Freitag, 12. Juni 2026
Natur als theologische Herausforderung
Sonntag, 17. Mai 2026
Sonntagsfrage
Ich frage für ein paar Freunde.
Samstag, 4. April 2026
Karsamstagsmeditation
Es muss doch für all das, wofür es sich einzusetzen lohnt, einen Grund und einen Sinn geben, der über das Endliche und Vergänglich hinausweist, einen letzten Sinn, ein letztes Ziel, eine letzte Erfüllung. Das aber kann nicht von diese Welt sein, es muss transzendent sein. Es kann auch nicht etwas sein, es muss jemand sein: Gott. Das vollkommene und vollkommen gute Wesen, dass alles geschaffen hat und erhält. Auf ihn ist alles ausgerichtet, in ihm findet alles Grund und Sinn.
Darum gehören für mich Anarchismus und Glaube zusammen. Gott ist Freiheit. Wer Gott und seinen Nächsten liebt, will Freiheit, will Würde und Gerechtigkeit, will, dass es allen geistig, seelisch, körperlich gut geht. Er will auf keinen Fall Unterdrückung, Ausbeutung, Zerstörung und Tod. Weil aber Menschen sterblich und schon so viele gestorben sind, muss es den einen geben, der den Tod besiegt und das ewige Leben gewährt.
Leid und Tod sind Folgen der Sünde, der eigenen Sünden und der Sünden der anderen, an denen man mitträgt, einfach, weil man Mensch unter Menschen ist. Sünde ist Unfreiheit, Leid ist der erlebte Widerspruch von Sein und Sollen. Gott allein kann davon befreien. Nur seine Gnade kann zu einem freien, nämlich auch sündenfreien Menschen machen und zur ewigen Seligkeit führen. Unterwegs dahin müssen die Menschen alles tun, um der Herrschaft der Sünde entgegenzutreten und sich ihr nicht zu unterwerfen.
Das ist für mich Anarchismus: Unaufhörlicher Kampf gegen das Böse, gegen das System, des Bösen, gegen die Verführung zum Bösen, und der Versuch, schon jetzt anders, besser, freier, fürsorglicher, gerechter, rücksichtsvoller, schöpferischer mit einander umzugehen und für dafür Denkweisen und Organisationsformen zu entwerfen und zu praktizieren.
Herrschaft von Menschen über Menschen (und die angestrebte Herrschaft von Maschinen über Menschen) ist unmoralisch, dumm und zerstörerisch. Was man das „Reich Gottes“ nennt ist gut, weise, vernünftig, gerecht und schöpferisch. In Gemeinschaft mit Gott ist den Menschen alles möglich. Auch das ewige Leben.
Mittwoch, 18. Februar 2026
Über Vulgärevolutionismus
Die sehr verbreiteten Vorstellungen, „die Natur“ oder „das Universum“ oder eben „die Evolution“ steuere einen zielgerichteten Prozess, der dafür sorgt, das Lebewesen so sind, wie sie sind, und sich so verhalten, wie sie sich verhalten, ist völliger Blödsinn. Im Grunde werden hier Modelle aus den Religionen auf naturkundliche Zusammenhänge übertragen. Wer heute noch sagte: „Der liebe Gott hat dem Menschen zwei Daumen gegeben, damit er greifen kann“, machte sich vermutlich lächerlich. Wer aber sagt: „Die Natur / die Evolution hat dafür gesorgt“ usw., wird durchaus Verständnis und Zustimmung finden.
Aber gibt es eine Entität, die man „die Natur“ oder „das Universum“ oder „die Evolution“ nennen kann? Ist diese Entität mit der Fähigkeit zur Planung, zur Zielsetzung, zur Durchsetzung von bestimmten Vorhaben (und zur Verwerfung anderer) ausgestattet? Nein. Das sind mythische Vorstellungen. Ihnen entspricht nichts in der Realität. Zumindest nicht in der wissenschaftlich erforschbaren.
Die Evolutionshypothese besagt, einfach formuliert, dass Exemplare einer Spezies durch zufällige Mutationen (Veränderungen ihres Erbgutes) ihren Umweltbedingungen besser angepasst sind als andere und sich in der Folge auch erfolgreicher fortpflanzen können. Von einer Entwicklung (einem „Evolutionsprozess“) kann nur rein deskripitiv die Rede sein („es war so“), nicht normativ („es sollte so kommen“). Es gibt keine „Höherentwicklung“, weil es zwar ein Kriterium, die Anpassung als Fortpflanzungsbedingung, aber ansonsten nur Zufälle gibt. Es ist möglich und soll vorgekommen sein, dass keine der Mutationen zur einer gelingenden Anpassung an veränderte Umweltbedingungen führt und eine Spezies ausstirbt. Denkbar wäre sogar, dass zufällig keine Spezies sich ausreichend anpasst und sämtliche Lebewesen irgendwann aussterben. (Auch wenn das wegen der Fülle der Spezies und mutatorischen Möglichkeiten unwahrscheinlich ist; auch ändern sich Umweltbedingung selten radikal ― es sei denn, der Mensch greift ein.)
Man kann also sinnvollerweise nur sagen: Zufällig hat der Mensch Daumen und das hat für ihn den und den Vorteil. Keineswegs aber: Weil Daumen vorteilhaft sind, hat der Mensch welche. Welche Instanz hätte diesen Vorteil vorhergesehen und die Ausbildung von Daumen herbeigeführt?
Um Grunde wird mit der Einführung von Teleologie und Intention in die Annahme eines ansonsten zufälligen Prozesses, die Evolutionstheorie ad absurdum geführt. Sie wurde ja gerade aufgestellt, um die Verschiedenheit (und Veränderlichkeit) der Arten mit rein naturwissenschaftlichen Mitteln erklären zu können, ohne also einen übernatürlichen Schöpfer und Erhalter postulieren zu müssen.
