darum ist er zum Willen zur Macht verpflichtet. Nicht objektive Gegebenheiten berufen ihn zur Herrschaft, sondern er schafft die Bedingungen seiner Herrschaft mit Gewalt.
A: Wenn ich sie also richtig verstehe, ist Protestantismus subjektivistisch, weil er den Willen für unfrei hält und gute Taten ablehnt und stattdessen auf einen grundlosen Glauben setzt, während der Faschismus subjektivistisch ist, weil er an schicksalshafte Naturkräfte glaubt, an die Macht des Wollens und die aktive Durchsetzung seiner selbst.
B: So kann man es sagen. Der Protestant meint, vereinfacht formuliert: Etwas ist wahr, wenn ich daran glaube. Der Faschist meint: Etwas ist Recht, weil ich es will und mache. Dem wäre die Objektivität des Wahren und Guten entgegenzusetzen, die Handlungen als richtig und gut oder falsch und schlecht beurteilen lässt. Denn wenn niemand sich für Böses entscheidet, gibt es keine Sünde, und das Böse, das dann Gott die Menschen tun lässt, macht ihn zu einem Teufel. Und wenn einer in die Hölle kommen kann, obwohl er Gutes getan hat, und ein anderer in den Himmel, obwohl er Böses getan hat, nur auf Grund von Gottes willkürlicher Auswahl, dann macht das aus Gott einen Irren. Wenn Recht ist, was sich durchsetzt, und Unrecht, was unterliegt, dann gibt es weder Recht noch Unrecht, sondern nur die willkürliche Faktizität der Gewalt.

Dienstag, 27. Oktober 2026

Unterwegs (47)

Auf dem Naschmarkt kaufte ich mir in einem Souvenirgeschäft einen schlammfarbenen shawl. Wechselte ein paar wenige Worte mit dem Mann an der Kasse (dem ich eine Herkunft aus dem nicht ganz nahen Orient unterstelle). Er fragte mich, ob ich aus Deutschland sei. Ich musste verneinen. ― Es freut mich, dass es auch nach den vierzig Jahren, die ich nach zehn Jahren in der BRD wieder in Österreich lebe, immer noch genügt, Hochdeutsch zu sprechen, um von Migranten für einen Piefke gehalten zu werden …