Freitag, 9. August 2024

Notiz zur Zeit (223)

Was für ein Irrsinn: Die Polizei veranstaltet in der BRD Hausdurchsungen bei der „Letzten Generation“ wegen der Blockierung des Frankfurter Flughafens. Es werden also verrückterweise die kriminialisiert, die ein Zeichen setzten gegen den Un- und Wahnsinn der sinnloesen Flugreiserei unternehmen. Und nicht etwa das Gesindel, das in den Flugzeugen saß (oder empört den Ausfall von Flügen bejammerte). Man fasst es nicht, sooft man es sich auch vorsagt: Diejenigen, die sich für Klimaschutz und damit ihre Mitmenschen einsetzen, gelten als Verbrecher, nicht aber das umweltschädigende und asoziale Gesocks der Flugreisenden und Flugreisenbetreibetreiber! Das wird im Gegenteil von Politik und Medien gehäzschelt.

In Österrreich hat sich die „Letzten Generation“ wegen fortgesetzter Kriminalisierung bereits aufgelöst. Ich bedaure das, denn allein schon der Nmae machte mir immer Hoffnung darauf, dass bald alles vorbei ist.

Da sind die rechtsextremen Rassisten. Da ist die Polizei. Da sind Muslime, die vor Moscheen Wache stehen. Aber wo ist der Rest? Fragte ich mich bis vor kurzem. Nun haben ein paar tausend Leute gegen die rechten Randalierer demonstriert. Nun gut, aber hat England nicht viele Millionen an Einwohnern? Sitzen die alle bloß vorm Fernseher und schauen zu, um dann auf Olympia umzuschalten?

Ein grauenhaft dreckiges Land. Sagte Pasolini über Italien. Aber es passt auch perfekt auf so viele andere Länder.


Notizen zu Fluchtursachen

Von Fluchtursachen und ihrer Bekämpfung ist oft und gern die Rede, nicht aber von Freiheit, Gerechtigkeit und Würde, nicht von einem selbstbestimmten Leben auf der Grundlage eines verünftigen Miteinanders, nicht von jenem wie harta uch immer erarbeiteten Mindestmaß an allgemeinem Wohlstand, das die Sorglosigkeit erlaubt, die wohl zu einem menschenwürdigen Dasein dazugehört.
Bekämpfung der Fluchtursachen: Ein paar Almosen und eine verbesserte Integration in die unverändert ungerechte Weltwirtschaftsordnung. Als ob Armut und Unsicherheit nicht ohnehin schon fester Bestandteil des globalen politisch-ökonomischen Systems wären. Und als ob Hilfe, die keinen Bruch mit Ausbeutung und Entrechtung bedeutete, etwas anderes wäre als das Beträufeln von heißen Steinen mit warmem Öl. (18. August 2023)

Solange man Fluchtursachen nicht um der Fliehenden und den zur Flucht Bereiten willen bekämpfen will, also radikal und nachhaltig, sondern nur zum Schutze des eigenen unversehrten Wohlstandes, ist solche Politik immer nur improvisierte Kosmetik und punktueller Terror.
Die Kooperation mit korrupten und repressiven Regimes, um sie zur „Rücknahme" ihrer anderswo unerwünschten Staatsbürger (als ob es sich um Poststücke handle, deren Annahme verweigert wurde) zu bringen, zeigt die skrupellose Unmoralität der westlichen Regierungen, die dem Populismus huldigen ― und sei es nur aus Angst, von noch populistischeren Kräften rechts überholt zu werden.
Die Deportations-Variante, mit den Menschen zugleich  deren Rechtsansprüche (etwa auf ein ordentliches Verfahren) in willige Drittländer zu exportieren, zeugt davon, dass der Unmoral nach unten hin kaum Grenzen gesetzt sind.
Die wichtigste Fluchtursache ist der Wunsch nach einem besseren Leben. Den zu bekämpfen wäre unmenschlich. Weshalb von den herrschenden Menschenfeinden alles daran gesetzt wird, ihn den Menschen sysstematisch auszutreiben. (9. August 2024)

Donnerstag, 8. August 2024

Leute (4)

Als X. im sozialen Netzwerk behauptete, ich hätte ihm erzählt, ich sei während eines Aufenthaltes in Berlin bei dem und dem Denkmal gewesen und mir hätten die Skulpturen dort sehr gut gefallen, war ich sehr verwundert. Dreimal war ich bisher in Berlin, aber nie bei jenem Denkmal, von dessen Existenz ich überhaupt erst durch X.s Behauptung erfuhr. Als ich X. als widersprach, duldete er das nicht und war auch nicht bereit, einzuräumen, dass er mich vielleicht mit einem anderem Berlin-Besucher verwechselt hatte. Nein, nein, es sei so gewesen. Es wurde also immer seltsamer. Selbst wenn ich unter Gedächtnisschwund gelitten hätte, was nicht der Fall war, so machte ich mir doch auf Reisen immer Notizen, in denen sämtliche Begegnungen, Besichtigungen, Ereignisse vermerkt waren. Selbstverständlich stand dort nichts von besagtem, mir völlig unbekannten Denkmal. Aber X. blieb bei seiner Behauptung. Und ich zweifelte an seinem Verstand.

Montag, 5. August 2024

Balken & Splitter (104)

„Nicht jede Abwehr gegen Migration ist rassistisch.“ (Ivan Krastev) Doch, irgendwie schon. Zugegeben, wenn aus reichen Ländern in arme migriert wird (also z. B. aus der BRD nach Thailand), ist das Kolonialismus und die Abwehr nicht rassistisch, sondern antiimperialistisch; und wenn aus reichen Ländern in noch reichere migriert wird (z. B. aus der BRD in die Schweiz oder nach Monaco) ist das in der Regel Steuerflucht und es gibt keine Abwehr. Wenn aber die Zuwanderung aus armen Ländern, die ja nicht zuletzt deshalb arm sind, weil so der Reichtum der reichen Länder erzeugt und gesichert wird, abgewehrt wird, weil man vom Reichtum nichts an die abgeben will, die nicht so sind wie wir und nicht hierher gehören, dann weiß ich nicht, was daran nicht rassistisch sein könnte. Zwei Arten von Menschen werden unterschieden, und der mögliche Tod der einen wird als Bedingung des Überlebens der anderen in Kauf genommen. „Die“ können ruhig krepieren, solange es „uns“ nur weiter gut geht ― eine klassische Rassismusformel. (Nicht immer ist es so dramatisch, ersetze Tod durch Benachteiligung und Überleben durch Bevorzugung; Rassismus light.)

Notiz zur Zeit (222)

„Taiwan darf aus Rücksicht auf die Volksrepublik China nur unter der Bezeichnung ‘Chinesisch Taipeh’ an den Olympischen Spielen teilnehmen. Den taiwanischen Athleten ist es verboten, ihre eigene Landesflagge, -bezeichnung oder -hymne zu verwenden.“ Der Kommunismus hat gesiegt. Rotchina regiert die Welt.