Indem nun aber „die Evolution“, „die Natur“, „das Universum“ (in moralisher Hinsicht. „das Karma“) zu einer Quasiperson stilisiert wird, die dieses will und jenes sorgt, die Absichten hat, Zwecke verfolgt, Ziele erreicht usw., indem also ein wissenschaftlich als rein zufälliges zu beschreibendes Geschehen wie ein Gottesersatz oder Ersatzgott behandelt wird, zeigt sich, dass der Evolutionismus zwar als Ideologie (die Ideen als Fakten andient) sehr erfolgreich war, das aber nur um den Preis, dass sein atheistisch-säkularistisches Gegenprojekt zum Schöpfungsglauben bei vielen seiner Anhänger doch nur als Variante einer Mythologie aufgefasst wird.
Soll man daraus schließen, dass die Menschen Sehnsucht nach einer sinnvoll geordneten, auf zunehmendes Gutsein ausgerichteten Welt haben? Dass sie zwar bereit sind, einen konkreten Gott zu leugnen oder zu Ignorieren, aber seine stelle mit diffusen Konzepten besetzen müssen, weil sie ein bloß kontingentes Universum nicht ertragen? Vermutlich.
Es geht übrigens gar nicht darum, ob die Evolutionshypothese zutreffend ist oder nicht. Es geht darum, Hypothese und Faktizität auseinanderzuhalten und kritisch zu betrachten, welche Funktionen welche Annahmen (egal, ob richtig oder falsch) und Welche Tatsachenbehauptungen (ebenso) im Denken, Fühlen und Handeln der Menschen und in ihrem Zusammenleben haben. Der Darwinismus war eine Projektion der kapitalistischen Verhältnisse des viktorianischen Zeitalters auf das „Reich der Natur“. (Weshalb der Ausdruck „Sozialdarwinismus“ ein Pleonasmus ist.) Moralfreies Profitstreben und dessen Belohnung mit politischer, ökonomischer, kultureller Macht und entsprechendem Ansehen erschienen so als Anpassungsleistung (Anpassungszufall) und Überleben des Stärkeren (stärker Angepassten). Ausbeutung und Konformismus erhielten eine „naturwissenschaftliche“ Begründung. Der Erfolgreichere war gegenüber dem Versager im Recht. So amalgamierten Calvinismus und Szientismus. Kolonialismen und Rassismen aller Art konnten religiöse und ethische Bedenken endgültig beiseite wischen.
Indem nun der Vulgärevolutionismus den herkömmlichen persönlichen Gott, der etwas will und fordert und daraus Konsequenzen zieht, durch unpersönliche Mächte ersetzt, die zwar Teleologien verfolgen, aber im Grunde keine ethische Forderungen erheben (das vielbeschworene „Karma“ ist ja bloß ein abstraktes Vergeltungsprinzip: Auge um Auge), entmoralisierter und verunmenschlicht er weiter die menschlichen Verhältnisse und verweigerte sich den Begriffen Sünde, Reue, Vergebung und Erlösung.
Samstag, 11. Oktober 2025
How to annoy some MAGA guy
ME: In the U.S. - Because Jesus does not have U.S. citizenship, no legal documents at all, but works there every day and night. (He even criticizes the rich!) So ICE and MAGA try to force him out of the country. Godless America.
ME: This is the heretical (protestant) view. Real Christians (catholics, orthodox) are convinced, that Jesus ist present in flesh and blood under the forms of bread and wine. Nothing easer for ICE than to break into a church and crack a tabernacle. And, don't you know, Jesus is present in the "least of his brothers"; and who could be more "less" than an "undocumented alien"?
HE: Where does Jesus say that it's acceptable to deceive people, break their laws, enter their countries without permission, and immediately start using their taxpayer funded services?
ME: Everywhere. (Especially in Palestine ...) According to the Gospels he says: Do the will of God. That implies: Never ever do the will of the State. States are evil, their laws are evil, boarders are evil, police is evil.
And even if you dont't agree to the anarchist views of Jesus (and me): Shoudn't tax money, if taxes shall be paid at all, being spent for your neighbours (whom your shall love) - instead for tyrants, oligarchs, the military-industrial complex (as Eisenhower called) and bad stuff like the forementioned?
The U. S. A. are exploiting the people of so many countries in the world and their natural ressources. Your life style destroys the earth. Shouldn't it at least be time to pay back a little (e. g. by let some "aliens" earn money through slavework in your imperialist shithole country)?
Montag, 25. August 2025
Schon wieder was über Gott
Sonntag, 27. April 2025
Notiz zur Zeit (247)
Samstag, 19. April 2025
Passion, umgeschrieben
Schuld waren am Justizmord also dann die Römer. Ärgerlich, ja skandalös, dass in der Folge die betrügerischen Jünger des Nazareners auch noch seine Auferstehung erfunden haben (wo doch jeder weiß, dass der Mann die Kreuzigung überlebte ― übrigens als einziger Fall in der Geschichte römischer Hinrichtungen ― und dann später nach Kaschmir auswanderte). Da war’s dann vorbei mit Reformjudentum, und das Christentum wurde zur antisemitischen Sekte.
So muss es zumindest sehen, wer seine Pflicht gegenüber dem Zeitgeist erfüllen will, demgemäß Schwarz Weiß ist, Lüge Wahrheit und Ungeist Aufklärung.
Zeitgeistgeschwätz zum „Zwangszölibat“
Stimmt, die Weltpriester der orthodoxen Kirchen (und übrigens auch der katholischen Ostkirchen, die Grünwidl nicht erwähnt, obwohl er in Österreich deren zuständigen Ortsbischof vertritt) können vor der Priesterweihe heiraten. Mönche aber selbstverständlich nicht, und aus dem Mönchtum stammen die Bischöfe. Es gibt also auch in den Ostkirchen einen „Zwangszölibat“, aber eben nicht für alle. ― Die Protestanten fallen als Vergleichsobjekte völlig aus, sie haben kein Weihepriestertum und kein Ehesakramtent. Ihre Vereinigungen sind auch gar keine Kirchen.
Grünwidls „Ich sehe nicht ein“ ist einmal mehr eine diese inkompetenten Äußerungen schlecht ausgebildeter, überheblicher Kleriker, die offensichtlich gar nicht übersehen, was sie mit ihrem Geschwätz anrichten.
Was soll ein „freiwillger“ Zölibat sein? Wie wirkte ein Priester, der nicht heiratet, auf die Leute in dieser Zeit? Mit dem kann doch was nicht stimmen, würde es heißen. Ist er pervers, schwul, pädophil? Nicht heiraten ist doch nicht normal.
