Wenn ich mir schon einen Tefaukrimi anschaue, obwohl darin Natalia Wörner mitwirkt (die das darstellerische Charisma einer Raufasertapete hat) und weil er in Rom spielen soll, dann will ich auch wirklich Rom zu sehen bekommen. Und nicht bloß in ein paar summarischen Panoramaansichten. Das war leider nicht so. Aber nicht nur das Lokalkolorit erwies sich als dürftig, sondern erwartungsgemäß auch das Drehbuch. Besonders ärgerlich an dem Schmarren war die Darstellung der Italiener: alle kriminell, korrupt, bösartig, nationalistisch oder Kellner. (Die anscheinend nur lauwarmen Kaffee servieren; wie sonst könnte der sofort getrunken werden, kaum dass er auf den Tisch gestellt wird?) Zum Glück kommt ein kleiner Pulk moralisch überlegener teutonischer Herrenmenschen und rettet die Welt vor der Gier und dem Hochmut der Spaghettifresser. (Gerettet wird aufwändig auch eine junge deutsche Archäologin ― wo kriegen die Besetzungsagenturen nur immer diese froschmäuligen Blondchen her? ― aus ihrem selbstverschuldeten Einschluss in einer Katakombe; zur Erinnerung: in Katakomben, Klöstern, Pfarrhäusern usw. versteckte die katholische Kirche Italiens, ganz wesentlich unter dem Dirigat von Papst Pius XII., vor etwas über achtzig Jahren unzählige Juden und Jüdinnen vor dem Zugriff der Deutschen.) Ein bisschen wundern darf man sich, dass das Personal der bundesdeutschen Botschaft in Rom anscheinend nur aus der Botschafterin, deren rühriger Büroleiterin und einem jungspundigen Kulturattaché besteht. Kein Koch, kein Leibwächter, keine Putzfrau? Immerhin hatte Bruno „Signora, ich 'abe gar keine Auto“ Maccalini einen Auftritt als schlitzohrig-zwielichtiger Kunsthändler. Das spricht eine gewisse Alterskohorte an. Meine und plus. Übrig bleibe ich mit der Frage, warum Vasen unbedingt Keramiken genannt werde sollen. Den Witz, wenn es denn einer war, habe ich nicht verstanden.
BRONIOBLOG
Stefan Broniowski gibt seinen Senf dazu.
Sonntag, 30. August 2026
Freitag, 28. August 2026
Leute (39)
Frau X. ist gestorben. Alle Welt rühmt sie. Nun mag sie ja durchaus ein sehr netter Mensch gewesen sein und sehr viel Gutes getan haben. Das stelle ich nicht in Abrede und finde es sehr löblich. Für mich überwiegt aber ihre grässliche äußere Erscheinung und das unerträgliche Gesinge, das anscheinend Millionen und Abermillionen von Menschen als country music akzeptieren und wahnsinnig gerne hören.
Frau Y. ist gestorben. Dass sie überhaupt je gelebt hat , erfuhr ich erst aus der Todesmeldung. Ihr Lebenswerk ging nämlich bisher völlig an mir vorüber. Es besteht aus Punkten. Unzähligen großen und kleinen bunten Punkten. Die hat sie gemalt. Ansonsten war sie wohl für ihr knallrotes Haar (Perücke?) bekannt. Dass das die Leute das unerbittliche Getüpfel für „Kunst“ halten, begeistert davon sind, in Y.-Ausstellungen eintauchen und vor dem Y.-Museum (in Japan) Schlange stehen, zeigt, meine ich, wie kaputt diese Welt ist.
Glossse CLXIX
Hauptprotagonist. Besonders betrüblich ist es, solch einen „überflüssigen Pleonasmus“ bei einem gebildeten Menschen zu lesen, einem studierten Musikwissenschaftler und zu Recht geschätzten Hörfunkjournalisten.
Samstag, 22. August 2026
What watch? Ten watch. Such much?*
„Schon früh entdeckten die Menschen, dass der Sonnenstand die Uhrzeit anzeigt.“ Aber natürlich tut er das. Ist aber auch wirklich eine prima Sache, dass sich nicht etwa Uhren nach der Tageszeit, sondern diese sich nach ihnen richtet.
Über so viel Dummheit kann man lachen. Man kann darin aber auch eine erschreckende Wirkung eines grassierenden Szientismus sehen, der die abstrakten Konstruktionen der Naturwissenschaften mit der erfahrbaren wirklichen Welt verwechselt. Oder vielmehr diese jenen unterordnet. Ein Platonismus der besonderen Art.
Sonnenaufgang, Sonnenhöchststand und Sonnenuntergang sind beobachtbare Tatsachen. Dass es auf einem Gerät gerade 13 Uhr 58 und 26 Sekunden ist, ist eine relativ willkürliche soziale Konvention auf technischer Basis. Nützlich für ökonomische Zwecke, das stimmt. Weil man zum Beispiel Eisenbahnfahrpläne haben wollte; Postkutschen kamen noch ohne solche Vereinheitlichungen aus, Reiter und Fußgänger erst recht, sie brauchten ja nur zum Himmel zu schauen, um zu wissen, wie es um den Tag stand. Später war der Himmel dann gar nichts mehr wert: Armbanduhren waren eine zweckmäßige Erfindung für die Piloten von Kriegsflugzeugen im Ersten Weltkrieg (inzwischen sind sie Zierrat und die Uhrzeit verrät einem das handy).
