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Sonntag, 6. September 2026

Balken & Splitter (123)

Der Innenminister erklärt, die BRD befinde sich nicht im Krieg. Ich wusste gar nicht, dass Krieg und Frieden in seinen Zuständigkeitsbereich fallen.

Gewalttaten (oder deren Vorbereitung) eines Staates gegen einen anderen sind für sich genommen keine Kriegshandlungen. Und genau darum geht es: Diese Aktivitäten sind Teil eines Zusammenhanges, nämlich des Krieges Russlands gegen die Ukraine, der durchaus als Krieg gegen den Westen konzipiert ist.

Darauf mit ein paar läppischen Schließungen zu reagieren, ist lächerlich. Du sprengst bei mir rum, daraufhin darfst du nicht mehr bei mir spionieren …

Dass man der russländischen „Schattenflotte“ nicht beikommen könne, ist lächerlich. Jedes Schiff auf jedem Meer wird überwacht. Russische Schiffe müssen durch Hoheitsgewässer, in denen sie kontrolliert werden können. Und gestoppt.

Warum zum Teufel sitzt Russland noch immer im UN-Sicherheitsrat?

Nachtrag: Während Dobrindt erklärte: „ Kein Krieg“, erklärte Lawrow: „Beginn eines echten Krieges.“ Einer von beiden lügt. Oder beide. (Und was genau wäre übrigens ein „unechter“ Krieg gewesen?)

Sonntag, 12. Juli 2026

Balken & Splitter (122)

Ich schlage ein neues Wort vor: Rechtspopululu. (Kombiniert aus Rechtspopulismus und delulu.)
 
Parteiverbot. Spitzenidee. Auch die NSDAP wurde damals mehrfach verboten. Und, hat's geklappt?
 
Ach, wenn man doch bloß den Leuten verbieten könnte, die Falschen zu wählen. Das würde Politik so viel einfacher machen. Allerdings auch den Medienzirkus langweiliger.
 
Habe ich das richtig verstanden: Die CSU will einen Landesverband in Thüringen gründen?
 
Suum cuique. Die Politik bläst erst den Autokonzernen Zucker in den Arsch und die fahren dann der Gesellschaft mit dem Arsch ins Gesicht.
 
„Regierung sieht hohe Dunkelziffer bei Sozialleistungsbetrug.“ Hellseher gehören aber doch auf den Jahrmarkt und nicht in die Politik.
 
Für einen Sieg in Wimbledon gibt es 4,1 Millionen Euro. Für den Georg-Büchner-Preis 50.000 Euro. ― Wir leben wirklich in einer Hochkultur.
 
Bizarrerweise berufen gewisse Leute sich gern auf ihr „Recht auf Meinungsfreiheit“, wenn sie sich jede Kritik verbitten. Sie müssen also Scheiße labern dürfen, aber niemand darf ihnen das sagen.
 
Gewerkschaften als Transmissionsriemen des Kapitals: „Klimaziele verschieben, damit Profite der Unternehmer weiter steigen!“

Donnerstag, 13. November 2025

Balken & Splitter (121)

Der bundesdeutsche Außenminister Wadephul hat erklärt, „dass es einen entschlossenen Kampf gegen Korruption in der Ukraine braucht, damit die Unterstützung im Westen auch glaubwürdig bleiben kann“. Was soll das heißen? Wenn die Ukraine korrupt bis auf die Knochen wäre, wäre Russland Angriff, sein Vernichtungskrieg gerechtfertigt? Oder zumindest dürfte man tatenlos zusehen? Was haben die innenpolitischen Probleme (deren Lösung durch den Krieg nicht leichter geworden ist) mit dem recht der Ukrainerinnen und Ukrainer zu tun, nicht ermordet zu werden?

Umkehrschluss: Die „deutsche Einheit“ muss widerrufen werden, denn Einheitskanzler Kohl hatte schwarze Kassen. Herr Spahn, der Milliarden verschlampt hat, ist immer noch ein hoher bundesdeutscher Politiker: Dänemark darf also einmarschieren und Schleswig-Holstein von der Korruption befreien!