Und wer Ehe sagt, sagt heutzutage auch Scheidung. Zivilrechtlich geschiedene Priester, das fehlt noch! Was kommt dann als Nächstes? „Wiederverheiratung“? Viel Vergnügen damit.
Grünwidl tut seiner Kirche mit unüberlegten Äußerungen keinen Gefallen. Im Gegenteil, er schadet ihr nach Kräften, indem er dem Zeitgeist huldigt, statt die überlieferte und wohlbegründete Haltung der Kirche zu verteidigen. Das erweckt den Eindruck, der Zölibat stehe offiziell zur Diskussion. Und das, obwohl Grünwandl überhaupt kein Argument gegen den obligatorischen Zölibat anführt. Er sagt bloß: „Es gab in der Kirche eine lange Zeit, in der es das Zölibat als Verpflichtung nicht gegeben hat.“ Stimmt nicht. Jesus war unverheiratet. Mönche und Nonnen waren immer schon Zölibatäre. Und was die Weltkleriker betrifft, da will Grünwidl plötzlich tausend Jahre und mehr zurück? Warum? Weil der Zeitgeist das so will?
Selbstverständlich faselt Grünwindl auch was von Priestermangel. Um es klar zu sagen: Wenn der geforderte Zölibat einen Mann daran hindert, sich für den priesterlichen Dienst zu entscheiden, dann weiß er sich eben nicht wirklich berufen oder entscheidet sich gegen die Berufung. Traurig, aber das ist dann halt so. verantwortlich muss man dafür wohl die kirchen-, priester- und keuschheitsfeindliche gesellschaftliche Stimmung machen, zu der Grünwidl mit seinem Gerede einen bescheidenen Teil beiträgt.
Aber gibt es überhaupt einen Priestermangel in der katholischen Kirche? Weltweit steigt Jahr für Jahr die Zahl der Geweihten. Nur Europa schwächelt. Aber herrscht dort Mangel? Rechnen wir nach: Zur Erzdiözese Wien gehören (2021) rein registratorisch 1.156.923 Katholikinnen und Katholiken. Es gibt (2020) 616 Priester (dazu 492 Ordenspriester). Das ergäbe 1.878 Katholiken je Priester (mit Ordenspriestern 1.044). Nur sind ja nicht alle Registrierten tatsächlich aktive Kirchenmitglied. Nimmt man die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher zum Maßstab, die bei höchstens zehn Prozent liegt, kommt man auf 190 bis 100 Gläubige pro Kleriker. Ist das wenig? Ist das ein Mangel? Wenn man freilich ein umfangreiches Verwaltungs-, Unterhaltungs- und Repräsentationsangebot aufrecht erhalten will, statt sich endlich als Katakomben-Kirche gegen den Mainstream zu positionieren … ― Mag übrigens sein, dass die Protestanten keinen Mangel an Pastoren und Pastorinnen haben; aber denen laufen, in Österreich und der BRD, die Gläubigen ja noch schneller davon als bei den Katholiken …
Es steht zu hoffen, dass weder Grünwidl noch irgendein anderer klerikaler Dummschwätzer der nächste Erzbischof von Wien wird. denn dann würde ich es sehr bedauern, aus dieser sich selbst nicht ernst nehmenden Kirche nicht austreten zu können. Weil ich genau wegen solcher Leute schon vor Jahren ausgetreten bin.
Montag, 17. Februar 2025
Wahrer Glaube?
Den meisten Menschen ist es hoffentlich selbstverständlich, dass von zwei mit Wahrheitsanspruch geäußerten Behauptungen, die einander widersprechen, nicht beide in demselben Sinne wahr sein können: „A ist älter als B“ und „A ist jünger als B“ kann nicht beides stimmen, wenn in beiden Aussagen A und B dieselben Personen bezeichnet. (Und mit „älter“ und „jünger“ sich auf die Lebenszeit bezieht und nicht etwa im übertragenen Sinne auf Reife oder gleichen.)
Ohne die Unterscheidung von wahr und falsch, ohne die Anwendung dieser Unterscheidung auf Behauptungen, kommt niemand auf Dauer aus, im Gegenteil, richtig von falsch, wahr von unwahr zu unterscheiden, ist eine täglich notwendige Tätigkeit jedes Menschen, ohne die er jeden Wirklichkeitsbezug verlöre und gar nicht lebensfähig wäre. Daran ändert auch nichts, dass man sich irren , dass man belogen werden oder dass manchmal die Unterscheidung nicht getroffen werden kann, weil man zu wenig weiß und sich zunächst kein weiteres Wissen zu verschaffen vermag. Dass man aber Irrtümer einsehen, Lügen durchschauen und sein Wissen erweitern kann, zeigt, dass Wahrheit und Unwahrheit verschieden sind und dass Menschen wollen, dass ihr Wissen wahr ist. (Von Ausnahmen abgesehen, in denen sie lieber mit Lügen leben wollen, also eigentlich wollen, das Unwahres wahr ist. Auch gibt es bekanntlich pathologische Lügner …)
Es ist nun überhaupt nicht einzusehen, warum beim Glaubens nicht gelten soll, was beim Wissen gilt: Dass es Wahres und Falsches gibt und dass es vernünftig, wünschenswert und notwendig ― und darum vermutlich auch möglich ist ― es zu unterscheiden.
Zunächst gilt es einmal mehr festzuhalten, dass Glaube keine defiziente Form des Wissens ist („Glauben heißt nicht wissen“). Das Missverständnis mag damit zu tun haben, dass es Verwendungen des Verbs „glauben“ gibt, bei denen es mit „vermuten“ synonym ist: „Ich glaube, morgen wird es regnen.“ Wer so spricht, weiß nicht sicher, ob es morgen regnen wird oder nicht, hat aber irgendwelche guten oder schlechten Gründe, anzunehmen, dass es so sein wird. (Weil das Wetter danach ist oder weil es immer regnet, wenn er verreisen will.) Das ist aber nicht die entscheidende Bedeutung von „glauben“, schon gar nicht die, die gemeint ist, wenn man Glauben im religiösen Sinne von Wissen unterscheidet.
