Politischer Islam? Was soll das heißen) Das soll gar nichts heißen. Das ist eine Kampfvokabel, die keinen rationalen Gehalt hat oder haben soll, sondern die nur die Funktion hat, Ressentiments anzusprechen, Unbehagen zu erzeugen, Antipathie zu wecken, Hassgefühle zu erlauben und Menschen abzuwerten.
Es ist eine gebräuchliche Vokabel. Politiker und Journalisten lieben sie und auch „Expertinnen“ und „Experten“ machen reichlich Gebrauch von ihr. Es ist eben deren Geschäft, dumm daherzureden. Ihnen allen sei gesagt: Jeder Islam ist politisch. Es gibt keinen unpolitischen Islam. Was es allerdings gibt, sind verschiedene Politiken.
Im Übrigen ist jede ernstzunehmende Religion politisch. Denn jede Religion gibt denen, die ihr anhängen, Verhaltensregeln vor, die selbstverständlich nicht nur den Umgang des Einzelnen mit höheren Mächten und sich selbst, sondern auch den Umgang mit anderen Menschen betreffen, letztlich also das Zusammenleben in konkreten gesellschaftlichen Situationen. Die Gestaltung des Zusammenlebens aber heißt Politik. Mehr ist das nicht, aber auch nicht weniger.
Politisch hätte auch das Christentum zu sein, wenn die, die sich Christen nennen, es ernst nähmen. Die Verpflichtung auf Nächstenliebe etwa ist mit Unterdrückung, Ausbeutung und Fremdenfeindlichkeit unvereinbar. Die Verwerfung von Habgier und Reichtum, ein Herzstück der Botschaft Jesu, ist unvereinbar mit Kapitalismus. Raubbau und Umweltzerstörung sind unvereinbar mit der Achtung vor Schöpfer und Schöpfung.
Wie gesagt, Religiöses ist nur gesellschaftlich wirksam, wenn die Religiösen das, was sie angeblich glauben, auch wirklich glauben und anwenden. Bei vielen ist das in der westlichen Konsumgesellschaft nicht der Fall. Dort ist Religion, falls sie überhaupt noch vorkommt, längst zu einer entkernten Folklore verkommen oder zur Sache marginaler Sektierer. (Die USA bilden da eine Ausnahme.)
Das ändert nichts daran, dass Religion prinzipiell politisch ist. Für religiös motivierte politische Intentionen gilt in Demokratien dasselbe wie für anders motivierte: Jeder darf privat machen, was nicht gegen Gesetze verstößt; anderen kann er nur etwas vorschreiben, wenn er das im Rahmen der politischen Institutionen durchsetzen kann. Welche Religion (außer dem Calvinismus in den USA) erlebt im Westen irgendwelche Machtansprüche oder organisiert sich, um solche durch Wahlen und Abstimmungen durchzusetzen? Keine. Und wenn es anders wäre, wer dürfte dem wehren? Oder darf man etwa nur atheistische Überzeugungen in die Politik einbringen? Keineswegs.
Muslime haben in einer pluralistischen Gesellschaft dasselbe Recht, ihre Religion ernstzunehmen und aus ihren religiösen Überzeugungen abgeleitete politische Vorstellungen und Absichten zu haben wie die Anhänger andere Religionen (einschließlich der Atheismen) auch. Man muss den Islam und das, was für dessen Normen und Werte gehalten wird, nicht billigen oder mögen, ebenso wenig wie den Buddhismus, den Konfuzianismus, den Calvinismus oder das Christentum, aber es gibt keinen rationalen Grund, einer Religion das Recht, politisch zu sein, abzusprechen, wenn man es anderen zugesteht. Wenn keine Gesetze (die übrigens veränderlich sind) verletzt werden, darf sich der Staat nicht anmaßen, Gesinnungen zu beurteilen. Und schon gar nicht dürfen Politiker Gefährdungen herbeiphantasieren, wo keine sind.
Denn wen bedroht denn der „politische Islam“? Gewiss, es gibt Weltgegenden, in denen repressive Regierungen und militante zivilgesellschaftliche Bewegungen sich auf den Islam berufen. In Kriegen und Bürgerkriegen führt das zu Mord und Zerstörung. In Europa (oder Nordamerika) aber ist kein Staat und keine Terroristentruppen auf dem Vormarsch, um irgendwen zu erobern. Es gibt einige wenige Anschläge, aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der Muslime (in Europa und weltweit) ist die Zahl der Terroristen unbedeutend.
Niemand zwingt in Europa irgendwem den Islam mit Gewalt auf, auch freiwillige Übertritte sind extrem selten. Wenn dein Nachbar fünfmal am Tag Richtung Mekka betet, zwingt dich das nicht, dasselbe zu tun. Wenn dein Nachbar möchte, dass alle Muslime werden, sagst du „Nein, danke“, und die Sache ist erledigt. Worin besteht denn für dich die Bedrohung durch religiöse Praktiken und politische Überzeugungen? Wer kann dich zu etwas zwingen? Eigentlich nur der Staat …
„Islamistischer“ Terrorismus schadet der Sache des Islam. Er überzeugt niemanden, führt niemanden zum Glauben, bewirkt keine Sympathie und keinen Respekt. Es profitieren nur die Rassisten und Populisten. Die immer einen Popanz brauchen, mit dem sie die Leute verdummen, ein Feindbild, auf dass sie die Ressentiments konzentrieren können. Statt vom Kapitalismus, von Ausbeutung, Umweltzerstörung, Verblödung zu reden, schieben sie alles auf „die Ausländer“, vorzugsweise auf Muslime. Die einen finsteren Masterplan im Herzen tragen, den „politischen Islam“, mit dem sie unsere schönen Gewohnheiten und Gewissheiten beiseite schieben und uns knechten wollen. Wenn das „politischer Islam“ sein soll, muss man sagen: Der existiert nicht.