Gemäß russischen Vorgaben oder aus eigener Blödheit wollen viele es so drehen, dass der jüngste Korruptionsskandal irgendwie Präsident Zelenskyi schaden soll. Weil die mutmaßlich Beteiligten „aus seinem Umfeld“ und „Personen seine Vertrauens“ waren. Na, was denn sonst! Ohne hohe Posten (die eben das Umfeld des leitenden Politikers bilden und die man durch dessen Vertrauen erlangt) hätte gar keine Chance zu großdimensionierter Korruption bestanden. Ob dem Präsidenten irgendetwas Konkretes vorzuwerfen ist (mangelnde Kontrolle etwa). lässt sich untersuchen. Dann kann man dazu etwas sagen. Dummes Gerede anstelle von Tatsachen schadet jedenfalls durchaus. Und Putin, der korrupteste Diktator, den Russland je hatte, lacht sich ins Fäustchen …

Montag, 13. Oktober 2025

Balken & Splitter (120)

Das gewaltige Tamtam, dass um die Freilassung der 20 israelischen Geiseln der Hamas gemacht wird, steht in schreiendem Missverhältnis zur Ignoranz gegenüber den über 60.000 von Israel in Gaza ermordeten Palästinensern. Gar nicht zu reden von den über 10.000 von Israel gefangen gehaltenen Palästinensern, die de facto alle politische Gefangene sind, egal was ihnen zur Last gelegt werden könnte. Sie gelten ja den Israelis alle als security prisoners. Rund ein Drittel von ihnen unterliegt der „Administrativhaft“, das heißt, sie wurden nicht einmal der Farce eines Militärstrafverfahrens unterzogen ― nichtmilitärische Gerichte sind für Palästinenser nicht zuständig, übrigens auch nicht für solche mit israelischer Staatsbürgerschaft.

So geht es also zu in der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“, in der wohl tatsächlich der rechtsextreme Pöbel das Sagen hat und die liberale Mitte alles mitmacht, einem Staat mit wahlen also, der aber ganz sicher kein Rechtsstaat ist, sondern eine rassistische Okkupationsmaschine. Man kann eben nicht beides sein: rechtsstaatliche Demokratie und ethnischer Staat.  
 
Muss man nicht mit bitterer Ironie sagen: Wie gut, dass Israel die Hamas doch nicht ausgerottet hat. Wer hätte sonst die Geiseln freigelassen?

Wieso sollen jetzt eigentlich andere Staaten für den Wiederaufbau dessen bezahlen, was Israel zerstört hat? Man könnte doch auch die Zionisten und Israelfreunde überall in der Welt zur Kasse bitten, da käme schon schön was zusammen. 
 
Wie beschämend, dass es (außerhalb Israels und der USA) Kommentatoren gibt, die Trump für seinen „Friedensplan“ Anerkennung zollen. Worin bestand denn sein tolles „Verhandeln“? In der Bedrohung der Bewohner Gazas mit der totalen Ausrottung, wenn sie dem nicht zustimmen, was er will. Ein deal im Mafiastil. Großartig.
 
Noch gibt es keinen Frieden. Es kann auch keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben. Das Mindeste wäre es ja wohl, wenn die Palästinenser, auch in Gaza, über ihre Angelegenheiten selbst bestimmen könnten. Sie brauchen nicht die Vormundschaft anderer Staaten, keine Okkupation durch Truppen und Investoren. Freie, gleiche, geheime, allgemeine Wahlen können auch in Ruinen stattfinden. Warum darf Gaza nicht die einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten sein?
 
Und wenn die Hamas die Wahl gewänne? Dann ist das eben so. Die Welt muss ja auch mit der Scheiße leben, die die US-Amerikaner gewählt haben und noch wählen werden.

Freitag, 3. Oktober 2025

Balken & Splitter (119)

Es versteht sich ja wohl von selbst, dass zwei Tote vor einer Synagoge in England wesentlich betrauernswerter sind als Zehntausende von Toten im Gazastreifen. Dass man das überhaupt diskutieren muss (oder dass das gar als Rassismus kritisiert), ist unzweifelhaft antisemitisch.
 
In Österreich verschuldete der Flugverkehr im ersten Halbjahr 2025 rund 1,5 Millionen Tonnen an Treibhausgasen, 120.000 Tonnen mehr als im Vergleichszeitraum. Ist das nicht wunderbar? Die Leute gönnen sich ihre Spaßreisen und lassen sich nicht von irgendwelchen Ökospinnern mit ihrem Klima-Alarmismus den ressourcenvergeudenden und erderwärmenden Lebensstil vermiesen. Das hat Zukunft! Eine beschissene, aber immerhin.

