Posts mit dem Label glosse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label glosse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 12. Juli 2026

Samstag, 27. Juni 2026

Glosse CLXVII

Österreich rollt auf eine Hitzewelle zu. Eines solchen Risikos geographischer Mobilität war ich mir gar nicht bewusst.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Glosse CLXVI

Irgendetwas sei in den empirischen Zusammenhang hineinintegriert, lese ich bei Gerhard Wehr. In einem bald sechzig Jahre alten Text. Ich befrage sodann das Internet und finde keine weiteren Beispiele für Hineinintegration. Damit verliere ich die Hoffnung, dass mir jemand erklärt, was „herausintegrieren“ bedeuten könnte.

Samstag, 28. März 2026

Glosse CXLIV

Was war denn einer der größten Meilensteine im Umgang mit psychisch Erkrankten?, fragt die Tefau-Reporterin den wissenschaftlichen Leiter der heurigen niederösterreichischen Landesausstellung. (Und der lacht sie nicht aus, sondern antwortet sehr ernsthaft.) Vielleicht ist es im Paralleluniversum des österreichischen Rundfunks tatsächlich so, dass es dort sehr kleine Meilensteine für sehr kurze Meilen gibt und für die ganz langen Meilen gibt es sehr große Meilensteine. Oder aber: bei der Vertreterin der Journaille hat das zwanghafte Verwenden von Floskeln das Hirn angegriffen.
Besagter wissenschaftlicher Leiter sprach dann von einem Künstler, der seinem Talent nachgegangen sei und Aquarelle bemalt habe. Der „Leiter der Landessammlungen Niederösterreich“ ist entschuldigt. Er ist Akademiker (Magister), muss also der Sprache nicht mächtig sein, schon gar nicht in freierc Rede. Ein feiner Zwirn genügt für den öffentlichen Auftritt. 

Montag, 23. Februar 2026

Glosse CXLIII

Tscheopspyramide. (So im Tefau gehört.) Damit ist jetzt hoffentlich der Gipfel der Verblödung und somit Tiefpunkt der Bildung erreicht.

Sonntag, 11. Januar 2026

Glosse CXLII

Dass eine österreichische Synchronsprecherin den dritten Teil des Namens  der Familie Sachsen-Coburg-Koháry nicht korrekt aussprechen kann (sie betont die zweite Silbe), ist tieftraurig. Alle mehrsilbigen ungarischen Wörter werden auf der ersten Silbe betont. Der Akzent überm A bezeichnet keine Betonung, sondern den Laut [a] (im Unterschied zu ​[⁠ɒ⁠], den das A ohne Akzent bezeichnet.) Das könnte man als Österreicherin wissen. Ungarn ist ein Nachbarland. In Österreich lebt eine gesetzlich anerkannte ungarische Minderheit. Wer fürs Staatsfernsehen arbeitet (auch etwa als Redakteur oder Synchronregisseur), sollte, wenn er oder sie schon keine Bildung erworben hat, so doch so viel Respekt aufbringen, sich wenigstens in die Lage zu versetzen, die Eigennamen von Mitbürgern und Nachbar halbwegs richtig auszusprechen. 

Sonntag, 7. Dezember 2025

Glosse CXLI

„Elch Emil“, das österreichische Wort des Jahres, ist kein Wort, sondern ein Name (allenfalls ein Name mit Erweiterung wie Herr Karl).

„KI-Ära“, das bundesdeutsche Wort des Jahres, ist strenggenommen auch kein Wort, sondern eine Verbindung einer Abkürzung (zwei Wörter) und einem Wort. Ich habe den Ausdruck übrigens vorher noch nie irgendwo gelesen oder jemanden sagen hören.

Donnerstag, 18. September 2025

Glosse CXL

… switcht in seinem Roman immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit und … Was zum Henker tut er? Warum wechselt er nicht einfach immer wieder oder, wenn es technizistisch beliebt, war um schaltet er nicht einfach um oder hin und her? Oder soll das jung und zeitgenössisch klingen, Herr Doktor? Der unbewusste Hass studierter Literaturwissenschaftler auf die deutsche Sprache scheint jedenfalls allzeit unwandelbar. 

Freitag, 29. August 2025

Glosse CXXXIX

Aus den frühen Nullern. Warum hassen sie ihre Sprache so sehr? Was hat sie ihnen getan, dass sie sie mit solch unerbittlicher Gleichgültigkeit zur Hässlichkeit zwingen? Als wären die Nullerjahre nicht schon schlimm genug, also auch noch die Nuller. Vom ersten Jahrzehnt zu sprechen, gälte wohl als zu hochgestochen. Als nicht vulgär genug.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Glosse CXXXVIII

Frauen als Priesterinnen kämen in einem jüngst rekonstruierten babylonischen Hymnus vor, lese ich. Ich sag mal so: Männer als Priesterinnen wären für die Zeit um 1.000 v. Chr. wohl auch etwas übertrieben fortschrittlich gewesen.