Es ist eine gebräuchliche Vokabel. Politiker und Journalisten lieben sie und auch „Expertinnen“ und „Experten“ machen reichlich Gebrauch von ihr. Es ist eben deren Geschäft, dumm daherzureden. Ihnen allen sei gesagt: Jeder Islam ist politisch. Es gibt keinen unpolitischen Islam. Was es allerdings gibt, sind verschiedene Politiken.
Im Übrigen ist jede ernstzunehmende Religion politisch. Denn jede Religion gibt denen, die ihr anhängen, Verhaltensregeln vor, die selbstverständlich nicht nur den Umgang des Einzelnen mit höheren Mächten und sich selbst, sondern auch den Umgang mit anderen Menschen betreffen, letztlich also das Zusammenleben in konkreten gesellschaftlichen Situationen. Die Gestaltung des Zusammenlebens aber heißt Politik. Mehr ist das nicht, aber auch nicht weniger.
Politisch hätte auch das Christentum zu sein, wenn die, die sich Christen nennen, es ernst nähmen. Die Verpflichtung auf Nächstenliebe etwa ist mit Unterdrückung, Ausbeutung und Fremdenfeindlichkeit unvereinbar. Die Verwerfung von Habgier und Reichtum, ein Herzstück der Botschaft Jesu, ist unvereinbar mit Kapitalismus. Raubbau und Umweltzerstörung sind unvereinbar mit der Achtung vor Schöpfer und Schöpfung.
Wie gesagt, Religiöses ist nur gesellschaftlich wirksam, wenn die Religiösen das, was sie angeblich glauben, auch wirklich glauben und anwenden. Bei vielen ist das in der westlichen Konsumgesellschaft nicht der Fall. Dort ist Religion, falls sie überhaupt noch vorkommt, längst zu einer entkernten Folklore verkommen oder zur Sache marginaler Sektierer. (Die USA bilden da eine Ausnahme.)
Das ändert nichts daran, dass Religion prinzipiell politisch ist. Für religiös motivierte politische Intentionen gilt in Demokratien dasselbe wie für anders motivierte: Jeder darf privat machen, was nicht gegen Gesetze verstößt; anderen kann er nur etwas vorschreiben, wenn er das im Rahmen der politischen Institutionen durchsetzen kann. Welche Religion (außer dem Calvinismus in den USA) erlebt im Westen irgendwelche Machtansprüche oder organisiert sich, um solche durch Wahlen und Abstimmungen durchzusetzen? Keine. Und wenn es anders wäre, wer dürfte dem wehren? Oder darf man etwa nur atheistische Überzeugungen in die Politik einbringen? Keineswegs.
Muslime haben in einer pluralistischen Gesellschaft dasselbe Recht, ihre Religion ernstzunehmen und aus ihren religiösen Überzeugungen abgeleitete politische Vorstellungen und Absichten zu haben wie die Anhänger andere Religionen (einschließlich der Atheismen) auch. Man muss den Islam und das, was für dessen Normen und Werte gehalten wird, nicht billigen oder mögen, ebenso wenig wie den Buddhismus, den Konfuzianismus, den Calvinismus oder das Christentum, aber es gibt keinen rationalen Grund, einer Religion das Recht, politisch zu sein, abzusprechen, wenn man es anderen zugesteht. Wenn keine Gesetze (die übrigens veränderlich sind) verletzt werden, darf sich der Staat nicht anmaßen, Gesinnungen zu beurteilen. Und schon gar nicht dürfen Politiker Gefährdungen herbeiphantasieren, wo keine sind.
Denn wen bedroht denn der „politische Islam“? Gewiss, es gibt Weltgegenden, in denen repressive Regierungen und militante zivilgesellschaftliche Bewegungen sich auf den Islam berufen. In Kriegen und Bürgerkriegen führt das zu Mord und Zerstörung. In Europa (oder Nordamerika) aber ist kein Staat und keine Terroristentruppen auf dem Vormarsch, um irgendwen zu erobern. Es gibt einige wenige Anschläge, aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der Muslime (in Europa und weltweit) ist die Zahl der Terroristen unbedeutend.
Niemand zwingt in Europa irgendwem den Islam mit Gewalt auf, auch freiwillige Übertritte sind extrem selten. Wenn dein Nachbar fünfmal am Tag Richtung Mekka betet, zwingt dich das nicht, dasselbe zu tun. Wenn dein Nachbar möchte, dass alle Muslime werden, sagst du „Nein, danke“, und die Sache ist erledigt. Worin besteht denn für dich die Bedrohung durch religiöse Praktiken und politische Überzeugungen? Wer kann dich zu etwas zwingen? Eigentlich nur der Staat …
„Islamistischer“ Terrorismus schadet der Sache des Islam. Er überzeugt niemanden, führt niemanden zum Glauben, bewirkt keine Sympathie und keinen Respekt. Es profitieren nur die Rassisten und Populisten. Die immer einen Popanz brauchen, mit dem sie die Leute verdummen, ein Feindbild, auf dass sie die Ressentiments konzentrieren können. Statt vom Kapitalismus, von Ausbeutung, Umweltzerstörung, Verblödung zu reden, schieben sie alles auf „die Ausländer“, vorzugsweise auf Muslime. Die einen finsteren Masterplan im Herzen tragen, den „politischen Islam“, mit dem sie unsere schönen Gewohnheiten und Gewissheiten beiseite schieben und uns knechten wollen. Wenn das „politischer Islam“ sein soll, muss man sagen: Der existiert nicht.