Mittwoch, 3. Juni 2026

Notiz zur Zeit (266)

Der US-amerikanische Präsident erklärt in einen Interview, die meisten Leute wüssten nicht, dass man das Wort dumb mit einem B am Ende schreibe. Da hat man den ganzen Trump: Er setzt seine eigene Unbildung mit der der Masse gleich und hat wohl Recht damit.
 
Trumps Zustimmungswerte seien sehr niedrig, heißt es immer wieder. Ich halte nun aber ein Drittel nicht für wenig, sondern im Gegenteil für unverständlich viel. Wie kann es sein, dass jeder dritte erwachsene US-Amerikaner einen eitlen, lügnerischen, ehebrecherischen, heuchlerischen, habgierigen, ungebildeten, unfähigen, offensichtlich dementen, bösartigen und vollkommen lächerlichen Dummkopf und dessen entsprechende Politik gut findet? Wer das begreifen könnte, hätte etwas über die menschliche Natur herausgefunden, was eben so erschreckend und abstoßend wie erhellend wäre.
 
Ich schreibe nur ungern über den Orangefarbenen Götzen. Man fühlt sich besudelt, wenn man über seine Entgleisungen informiert wird, und entwürdigt, wenn man sie kommentiert. Selbst Humor macht das nur erträglich, wenn er auf blankem Hass beruht oder wenigstens abgrundtiefer Verachtung.

Westlichen Interessen: Ja, und?

Manche ganz, ganz Schlauen sagen, zwar habe Russland die Ukraine angegriffen, aber dass der Krieg immer weitergehe, liege an den westlichen Interessen, vor allem dem Militärisch-industriellen Komplex. Überhaupt habe ja der Westen Russland zum Krieg gewissermaßen gezwungen und westliche Firmen verdienten jetzt daran, dass die Ukraine sich nicht ergeben dürfe. Zu Lasten der bedauernswerten Ukrainer und Ukrainerinnen.
Nun, westliche Interessen sind im Zusammenhang mit Russlands Aggression und der Verteidigung der Ukraine nicht zu leugnen. Das mit der Bedrohung und Einkreisung Russlands ist zwar Quatsch (und die Idee, die Ukrainer verteidigten sich nicht freiwillig, sondern würden von Washington und Brüssel dazu genötigt, erst recht), aber es gibt tatsächlich westliche Unternehmen, die vom Krieg profitieren. Und, was folgt daraus? Sollen sich die Ukrainerinnen und Ukrainer Russland unterwerfen und zu rechtlosen Untertanen einer mörderischen Diktatur werden, um westlichen Rüstungskonzernen ein Geschäft zu verderben, das diese dann wieder direkt mit Russland machen möchten? (Wo der Militärisch-industrielle Komplex identisch ist mit der regierende Oligarchie.) Sollen die Menschen in der Ukraine auf Freiheit, Würde, Selbstbestimmung, Demokratie und Rechtsstaat verzichten (denn das alles gibt es in Putins Reich nicht), damit ein paar überschlaue „Pazifisten“ an ihren gemütlichen (weil im Westen stehenden) Schreibtischen „Ätsch!“ zu USA und NATO sagen können?
Es ist leider wahr: Dass die Ukraine sich gegen einen völkermörderischen Feind verteidigt, hebt den globale Kapitalismus nicht auf. Doch bei aller berechtigten und nötigen Kritik am Westen gilt auf jeden Fall: Russland, Rotchina, Nordkorea etc. sind keine Alternative, politisch nicht, gesellschaftlich nicht, wirtschaftlich nicht, ökologisch nicht, kulturell nicht. Wer aus lauter Hass auf den Westen östliche Diktaturen, menschenverachtende Regimes, wahnsinnige Schlächter, brutale Ausmerzer von Umwelt und Kultur favorisiert, hat weder Intelligenz noch Recht noch Ethik auf seiner Seite. Ganz im Gegenteil. 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Das System funktioniert

In der BRD gab es (laut der Boston Consulting Group) 2025 etwa 5.000 Menschen mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2024 waren es noch etwa 3.900 gewesen.
 
Krise? Welche Krise? Es geht unaufhaltsam vorwärts.
 
Sagen wir mal so: Die Unfähigkeit und Untätigkeit der Scholze, Merze usw. zahlt sich aus. Für die Superreichen. Die anderen werden mit Krisen und Problemen abgespeist: Migration vor allem, sodann demographische Wandel, wachsende Sozialausgaben, zerfallende Infrastruktur, Klimawandel (der aber nicht so dringend ist) und Krieg (anderswo), an dem man gut verdienen kann. Ach ja, Konsum sozialer Medien durch Minderjährige; geht ja wohl gar nicht.
 
In Österreich halten übrigens 500 Menschen rund 39 Prozent des gesamten Finanzvermögens aller neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohner (0,006 %). Auch hier also haben die Regierenden weiterhin alles richtig gemacht, zumindest das, wofür sie vom Kapital geduldet werden

Fragment über die Leute und ihren Tod

Sie sorgen sich sehr darum, dass sie sterben könnten. Dass sie oder so sterben werden, wissen sie zwar, aber sie wollen es nicht wahrhaben. Sie wollen nicht sterblich sein. Zumindest jetzt nicht und nicht in absehbarer Zeit. Jeder Tod, der nicht sehr spät kommt, erscheint ihnen verfrüht. Dass dauernd andere Leute sterben, beunruhigt sie nicht, es sei denn, es wären ihnen Nahestehende oder gar Gleichaltrige. Mit dem Tod der übrigen haben sie eigentlich nichts zu tun. Hunger und Elend, Naturkatastrophen und Krieg betreffen sie zum Glück nicht. Das sind alles schreckliche Dinge, gewisse, aber das kann man doch nicht vergleichen mit ihrem eigenen Tod. Ein verhungertes Kind, ein von Bomben zerfetztes, das hat doch gewissermaßen Pech. Was soll man da machen. Wenn aber sie selbst schon mit 40, 50. 60 Jahren schon sterben müssten, dann erschienen ihnen das als Unrecht und Ungeheuerlichkeit. Krankheit, wieso denn, es gibt doch Ärzte. Warum ist nicht alles heilbar? Warum sollten ausgerechnet sie sterben? Sie doch nicht! Noch nicht jetzt. Später. Viel später.

Samstag, 23. Mai 2026

Die Expertin

An jedem ihrer Sätze habe ich etwas auszusetzen. Mal stimmen die Verbformen nicht, das Genus, die Präpositionen. Usw. Usf. (Deutsch ist ihre Muttersprache.) Ihre Kindergartensprechweise fand ich immer schon nervig. Als ich dann auch noch feststelle, dass sie ihr Wissen aus dem Internet bezieht, weil ich zufällig Sätze ihrer Expertise (zu irgendeiner Antiquität, Rarität, Kuriosität) fast wortgleich bei Wikipedia wiederfinde, ist sie bei mir unten durch.