Uhrzeit für eine objektive Gegebenheit zu halten, die von Messgeräten bloß abzulesen wäre, statt die Herstellung von einheitlicher Uhrzeit als Effekt von normierten Messungen zu durchschauen, ist typisch modern. Realität ist, was die Maschine macht. Das gelebte Leben ist nur subjektivistisches Beiwerk
Über so viel Dummheit kann man lachen. Man kann darin aber auch eine erschreckende Wirkung eines grassierenden Szientismus sehen, der die abstrakten Konstruktionen der Naturwissenschaften mit der erfahrbaren wirklichen Welt verwechselt. Oder vielmehr diese jenen unterordnet. Ein Platonismus der besonderen Art.
Sonnenaufgang, Sonnenhöchststand und Sonnenuntergang sind beobachtbare Tatsachen. Dass es auf einem Gerät gerade 13 Uhr 58 und 26 Sekunden ist, ist eine relativ willkürliche soziale Konvention auf technischer Basis. Nützlich für ökonomische Zwecke, das stimmt. Weil man zum Beispiel Eisenbahnfahrpläne haben wollte; Postkutschen kamen noch ohne solche Vereinheitlichungen aus, Reiter und Fußgänger erst recht, sie brauchten ja nur zum Himmel zu schauen, um zu wissen, wie es um den Tag stand. Später war der Himmel dann gar nichts mehr wert: Armbanduhren waren eine zweckmäßige Erfindung für die Piloten von Kriegsflugzeugen im Ersten Weltkrieg (inzwischen sind sie Zierrat und die Uhrzeit verrät einem das handy).
Uhrzeit für eine objektive Gegebenheit zu halten, die von Messgeräten bloß abzulesen wäre, statt die Herstellung von einheitlicher Uhrzeit als Effekt von normierten Messungen zu durchschauen, ist typisch modern. Realität ist, was die Maschine macht. Das gelebte Leben ist nur subjektivistisches Beiwerk
* Die Überschrift ist ein Zitat aus dem Film Casablanca (1942).
Mittwoch, 19. August 2026
Real existierende Demokratie III
Die größte Gefahr für die Demokratie sind die Wählerinnen und Wähler.
Dass ist es nämlich, worum es eigentlich geht, wenn man sagt: die und die Partei ist eine Gefahr für die Demokratie. In Wahrheit ist ja eine Partei, die niemand wählt, keinerlei Gefahr, egal, welche autoritären und illiberalen Ambitionen sie hegt. Nur eine Partei, die gewählt wird, und zwar in großer Zahl, kann überhaupt eine Gefahr für die Demokratie sein.
Wenn es aber demnach diejenigen sind, die von ihrem gesetzlichen Wahlrecht völlig gesetzeskonform Gebrauch machen, die damit die Demokratie gefährden, dann sagt das doch etwas über Demokratie. Dann liegt doch offensichtlich eine Fehlkonstruktion vor.
Nach Vorstellung der besorgten Demokratinnen und Demokraten machen die, die nicht so wie sie schön brav gemäßigt wählen, etwas falsch. Geh wählen, heißt es zwar immer, egal, was du wählst, Hauptsache, du wählst überhaupt. Aber dann stellt sich heraus, dass man anscheinend doch nicht irgendwas und irgendwen wählen darf, sonder dass man gefälligst richtig wählen soll.
Das demokratische Paradoxon, dass Demokratie nicht demokratisch eingeführt werden kann, sondern von oben dekretiert werden muss ― den solange ein Staat keine Demokratie ist, kann, kann es auch keine demokratische Entscheidung für Demokratie geben, nur einen revolutionären, also autoritären Akt der Durchsetzung ―, gilt eben auch umgekehrt: Demokratie darf nicht mit demokratischen Mitteln abgeschafft werden.
Soll heißen: Das „Volk“ ist souverän, solange es sich den Spielregeln unterwirft. Die nicht das „Volk“ aufgestellt hat.
Wohlgemerkt, hier wird nicht für die Abschaffung der Demokratie argumentiert; ich verweise hier nur auf den fundamentalen Widerspruch, dass Demokratie, die als Mehrheitsdemokratie konzipiert wird, davon bedroht wird, dass diejenigen, die für eine Abschaffung des bisherigen demokratischen Rechts- und Sozialstaats sind, in der Mehrheit sein könnten.
Was denn nun, hat die Mehrheit das Recht, zu entscheiden, oder hat sie es nicht? Oder stimmt es eben doch, was mehr oder minder kluge Leute immer schon gesagt haben: Dass Wahlen dazu da sind, dass sich durch sie nichts ändert?