Die umfassende Bedeutung von „glauben“ ist: für wahr halten. Ich glaube, dass es morgen regnen wird, weil es so vorhergesagt wird. Ich glaube, dass du die Wahrheit sagst. Ich glaube, dass er sich etwas vormacht. Ich glaube daran, dass du schaffen wirst, was du dir vorgenommen hast. Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich glaube, ich weiß, wo ich meinen Regenschirm stehen gelassen habe. Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist.
Die Überzeugung, dass etwas wahr ist, hat verschiedene Grade der Festigkeit (von „vielleicht“ bis „dafür lege ich mich meine Hand ins Feuer“) und verschiedene Grade der Begründetheit. Beides muss nicht übereinstimmen: Mancher glaubt fest an etwas, wofür er keine Gründe hat, ein anderer weiß zwar um gewisse Gründe, vermag aber trotzdem nicht wirklich daran zu glauben.
Während es also ein Für-wahr-halten geben kann, das schlecht, falsch oder gar nicht begründet ist, führt umgekehrt jede mehr oder minder gut begründete Einsicht zur Überzeugung, dass sie wahr ist. Mit anderen Worten: Man muss glauben, was man weiß, sonst glaubt man es nicht. Die Aussage „Ich weiß zwar, dass es so und so ist, aber ich glaube nicht, dass es so und so ist“ ist unsinnig. (Was nicht bedeutet, dass solch irrationales Vergalten nicht vorkommt; ein psychologisches, kein epistemologisches und logisches Thema.)
Was ich weiß, daran glaube ich auch. Das heißt, wofür ich (für mich) unabweisbare Gründe habe, das halte ich für wahr. In diesem Sinne ist Glauben Wissen und Wissen Glauben. Glauben ist also nicht minderes Wissen („vermuten“), sondern zu glauben ist der höchste Grad des Wissens: Nicht bloße Kenntnisnahme von irgendwelchen Fakten und ihren Relationen, sondern Zustimmung zur Wahrheit der Wirklichkeit. Und Ablehnung von Täuschung, Irrtum, Lüge.
Dabei ruht das Wissen, die begründete Einsicht, immer auf jeder Menge Vermutungen und wenig oder gar nicht begründeten Annahmen auf. Das ist unvermeidlicherweise so, weil kein Mensch alles wissen kann. Auch kann es keinen Wissenserwerb geben, der bei nichts begänne, es muss unbegründete Voraussetzungen geben, um etwas zu begründen. Diese Voraussetzungen können nachträglich erkannt und ihrerseits auf ihre Begründetheit hin untersucht werden, aber auch dazu kann nicht nur schon begründetes Wissen zur Grundlage gemacht werden. In diesem Sinne ist Glauben umfassender und grundlegender als Wissen.
Wenn es Erkenntnisgewinn gibt, und das ist schwerlich zu leugnen, dann als Fortschreiten von unbegründeten zu begründeten Annahmen. Anders gesagt, von bewusstem oder nicht bewusstem Für-wahr-halten zu erkanntem und begründetem Wissen. Dieser Fortschritt beginnt im Glauben und gelangt nie zur Allwissenheit. Insofern ist Wissen sozusagen nur die Spitze eines Eisbergs, dessen unterer, viel größerer, schwererer und alles aus dem Wasser Ragende tragender Teil Glauben ist.
Damit zurück zum religiösen Glauben. Es ist gar nicht einzusehen, warum bei diesem nicht zwischen wahr und falsch unterschieden werden kann oder sogar muss. Zumal die religiösen Fragen doch schon theoretisch nicht unerheblich sind: Existiert Gott? Was will er? Was ist ein gottgefälliges Leben? Was geschieht nach dem Tod mit mir? Warum gibt es Leiden und Schuld? An wen kann ich mich wenden, wenn mich existenzielle Nöte quälen? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Warum existiere ich?
Die verschiedenen Religionen und religiösen Richtungen stellen diese Fragen, wenn überhaupt, dann verschieden und sie beantworten sie verschieden. Es ist blanker Unsinn, was manche immer wieder behaupten, dass alle Religionen dasselbe sagen. Zwischen dem Bekenntnis, es gebe nur den transzendenten und von der Welt verschiedenen Gott, und der Annahme, es gebe viele Götter oder Gott und Welt seien identisch; zwischen dem Versuch, Geister Verstorbener zu beschwören und dem Glauben an die Heilswirksamkeit guter Taten; zwischen der Behauptung der Notwendigkeit, Kriegsgefangenen das Herz bei lebendigem Leib herauszureißen, um es der Sonne zu opfern, und dem Aufruf zu Liebe, Barmherzigkeit und Demut sind doch erhebliche Unterschiede …
Obwohl es keineswegs sicher ist, dass ein einheitlicher Begriff von Religion sinnvoll gebildet werden kann (weil damit womöglich viel zu verschiedene Phänomene nach einem kulturell vorgeprägten Muster zusammengefasst werden), kann man sich vielleicht doch auf diese wahre Behauptung verständigen: Was die verschiedenen religiösen Gemeinschaften für wahr halten, widerspricht einander. Zwar nicht in jedem Fall, aber doch in vielen wichtigen Fällen, die die Eigenart der jeweiligen Religion ausmachen.
Religiöser Glaube ist jedenfalls sehr viel mehr als ein bloßes Für-wahr-Halten, vielmehr eine existenzielle Entscheidung. Will sagen: Woran man glaubt, entscheidet hier, worauf man sein Dasein gründet, was man tut und lässt, was man von anderen verlangen zu dürfen glaubt, was man erhofft. Religion besteht nicht aus irgendwelchen Annahmen, die auch anders sein könnten, und irgendwelchen Rituale, die so oder so gestaltet werden können. Jede Religion ist auf ihre Weise ein Verhältnis des Menschen zu sich, zu anderen, zur Welt und zu dem, was es sonst noch gibt. Dieses Verhältnis beeinflusst auf je eigene Weise das Verhalten. Wer glaubt, dass er Gott beleidigt, wenn er Schweinefleisch isst und samstags arbeitet, wird es lassen. Wer glaubt, dass ein Bad im Ganges ihn von seinen Sünden reinigt, wird wohl eines nehmen. Wer glaubt, dass er sein Nächsten lieben muss, weil er sonst in die Hölle kommt, wird sich bemühen, es zu tun. (Das alles im Idealfall; man kann einer Religion anhängen und ihre Normen doch von Fall zu Fall missachten.)
