Dienstag, 9. November 2021
Balken und Splitter (24)
Gedenken
Staatliche Willkür, freiwillige Unterwerfung, Ausgrenzung von Gesinnungsfeinden und biologisch definierten Sündenböcken: Es fällt anscheinend niemandem etwas auf. Und falls doch, setzt es Empörung. Wer Vergleiche zieht, übertreibt und verharmlost. Als ob sich alles eins zu eins wiederholen müsste, damit man vom selben Ungeist sprechen dürfte.
Verharmlosen nicht in Wahrheit die, die die Vergangenheit einschreinen in Museen und Mahnmalen und weihevollem Gerede? Hat diese Abschottung des Gewesenen vom gerade Stattfindenden nicht einen Zweck? Je mehr man gedenkt, scheint es, je staatstragender und widerspruchsloser die Erinnerungspolitik ist, desto eher geht gleichzeitig fast jede Schweinerei anstandslos durch.
Wohlstandsprobleme
Auto vs. Fahrrad und umgekehrt?
Einmal mehr weiß ich eine einfache Lösung. Es gibt Schwierigkeiten, Autoverkehr und Fahrradverkehr auf den Straßen reibungsfrei nebeneinander stattfinden zu lassen? Dann muss man das eben so regeln: Von der vollen bis zu halben Stunde dürfen die Autofahrer die Straßen benützen, von der halben bis zu vollen die Radfahrer. Problem gelöst. Nichts zu danken. Ich kann sowas eben.
Balken und Splitter (23)
Meinetwegen nicht mehr „Reichskristallnacht“, sondern „Novemberpogrom“, einverstanden. Aber bitte auf keinen Fall „Reichsprogromnacht“! „Reichskristallnacht“ war bittere Ironie und parodierte das aufgeblasene Nazi-Sprech. „Novemberpogrom“ war dann ein später Versuch der Versachlichung. Aber „Reichspogromnacht“ ist einfach nur ungeschickt und dumm, nicht Fisch, nicht Fleisch ― und wohl darum derzeit bei der Journaille so beliebt.