Zugegebenermaßen verstehe ich nicht, warum die Leute AfD wählen. Wie kann man nur? Allerdings verstehe ich auch nicht, warum sie die anderen Parteien wählen. Wie kann man nur? Aber hier sehe ich bloß eher leichte Dummheit am Werk, einen Aberglauben an die Legitimität, Funktionalität und Erforderlichkeit des Systems sowie ein erschöpftes Überzeugtsein vom Mangel an anderen Möglichkeiten und also der Alternativlosigkeit des Vorgegebenen. Man müsse schließlich wählen, lässt man sich einreden, also nimmt man hin, was da ist, und wählt irgendwas, auch wenn es eigentlich Quatsch ist. Und im Grund den eigenen Interessen, wenn man die nur verstände, zuwiderläuft.
Aber die AfD? Das ist noch mehr als Quatsch und bedenkliches Weiterso. Diese Typen sind doch offen widerwärtig. Sie zu wählen heißt, sehenden Auges Dummheit und Bosheit zu wählen. Warum? Aus Dankbarkeit für die organisierte Gelegenheit, zu hassen und dagegen, ganz und gar dagegen zu sein? Aus Lust am Kaputtmachen und an der Abwertung Schwächerer und von „denen da oben“?
Von wegen „Protest“! Jemand hat es im Internet so formuliert: „Wenn mir in einem Lokal das Bier nicht schmeckt, trinke ich auch nicht aus Protest Klowasser.“ In meiner grobianischen Art hätte ich es ja so formuliert: „Wenn mit im Restaurant das Schnitzel nicht schmeckt, fresse ich auch nicht aus Protest die Kacke des Kochs.“ So oder so, man versteht, was gemeint ist. Man wählt nicht aus Protest gegen Schlechtes noch viel Schlimmeres.
Denn man kann der AfD vieles nachsagen, aber nicht, dass sie andere Lösungsansätze vertritt als bloßes Dagegensein: gegen Ausländer, gegen Arbeitnehmerrechte, gegen den Sozialstaat, gegen Umweltschutz, gegen den Rechtsstaat, gegen kulturelle Vielfalt, gegen Weltoffenheit. Die AfD lehnen alles Erneuernde, Schonende, Gewalt Beschränkende, womöglich Verwirrende und Respekt im Umgang Erheischende ab.
Nichts von dem, worauf die AfD abzielt, ginge zu Gunsten der Masse derer aus, die die AfD wählen. Im Gegenteil, ihre Rechte würden beschnitten, ihre Ausbeutung verschärft, ihre Gesundheit gefährdet und geschädigt, ihre Zukunft verkauft und verraten und ihre Individualität genormt.
Wollen die AfD-Wähler das wirklich? Oder wollen sie es bloß nicht wahrhaben? Und am schlimmsten: Wären sie tatsächlich bereit, jeden Preis zu bezahlen, wenn es nur noch mehr auf Kosten von noch Schwächeren geht?
Hauptsache nicht links, nicht ökologisch, nicht frei, nicht liberal, nicht pluralistisch, nicht so fordernd und in Frage stellend. Alles soll wieder werden, wie es nie war. Bloß irgendwie schneidiger, hemmungsloser, realitätsunabhängiger. Halb Freizeitpark mit Volksmusik und Freibier, halb Treibjagd im Kleingarten.
Und der Nationalsozialismus? Wen das Illiberale, Autoritäre, Nationalistische, Rassistische nicht stört, wie sollten den die brauen Anklänge stören? Irgendwie gefällt das ja vielleicht sogar.