Ist doch egal, ob das was heißt

„Sollen Plattformen effektive Steuerungsleistungen erbringen,“ ― ähem, eben ist noch von Kanonen, Zitadellen und, hoppla, „zeitspezifischen Subjektivierungsweisen“ die Rede gewesen ― „müssen sie allerdings ein hohes Maß an Interaktivität und wechselseitiger Kommunikation zwischen Plateau und Ebene erlauben, nicht zuletzt um daraus Dynamik zu generieren.“ Man könnte vermuten, dass dieser Satz irgendetwas bedeutet oder das wenigstens versucht. Ebenso gut könnte er aber einfach nur mit den Mitteln des Bedeutens die Unmöglichkeit des Bedeutens vorführen wollen. Die Botschaft ist jedenfalls klar: „Ich bin professioneller Akademiker, und das kann ich beweisen.“

Donnerstag, 19. Juni 2025

Glosse CXXXVII

Nein, es heißt nicht selektieren (oder gar „selektionieren“), sondern selegieren, wie es ja auch nicht „fiktieren“ heißt (oder gar „fiktionieren“), sondern fingieren.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Glosse CXXXVI

Befasst man sich intensiver mit dem Text, dann bieten die Form der formalen Gestaltung sowie die (...) Hier steige ich aus, der Satz muss erst einmal ohne mich zu Ende gehen. Was mich aus der Bahn wirft: Für mich sind Form und Gestalt Synonyme; andere können das gerne anders sehen, sie mögen mir ihre Gründe bitte in einer Fremdsprache erklären. Mir ist also ein Rätsel, was eine formale Gestaltung sein soll und wie sie sich unterscheidet von, ja was, einer nichtformalen Gestaltung? Einer stofflichen Gestaltung? Und wieso hat die Gestaltung, formal oder nicht, besonders aber, wenn ausdrücklich formal, auch noch eine Form? Oder geht es bei solchem Wortgeklingel nur um eine möglichst inhaltsarme, aber vokabelreiche Rede? Um so das Vorurteil zu bestätigen, dass Literaturwissenschaftler nicht gut schreiben können?

Glotze

Ich mochte es nie, wenn jemand vom Fernsehen als der Glotze sprach. Ob einer gern fernsieht oder nicht, muss jeder selber wissen, ob er es tut oder lässt, darf jeder selbst entscheiden. Aber das Fernsehen durch einen solchen Ausdruck abzuwerten und sich seiner dann doch zu bedienen (oder sich davon bedienen zu lassen), das erschien mir immer als Heuchelei.
Bedauerlich finde ich es aber vor allem, dass mit dem abschätzigen Ausdruck „Glotze“ schon das Fernsehen belegt worden ist, wo er doch heute so gut gebraucht werden könnte, um das Mobiltelephon zu bezeichnen. Lässt sich da nichts machen? Der Wortgebrauch scheint mir ohnehin stark rückläufig, übers Tefau zu meckern in der Internetära zudem weitgehend obsolet. Vielleicht darf man den Ausdruck also als bereits wieder frei geworden betrachten und somit auf besagtes Gerät anwenden.
Denn der Umgang mit diesem ist, soweit ich sehe, genau das: ein Glotzen. Manche sagen: ein Starren, auch das stimmt, aber vom „Handy“ als „Starre“ zu reden, wäre dann wohl doch zu abseitig.
Warum aber nicht „Glotze“? Es wird geglotzt, es wird gewischt, wieder geglotzt, getippt, wieder geglotzt und so weiter und so fort, das kann eine kleine Ewigkeit so gehen, manchmal auch nur ein paar Sekunden, dafür aber immer alle paar Minuten.
Nur selten noch wird geschwatzt. Zu oft, an der Lästigkeit gemessen, wenn es öffentlich geschieht, im Ganzen aber doch seltener, als der Begriff des Telephons vermuten ließe. Es gibt sogar, höre ich und habe es selbst bei einigen bemerkt, Fortgeschrittene, die gar nicht mehr mit dem Mobiltelephon telephonieren. Sie tippen nur noch, was sie zu sagen haben.
Es geht also ums Glotzen, Glotzen, Glotzen, und darum wäre Glotze so ein passender Ausdruck. Ich rate dringend dazu, ihn zu verwenden. Und wäre es auch nur in der pseudanglisierten Form „Glotzy“.