Mittwoch, 24. September 2025

Balken & Splitter (118)

Die Kirk-Witwe hat öffentlich behauptet, dass sie dem (mutmaßlichen) Mörder ihres Mannes vergebe. Was für eine widerliche Heuchelei! Ein peinlich durchschaubare Inszenierung ihrer angeblichen Christlichkeit. Was will die Dame denn überhaupt vergeben? Sie war es ja nicht, die erschossen wurde. Sie kann also nicht den Mord vergeben, sondern allenfalls, dass ihr ihr Mann genommen wurde. Merkwürdige Egozentrik in solcher Situation. Oder glaubt sie vielleicht, sie sei der liebe Gott (oder ein geweihter Kleriker) und könne Sünden vergeben?

Eine (mutmaßliche) MAGA-Anhängerin hatte, nachdem ich kommentiert hatte, Kirk sei ein devil in disguise gewesen und bestimmt zur Hölle gefahren, wo er ja auch hingehöre, gegenkommentiert, Kirk sei vielmehr von Engeln empfangen und zu Jesus geführt worden. Diese bigotten Protestanten wissen ja nicht einmal, was ihre Sekten lehren: In den Himmel kommt man erst nach dem Jüngsten Gericht. Wie auch immer. Ich wies ihr dann jedenfalls nach, dass Kirk das Gegenteil von dem gepredigt hat, was Jesus zum Beispiel gemäß Mt 26,31-45 verkündete. Dazu meinte sie nur, ich hätte das Recht auf meine Meinung. Dem stimmte ich zu, sprach ihr aber das Recht auf ihre „Meinung“ ab. (Rassismus ist keine Meinung, sagt man. Blasphemie auch nicht.) Daraufhin wurde ich von ihr geblockt (und meine Kommentare wurden von einem Dritten gelöscht). Freedom of speech? Offensichtlich nicht für Jesus und Broniowski.

Montag, 22. September 2025

Balken & Splitter (117)

„Ich glaube, dass auch die FPÖ in vielen Ansätzen ein Partner ist, mit dem man zusammenarbeiten kann. Die FPÖ ist auf jeden Fall Teil des demokratischen Spektrums.“
Ich weiß, wer so redet, ist ein Hilfsnazi, ein williger Steigbügelhalter des autoritären Nationalismus, der offensichtlich Rassismus mit Demokratie für vereinbar hält. Also ein typischer machtgeiler, unternehmerhöriger, menschenverachtender Sozialdemokrat.


Freitag, 19. September 2025

Balken & Splitter (116)

„Insgesamt schreibt der Autor laut [Rezensent] gegen den Zeitgeist an, etwa wenn er in Klimafragen vor Alarmismus warnt, die staatliche Finanzierung von zivilgesellschaftlichen Organisationen kritisiert oder Parteiverbote als undemokratisch brandmarkt.“
Anders gesagt: das übliche rechte Geschwätz, die sich als Bedenken der besorgten Mitte ausgibt; alles soll so bleiben, wie es nie war: Das Verbrennen von Fossilien war doch früher auch okay, bevor diese linken Ökospinner anfingen, alles verbieten zu wollen, was Spaß macht. Und dafür kassieren diese Leute auch noch unsere Steuergelder. Aber wenn man mal faselt wie die Rechtspopulisten, wird man gleich als Nazi abgestempelt. Ganz schlimm.

Samstag, 13. September 2025

Balken & Splitter (115)

Drei hochbetagten Nonnen haben, so lese ich, ihr Pflegeheim verlassen, sind in ein leerstehendes Klostergebäude eingebrochen und wollen fortan dort den Rest ihres Lebens verbringen. (Der, wenn sie niemand finanziert und umsorgt, kurz sein dürfte.) Es mag Demenz und Altersstarrsinn im Spiel sein, aber eigentlich haben die drei Bräute Christi vor Jahrzehnten feierlich Gehorsam gelobt. Sich gegen die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit aufzulehnen, ist demnach ein himmelschreiender Bruch mit allem, was ihr Leben als Ordensfrauen eigentlich auszumachen hätte. So rührend also auf den ersten Blick das Ausbüxen und Im-Kloster-sterben-Wollen scheinen mag, in Wahrheit ist es doch Teufelswerk.
 
