Samstag, 4. April 2026

Karsamstagsmeditation

Ich bin Anarchist, weil ich überzeugt bin, , dass nur ein herrschaftsfreies Zusammenleben der menschlichen Würde entspricht, dass nur unter den Bedingungen gewaltloser Gleichheit und gleichberechtigter Verschiedenheit eine wirklich vernünftige und gerechte Ordnung gestaltet werden kann, dass nur so das Wohlergehen von jedem und allen erreicht werden und gewahrt bleiben kann. Zugleich glaube ich an Gott, weil selbst die besten irdischen Zustände, die Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand gewähren, nicht genügen ― denn warum und wozu das alles? Am Leben zu sein und glücklich miteinander zu leben, sich ohne Zwang entfalten zu können und seine schöpferischen Möglichkeiten zum eigenen und allgemeinen Wohl oder doch Wohlgefallen auszuschöpfen, das ist unmöglich ein Selbstzweck. Zufriedenheit und Glück kann nicht alles gewesen sein, denn Menschen sind endlich und sterblich. Mit dem Tod eines Einzelnen schon stirbt ein Teil der Welt und scheint unwiederbringlich verloren. Welchen Sinn hat es, für den Einzelnen zu kämpfen, wenn er sterben muss? Wenn die Welt zu Grunde gehen kann und irgendwann auch wird.
Es muss doch für all das, wofür es sich einzusetzen lohnt, einen Grund und einen Sinn geben, der über das Endliche und Vergänglich hinausweist, einen letzten Sinn, ein letztes Ziel, eine letzte Erfüllung. Das aber kann nicht von diese Welt sein, es muss transzendent sein. Es kann auch nicht etwas sein, es muss jemand sein: Gott. Das vollkommene und vollkommen gute Wesen, dass alles geschaffen hat und erhält. Auf ihn ist alles ausgerichtet, in ihm findet alles Grund und Sinn.
Darum gehören für mich Anarchismus und Glaube zusammen. Gott ist Freiheit. Wer Gott und seinen Nächsten liebt, will Freiheit, will Würde und Gerechtigkeit, will, dass es allen geistig, seelisch, körperlich gut geht. Er will auf keinen Fall Unterdrückung, Ausbeutung, Zerstörung und Tod. Weil aber Menschen sterblich und schon so viele gestorben sind, muss es den einen geben, der den Tod besiegt und das ewige Leben gewährt.
Leid und Tod sind Folgen der Sünde, der eigenen Sünden und der Sünden der anderen, an denen man mitträgt, einfach, weil man Mensch unter Menschen ist. Sünde ist Unfreiheit, Leid ist der erlebte Widerspruch von Sein und Sollen. Gott allein kann davon befreien. Nur seine Gnade kann zu einem freien, nämlich auch sündenfreien Menschen machen und zur ewigen Seligkeit führen. Unterwegs dahin müssen die Menschen alles tun, um der Herrschaft der Sünde entgegenzutreten und sich ihr nicht zu unterwerfen.
Das ist für mich Anarchismus: Unaufhörlicher Kampf gegen das Böse, gegen das System, des Bösen, gegen die Verführung zum Bösen, und der Versuch, schon jetzt anders, besser, freier, fürsorglicher, gerechter, rücksichtsvoller, schöpferischer mit einander umzugehen und für dafür Denkweisen und Organisationsformen zu entwerfen und zu praktizieren.
Herrschaft von Menschen über Menschen (und die angestrebte Herrschaft von Maschinen über Menschen) ist unmoralisch, dumm und zerstörerisch. Was man das „Reich Gottes“ nennt ist gut, weise, vernünftig, gerecht und schöpferisch. In Gemeinschaft mit Gott ist den Menschen alles möglich. Auch das ewige Leben.

Sonntag, 29. März 2026

Aufgeschnappt (bei Nikos Kazantzanis)

Und als ich die berühmten Gemälde zum ersten Mal erblickte, wie zitterte das unersättlich Herz, wie stand ich lange Zeit mit wankenden Knien auf der Schwelle, bis das Herzklopfen sich gelegt hatte und ich imstande war, soviel Schönheit zu ertragen. Denn ich hatte es wohl vorausgesehen: Schönheit ist erbarmungslos; nicht sie schaust du an, sie schaut dich an, und sie verzeiht nicht.