Wenn religiöser Glaube existenziell ist, dann sind auch religiöse Differenzen existenziell. Das gilt auch und gerade bei religiösen Überzeugungen (oder zumindest Behauptungen), die nahe miteinander verwandt sind oder es zu sein scheinen, also etwa den unterschiedlichen Lehrsätzen (fachsprachlich Dogmen genannt) der verschiedenen christlichen „Konfessionen“.
Es macht offensichtlich einen erheblichen Unterschied, ob man Jesus Christus für Gott hält (eine der drei Personen des ewigen, ungeschaffenen Gottes) oder nur für ein besonderes Geschöpf. Ob Jesus Christus ganz Mensch und ganz Gott oder nur eines von beidem war (und ist). Ob man daran glaubt, dass Jesus Christus für alle Menschen am Kreuz gestorben ist oder nur für eine Gruppe von Auserwählten. Ob jeder Mensch durch die Gnade Gottes zur ewigen Seligkeit berufen ist, oder ob Gott im Voraus die einen für den Himmel und die anderen für die Hölle bestimmt. Ob man es für wahr hält, dass jeder sich frei für oder Gott entscheiden kann, oder glaubt, dass kein Mensch einen freien Willen hat. Ob man meint, dass es genügt, an Gott zu glauben, oder ob man, um selig zu werden, auch Gottes Willen tun muss. Ob bei der Feier der Eucharistie Brot und Wein tatsächlich zu Leib und Blut Christi werden oder die Kommunikanten sich das nur vorstellen. Ob man meint, der Heilige Geist bewahre die Kirche und ihr Lehramt letztlich vor Irrtum, oder ob man wahr haben will, dass jeder im Grunde glauben kann, was er will.
Die Liste der konfessionellen Unterschiede ist schier endlos. Sie betrifft wichtige theologische Themen, Konzepte der kirchlichen Organisation, Fragen der persönlichen Lebensführung. Nichts davon ist bloße Folklore, die man so oder anders gestalten kann (solche Unterschiede gibt es auch, um sie geht hier aber nicht). Hier entscheidet das, was man glaubt (oder glauben soll), darüber, welche Sicht seiner selbst, der Welt und Gottes man hat.
Bei jedem dieser Unterschiede kann gefragt werden: Ist das eine wahr oder das andere? Beides kann nicht zugleich und auf dieselbe Weise wahr sein. Vielmehr ist immer nur eines wahr, alles andere falsch. Es kann auch nicht egal sein, was stimmt. Weil es nicht um theologische Spitzfindigkeiten geht, sondern um praktische Effekte. Wenn Menschen zum Beispiel keinen freien Willen haben, erübrigen sich alle moralischen Appelle und das Strafrecht. Aber auch jede theologische Argumentation, denn jeder muss ja glauben, was er halt glaubt. Die Verbreitung von Unwahrheit schädigt die Menschen, weil sie unter Umständen ihren Zugang zur Wahrheit verstellt. Wem es wichtig ist, was wahr ist, der wird Irrtum und Lüge bekämpfen wollen.
Selbstverständlich kann man auch die Meinung vertreten, alles, was die katholische Kirche und die nichtkatholischen Häresien lehrten, sei falsch. das Christentum und Religion überhaupt sei immer unwahr. Nur dass kein Gott existiert, sei eine unbezweifelbare Wahrheit.
Allerdings glauben das die wenigsten. Die meisten Menschen überall auf der Welt sind auf die eine oder andere Weise religiös. Nur unter den Bewohnern der säkularisierten Industrienationen hat sich, wenigstens implizit, eine gewisse Glaubenslosigkeit, Glaubensmüdigkeit oder Glaubensschwäche durchgesetzt. (Nicht in den USA allerdings.) Religion spielt keine öffentliche Rolle mehr, gilt allenfalls als Privatsache, ist aber auch im Privatbereich längst ohne Bedeutung oder nur von kaum noch merklicher.
Unter solchen Bedingungen scheint es dann folgerichtig egal zu sein, welcher Glaube wahr oder falsch ist, man hat keinen oder nur einen weitgehend wirkungslosen: Irgendetwas Höheres wird es schon geben. Oder auch nicht. Hauptsache, man ist ein guter Mensch. Religiöse und „konfessionelle“ Differenzen sind, sofern überhaupt noch bekannt und verstanden, ohne Bedeutung.
Woher dann die Kriterien dafür, ein guter Mensch zu sein, also richtig zu handeln und nicht falsch, allerdings kommen sollen, ist in höchstem Maße fraglich und bleibt im Diffusen. Damit soll nicht gesagt sein, ein Atheist oder anderer Nichtkatholik könne „kein guter Mensch“ sein, also das Richtige tun und das Falsche meiden. (Während umgekehrt Menschen, die als Katholiken registriert sind, sehr wohl Dummköpfe und Verbrecher sein können.) Aber seine richtige Praxis hängt ohne den wahren Glauben sozusagen in der Luft, ist willkürlich und bestenfalls schlecht begründet. Jeder kann und soll sich an die Goldene Regel halten, die Grundlage aller Ethik: Behandle andere stets so, wie die von anderen behandelt werden willst. („Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“) Aber nur der Gläubige weiß, dass das Gute, das sich in dieser universellen Handlungsanweisung zu Wort meldet, von Gott stammt, dem Quell alles Guten.
Das Wahre und das Gute gehören zusammen, sind im metaphysischen sinne dasselbe. Wer die Möglichkeit oder Bedeutung wahren Glaubens verwirft, verwirft die Vernunft, das Wissen, das Streben nach richtigem Handeln und einem sinnerfüllten Leben.
