A: Sie behaupten also einen Zusammenhang von Protestantismus und Faschismus? Aber zum Beispiel der fascismo unter Mussolini kam doch in einem katholischen Land auf und an die Macht.
B: Auch die Protestantismen entstanden in katholischen Ländern. Sie sind ja gegen das Katholische gerichtet.
A: Aber was ist denn nun der Zusammenhang vom Protestantismus und Faschismus?
B: Beides sind Subjektivismus. Der Protestantismus ist ein religiöser Subjektivismus, der Faschismus ein politischer. Grob gesagt lehrt Luther, dass man nur daran glauben müsse, erlöst zu sein, um tatsächlich erlöst zu sein. Auf irgendwelche guten Taten komme es nicht an, das wäre sogenannte Werkgerechtigkeit, sondern nur aufs Fürwahrhalten. Calvin geht sogar noch weiter und dreht es so, dass man sogar ein kapitalistischer Ausbeuter sein könne, und trotzdem ein braver Christ. Ganz entgegen dem Wortlaut der ausdrücklichen Lehre Christi, sei Reichtum begrüßenswert und ein Zeichen von Gottes Wohlwollen. Ohne könne nichts, was einer tue oder lasset, etwas daran ändern, ob einer in den Himmel komme oder zur Hölle fahre, denn darüber habe Gott schon im Voraus entschieden.
A: Aber steht ein solcher Determinismus, als den man die Prädestinationslehre ja wohl verstehen muss, nicht in entschiedenem Gegensatz zum Aktionismus und Voluntarismus der Faschismen?
B: Zumindest scheint es so. Doch Tatkraft und und Willensstärke sind gemäß den faschistischen Ideologien nicht einfach gegeben. Man sucht es sich ja nicht aus, ob man durch Rasse oder Schicksal, beides verstanden als historisch unweigerlich wirksame Naturbedingungen, zu Großem berufen ist. Der anderen Völkern und Klassen überlegene Herrenmensch muss sich als Raubtier verhalten, nur dann ist er schöpferisch und folgt seiner Natur.
A: Und das Subjektivistische daran ist was?
B: Der Kult der Gewalt und der Glaube an das Recht des Stärkeren. Ich setze mich durch, wir setzen uns durch. Wer siegt, hat Recht, wer unterliegt war immer schon im Unrecht. Recht und Gerechtigkeit sind keine Sache der Verhandlung, der Intersubjektivität, nichts objektiv Gegebenes, sie werden willkürlich gesetzt und durchgesetzt. Der Stärkere und Geschicktere erweist sich als der „objektiv“ von Natur und Geschichte ins Recht gesetzte, aber erst durch den Kampf, durch individuelle und kollektive Bewährung, durch Eroberung. Ihm bleibt aber auch sozusagen gar nichts anderes übrig, als heldenhaft zu kämpfen, die Alternative ist der Untergang. Darum ist er zum Willen zur Macht verpflichtet. Nicht objektive Gegebenheiten berufen ihn zur Herrschaft, sondern er schafft die Bedingungen seiner Herrschaft mit Gewalt.
A: Wenn ich sie also richtig verstehe, ist Protestantismus subjektivistisch, weil er den Willen für unfrei hält und gute Taten ablehnt und stattdessen auf einen grundlosen Glauben setzt, während der Faschismus subjektivistisch ist, weil er an schicksalshafte Naturkräfte glaubt, an die Macht des Wollens und die aktive Durchsetzung seiner selbst.
B: So kann man es sagen. Der Protestant meint, vereinfacht formuliert: Etwas ist wahr, wenn ich daran glaube. Der Faschist meint: Etwas ist Recht, weil ich es will und mache. Dem wäre die Objektivität des Wahren und Guten entgegenzusetzen, die Handlungen als richtig und gut oder falsch und schlecht beurteilen lässt. Denn wenn niemand sich für Böses entscheidet, gibt es keine Sünde, und das Böse, das dann Gott die Menschen tun lässt, macht ihn zu einem Teufel. Und wenn einer in die Hölle kommen kann, obwohl er Gutes getan hat, und ein anderer in den Himmel, obwohl er Böses getan hat, nur auf Grund von Gottes willkürlicher Auswahl, dann macht das aus Gott einen Irren. Wenn Recht ist, was sich durchsetzt, und Unrecht, was unterliegt, dann gibt es weder Recht noch Unrecht, sondern nur die willkürliche Faktizität der Gewalt.
