Mittwoch, 5. August 2026

Faschismus III

Die Missachtung des Anderen ist die Grundhaltung derer, die politischen Gewalt anwenden oder anwenden wollen. Was der Andere will, was er braucht, was er darf oder muss, ist völlig egal, es kommt nur auf einen selbst an und darauf, sich und das, was man will, durchzusetzen. Der physischen Gewalt geht sozusagen logisch die ethische (also unethische) Gewalt voraus. Die Verweigerung einer Ethik ist die Voraussetzung der Ersetzung von Politik durch Gewalt
Damit kehrt der Faschismus die ethische Ordnung um: Die Starken soll über die Schwachen triumphieren, die Schwachen, Fremden, Unverständlichen sollen letztlich verschwinden (oder allenfalls, falls brauchbar, Sklaven sein dürfen). Jede Verpflichtung von Mensch zu Mensch wird durch die Festlegung auf das abgebliche Recht der Macht (das eben in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Tatsache der Unterdrückung) ersetzt. Je mehr sich einer diesem Grundsatz unterwerfe, desto mehr sei er zur Herrschaft berufen.

Faschismus II

Der moderne Staat ist selbst Urmodell des Faschismus. Er beansprucht ein „Gewaltmonopol“, das heißt, er erklärt alle Gewalt, die nicht seine Gewalt ist, zu Unrecht, auf das er mit Gewalt reagieren dürfe. Staatsgewalt heißt im Letzten immer Ausübung physischer Gewalt. Bis dahin werden die Bürger und sonstigen Untertanen angehalten, dem Staat zu gehorchen, angeblich zu ihrem Besten, tatsächlich aber immer mit der Drohung, dass sonst Gewalt gegen sie ausgeübt werde. Das gilt als Recht. Mit seiner Gewalt setzt der Staat das Recht, dass er selber setzt, durch. Der Grund seines Rechtes ist also die Gewalt, mit der er durchsetzt, was er will.
Gewiss begrenzen im Rechtsstaat die Bindung der Vollziehung an die Gesetze und die unabhängige Rechtsprechung die Willkür. Aber sie können der Gewalt nicht entbehren: Gegen den Verurteilten ruft das Gericht die Gewalt herbei, die ihn einsperrt (oder tötet).
Das Recht des Staates ist, für sich genommen zirkulär begründet: Es ist Recht, weil es Gesetz ist, und die Gesetze macht der Gesetzgeber. So verfährt auch der Faschismus: Wir sind im Recht, weil wir, indem wir uns durchsetzen, das Recht setzen. Selbstverständlich kann sich der Staat, wie der Faschismus auch, auf irgendwelche übergesetzlichen Werte und ewigen Gesetze berufen. Wer aber entscheidet, was davon gilt, wenn nicht der Staat (oder die faschistische Ideologie) selbst?

Pünktlichkeit?

Pünktlichkeit ist eigentlich der falsche Ausdruck. Es geht gar nicht darum (außer in technischen Zusammenhängen wie einem Fahrplan), dass irgendetwas um Punkt soundsoviel Uhr eintritt: eine Begegnung, eine Mitteilung, eine Überreichung. Vielmehr geht es darum, den Mitmenschen zu achten, seine Zeit nicht zu vergeuden und Verabredungen einzuhalten. Das ist ein Thema der Kultur, der Lebensart, der Umgangsformen, nicht des Kalküls. Es genügte also von Höflichkeit zu sprechen. Und das „Punktuelle“ dem Technischen zu überlassen.

Faschismus I

Viele haben vieles darüber geschrieben, was Faschismus zu Faschismus mache; nicht weniges davon ist klug und instruktiv. Ich will hier aber nur über einen Aspekt von Faschismus schreiben, der mir allerdings der wichtigste zu sein scheint: Faschismus ist die Ersetzung von Politik durch Gewalt, anders gesagt: eine Politik der Gewalt.
Auch andere politische Richtungen oder „Bewegungen“ sind autoritär, illiberal, nationalistisch, xenophob bis zum Rassismus und wenden sich entschieden gegen Schwache in einer Gesellschaft. Aber nur faschistische oder faschistoide Kräfte treiben dabei einen Kult der Gewalt, bewundern und verehren Gewalt als Ausdruck von Stärke und verwenden Gewalt als hauptsächliches politisches Mittel, nämlich schon bevor sie sich gegebenenfalls den Staat mit seinem Gewaltmonopol aneignen.
Gewalt wendet gerne an, wer sich durchsetzen will und durch Diskussion nichts erreicht: Weil er keine Argumente hat oder nicht auf sie vertraut oder unterstellt, der Gegner könne aus Dummheit oder Bosheit nicht überzeugt, sondern nur beiseite gedrängt, niedergeschlagen oder eliminiert werden. Gewalt ersetzt das Gespräch, die Verhandlung, das konstruktive Miteinander. Gewalt ersetzt die Rücksichtnahme, den Kompromiss, die Geltung von Rechten anderer und die Berücksichtigung von deren Bedürfnissen und Wünschen.

Montag, 27. Juli 2026

Kleine Agitation

Sei gegen den Fortschritt.
Der Fortschritt verallgemeinert die Ausbeutung und die wirtschaftliche Abhängigkeit.
Der Fortschritt zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen.
Der Fortschritt macht die, die schon reich sind, noch reicher.
Der Fortschritt zerstört Wissen und unterwirft Wissen sachfremden Bedingungen.
Der Fortschritt lenkt vom Wesentlichen ab: vom richtigen Leben, vom sinnvollen, verantwortungsvollen Leben.
Der Fortschritt gewährt Komfort und Sicherheit, aber nicht allen, und er entzieht seine Wohltaten auch wieder bei Bedarf.
Der Fortschritt schreibt die Geschichte zu seinen Gunsten um und stellt sich als alternativlos dar.
Sei gegen den Fortschritt. Werde ein besserer Mensch, nicht ein besser funktionierender. Verbessere das freie, gerechte und wohltuende Zusammenleben, nicht das Funktionieren des Systems.