Manche sagen. Alles gut und schön. Aber ob es stimmt oder nicht, was als wahrer Glaube verkündet wird, kann man nicht wissen. Das übersteigt das menschliche Erkenntnisvermögen. Der Einwand zielt auf etwas Richtiges ― und verfehlt es doch. Denn zwischen den endlichen Menschen und dem unendlich, unfassbaren Gott vermittelt die Offenbarung, die freie Selbstmitteilung Gottes. Für Christen heißt das: Das Wort ist Mensch geworden und „hat unter uns gewohnt“; Jesus Christus ist Gottes Sohn und selbst ganz Gott und ganz Mensch, er „hat Kunde gebracht“. Auf diese Offenbarung, die durch die Zeugnisse (und die Beispiele der Heiligen) überliefert (und durch das Lehramt der Kirche geordnet) wird, antwortet der Glaube.
Was Gott sagt, kann nicht unwahr sein. Wer glaubt, was Gott sagt, kann nicht irren. Darum muss, wer glaubt, sicher gehen, dass das, was er glaubt, auch das ist, was wahr ist. Anders gesagt: Glaube allein genügt nicht, nur wahrer Glaube führt zum Heil.
* „Könnte es sein, dass Sie ein etwas irrer, jedenfalls wirrer und extremistischer Papist sind? (…) ‘Wahrer Glaube’? My ass!“
Donnerstag, 31. Oktober 2024
Notiz zur Zeit (231)
Freitag, 13. September 2024
Papst erklärt Kirche für überflüssig
Mittwoch, 21. August 2024
Schwarze-Katzen-Legende
Mein Gefühl sagte mir sofort: Das ist blanker Unsinn. Noch nie hatte ich etwas von diesem Teufelskatzendekret gehört. Ich bin zwar kein Kirchenhistoriker, aber historisch und theologisch nicht ganz unbedarft. Vor allem aber habe ich einiges an Erfahrung damit sammeln müssen, dass über die Kirche jeder Unsinn behauptet werden kann ― weil er sofort unbesehen geglaubt wird.
Also recherchierte ich ein wenig. Mühelos ließ sich herausfinden, dass Gregor IX. im Jahr 1233 einen Brief in mehrfacher Ausfertigung verschickte: an Kaiser Friedrich den II., den Erfinder der Todesstrafe für rückfällige Irrlehrer, und seinen Sohn Heinrich, ferner an den Erzbischof von Mainz, an den Bischof von Hildesheim und an den Prediger und Inquisitor Konrad von Marburg, den Beichtvater der Hl. Elisabeth. Das Schreiben wird nach seinen Anfangsworten „Vox in Rama“ genannt, was ein Zitat aus Jeremias ist; in moderner Übersetzung: „So spricht der HERR: Horch! In Rama ist Wehklage / und bitteres Weinen zu hören. Rahel weint um ihre Kinder / und will sich nicht trösten lassen / wegen ihrer Kinder, denn sie sind nicht mehr.“ (Jer 31,15)
In dem päpstlichen Brief wird ― wohl auf Grund von Hinweisen durch Konrad von Marburg ― vor einer eine Sekte von Teufelsanbetern gewarnt, die es in Deutschland geben soll und deren unappetitliche und blasphemische Rituale ausführlich werden beschrieben. Dabei kommt auch ein teilweise katzengestaltiges Wesen vor, wahrscheinlich der Teufel selbst. An keiner Stelle werden Katzen oder auch nur schwarze Katzen als satanisch bezeichnet.
Mit noch etwas mehr leichter Recherche bekam ich heraus, dass die unwahren Behauptungen über „Vox in Rama“ offensichtlich auf den „Historiker“ Donald Engels zurückgehen, der 1999 in einem Buch von der Verteufelung schwarzer Katzen durch Gregor IX. erzählte, was zu einer großangelegten Tötungsaktion von Katzen geführt habe, was wiederum schuld an der späteren Ausbreitung der Pest gewesen sei: Es gab dann einfach nicht mehr genug Katzen, die die Ratten, die Träger des Pesterregers, hätten fressen können.
Es versteht sich von selbst, dass diese tolle Geschichte völliger Blödsinn ist. Erstens gab es, wie gesagt, gar keine Verteufelung der Katzen. Jeder kann den Text von „Vox“ in Rama nachlesen und sich selbst überzeugen. Zweitens fand der Versuch der Ausrottung nie statt. Es gibt keinerlei Belege dafür. Aus dem betreffenden Zeitraum fanden Archäologen sehr wohl Katzenknochen: allerdings nicht von „hingerichteten“, sondern von verzehrten Katzen. Wenn es irgendwann irgendwo zu tödlichen Maßnahmen gegen (streunende) Katzen gekommen sein sollte, dann aus hygienischen Gründen, nicht aus religiösen. Und drittens würden sich Katzen, die infizierte Ratten fräßen oder auch nur angriffen, selbst infizieren und dadurch ebenfalls zu Überträgern der Pest werden.
Nichts an der Geschichte von Mister Engels stimmt also. Offensichtlich ist sie gleichwohl ins populäre „Allgemeinwissen“ eingedrungen und hat sich dort festgekrallt. Wie gesagt: Über die Kirche (und die Menschen des Mittelalters) kann man jeden erdenklichen Blödsinn behaupten, er wird immer Gläubige in großer Zahl finden, je absurder er ist, desto eher und nachhaltiger. Zum einen, weil viele Menschen dumm und ungebildet sind, zum anderen, weil viele für alles offen sind, was Religiöses in schlechtem Licht darstellen lässt.
Donnerstag, 25. Januar 2024
Ein (nicht ganz erfundenes) Gespräch über Buße
B: Sie sind anscheinend in bedauerlicher Unkenntnis darüber, was Buße ist. Das heute offensichtlich schwer verständliche deutsche Wort steht für das griechische Metanoia, was wörtlich Umdenken, Umkehr bedeutet, also Abkehr vom Schlechten (Sünde, Gottesferne) hin zum Guten (gute Taten, Gottesnähe). Zur Buße gehören Schuldeinsicht, Reue, Sühne. Die deutsche „Geldbuße“ führt auf eine falsche Fährte. Wer im religiösen Sinn Buße tut, bestraft sich nicht, er befreit sich. Vielleicht nimmt er Mühe, Anstrengung, Verzicht usw. auf sich, um den „alten Menschen“ loszuwerden und frei zu werden für Freude und inneren Frieden.