Nicht „die Demokratie“ wird durch Erfolge der Rechtspopulisten gefährdet, sondern ― zu aller Schaden ― diese Demokratie, die real existierende Demokratie der Wahlen und Abstimmungen, der Mehrheiten und Minderheiten, der nicht repräsentativen „Repräsentation“, der Klüngeleien und Lobbyismen, Und die auch die Funktion hat, ihre bessere Alternative, die konsensuelle Basisdemokratie, die auf ein herrschaftsfreies Zusammenleben ausgerichtet ist, zu verhindern. Diese bessere Denokratie, diese Mehr-als-Demokratie wäre aber das einzige wirksame Mittel, um Autoritarismus und Illiberalismus an der Wurzel zu packen und für immer unmöglich zu machen.
Gemäßigte Demokratie wirkt nur mäßig gegen Antidemokratie, die sich der formellen Demokratie bedient. Anarchismus, also sozusagen substanzielle Demokratie, in der Mehrheiten und Minderheiten keine Rolle spielen und guter Wille zur konstruktiven Mitarbeit Voraussetzung ist, was offensichtlich andere gesellschaftliche Verhältnisse erfordert, ist der schärfste Feind des Populismus. Gemäßigte Demokratie nur dessen schwächliche kleine Schwester. Deren Spitznahme ist zu Recht „Weiterwursteln“, weil sie keine Probleme löst und alles immer nur verschiebt.
Dass ist es nämlich, worum es eigentlich geht, wenn man sagt: die und die Partei ist eine Gefahr für die Demokratie. In Wahrheit ist ja eine Partei, die niemand wählt, keinerlei Gefahr, egal, welche autoritären und illiberalen Ambitionen sie hegt. Nur eine Partei, die gewählt wird, und zwar in großer Zahl, kann überhaupt eine Gefahr für die Demokratie sein.
Wenn es aber demnach diejenigen sind, die von ihrem gesetzlichen Wahlrecht völlig gesetzeskonform Gebrauch machen, die damit die Demokratie gefährden, dann sagt das doch etwas über Demokratie. Dann liegt doch offensichtlich eine Fehlkonstruktion vor.
Nach Vorstellung der besorgten Demokratinnen und Demokraten machen die, die nicht so wie sie schön brav gemäßigt wählen, etwas falsch. Geh wählen, heißt es zwar immer, egal, was du wählst, Hauptsache, du wählst überhaupt. Aber dann stellt sich heraus, dass man anscheinend doch nicht irgendwas und irgendwen wählen darf, sonder dass man gefälligst richtig wählen soll.
Das demokratische Paradoxon, dass Demokratie nicht demokratisch eingeführt werden kann, sondern von oben dekretiert werden muss ― den solange ein Staat keine Demokratie ist, kann, kann es auch keine demokratische Entscheidung für Demokratie geben, nur einen revolutionären, also autoritären Akt der Durchsetzung ―, gilt eben auch umgekehrt: Demokratie darf nicht mit demokratischen Mitteln abgeschafft werden.
Soll heißen: Das „Volk“ ist souverän, solange es sich den Spielregeln unterwirft. Die nicht das „Volk“ aufgestellt hat.
Wohlgemerkt, hier wird nicht für die Abschaffung der Demokratie argumentiert; ich verweise hier nur auf den fundamentalen Widerspruch, dass Demokratie, die als Mehrheitsdemokratie konzipiert wird, davon bedroht wird, dass diejenigen, die für eine Abschaffung des bisherigen demokratischen Rechts- und Sozialstaats sind, in der Mehrheit sein könnten.
Was denn nun, hat die Mehrheit das Recht, zu entscheiden, oder hat sie es nicht? Oder stimmt es eben doch, was mehr oder minder kluge Leute immer schon gesagt haben: Dass Wahlen dazu da sind, dass sich durch sie nichts ändert?
Nicht „die Demokratie“ wird durch Erfolge der Rechtspopulisten gefährdet, sondern ― zu aller Schaden ― diese Demokratie, die real existierende Demokratie der Wahlen und Abstimmungen, der Mehrheiten und Minderheiten, der nicht repräsentativen „Repräsentation“, der Klüngeleien und Lobbyismen, Und die auch die Funktion hat, ihre bessere Alternative, die konsensuelle Basisdemokratie, die auf ein herrschaftsfreies Zusammenleben ausgerichtet ist, zu verhindern. Diese bessere Denokratie, diese Mehr-als-Demokratie wäre aber das einzige wirksame Mittel, um Autoritarismus und Illiberalismus an der Wurzel zu packen und für immer unmöglich zu machen.
Gemäßigte Demokratie wirkt nur mäßig gegen Antidemokratie, die sich der formellen Demokratie bedient. Anarchismus, also sozusagen substanzielle Demokratie, in der Mehrheiten und Minderheiten keine Rolle spielen und guter Wille zur konstruktiven Mitarbeit Voraussetzung ist, was offensichtlich andere gesellschaftliche Verhältnisse erfordert, ist der schärfste Feind des Populismus. Gemäßigte Demokratie nur dessen schwächliche kleine Schwester. Deren Spitznahme ist zu Recht „Weiterwursteln“, weil sie keine Probleme löst und alles immer nur verschiebt.
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