Vertreter der von Österreich nicht anerkannten Taliban-Regierung in Afghanistan waren, so wird berichtet (und bestätigt) in Wien, um den österreichischen Behörden bei der Identifizierung von 19 afghanischen Staatsbürgern zu helfen, die deportiert werden sollten. Dieses ungeheuerliche Vorgehen des österreichischen Staates könnte durchaus selbst ein Grund sein, dass Afghanen asylberechtigt werden. 
 
Wäre der Emil genannte Elch, der unter privater und medialer Beobachtung durch Ostösterreich wandert, ein Bär oder Wolf, er wäre schon längst abgeknallt worden. Zweierlei Maß der Ordnungshüter und Tierfreunde: Das kennt man schon von Himmlers SS.

Sonntag, 4. Mai 2025

Balken & Splitter (114)

Typisch protestantisch Verlogenheit: Einen „evangelischen Kirchentag“ kann es nicht geben. In den Evangelien steht nämlich nichts von einem Kirchentag.
 
In der BRD wird gerade eine miese Regierung durch eine noch mieser ersetzt. Soll noch einer sagen, Wahlen könnten nichts verändern.
 
Die künftige schwarzrote Regierung will den Achtstundentag, der 1918 eingeführt worden war, abschaffen. Wer wählt nur immer diese Leute?
 
Das ewige Lied der Sozialdemokraten: Wir würden ja, aber man lässt uns nicht. Aber wird sind immerhin das kleinere Übel. Man könnte freilich auch sagen: Sie sind das hinreichende Übel, das das Fass des großen Übels zum Überlaufen bringt.

Sonntag, 23. März 2025

Balken & Splitter (113)

Früher sagte man, in den USA gebe es nur zwei entscheidende politische Richtungen: rechts und rechtsextrem. Heute könnte man sagen, es seien immer noch nur zwei: faschistisch und hilflos.
 
Raul Hilberg, der Erforscher der Vernichtung der europäischen Juden, unterschied Täter, Opfer, Zuschauer. Was die derzeitige Gegenwart betrifft, so sind alle unvermeidlich Zuschauer. Warum auch die nichts tun, die zwar nicht am Ruder, aber doch auch an der Macht sind, dürfte nicht nur den Opfern unverständlich sein.
 
Darf das wahr sein? Es scheint alles so irreal.
 
Dass die Wirklichkeit nicht mehr richtig wirklich ist, ist keine neue Erkenntnis. Simulationen, Vorspiegelungen, Fälschungen, Tricks aller Art bestimmen das moderne Leben.
 
Don Quijote kämpfte gegen Windmühlen, heißt es, die er für Riesen hielt. Heute schlagen die Windmühlen wild und medientauglich um sich, damit man die Riesen nicht sieht, die die Realität okkupiert haben.

Elitenversagen? Als ob, mit Verlaub, das Züchten von gut ausgebildetem, aber moralisch verrottetem und im Grunde strunzdummem Personal nicht immer schon Sinn und Zweck eines Bildungssystems gewesen wäre, in dem es teure Schulen und Universitäten für die Kinder der Reichen und öffentliche Schulen und Massenuniversitäten für den Rest gibt.
 
Dass mächtige Funktionäre des Staates nichts von dem verstehen, wofür sie zuständig sind, ist kein Missgriff, sondern Schachzug. Und als solcher weder neu noch besonders. Schon gar keine Besonderheit der USA, dort nur, wie alles,  spektakulärer. (Oder will irgendjemand behaupten, die bundesdeutschen und österreichischen Minister der letzten Jahrzehnte seien kompetent, klug und gebildet gewesen?)
 
Übrigens war Ribbentropp Sekthändler. Hitler ein verhinderter Maler. Himmler gescheiterter Hühnzüchter. Usw. usf. (War das übrigens auch schon Folge der Postmoderne, die manche darin erkennen wollen, dass ein Immobilienmakler US-Beauftragter für die Ukraine ist?)
 
Was einen beeindrucken soll, davon sollte man sich nicht beeindrucken lassen.