Freitag, 16. Mai 2025

Kein Krieg „bricht aus“

Ich ärgere mich immer, wenn vom Ausbruch eines Krieges die Rede ist. Kriege brechen nicht aus wie Vulkane, sie sind keine Naturereignisse, sondern sie werden von Menschen gemacht, die das auch lassen könnten. Oft werden sie geplant und also mit Vorbedacht begonnen. Man kann meinetwegen von Kriegsbeginn sprechen, aber Kriegsausbruch ist, trotz dem passenden Mitklang von Gewaltsamkeit, ein unpassendes, ein dummes Wort. Man sollte sich bewusst dagegen entscheiden.

Freitag, 14. März 2025

Reden wir bitte über einen Genitiv

Da in nächster Zeit voraussichtlich noch mehr von Friedrich Merz die Rede sein wird, als man es vernünftigerweise je jemandem wünschen konnte, hier ein Wort zur Deklination seines Namens. Ich mache da eine Feststellung und äußere ein Wunsch: Der Genitiv von Merz lautet „Merzens“. Beispiel: „Merzens dummes Gerede kann kaum die Einfältigsten überzeugen.“
Leider ist ein solcher völlig korrekter und sehr sinnvoller Genitiv etwas, was viele Deutschsprachige scheuen wie der Teufel das Weihwasser. „Merzens“, das klingt ihnen altbacken und umständlich. Entweder behelfen sie sich mit der Umschreibung „von Merz“ oder sie bedienen sich einer der Bizarrerien der deutschen Rechtschreibung: des zweiten Deppen-Apostrophs.
Als solches bezeichne ich gern das Apostroph hinter am Ende mit einem S oder X oder Z geschriebenen Namen: „Mies’“, „Mises’“, „Marx’“, „Merz’“. Damit soll offenkundig der Genitiv bezeichnet werden. Das Besondere (und eben Deppenhafte daran): Diesen vermeintlichen Genitiv kann man nur schreiben, nicht sprechen: „Marx’ Gespenster“ klingt ganz genauso wie „Marx Gespenster“. Aber es fiele den Leuten dennoch im Traum nicht ein, sich an einem solchen Häkchen zu stören, bloß weil es überflüssig ist ― wenn lautlich kein Unterschied besteht, wozu es dann schreiben? ―, und schon gar nicht das unerträglich vorgestrige „Marxens“ zu sagen und zu schreiben.
Als (nach meiner Zählung: erstes) Deppen-Apostroph bezeichnet man bekanntlich das überflüssige Apostroph beim Genitiv-S, das zwar gesprochen, aber eigentlich ohne Apostroph geschrieben wird: „Susi’s Nagelstudio“. ― Manche möchten auch bei „ans“, „fürs“, „ins“ und „ums“ ein Apostroph setzen, wenn es sich Kontraktionen von „an das“, „für das“, „in das“ und „um das“ handelt: „an’s“, „für’s“, „in’“ und „um’s“. Doch ums klar zu sagen: Das ist völliger Quatsch. Denn das Apostroph wird korrekterweise nur beim Weglassen des E verwendet: „um es“ wird zu „um’s“. (Warum man überhaupt irgendetwas anzeigt, was nicht da ist, bleibt unerfindlich.)
Nicht weniger überflüssig und dumm als das zu Recht verachtete Deppenapostroph scheint mir nun, wie gesagt, das unhörbare Apostroph bei am Schliss zischenden Namen. Wenn es in der Aussprache keinen Unterschied macht (und auch keine wglassung bezeichnet), kann es weggelassen werden. Wie schön wäre es, wenn die Leute stattdessen ihre Angst vor alten Formen verlören und „-ens“ sprächen, schieben und zu hören und zu lesen ertrügen! Wübschen darf man sich das ja. Auch wenn es nicht passieren wird.
Übrigens: Eine Steigerung der Bizarrerie ist es, wenn Namen, die gar nicht auf gesprochenem, sondern nur geschriebenem S enden, ebenfalls ein Apostroph verpasst bekommen: „Lukács’ Marx-Lektüre“; der Name ist „Lukatsch“ auszusprechen, da wäre „Lukatschs“ („Lukácss“) ein passabler Genitiv, wenn gleich selbstverständlich „Lukácsens“ deutlicher und schöner.

Mittwoch, 29. Januar 2025

Glosse CXXXV

Dschenie. Auch das noch! Aber es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die falsche Aussprache französischer Wörter vom anlautenden J auch aufs anlautende G (vor Vokal) übergreifen würde. Dschenie wie dschurnal und dieses wie dschiens und dschob. Gemäß dem alten Grundsatz: Je englischer, desto dümmer.

Freitag, 13. Dezember 2024

Glosse CXXXIV

Von der Besiedlung einer Gegend ist die Rede. Sie sei kolonialisiert worden, heißt es. Dann waren die Kolonisten also wohl auch Kolonialisten.