Man bedenke: Der Nazimus war nie weg. Nicht jeder war 1945 erleichtert, zu viele hatten zu sehr mitgemacht. Und auch profitiert. Kleine Herrenmenschen und Herrenmenschinnen. Es war für sie nicht nur nicht alles schlecht gewesen, sondern einiges sogar sehr gut. Nach außen hin gab man sich zerknirscht und gewandelt und sympathisierte mit dem Aufbau der Demokratie nicht minder als mit dem Wirtschaftswunder. Aber für gar nicht so wenige bestand die „Vergangenheitsbewältigung“ darin, privat das Gewesene zu verharmlosen und die schlimme Wahrheit über eigene Funktion und Aktivität nicht begreifen zu wollen. Auch und gerade in der autoritären, illiberalen, repressiven DDR mit ihrer Inszenierung von „Antifaschismus“ auf der Bühne eines gewalttätigen, lügnerischen, entrechtenden und entmündigenden Systems ― bei dem so viele freudig mitmachten! ― leistete offensichtlich gute Arbeit im Konservieren, was man Hyponazismus nennen könnte (in dem Sinne man wie bei Erdbeben das Hypozentrum vom Epizentrumunterscheidet) oder meinetwegen einen subliminalen Nazismus. (Was die AfD-erfolge besonders im Osten erklärt.)
Nicht dass die AfD irgendwie die NSDAP wäre. (Aber das waren NDP, DVU usw. auch nicht.) Es geht eher um ein ebenso unweigerliches wie gewolltes Hantieren mit Versatzstücken, Imitationen, Allusionen, mit denen tiefsitzende Affekte angesprochen werden sollen ― die erstaunlicherweise keinen Widerstand, keine Unlust auslösen, sondern ein gruseliger Spaßfaktor sind. Zum Hitlergruß alte und neue rassistische Lieder zu grölen, ist ein von Suff und Gruppenlust anscheinend reflexartig ausgelöstes Freizeitvergnügen auch solcher, die im Alltag mit der AfD wenig oder nichts zu tun haben wollen. ― Aber erstaunlich ist wohl nur für mich.
Wohlgemerkt, dass die Rechtspopulisten und Rechtextremisten quasi Nazis sind, ist für viele nicht unbedingt ein Grund, sie zu wählen, scheint mir. Schlimm genug freilich, dass es für viel zu viele offensichtlich kein Grund ist, sie nicht zu wählen.
Wie gesagt, ich verstehe das nicht. Man wählt keine Quasinazis. Die ja doch nichts zu bieten haben als Ressentiments und Negativität. Mit denen alles nur schlimmer werden kann. Die gierig und unehrlich sind. Das tut man nicht. Aber viele tun es. Warum?
Aber die AfD? Das ist noch mehr als Quatsch und bedenkliches Weiterso. Diese Typen sind doch offen widerwärtig. Sie zu wählen heißt, sehenden Auges Dummheit und Bosheit zu wählen. Warum? Aus Dankbarkeit für die organisierte Gelegenheit, zu hassen und dagegen, ganz und gar dagegen zu sein? Aus Lust am Kaputtmachen und an der Abwertung Schwächerer und von „denen da oben“?
Von wegen „Protest“! Jemand hat es im Internet so formuliert: „Wenn mir in einem Lokal das Bier nicht schmeckt, trinke ich auch nicht aus Protest Klowasser.“ In meiner grobianischen Art hätte ich es ja so formuliert: „Wenn mit im Restaurant das Schnitzel nicht schmeckt, fresse ich auch nicht aus Protest die Kacke des Kochs.“ So oder so, man versteht, was gemeint ist. Man wählt nicht aus Protest gegen Schlechtes noch viel Schlimmeres.
Denn man kann der AfD vieles nachsagen, aber nicht, dass sie andere Lösungsansätze vertritt als bloßes Dagegensein: gegen Ausländer, gegen Arbeitnehmerrechte, gegen den Sozialstaat, gegen Umweltschutz, gegen den Rechtsstaat, gegen kulturelle Vielfalt, gegen Weltoffenheit. Die AfD lehnen alles Erneuernde, Schonende, Gewalt Beschränkende, womöglich Verwirrende und Respekt im Umgang Erheischende ab.