Mag sein, dass eine E-Auto-Marke wegen der abstoßenden Dummheit ihres obersten Repräsentanten derzeit an Wert und Marktanteil verloren hat. (Superreiche kommen und gehen. Irgrndwann sterben sogar welche.) Das ändert nichts am Prinzip, das hinter dem ganzen Spektakel steht: Die Reichen werden Reicher und der Rest schaut hilflos und faktisch gehorsam zu.
 
Dass Menschen real unter dem System leiden, das aus lauter unfassbaren Simulationen zu bestehen scheint, ist die Kehrseite. Das Kriterium der Wahrheit und Richtigkeit ist darum, wenn man so will: Wer stirbt daran? Wer wird wen betrauern? Was wird für immer zerstört?

Mittwoch, 19. März 2025

Balken & Splitter (112)

Den Kapitalismus abzuschaffen, wäre sicher eine prima Sache. Aber bis es soweit ist, wäre ich schon froh, wenn der Kapitalismus mich und viele andere davor schützt, von größenwahnsinnigen Massenmördern mit aufgeblähten Militärmaschinerien samt Atomwaffen bedroht und bei Gelegenheit getötet zu werden.

Man kann gegen „Rüstung“ und „Militarisierung“ geifern, aber wem nützt das? Es schützt kein einziges Leben. Im Gegenteil, ein kapitalistischer Westen ohne Rüstungsindustrie und ohne funktionierendes Militär wäre (a) immer noch kapitalistisch und lieferte (b) Menschen den Machtspielchen und mörderischen Interventionen von Diktaturen aus.

Aus lauter Angst vor dem Dritten Weltkrieg viele kleine Nichtweltkriege in Kauf zu nehmen, ergibt ebenfalls viel Tod und Zerstörung.

Wenn es darum geht, den Westen zu kritisieren, bin ich gern vorne mit dabei. Aber die Relationen müssen stimmen. So mies die USA als gesellschaftliches, ökonomisches, kulturelles und politisches System sein mögen, Rotchina, Groß-Moskowien, Saudi-Arabien, die Gefängnisinsel Kuba (usw. usf.) sind nicht nur nicht besser, sondern sehr viel schlimmer.

Ich mag von Leuten, die immer noch die Schlächtereien der Französischen Revolution, der Pariser Kommune, des Novemberputsches, der „Kulturrevolution“ verteidigen, nichts über „Kriegshetze“ hören.

Stellt euch den Tatsachen: Der Kalte Krieg war keine so üble Sache. Und es hat ihn die bessere Seite gewonnen.

Wer denen, die eine Bankräuberin und Teilzeitterroristin als (abwesende) Redner zu einer „linksradikalen“ Maifeier einladen, ins Hirn geschissen hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich waren da so viel petrifizierte Exkremente von Marx unter der Hirnschale, dass schon eine geringe Menge neueste Scheiße die Schädel zum Überlaufen brachte.

Gegen den Staat zu sein, ist legitim. Für private Räubereien (inverser Robin Hood: von den Bankkunden nehmen und nichts den Armen geben) und die Lust an Mord und Totschlag aber gibt es keine Rechtfertigung. Wenn Terrorismus der Vorgeschmack auf die Befreiung durch die Arbeiterklasse ist, möchte ich lieber vom Proletariat und seiner selbsternannten Avantgarde befreit werden.

Mittwoch, 5. März 2025

Balken & Splitter (111)

Es ist beleidigend, dass man von solchen Leuten regiert wird. Dass solche Leute Macht haben und Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind ja nicht nur dumm und böse, sie sind vor allem lächerlich. Dass man genötigt wird (oder doch werden soll), ihrem kindischen Treiben beizuwohnen, ist eine Zumutung. Sie nehmen sich selbst unvorstellbar wichtig (und können tatsächlich mit wenig Aufwand allergrößten Schaden anrichten). Aber sie sind völlig unbedeutend und menschlich wertlos. Sie sind mickrige Schädlinge, die es allenfalls verdienten, kopfschüttelnd beiseite geschoben zu werden. 

Ob die Zustimmung, die sie trotz oder eben wegen ihrer Lächerlichkeit und Minderwertigkeit finden, etwas mit Karnevalismus zu tun hat? Ist Trump eine Art von Narrenbischof, allerdings mit den Codes für die Atombomben?
 
