Samstag, 23. Mai 2026

Expertenmeinung

An jedem ihrer Sätze habe ich etwas auszusetzen. Mal stimmen die Verbformen nicht, das Genus, die Präpositionen. Usw. Usf. (Deutsch ist ihre Muttersprache.) Ihre Kindergartensprechweise fand ich immer schon nervig. Als ich dann auch noch feststelle, dass sie ihr Wissen aus dem Internet bezieht, weil ich zufällig Sätze ihrer Expertise (zu irgendeiner Antiquität, Rarität, Kuriosität) fast wortgleich bei Wikipedia wiederfinde, ist sie bei mir unten durch.

Mittwoch, 20. Mai 2026

„Lohntransparenzgesetz“

Ein „Lohntransparenzgesetz“? Meinetwegen. Nichts dagegen. Aber inwiefern soll damit eine angebliche Benachteiligung von Frauen behoben werden? Soll dass heißen, dass Frauen bisher weniger verdienten, weil sie nicht wussten, ob sie weniger verdienen (als Männer)?
Die meisten Löhne und Gehälter werden nicht frei ausgehandelt, sondern es gibt dafür Vorgaben (etwa in Kollektivverträgen oder die Bezugstabellen im öffentlichen Dienst); wer sich nicht an Kollektivverträge hält, gehört ohnehin sanktioniert ― anderes Thema. Frei ausgehandelt werden wohl nur Managementposten. Eine Mangerin, die nicht weiß, was ihre Kollegen so kriegen, ist eh zu blöde für den Job. Im Niedriglohnsektor bringt „Lohntransparenz“ gar nichts. Dort aber und davon, Männern jahrelang auf der Tasche gelegen zu haben, kommt die Altersarmut bei Frauen her.
Übrigens: Wenn eine Frau durch „Lohntransparenz“ feststellt, dass sie mehr bekommt als Kollegen, zahlt sie dann das Übermaß zurück? (Oder nur in Fällen, in denen sie nicht mit dem Chef geschlafen hat, um den Job zu bekommen?)

Sonntag, 17. Mai 2026

Sonntagsfrage

Warum, o Herr, lässt du zu, dass wir Menschen einander Leid zufügen? Warum lässt du zu, dass wir zulassen, dass andere anderen Leid zufügen? Dass wir wegschauen oder hinschauen und nichts tun? Warum lässt du zu, dass wir etwas tun, was Folgen hat? Auch Böses, das Böse Folgen hat? Warum hast du uns einen freien Willen gegeben? Warum sind wir nicht einfach deine Marionetten? Warum lässt du zu, dass wir nicht das tun, was du willst, das Gute, sondern dass wir uns gegen dich und einander entscheiden können? Warum können wir sündigen? Warum lässt du zu, dass wir habgierig sind und gleichgültig, egoistisch und vergnügungssüchtig, gewalttätig, hochmütig und ignorant? Warum lässt du zu, dass wir uns für Zerstreuung, Verführung, Berauschung, Verdummung, Zwang entscheiden, statt frei zu sein?
Ich frage für ein paar Freunde.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Hyperbarbaren

Nicht die Barbaren sind es, also die Subalternen, die Marginalisierten, die Ausgesperrten von jenseits der Grenze (zwischen unserer Kultur und deren Zurückgebliebenheit), die man fürchten muss, sondern die Hyperbarbaren sind es, also die angeblich Hochzivilisierten, die sich für grundsätzlich überlegen halten und diese Einstellung durchsetzen, die sich immer wieder dafür entscheiden, grausam, unmenschlich, bedenkenlos, destruktiv zu sein, die alles ihrer Gier, ihrem Hochmut, ihrer Lust unterordnen und opfern. Die Barbaren sind nur ein Popanz, mit dem man sich derer zu erwehren versucht, die man abwertet und braucht, deren unterstellte Andersartigkeit, zu Ende gedacht, einen in Frage stellen müsste, ein immer verfügbares Feindbild, mit dem man droht, wenn man die eigene Herrschaft bedroht fühlt. Die „Hyperbarbaren“ aber sind die schreckliche Realität.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Aktuelle Werte

Nicht, dass es mich übermäßig interessiert, aber was sind eigentlich die „Werte“, die heute gelten? Was ist denn Leuten wichtig? Ich vermute das Folgende.
In erster Linie: Spaß zu haben. Etwas zu erleben. Das Leben zu genießen.
Sodann: Sicherheit. Geborgenheit. Nicht in Frage gestellt zu werden.
Weiters: Selbstoptimierung. Also sich an den Erwartungen anderer auszurichten und sich dem anzupassen, was angesagt ist. Und so die Identität von Individualismus und Konformismus zu praktizieren.
Überhaupt: Wohlgefühl. Ein mehr oder minder gutes Gewissen oder die Normalisierung des schlechten Gewissens. Der Wunsch, auf der richtigen Seite zu stehen, der erfolgreichen, der der Mehrheit. Sich nichts vorwerfen (lassen) zu müssen. Das Gefühl des Ungenügens möglichst nicht zu zulassen oder nur, wenn das erwartet wird.
Das ist alles sehr allgemein und unscharf formuliert, um möglichst viel der Widersprüchlichkeit zum Trotz zu umfassen. ― Gegenfrage: Was sind meine „Werte“, was ist mir wichtig?
Wahrheit. Ich will wissen, was es mit dem auf sich hat, was mir widerfährt. Wie es womit zusammenhängt. Warum man mich ablenken will, warum man lügt und betrügt.
Freiheit. Als Folge und Voraussetzung der Wahrheit. Wer sich nichts vormachen lassen will, muss sich befreien, von Vorurteile, Ideologien, Lügen. Das geht nur durch Widerspruch, Nichtanpassung. Nichtunterwerfung.
Gerechtigkeit. Parteinahme für die Unterdrückten, die Schwächeren, die Benachteiligten, die Manipulierten.
Ich will in Ruhe gelassen werden. Auch und besonders vom Staat und seinen Avataren (Banken, Versicherungen usw.). Auch von der Technik. Und vom Geldverdienenmüssen. (Was nicht klappt.)
Bildung. Ohne sie kein Zugang zur Wahrheit. Und kein echter Genuss.
Schönheit. Heiligkeit.
Freundschaft. Obwohl ich im Laufe meines Lebens mehr Freunde und Freundinnen verloren habe, als ich je hatte … Doch ging das fast nie von mir aus. Außer insofern, als ich den Leuten mit meiner Kritisiererei auf die Nerven gehe. (Bei ihnen einen Nerv treffe.) Amicus X, magis amica veritas.