Was genau ist eigentlich eine „Flüchtlingskrise“? Die Leute verwenden diese Ausdruck, als entspräche ihm eine unbezweifelbare Realität, eine allseits bekannte Tatsache. Wie aber ließe sich derlei überhaupt beobachten? Gar messen? Oder jedenfalls sachgerecht von nicht krisenhaften Phänomenen der Migration unterscheiden?
Geht es denn wirklich um Mengen, um Zahlen? Darum, wie viele Menschen auf der Flucht sind? Wie viele schon irgendwo angekommen sind? Darum, wie viele noch kommen könnten? Welche Zahl wäre in diesem Zusammenhang zu groß, welche zu klein, welche gerade richtig? Lässt sich das denn berechnen? Oder wenigstens begründet schätzen? Inwiefern kommt es auf solche Zahlen überhaupt an? ― Würde man zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten sagen: Nein, das sind jetzt zu viele, die können wir nicht alle versorgen, dafür haben wir nicht genügend Sanitäter, Notärzte, Rettungswagen, Krankenhausbetten, wir legen da also eine Grenze fest, wie wie vielen wir helfen, behandeln vorzugsweise die, die zu uns passen, und der Rest soll erst einmal liegen bleiben und sich vor Ort um sich selbst kümmern? Oder wäre man nicht bemüht, über jede Belastungsgrenze hinaus, Wunden zu versorgen, Schmerzen zu lindern, Leben zu retten?
Geht es bei Flüchtlingen und ihrer Aufnahme denn tatsächlichen um Kapazitäten? Wer erfasst diese, wertet sie im Zusammenhang aus, kann sagen, wo die Höchstgrenzen liegen? Geht es um Unterkünfte, Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Spielzeug? Um alle möglichen Hilfsleistungen? Um Kindergärten und Schulen? Gibt es zu wenig Bibliotheken, Freizeitparks, Zirkusse? Geht es um die Kapazitäten der Bürokratie? Gibt es zu wenig Formulare für alle? Fehlt es an Stempelkissen? Oder sind die verschieden Sprachen ein Problem? Können Flüchtlinge keine Fremdsprachen? Gibt es zu wenig Übersetzer? Sind Übersetzungsprogramme (schriftlich oder akustisch) zu unausgereift?
Wie wäre eine Diskussion darüber rein sachlich zu führen? Wie viele Menschen kann man aufnehmen, wenn wie viele Menschen schon da sind? Wenn eine Gesellschaft so und so reich ist und ihre Infrastruktur in dem und dem Zustand? Wie viel darf ein Mensch, der hierher geflüchtet ist, die Einheimischen kosten? Was ist ihnen sein Leben, seine Würde, sein Wohlergehen wert? Das Geld ist ja offensichtlich da, aber wer hat es und wer will es beschaffen? Viele Fragen und viel Aufwand.
Daran stimmt etwas Grundsätzliches nicht. In der gewöhnlichen Perspektive sind Flüchtlinge passive Objekte der Praktiken und Regeln der Aufnahmegesellschaft. Diese und nur diese definiert Kriterien, Anforderungen, Ziele. Menschen, die es geschafft haben, auf ihrer Flucht Tausende von Kilometern unter unvorstellbar schweren Bedingungen zu bewältigen, werden plötzlich zum handlungsunfähigen und stummen Zuschauern ihres von anderen über sie verfügten Schicksals gemacht. Es gilt die Regel: Man muss diesen Leuten alles vorsagen, vorschreiben, zuweisen. Sie sind lediglich Empfänger. Ihre Bedürfnisse werden von anderen festgelegt, ihre Wünsche und Ängste zählen nicht und ihre Geschichten spielen nur eine Rolle als von anderen interpretierte Elemente eines Verfahrens. Ihren Sprachen gelten nichts, man kann kaum mit ihnen sprechen, schon gar nicht ihnen zuhören. Was sie ab jetzt tun, wird tendenziell als Störung und Bedrohung interpretiert. Was sie sagen, tendenziell als Lüge. Sie sind ein Kostenfaktor. Eine Drohkulisse.
Auf diese Weise werden Umstände und Schwierigkeiten herbeiverwaltet, die es nicht gäbe, wenn die öffentlichen Hände nicht auf Entmündigung und Ignoranz trainiert wären. Schon der Bürger ist den Behörden eine Belästigung und ein abzuwehrender Bittsteller, um wie viel mehr der Fremde, der besser gar nicht hier wäre und nichts zu sagen hat. Es geht auf diese Weise nicht darum, Lösungen zu finden (schon gar nicht gemeinsam), sondern darum, Normen durchzusetzen (koste es, was es wolle).
Eine „Flüchtlingskrise“ ergibt sich also nicht aus einem berechenbaren Übermaß, das auf einen unvorhersehbaren Mangel trifft. Es gibt sie nicht als Tatsache, sondern nur als Interpretation. Die merkbaren Probleme werden nicht von den Hinzukommenden eingeschleppt, sondern beruhen aus dem bereits vorhandenen Staatsversagen und dieses auf dem Unwillen der demokratisch legitimierten Politiker, ein funktionierendes Gemeinwesen für alle zuzulassen. Sie regieren für den Reichtum der Reichen und das Ruhigstellen aller anderen.
„Flüchtlingskrise“ ist eine irrationale Vokabel, die Stimmung machen soll. Es sind einfach zu viele. Die schon da sind und die noch kommen wollen. Viel zu viele. Das schaffen wie nicht. Das kann keiner von uns verlangen. Das überfordert unsere Möglichkeiten. und unsere Bereitschaft. Das nimmt uns etwas weg. Das bereitet uns Unbehagen. Die sind viel zu anders. Da könnte sich etwas für uns ändern.