B: Auch die Protestantismen entstanden in katholischen Ländern. Sie sind ja gegen das Katholische gerichtet.
A: Aber was ist denn nun der Zusammenhang vom Protestantismus und Faschismus?
B: Beides sind Subjektivismus. Der Protestantismus ist ein religiöser Subjektivismus, der Faschismus ein politischer. Grob gesagt lehrt Luther, dass man nur daran glauben müsse, erlöst zu sein, um tatsächlich erlöst zu sein. Auf irgendwelche guten Taten komme es nicht an, das wäre sogenannte Werkgerechtigkeit, sondern nur aufs Fürwahrhalten. Calvin geht sogar noch weiter und dreht es so, dass man sogar ein kapitalistischer Ausbeuter sein könne, und trotzdem ein braver Christ. Ganz entgegen dem Wortlaut der ausdrücklichen Lehre Christi, sei Reichtum begrüßenswert und ein Zeichen von Gottes Wohlwollen. Ohne könne nichts, was einer tue oder lasset, etwas daran ändern, ob einer in den Himmel komme oder zur Hölle fahre, denn darüber habe Gott schon im Voraus entschieden.
A: Aber steht ein solcher Determinismus, als den man die Prädestinationslehre ja wohl verstehen muss, nicht in entschiedenem Gegensatz zum Aktionismus und Voluntarismus der Faschismen?
B: Zumindest scheint es so. Doch Tatkraft und und Willensstärke sind gemäß den faschistischen Ideologien nicht einfach gegeben. Man sucht es sich ja nicht aus, ob man durch Rasse oder Schicksal, beides verstanden als historisch unweigerlich wirksame Naturbedingungen, zu Großem berufen ist. Der anderen Völkern und Klassen überlegene Herrenmensch muss sich als Raubtier verhalten, nur dann ist er schöpferisch und folgt seiner Natur.
A: Und das Subjektivistische daran ist was?
B: Der Kult der Gewalt und der Glaube an das Recht des Stärkeren. Ich setze mich durch, wir setzen uns durch. Wer siegt, hat Recht, wer unterliegt war immer schon im Unrecht. Recht und Gerechtigkeit sind keine Sache der Verhandlung, der Intersubjektivität, nichts objektiv Gegebenes, sie werden willkürlich gesetzt und durchgesetzt. Der Stärkere und Geschicktere erweist sich als der „objektiv“ von Natur und Geschichte ins Recht gesetzte, aber erst durch den Kampf, durch individuelle und kollektive Bewährung, durch Eroberung. Ihm bleibt aber auch sozusagen gar nichts anderes übrig, als heldenhaft zu kämpfen, die Alternative ist der Untergang. Darum ist er zum Willen zur Macht verpflichtet. Nicht objektive Gegebenheiten berufen ihn zur Herrschaft, sondern er schafft die Bedingungen seiner Herrschaft mit Gewalt.
A: Wenn ich sie also richtig verstehe, ist Protestantismus subjektivistisch, weil er den Willen für unfrei hält und gute Taten ablehnt und stattdessen auf einen grundlosen Glauben setzt, während der Faschismus subjektivistisch ist, weil er an schicksalshafte Naturkräfte glaubt, an die Macht des Wollens und die aktive Durchsetzung seiner selbst.
B: So kann man es sagen. Der Protestant meint, vereinfacht formuliert: Etwas ist wahr, wenn ich daran glaube. Der Faschist meint: Etwas ist Recht, weil ich es will und mache. Dem wäre die Objektivität des Wahren und Guten entgegenzusetzen, die Handlungen als richtig und gut oder falsch und schlecht beurteilen lässt. Denn wenn niemand sich für Böses entscheidet, gibt es keine Sünde, und das Böse, das dann Gott die Menschen tun lässt, macht ihn zu einem Teufel. Und wenn einer in die Hölle kommen kann, obwohl er Gutes getan hat, und ein anderer in den Himmel, obwohl er Böses getan hat, nur auf Grund von Gottes willkürlicher Auswahl, dann macht das aus Gott einen Irren. Wenn Recht ist, was sich durchsetzt, und Unrecht, was unterliegt, dann gibt es weder Recht noch Unrecht, sondern nur die willkürliche Faktizität der Gewalt.