Mir fehlt der Sinn fürs Saturnalische, besonders  wenn es so zwanghafte, wohlgeordnete, durchbürokratisierte und in jeder Hinsicht beschränkte Formen annimmt wie der deutsche Karneval. Verkrampfte Ausgelassenheit. Von der Polizei geschütztes Aufmarschieren von Humorfunktionären. Da freut sich, wer wie ich abseits steht und sich etwas belästigt fühlt, naturgemäßauf den Aschermittwoch.
 
Was kann man noch ernst nehmen von dem, was einem als Politik angedient und medial übergestülpt wird? Allenthalben Scheinprobleme und Scheinlösungen durch Scheinmaßnahmen. Golf von Amerika, Sondervermögen, Einstellung des Familiennachzugs, heissa, das macht Spaß. Narrenpolitik (von Deppen für Verarschte). Welthunger, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Krieg: anscheinend alles nicht so wichtig.
 
Tötet ein Syrer, ist er ein Islamist und deshalb müssen Ausländer deportiert werden. Tötet ein Inländer, hat er psychische Probleme (und dass er womöglich ein Nazi war, zählt nicht).  Verwendet ein Mörder zum Morden ein Messer, müssen Messer endlich großräumig verboten werden. Verwendet ein Mörder zum Morden einen Kraftwagen, passiert gar nichts. (Gestoppt haben soll den Mannheimer Verrückten ein Taxifahrer aus Pakistan. Gut, dass der nicht schon remigriert worden war.)

Montag, 13. Januar 2025

Balken & Splitter (110)

AfD-Programm: Dummheit und Niedertracht.
 
BSW-Programm: Dummheit und Niedertracht.

Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender: Dummheit. Ich sage nicht Niedertracht. Ich unterstelle, dass aus dem ehrlichen Bemühen um die berüchtigte Ausgeglichenheit auch jenen Sendezeit eingeräumt wird, über deren Schweinereien man zwar ab und an berichtet, die aber viele Wähler und Wählerinnen haben, die ja eben auch Zuschauer und Zuschauerinnen sein könnten.
Man kann nur nicht beides haben: Sich der Demokratie und den Menschenrechten verpflichter fühlen und autoritären, rassistischen, landesverräterischen Kräften eine Bühne geben. Egal, wie viele die wählen.
Ich sage nicht, AfD und BSW würden nicht existieren, wenn man das Gesindel nicht immer wieder auf Gebührenkosten ausführlich zu Wort kommen hätte lassen (und immer noch lässt), aber ich bin überzeugt, dass die zwanghafte Normalisierungsstrategie der Berichterstattung (und die Spektakeltaktik der Talkshow-Einladungen) einen multiplikatorischen Effekt hatten und weiterhin haben werden.

Sonntag, 5. Januar 2025

Balken & Splitter (109)

Der Korrespondent, der in der „Tagesschau“ vom Scheitern der Koalitionsverhandlungen in Österreich berichtete, tat dies in einer Schalte aus Wien vor einem green screen, der die Neue Hofburg zeigt, also auch jenen Balkon, von dem aus Hitler 1938 den „Anschluss“ Österreichs an das kleindeutsche Reich verkündete (das dadurch dann zum großdeutschen wurde). Selbstverständlich nur ein Zufall. Aber gibt es Zufälle? Wohl nur für die Geschichtsvergessenen
 
Warum trifft sich der ÖVP-Parteivorstand (zur Kür eines interimistischen Führers) eigentlich im Bundeskanzleramt? Parteien sind private Vereinigungen, keine Staatsorgane. 

Wieso genau ist Kurz nicht im Knast? Sondern im Gespräch als neuer Parteiführer und Bundeskanzler? Was für ein verkommenes Land.
 
Nachtrag (6. Januar): Durfte inzwischen feststellen, dass der Hinter-Balkon-Hintergrund inzwischen Standard bei Kommentar-Schalten der „Tagesschau“ zu sein scheint. (Wissen ARD-Journalistinnen ― beiderlei Geschlechts ― nicht, wo in der Hofburg Amtssitz des Bundespräsident ist? Dort jedenfalls nicht.) Zuletzt ist der Korrespondent vor dem Bild allerdings nach rechts gerückt.