Geht es denn wirklich um Mengen, um Zahlen? Darum, wie viele Menschen auf der Flucht sind? Wie viele schon irgendwo angekommen sind? Darum, wie viele noch kommen könnten? Welche Zahl wäre in diesem Zusammenhang zu groß, welche zu klein, welche gerade richtig? Lässt sich das denn berechnen? Oder wenigstens begründet schätzen? Inwiefern kommt es auf solche Zahlen überhaupt an? ― Würde man zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall mit Verletzten sagen: Nein, das sind jetzt zu viele, die können wir nicht alle versorgen, dafür haben wir nicht genügend Sanitäter, Notärzte, Rettungswagen, Krankenhausbetten, wir legen da also eine Grenze fest, wie wie vielen wir helfen, behandeln vorzugsweise die, die zu uns passen, und der Rest soll erst einmal liegen bleiben und sich vor Ort um sich selbst kümmern? Oder wäre man nicht bemüht, über jede Belastungsgrenze hinaus, Wunden zu versorgen, Schmerzen zu lindern, Leben zu retten?
Geht es bei Flüchtlingen und ihrer Aufnahme denn tatsächlichen um Kapazitäten? Wer erfasst diese, wertet sie im Zusammenhang aus, kann sagen, wo die Höchstgrenzen liegen? Geht es um Unterkünfte, Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Spielzeug? Um alle möglichen Hilfsleistungen? Um Kindergärten und Schulen? Gibt es zu wenig Bibliotheken, Freizeitparks, Zirkusse? Geht es um die Kapazitäten der Bürokratie? Gibt es zu wenig Formulare für alle? Fehlt es an Stempelkissen? Oder sind die verschieden Sprachen ein Problem? Können Flüchtlinge keine Fremdsprachen? Gibt es zu wenig Übersetzer? Sind Übersetzungsprogramme (schriftlich oder akustisch) zu unausgereift?
Wie wäre eine Diskussion darüber rein sachlich zu führen? Wie viele Menschen kann man aufnehmen, wenn wie viele Menschen schon da sind? Wenn eine Gesellschaft so und so reich ist und ihre Infrastruktur in dem und dem Zustand? Wie viel darf ein Mensch, der hierher geflüchtet ist, die Einheimischen kosten? Was ist ihnen sein Leben, seine Würde, sein Wohlergehen wert? Das Geld ist ja offensichtlich da, aber wer hat es und wer will es beschaffen? Viele Fragen und viel Aufwand.
Daran stimmt etwas Grundsätzliches nicht. In der gewöhnlichen Perspektive sind Flüchtlinge passive Objekte der Praktiken und Regeln der Aufnahmegesellschaft. Diese und nur diese definiert Kriterien, Anforderungen, Ziele. Menschen, die es geschafft haben, auf ihrer Flucht Tausende von Kilometern unter unvorstellbar schweren Bedingungen zu bewältigen, werden plötzlich zum handlungsunfähigen und stummen Zuschauern ihres von anderen über sie verfügten Schicksals gemacht. Es gilt die Regel: Man muss diesen Leuten alles vorsagen, vorschreiben, zuweisen. Sie sind lediglich Empfänger. Ihre Bedürfnisse werden von anderen festgelegt, ihre Wünsche und Ängste zählen nicht und ihre Geschichten spielen nur eine Rolle als von anderen interpretierte Elemente eines Verfahrens. Ihren Sprachen gelten nichts, man kann kaum mit ihnen sprechen, schon gar nicht ihnen zuhören. Was sie ab jetzt tun, wird tendenziell als Störung und Bedrohung interpretiert. Was sie sagen, tendenziell als Lüge. Sie sind ein Kostenfaktor. Eine Drohkulisse.
Auf diese Weise werden Umstände und Schwierigkeiten herbeiverwaltet, die es nicht gäbe, wenn die öffentlichen Hände nicht auf Entmündigung und Ignoranz trainiert wären. Schon der Bürger ist den Behörden eine Belästigung und ein abzuwehrender Bittsteller, um wie viel mehr der Fremde, der besser gar nicht hier wäre und nichts zu sagen hat. Es geht auf diese Weise nicht darum, Lösungen zu finden (schon gar nicht gemeinsam), sondern darum, Normen durchzusetzen (koste es, was es wolle).
Eine „Flüchtlingskrise“ ergibt sich also nicht aus einem berechenbaren Übermaß, das auf einen unvorhersehbaren Mangel trifft. Es gibt sie nicht als Tatsache, sondern nur als Interpretation. Die merkbaren Probleme werden nicht von den Hinzukommenden eingeschleppt, sondern beruhen aus dem bereits vorhandenen Staatsversagen und dieses auf dem Unwillen der demokratisch legitimierten Politiker, ein funktionierendes Gemeinwesen für alle zuzulassen. Sie regieren für den Reichtum der Reichen und das Ruhigstellen aller anderen.
„Flüchtlingskrise“ ist eine irrationale Vokabel, die Stimmung machen soll. Es sind einfach zu viele. Die schon da sind und die noch kommen wollen. Viel zu viele. Das schaffen wie nicht. Das kann keiner von uns verlangen. Das überfordert unsere Möglichkeiten. und unsere Bereitschaft. Das nimmt uns etwas weg. Das bereitet uns Unbehagen. Die sind viel zu anders. Da könnte sich etwas für uns ändern.