A: Wenn ich einen Fehler mache und das bedauere, so belastet mich dieses Missgeschick eine gewisse Zeit, womöglich gräme ich mich und habe ein schlechtes Gewissen, aber ich nehme nicht das Kreuz und schleppe es auf Knien um eine Gnadenkapelle. Darum geht es in der christlichen Religion von Anfang an: mit der Vertreibung aus dem Paradies beginnt die Buße für den Ungehorsam gegen Gott. Die Erbsünde ist in der Welt.
B: Übersetzen wir es doch einmal ins Alltägliche: Wenn Sie (mit voller Absicht) „einen Fehler gemacht haben“, der zu Lasten eines Ihnen sehr nahestehenden Menschen, so tut Ihnen das doch (hinterher) gewiss sehr leid und Sie werden sich nicht nur grämen (und womöglich schämen), sondern auch durch ein anderes Verhalten Ihr Fehlverhalten auszugleichen versuchen. Vielleicht sogar etwas Ihnen Unangenehmes auf sich nehmen, um der Person zu zeigen, wie wichtig sie Ihnen ist (und dass es Ihnen nicht nur um Sie selbst geht). „Schatz, meine Worte haben dich verletzt. Das tut mir leid und ich bitte dich um Entschuldigung. Damit du siehst, wie lieb ich dich habe, unternehmen wir gemeinsam das und das (woran mir sonst eigentlich nichts liegt).“ Ist das nicht ein ganz normales Verhalten? Warum sollte das im Umgang mit Gott anders sein?
A: Ihr herablassendes Pädagogisieren sollte Sie reuen, mein Herr! Ihre religiös definierten Feststellungen helfen Menschen, die sich in innerer Bedrängnis befinden, vermutlich wenig. Warum sollten sie das Büßerhemd anziehen und ihre qualvolle Reue öffentlich zeigen? Damit möchte ich diesen Wortwechsel schließen.
B: Immer wieder traurig, dass Menschen den Versuch, Ihnen aus ihrer (oft selbstverschuldeten) Unwissenheit und Unbildung herauszuhelfen, als „Pädagogisieren“ oder Schulmeistern wahrgenommen wird. Jeden Unsinn darf man posten, aber wenn einer Gründe anführt, warum etwas Unsinn ist, ist er der Buhmann. Die Leute wollen alles, nur keine Kritik. Lauter kleine Trumps …
C: Das ist alles sehr interessant. Ich lerne sehr gern dazu. Aber mir scheint, hier treffen einfach zwei unterschiedliche Sichtweisen (auf Buße/Umkehr) aufeinander.
B: So sympathisch die tolerant-liberale Sichtweise, es träfen einfach unterschiedliche Sichtweisen aufeinander, auch ist, sie hat ihre natürliche Grenze doch in der Sache. Leugner des menschengemachten Klimawandels und „Klimaretter“ haben auch unterschiedliche Sichtweisen, aber ihre Feststellungen, Deutungen und Wertungen haben ja eben auch unterschiedliche Konsequenzen: Weiterso wie bisher oder massive Änderungen der Lebens- und Wirtschaftsweisen. Können Menschen am Klima ohnehin nichts ändern, sind alle Einschränkungen und Umbauten überflüssige Gängelung. Können Menschen aber durch ihr gemeinsames Handeln den Klimawandel beeinflussen und sich und andere vor den verheerenden Folgen bewahren, wäre es unverantwortlich, das nicht zu tun. Nicht, dass Sichtweisen unterschiedlich sind, sondern dass manche falsch und manche richtig sind, ist dann das Entscheidende.
Dienstag, 18. Juli 2023
Die Idioten und die Kirchensteuer
Sonntag, 12. März 2023
Der Papst nach Kyjiw!
Was will der Papst überhaupt in Moskau? Putin sagen, er solle seine Truppen hinter die international anerkannten Grenzen (die von 2013) zurückziehen? Das wäre die Voraussetzung für einen Friedensschluss. Aber würde Putin auf Franz hören? Nö.
In Kyjiw hingegen könnte der Papst im Namen von 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken die Unterstützung des ukrainischen Volkes ― zu dem ja auch 5,5 Millionen ukrainisch-katholische und 1,1 Millionen römisch-katholische Ukrainerinnen und Ukrainer gehören, lauter Schäfchen seiner Herde ― zum Ausdruck bringen, eine moralische, politische, religiöse Unterstützung.
Er könnte Joh 15,13 zitieren („Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“) und allen ukrainischen Helden und Helden seine Segen im Kampf gegen das Reich des Bösen erteilen.
Er könnte um Frieden beten und dabei auf auf Joh 14,27 verweisen („Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“).
Er könnte dazu aufrufen, für die Feinde und Verfolger zu beten (vgl. Mt 5,44: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“).
Er könnte vor den Augen der ganzen Welt starke Zeichen setzen. Er könnte sich an die Seite der Opfer stellen, ihnen Trost zusprechen und ihr Leid, wo schon nicht mindern, so doch verurteilen ― und teilen. Ein Papst während eines Bombardements im Luftschutzbunker, was für ein Moment der Kirchengeschichte!
Von der Möglichkeit, selbst Opfer der russischen Aggression zu werden ― einer Blutzeugenschaft die Gott mehr verherrlichte als Bergoglios gesamtes übriges Pontifikat ―, gar nicht zu reden …
Der Weg zur Hölle ist mit „Reformvorschlägen“ gepflastert
Die katholische Kirche lehrt, homosexuelle Handlungen seien naturwidrig und darum sündhaft. Das ist so, ob es einem gefällt oder nicht. Man kann es anders sehen, aber dann ist man eben nicht katholisch im Sinne von „in Übereinstimmung mit der katholischen Lehre“ ― und welchen anderen Sinn „katholisch“ haben soll, verstehe ich nicht. (Man kann auch nicht Veganer sein, wenn man Fleisch ist und Leder trägt.)
Wenn nun also homosexuelle Handlungen aus katholischer Sicht Sünde sind, wie können dann Verbindungen, die auf den Vollzug solcher Sünden angelegt sind (oder sind homosexuelle Partnerschaften reine Wirtschaftsangelegenheiten ohne Sex?) von katholischen Priestern „gesegnet“ werden? Das ist doch offensichtlich Unsinn. Oder Sünde hoch zwei. Und also erst recht Unsinn.