Sonntag, 29. Dezember 2024

Balken & Splitter (108)

Aber nicht doch! Bloß nicht vor „ausländischen“ Böllern warnen. Die sind gefährlich? Gut so! Wer an diesem Silvester ein paar Finger verliert, wird am nächsten die Finger von der sinnlosen Knallerei lassen.
 
Recht so, deutsche Medien, immer schön „Terrororganisation Hamas“ sagen, wenn vom Islamischen Widerstand die Rede ist, aber niemals vom zionistischen Staat als „Terrorstaat Israel“ reden. An Fakten orientierte Werturteile sind bekanntlich antisemitisch. Und bitte weiterhin immer, wenn von dem unschönen „Konflikt“ die Rede ist, die Gräuel vom 7. Oktober erwähnen, weil der Krieg gegen die arabische Bevölkerung Palästinas ja erst 2023 begann und Genozid eine völlig legitime Reaktion auf ein paar mörderische Anschläge ist.  
 
Die Silvesterknallerei war immer schon dumm und widerlich. Aber herumzuballern, während in der Ukraine, in Gaza, im Jemen usw. usf. wirkliche Bomben wirkliche Menschen töten, ist dermaßen bestialisch, dass man an seinen moralisch minderbemittelten Mitmenschen einmal mehr verzweifeln muss.  
 
Der Staat, der sich alles Mögliche an Verbotsrechten anmaßt, kann offensichtlich weder Silvesterböller noch Zweiklassenmedizin verhindern. Arzttermine für Minderversicherte erst in einigen Wochen oder Monaten, das ist auch Biopolitik: Entweder das jeweilige Leiden ist von selbst verschwunden (Resilienz!) oder man ist daran verstorben. So oder so, es stärkt die Volksgesundheit.

Dienstag, 5. November 2024

Balken & Splitter (107)

Einer Umfrage zu Folge sind zwei Drittel der Deutschen überzeugt, sie selbst täten schon genug für den Klimaschutz, nun seien auch mal die Wirtschaft und der Staat dran. Nun gut, aber wäre es dann nicht vernünftig, auch entsprechend zu wählen?
 
Auf fast drei Millliarden Kaffee-Kapseln jährlich wird der Verbrauch in der BRD geschätzt. Das ergibt an die zehntausend Tonnen Müll. Dabei macht der Anteil des Kapsel-Kaffees weniger als fünf Prozent am Gesamtverbrauch von Kaffee aus. Himmel, wie viel von der Brühe saufen die denn? Und warum werden sie davon nicht wach?
 
Und wieder zeigt eine Studie, dass es in der BRD immer mehr Millionäre gibt und zugleich das Armutsrisiko der Mittelschicht zunimmt. Der soziale Absteg ist ja die große und nicht unberechtigte Angst der Leute (während die Hoffnung auf großen Reichtum illusorisch ist). Und trotzdem wählen sie, wie sie wählen. Das soll mal einer verstehen.

Samstag, 31. August 2024

Balken und Splitter (106)

Sie werden wieder Nazis wählen. Nicht obwohl, sondern weil. Das mag man erklären können, rechtfertigen kann man es nicht. Es ist widerlich.
 
Wahlen ändern nichts: Das Böse ist existiert bereits. Die Leute sind bereit, Nazis zu wählen, und nicht ganz zufällig sind da Parteien, die das ermöglichen. Die Parteien sind nicht schuld, an der Bereitschaft, sie zu wählen, obwohl sie widerlich sind. Wenn schon, müsste man also nicht Parteien verbieten, sondern deren Wählern und Wählerinnen. 
 
Es gibt welche, und es sind nicht wenige, die Demokratie so sehr lieben, dass sie sie vor ihre falschen Benutzung schützen möchten. Nach dem Motto: Wer nicht so wählt, wie wir das wollen, beschädigt die Demokratie. Im Kern der Liberalität steckt also Illiberalität, die die Intoleranz nicht tolerieren will.

In Wahrheit sind Demokratie und Populismus dasselbe. Nur dass die real existierende Demokratie (in der Regel von der Bourgeoisie geformt zum Zwecke des ungestörten Geschäftsgangs) sozusagen die Bestie des Pöbels zähmt.

