Samstag, 21. Mai 2016

Glosse XLIII

Vulkan auf Costa Rica ausgebrochen, wird geschlagzeilt. Als ob das Land (wie Puerto Rico) eine Insel wäre. Knapp daneben ist auch daneben.

Freitag, 6. Mai 2016

Kriminalität und Rassismus

Wer kann leugnen, dass die Leute nach Straftaten von „Ausländern“, „Asylanten“, „Illegalen“ geradezu gieren? Nach möglichst blutigen, möglichst unappetitlichen Straftaten. Damit sie endlich sagen können: Es reicht! „Ich hatte ja bisher nichts gegen diese Leute, aber jetzt … Dass diese Empörung allerdings nur einem vorher längst bestehendem Rassismus Bahn bricht, zeigt sich an der schlichten Tatsache, dass jeder „einschlägige“ Täter als Stellvertreter aller Menschen seiner Herkunft und seines Aufenthaltsstatusses genommen wird: Hat zum Beispiel bei einer Straftat in Wien der mutmaßliche Täter die österreichische Staatsbürgerschaft, ist er ein Krimineller. Hat er aber die kenianische Staatsbürgerschaft, so ist er ein kenianischer Krimineller oder krimineller Kenianer. Und für seine Tat ist dann nicht einfach nur er verantwortlich, sondern die wahre und nach politischen Maßnahmen verlangende Ursache ist praktisch in der Existenz aller Kenianer, aller Afrikaner und der ganzen Ausländer überhaupt zu suchen.
Und die möchte man gerne loswerden, wofür man jetzt eine gute Gelegenheit gefunden zu haben meint. Zumindest symbolisch täten ein paar „Abschiebungen“ dem Volksgemüt anscheinend gut.
Ich verstehe aber schlechterdings nicht, warum eigentlich „kriminelle Ausländer“ deportiert („abgeschoben“) werden sollen. Ich dachte, das Gesetz gilt für alle gleich? Wenn ein Inländer von einem Gericht zu unbedingten einer Haftstrafe verurteilt wird, wird er ja auch nicht deportiert. Die Vorstellung, dass es „normal“, ja „natürlich“ sei, dass Menschen, die nicht „unsere“ Staatsbürgerschaft haben und straffällig geworden sind, möglichst rasch außer Landes gebracht werden sollen, ist keineswegs so selbstverständlich, wie alle tun. Sie trägt einen unreflektierten Rassismus in sich. Nach Michel Foucaults Formel: Die müssen sterben, damit wir leben können.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Glosse XLII

Sternstunde des „Dschornalismus“: In der „Tagesschau“ wird „housing crises“ mit Häuserkrise übersetzt und „hard to explain“ mit hart zu erklären.

Freitag, 29. April 2016

Sprich nur ein Wort

Nein heißt nein. Mag sein. Aber in welcher Sprache? Was, wenn zwei (oder mehr) nicht dieselbe sprechen? Und habe ich die Dekonstruktivistinnen und Dekonstruktivisten gänzlich missverstanden, wenn ich sie so deute, dass es in jedem Fall mit der Eindeutigkeit sprachlicher Äußerungen nicht weit her ist, dass Bedeutung immer offen und alles Verstehen zugleich ein Missverstehen ist?

Mittwoch, 20. April 2016

Maiestas populi aktuell

Dass sich „alle“ (also zumindest die lautesten Schreihälse) einig sind, dass heutzutage so etwas wie der Straftatbestand der Majestätsbeleidigung völlig unmöglich ist (und auch in seiner Schwundform dringend abgeschafft werden muss), zeigt, wie heruntergekommen doch alles ist. Respektiert werden soll in diesen unseren Zeiten nur noch die Kaufentscheidung des anderen („Identität“), aber etwas horribile dictu „Höheres“ darf es nicht geben. Und gerade das, was die Gemeinschaft der Gleichen repräsentiert, muss unbedingt verspottet werden können. Alles und jedes in den Dreck ziehen zu dürfen, ist das zentrale Menschenrecht in Zeiten der Vulgarisierung, in denen das höchste der Gefühle zu sein scheint, aufgebrezelt wie ein Zirkuspferd in irgendeinem Rampenlicht (und sei’s bloß das Blitzlicht des Mobiltelephons) aufzuscheinen. Das Proletariat hat den Klassenkampf gewonnen. Natürlich nicht ökonomisch, sondern stilistisch. Wenn alle endlich völlig respektlos sind, feiern schamlose Ausbeutung und enthemmte Entfremdung fröhliche Urständ. Halleluja.