Man kann, ich sagt es schon, anderer Meinung sein, als die katholische Kirche. Aber warum man dieser dann angehören will, das verstehe ich nicht. Weil man hofft, die Kirche werde irgendwann ihre jahrhunderte- und jahrtausendealten Überzeugungen dem Zeitgeist anpassen? Widerrufen, was sie gelehrt hat, und lehren, was den Zeitgenossen und Zeitgenossinnen gerade in den Kram passt?
Was ist das aber für ein Kirchenverständnis? Die Kirche soll lehren, was die Menschen jeweils wollen? Und soll nicht etwa nach bestem Wissen und Gewissen, orientiert an der Tradition und gestützt auf die Autorität bedeutender Theologen das lehren, was Gott will?
Der Wunsch nach Anpassung, das Bedürfnis nach Beliebigkeit, der Drang zum Subjektivismus: All das zeigt, dass die „Reformvorschläge“ des „Synodalen Weges“ nichts anderes sind als Protestantismus. 500 Jahre sind seit der „Reformation“ genannten Deformation des Christentums vergangen. Heutige Protestanten haben das alles, was die pseudokatholischen, faktisch antikatholischen Reformiererinnen wollen: Laxismus, Abschaffung der Sakramentalität der Ehe (also Ehescheidung), Abschaffung des Zölibats, Frauen als „Pfarrerinnen“ und „Bischöfinnen“, Primat der Laien, nahezu völlige Beliebigkeit in Lehre und Kult.
Und das Ergebnis? Gerade in Deutschland, wo es wie nirgendwo sonst vergleichbare katholische und protestantische Bevölkerungsanteile gibt oder vielmehr gab, kann man es sehen: Den Landeskirchen der EKD laufen die Mitglieder noch schneller davon als den römisch-katholischen Diözesen. Und das obwohl im Medienspektakel die Protestanten von der beliebten Allzweckerklärung „Missbrauchsskandale“ (bei denen der Skandal vor allem darin besteht, dass jeder unbewiesene Vorwurf als Fall gezählt wird und dass die Hierarchie sich nicht schützend vor angeschuldigte Kleriker stellt, die ihre Unschuld nicht beweisen können) viel weniger betroffen sind als die Katholiken. Trotzem steigen die Austrittszahlen bei den „Kirchen der Reformation“ stärker, die Eintrittszahlen sind geringer, die Wiedereintritte weniger zahlreich. (In der Hochphase von Corona sank die Zahl der Taufen um die Hälfte, bei den Katholiken nur um ein Drittel.)
Was die Leute vom „Synodalen Weg“ wollen, ist also kein erneuerter Katholizismus, sondern schlicht der alte Protestantismus. Nur: Dann sollen sie doch aus der Kirche austreten und protestantisch werden! (Bloß dass bei den Protestantinnen niemand auf die exkatholischen Pastorinnen und Möchtgernbischöfinen gewartet hat, dort ist keine Karriere zu machen und keine Medienaufmerksamkeit zu lukrieren.) Und dann sollen sie mit allen anderen Häretikern zur Hölle fahren.
Zusatz: Dass der Papst dem ganzen Getue reglos zusieht, statt endlich dreinzuschlagen, ist ein kirchengeschichtlicher Skandal. Wahrscheinlich fürchtet Franz, die deutschen Häretikerinnen und Häretiker könnten sich abspalten, wenn er sie auf Linie zu bringen versuchte. Oder er sympathisiert mit ihnen, weiß aber auch, dass es die Weltkirche zerrisse, wenn er offen Partei für den Neoprotestantismus ergriffe. Man kann also nur hoffen, dass der nächste Papst weniger ungebildet und unfähig ist als der Argentinier. Sonst wird es bald keine katholische Kirche mehr geben. Zumindest keine richtige. Aber das ist es ja wohl ohnehin, was so viele wollen.
Montag, 31. Oktober 2022
„Reformationstag“
Mittwoch, 19. Oktober 2022
Mörderschutz
Der spanische Staat will Schutzzonen um Kindermordklitschen („Abtreibungskliniken“) errichten, innerhalb derer nicht gegen Unrecht demonstriert, nicht öffentlich für das Seelenheil der Mörder und Ermordeten gebetet werden darf. Gut so, schützt Mörder, damit die ungestört ihrem Geschäft (gern auf Krankenschein) nachgehen können! Die spanische römisch-katholische Kirche könnte darauf reagieren, indem sie ihrerseits Schutzzonen errichtet und jedem, der „Abtreibung“ befürwortet, das Betreten von Kirchen verwehrt.
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US-Präsident will die staatliche Lizenz zum Kindsmord („Recht auf Abtreibung“) zum wichtigen Wahlkampfthema machen. Wenn der Erzbischof von Washington diesen gemeingefährlichen Pseudokatholiken daraufhin nicht exkommunziert, kann sich die römisch-katholische Kirche in den USA gleich auflösen. Oder hat sie das schon?
Montag, 25. Juli 2022
Ein Papst in Kanada
Andere eingeborene, äh, Verzeihung, man muss ja das Fremdwort benutzen (das dasselbe bedeutet): andere indigene Kinder, las ich anderswo, seien dazu genötigt worden, sich zum ersten Mal im Leben zu waschen. Furchtbar. Auch das Essen, man mag es sich kaum vorstellen, wurde in den Heimen nicht mehr roh oder am Lagerfeuer geröstet hinuntergeschlugen, sondern am Herd zu bereitet. In einer Küche. Man ist sprachlos. Was für eine völlige Respektlosigkeit gegenüber der indianischen, äh, förstnäschlichen Kultur! Und Lesen und Schreiben sollten die armen Kleinen auch noch lernen! Es war wirklich die Hölle auf Erden.
Gut, dass die edlen Wilden, die man aus ihrer Steinzeitzivilisation herausgerissen hatte, und deren geschäftstüchtige Nachfahren immerhin eines freudig von ihren Kolonialherren übernommen haben: Das Wissen, wie man medientauglich jammert und sich zum Opfer stilisiert. Jetzt muss die katholische Kirche für ihre karitativen Monstrositäten naturgemäß zahlen. Am besten, der Papst verteilt gleich Gutscheine für Schnapsläden, den dort landet das Geld ja dann sowieso.