Populisten wollen auch nicht, dass sich etwas ändert. Sie wollen lediglich das Bestehende für sich nutzen und dann dessen Unveränderbarkeit neuerlich festschreiben.
 
Populismus behauptet Umsturz und Rückkehr zugleich: Beides ist unwahr.
 
Das Wir-Sein wird im Populismus terroristisch. Das Autoritäre stellt die Autorität in Frage, die es für zu schwach befindet. Die Obrigkeit wird beschuldigt, zu wenig für das Uns zu tun und zuviel für das Die.
 
Egal, wie gut oder schlecht es einem geht, man findet immer jemanden, dem es schlechter gehen soll. 

Identitätsbehauptung durch Identifizierung des Anderen, des Feindes.

Wer wäre mehr „anders“ als der Zuwanderer? Wer schwächer? Wer käme weniger zu Wort? Das perfekte Opfer also, um Gemeinschaft zu stiften. Mögen sie dort verrecken, wo sie eigentlich hingehören!
 
Das ultimative Prinzip des Rassismus. Die müssen sterben, damit wir leben können.

Das sagt man so nicht. Man sagt: Weniger. Kürzen. Einschränken. Abschieben. Ist doch egal, was die wollen und was aus denen wird. Das Leben anderer als Verfügungsmasse des eigenen Imaginären. Die Wünsche anderer zählen nicht. Ihr Elend gilt nicht. Ihr Tod wird nicht unmittelbar gefordert, aber in Kauf genommen.

Nochmals: Das hat mit Protest nichts zu tun. Das ist ein unmoralischer Aufstand gegen Anstand und Geschmack, gegen Geschichtswissen und Verantwortung. Das gibt sich harmlos, weil es ja nur demokratisches Wählen ist. Aber in Wahrheit will es Blut schmecken.

Irgendwann hinterher wird es vielleicht wieder heißen: Das haben wir nicht gewollt. Ab jetzt wollen wir wieder lieb und brav sein. Und genau dann wird sich das nächste Unheil schon vorbereiten.


Montag, 12. August 2024

Balken & Splitter (105)

„In unserem Land muss wieder mehr Leistung in den Vordergrund gestellt werden. Wir müssen wieder mehr arbeiten, dann hat man auch mehr Erfolg.“ So Uli Hoeneß, der von 2003 bis 2009 mindestens 28,5 Mio. Euro an Steuern hinterzog und dafür ein wenig im Gefängnis saß. Seiner Wurstfirma wurde von Gewerkschaftsseite vorgeworfen, keinen Betriebsrat zu haben, sich nicht an Branchentarifverträge zu halten und in großer Zahl Leiharbeiter zu beschäftigen. Der Mann weiß also, wovon er spricht.
 
Derweil die FDP. Will Sozialleistungen kürzen und dafür Gratisparken in den Innenstädten einführen. Klingt nach einem durchdachten Konzept. Man kann ja nicht allen Unsinn immer nur von AfD und BSW fordern lassen.

Montag, 5. August 2024

Balken & Splitter (104)

„Nicht jede Abwehr gegen Migration ist rassistisch.“ (Ivan Krastev) Doch, irgendwie schon. Zugegeben, wenn aus reichen Ländern in arme migriert wird (also z. B. aus der BRD nach Thailand), ist das Kolonialismus und die Abwehr nicht rassistisch, sondern antiimperialistisch; und wenn aus reichen Ländern in noch reichere migriert wird (z. B. aus der BRD in die Schweiz oder nach Monaco) ist das in der Regel Steuerflucht und es gibt keine Abwehr. Wenn aber die Zuwanderung aus armen Ländern, die ja nicht zuletzt deshalb arm sind, weil so der Reichtum der reichen Länder erzeugt und gesichert wird, abgewehrt wird, weil man vom Reichtum nichts an die abgeben will, die nicht so sind wie wir und nicht hierher gehören, dann weiß ich nicht, was daran nicht rassistisch sein könnte. Zwei Arten von Menschen werden unterschieden, und der mögliche Tod der einen wird als Bedingung des Überlebens der anderen in Kauf genommen. „Die“ können ruhig krepieren, solange es „uns“ nur weiter gut geht ― eine klassische Rassismusformel. (Nicht immer ist es so dramatisch, ersetze Tod durch Benachteiligung und Überleben durch Bevorzugung; Rassismus light.)