Freitag, 7. August 2026

Faschismus IV

Faschismus setzt den Staat voraus. Er könnte keinen errichten, denn er ist nicht schöpferisch, bloß parasitär. Er ahmt, schon bevor er den Staat übernimmt, dessen Gewalt nach. Oder phantasiert sie zumindest.
Darum nützt der Faschismus, an die Macht gelangt, den bestehenden Staat, baut ihn auch aus, baut ihn um, aber immer auf der Grundlage der modernen Staatlichkeit. Zwar bekommt die geordnete Verwaltung Konkurrenz durch parteiliche Willkür, es gibt nach und nach nichts Unabhängiges mehr und die rechtsstaatlichen Grundsätze werden missachtet oder aufgehoben. Aber das alles vollzieht sich in den Formen des Staates: Gesetze, Verordnungen, Polizei, Amtsstuben, Formulare, Registraturen usw.
Die verkündete Verschlankung des Staates, seine schlagkräftige Konzentration auf das Wesentliche, widerspricht seiner Allzuständigkeit, die Expansion erzwingt. Das Administrative wuchert, die Behörden, Ämter und Pöstchen werden vermehrt, dazu die Ränge und Titel, die Symbole und Rituale, es herrscht eine Art von Karneval der Bürokratie, die Gewaltherrschaft parodiert den geordneten Staat und bringt ihn auf den Punkt.
So wird man zwar willkürlich verhaftet, aber der Fall bekommt eine Aktennummer, man wird ermordet, aber die Angehörigen erhalten die Bestätigung eines natürlichen Ablebens. Jede Untat wird sorgfältig in Listen erfast.
Das Ideal der totalen Kontrolle reibt sich an der Endlichkeit der Möglichkeiten und der menschlichen Schwäche. Die historischen Faschismen verfügten noch nicht über Großrechner, Gesichtserkennung und Realitätssimulationen, hätten das aber gewiss gern. Was Wunder, dass die, die heute darüber verfügen, zum Faschismus neigen. Überwachung, Verhaltenssteuerung, Filterung und Verfälschung von Information ist immer autoritär und will auf Totalität hinaus.


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