Nichts von dem, worauf die AfD abzielt, ginge zu Gunsten der Masse derer aus, die die AfD wählen. Im Gegenteil, ihre Rechte würden beschnitten, ihre Ausbeutung verschärft, ihre Gesundheit gefährdet und geschädigt, ihre Zukunft verkauft und verraten und ihre Individualität genormt.
Wollen die AfD-Wähler das wirklich? Oder wollen sie es bloß nicht wahrhaben? Und am schlimmsten: Wären sie tatsächlich bereit, jeden Preis zu bezahlen, wenn es nur noch mehr auf Kosten von noch Schwächeren geht?
Hauptsache nicht links, nicht ökologisch, nicht frei, nicht liberal, nicht pluralistisch, nicht so fordernd und in Frage stellend. Alles soll wieder werden, wie es nie war. Bloß irgendwie schneidiger, hemmungsloser, realitätsunabhängiger. Halb Freizeitpark mit Volksmusik und Freibier, halb Treibjagd im Kleingarten.
Und der Nationalsozialismus? Wen das Illiberale, Autoritäre, Nationalistische, Rassistische nicht stört, wie sollten den die brauen Anklänge stören? Irgendwie gefällt das ja vielleicht sogar.
Man bedenke: Der Nazimus war nie weg. Nicht jeder war 1945 erleichtert, zu viele hatten zu sehr mitgemacht. Und auch profitiert. Kleine Herrenmenschen und Herrenmenschinnen. Es war für sie nicht nur nicht alles schlecht gewesen, sondern einiges sogar sehr gut. Nach außen hin gab man sich zerknirscht und gewandelt und sympathisierte mit dem Aufbau der Demokratie nicht minder als mit dem Wirtschaftswunder. Aber für gar nicht so wenige bestand die „Vergangenheitsbewältigung“ darin, privat das Gewesene zu verharmlosen und die schlimme Wahrheit über eigene Funktion und Aktivität nicht begreifen zu wollen. Auch und gerade in der autoritären, illiberalen, repressiven DDR mit ihrer Inszenierung von „Antifaschismus“ auf der Bühne eines gewalttätigen, lügnerischen, entrechtenden und entmündigenden Systems ― bei dem so viele freudig mitmachten! ― leistete offensichtlich gute Arbeit im Konservieren, was man Hyponazismus nennen könnte (in dem Sinne man wie bei Erdbeben das Hypozentrum vom Epizentrumunterscheidet) oder meinetwegen einen subliminalen Nazismus. (Was die AfD-erfolge besonders im Osten erklärt.)
Nicht dass die AfD irgendwie die NSDAP wäre. (Aber das waren NDP, DVU usw. auch nicht.) Es geht eher um ein ebenso unweigerliches wie gewolltes Hantieren mit Versatzstücken, Imitationen, Allusionen, mit denen tiefsitzende Affekte angesprochen werden sollen ― die erstaunlicherweise keinen Widerstand, keine Unlust auslösen, sondern ein gruseliger Spaßfaktor sind. Zum Hitlergruß alte und neue rassistische Lieder zu grölen, ist ein von Suff und Gruppenlust anscheinend reflexartig ausgelöstes Freizeitvergnügen auch solcher, die im Alltag mit der AfD wenig oder nichts zu tun haben wollen. ― Aber erstaunlich ist wohl nur für mich.
Wohlgemerkt, dass die Rechtspopulisten und Rechtextremisten quasi Nazis sind, ist für viele nicht unbedingt ein Grund, sie zu wählen, scheint mir. Schlimm genug freilich, dass es für viel zu viele offensichtlich kein Grund ist, sie nicht zu wählen.
Wie gesagt, ich verstehe das nicht. Man wählt keine Quasinazis. Die ja doch nichts zu bieten haben als Ressentiments und Negativität. Mit denen alles nur schlimmer werden kann. Die gierig und unehrlich sind. Das tut man nicht. Aber viele tun es. Warum?