Bauen gegen Menschen

Ich kannte diese Leute vorher nicht. Ich las nur zufällig von ihrem Tod. Ein Schweizer Architekten-Ehepaar, er 97, sie 94 Jahre alt, hat sich umgebracht. Deren Sache, geht mich nichts an. Die beiden dürften jede Menge Gebäude entworfen haben, allesamt scheußlich, soweit ich sehe. Und ich habe ein Zitat von ihm bezüglich eines seiner Werke gefunden (das 2018 zum „hässlichsten Haus der Schweiz“ gewählt worden war): „Dass Laien das Gebäude hässlich finden, ist mir egal. Hauptsache, den anderen Architekten gefällt es.“
Genau diese Einstellung bringt aus meiner Sicht die moderne Architektur auf den Punkt. Für gewöhnlich ist sie menschenfeindlich, selbstverliebt, abstoßend und unbrauchbar. Es gibt Ausnahmen, aber die Regel ist: Inhumanität und Unschönheit.
Man entwirft für Kollegen und Kritiker, für Auftraggeber, die sich außer an Kosten und Profit an der Meinung anderer orientieren. Man entwirft nicht für die Menschen, die in solchen Häusern wohnen müssen. Es geht nicht um Geschmack. Es geht um Wünsche und Bedürfnisse. Diese mit Gewalt ― und jeder solcher Bau ist physische Manifestation einer Durchsetzung ― übergangen werden. Übergangen werden sollen. Denn je unmenschlicher die Gebäude sind, desto mehr werden sie „in Fachkreisen“ (und von verdummten Fans) bewundert.
„Architektur ist faschistisch“, pflege ich zu sagen und ecke damit oft an. Vom obigen Zitat und der inhumanen Geisteshaltung, die es zu erkennen gibt, fühle ich mich allerdings bestätigt. Modernes Bauen ist in der Regel autoritär, elitär, menschenverachtend und praktiziert einen Kult der Gewalt.

Samstag, 28. März 2026

Videant male consulti …

Die ösiländische Obrigkeit will ein Verbot von Sozialen Medien für Personen im Alter von weniger als vierzehn Jahren. Das soll Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten schützen. Warum man nicht geschützt zu werden braucht, wenn man fünfzehn oder älter ist, bleibt Staatsgeheimnis. 
Medienkompetenz ist das Stichwort. Die soll künftig in den Schulen auch im Fach „Medien und Demokratie“ eingetrichtert werden, wofür der Latein-Unterricht um zwei Stunden gekürzt werden soll, (Was mit denen ist, die keinen haben, ist kein Thema.) 
Pädagogische Peitsche und altbackenes Zuckerbrot: Medienverbot und Main-Stream-Indoktrination sollen übrigens auch gegen „Radikalisierung“ helfen. (Radikalisierung, das ist, wenn man die ganze verordnete Scheiße ablehnt. Das darf man nicht.)
Ob im Unterricht auch nur ein kleines bisschen Wahrheit vorkommen darf? Dass Demokratie ein Farce ist, die das politische Bewusstsein der Leute einschläfern soll? Dass der Staat ein Werkzeug der Reichen ist, durch das sie noch reicher werden sollen? Dass die FPÖ faschistisch ist und dass Parteien, die mit ihr kollaborieren, (schon allein) darum quasifaschistisch sind? Dass nur fundamentale, radikale, extreme Maßnahmen zu einer Lösung der ökologischen, sozialen, politischen, kulturellen Probleme etwas Sinnvolles beitragen können und das übliche Weiterwursteln korrupter und ideologisch verbohrter „Mandatsträger“ verbrecherisch ist? Wohl kaum.
Hinschauen verboten! Denken verboten! Mitlaufen erlaubt.

Glosse CXLIV

Was war denn einer der größten Meilensteine im Umgang mit psychisch Erkrankten?, fragt die Tefau-Reporterin den wissenschaftlichen Leiter der heurigen niederösterreichischen Landesausstellung. (Und der lacht sie nicht aus, sondern antwortet sehr ernsthaft.) Vielleicht ist es im Paralleluniversum des österreichischen Rundfunks tatsächlich so, dass es dort sehr kleine Meilensteine für sehr kurze Meilen gibt und für die ganz langen Meilen gibt es sehr große Meilensteine. Oder aber: bei der Vertreterin der Journaille hat das zwanghafte Verwenden von Floskeln das Hirn angegriffen.
Besagter wissenschaftlicher Leiter sprach dann von einem Künstler, der seinem Talent nachgegangen sei und Aquarelle bemalt habe. Der „Leiter der Landessammlungen Niederösterreich“ ist entschuldigt. Er ist Akademiker (Magister), muss also der Sprache nicht mächtig sein, schon gar nicht in freierc Rede. Ein feiner Zwirn genügt für den öffentlichen Auftritt.