Wenn es stimmt, was ich heute gelesen habe, dass nämlich 40 Prozent der 18- bis 30-Jährigen lieber mit sogenannter Künstler Intelligenz „reden“ als mit Menschen, wie sollte mich das nicht traurig und wütend machen? Wie sehr hat die moderne Technik die Seelen der Leute schon verdorben, wie sehr das Erlebenkönnen von Realität, von Person-Sein, von lebendiger Rede und Widerrede bereits beschädigt! Die tote Rede der Maschinen ist attraktiver als der Mitmensch. Das leere Spiel der Dinge, das alles was Bedeutung hätte, nur simuliert, verbraucht Kräfte und ersetzt mit seinen Vorgaben die veränderbare Welt. Der Antrieb von all dem, die Gier nach Geld und noch mehr Geld bei denen, die längst zu viel haben, kommt im Bewusstsein nicht vor oder wird bis zur Unkritisierbarkeit naturalisiert. Hol’s der Teufel.
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Mittwoch, 6. Mai 2026
Samstag, 28. Februar 2026
Stand der Dinge (6)
Ich gebe zu, ich will von alledem möglichst nichts wissen. So wenig, wie überhaupt geht. Man entkommt dem zwar trotzdem nicht, aber man muss sich ihm ja nicht auch noch zuwenden. Das Schreckliche wird nicht weniger schrecklich, wenn man darüber ins Bild gesetzt wird. Wenn man sich dem Gerede derer aussetzt, die auch nicht mehr zu sagen wissen, als dass das Schreckliche schrecklich ist, aber die sehr froh sind, darüber reden zu dürfen. Viel reden zu dürfen. Das Schreckliche wird nicht weniger schrecklich, aber es wird banalisiert. In gewohnte Formate eingefügt. Das ist ein Schreckliches zweiter Art, das vielleicht das Schreckliche erster Art irgendwie erträglich und konsumierbar machen soll, aber gerade das will ich nicht und kann ich nicht. Das Schreckliche ist unerträglich und soll es bleiben müssen. All das Gerede ist schlimmer als Nichtstun. Zumal man wirklich nichts tun kann. Ja, man könnte protestieren. Weil das die Machthaber dieser Welt immer sehr beeindruckt. Sie sind ja bekannt dafür, zugänglich zu sein für rationale Argumente und moralische Einwände. Proteste rütteln selbstverständlich auch die Massen auf, die schweigende Mehrheit. Auch die ist ja bekannt dafür, zugänglich zu sein für rationale Argumente und moralische Einwände. Sogleich geht sie dann nach den Protesten zur Aktion über und beendet die Missstände. Aber nein, auch Spott ist keine Hilfe. Wer protestieren mag, soll es tun, wenn er sich dann besser fühlt. Ich will mich gar nicht besser fühlen. Aber auch nicht noch schlechter durch das Aufbereiten all der Einzelheiten. Mir genügt es zu wissen, dass Schreckliches geschieht, ungeheures Leid, ungeheures Unrecht, und dass ich dagegen bin. So nutzlos das ist. So nutzlos es ist, dagegen anzuschreiben und angeschrieben zu haben. Du kannst ein Leben lang sagen, was alles nicht stimmt, und kannst sogar Vorschläge machen, was zu tun wäre, um es besser zu machen. Aber wenn die Leute nicht wollen, dann kannst du nichts machen. Lasst mich in Ruhe damit.
Montag, 9. Februar 2026
Stand der Dinge (5)
„Wir können uns unseren Sozialstaat bald nicht mehr leisten“, lautet das allgegenwärtige Mantra. So viel ist immerhin richtig: Der Masse der Leute etwas wegzunehmen, um es manchen von ihnen als Almosen zurückzugeben, ist tatsächlich kein sonderlich zukunftsfähiges Vorgehen. Was aber kann sich eine Gesellschaft (oder deren Staat) leisten oder nicht und woran misst man das? Wenn die Reichen immer Reicher werden, dann kann es ja wohl nicht sein, dass nicht genug Geld da wäre. Da findet lediglich eine Umverteilung (durch Eigentumsverhältnisse und Begünstigungen) längst statt, ehe es zur Umverteilung (durch Transferleistungen) kommt.
Das Geld ist da, Wohlstand für alle ist möglich. Man müsste nur aufhören, Unrecht durch Gesetze zu schützen, und müsste endlich den Kapitalismus durch vernünftiges Wirtschaften ersetzen.
Stand der Dinge (4)
Dem letzten „ZDF Politbarimeter“ zu Folge sind drei Viertel der Befragten nicht der Meinung, in der BRD werde zu wenig gearbeitet. Zudem befürworteten 60 Prozent ein Land mit „hohen Steuern und umfangreichen Sozialleistungen“ und nur 27 Prozent eines „niedrigen Steuern und geringen Sozialleistungen.
Irgendwas machen die Parteien, die gewählt werden wollen, offensichtlich falsch. Die CDU regiert und konzipiert hartnäckig gegen die Mehrheit der Leute an, die SPD (oder die „Linke“) schafft es nicht, glaubwürdig zu vermitteln, dass sie dem Mehrheitswillen im Zweifelsfall entspräche.
Anscheinend ist Rassismus („wenig Zuwanderung“) das einzige, worin Berufspolitiker und Volksempfinden überein kommen.
Irgendwas machen die Parteien, die gewählt werden wollen, offensichtlich falsch. Die CDU regiert und konzipiert hartnäckig gegen die Mehrheit der Leute an, die SPD (oder die „Linke“) schafft es nicht, glaubwürdig zu vermitteln, dass sie dem Mehrheitswillen im Zweifelsfall entspräche.
Anscheinend ist Rassismus („wenig Zuwanderung“) das einzige, worin Berufspolitiker und Volksempfinden überein kommen.
Montag, 2. Februar 2026
Stand der Dinge (3)
„Steuern senken und Sozialleistungen kürzen!“ In meine Ausdrucksweise übersetzt: Die Reichen reicher und die Armen ärmer machen. Es wundert mich, dass den neoliberalen Arschlöchern ihre ewig gleichen Forderungen nicht langweilig werden. Noch mehr aber wundert es mich, dass es Leute gibt, die dumm oder böswillig genug sind, um derlei zuzustimmen und um Parteien, die es umzusetzen versprechen, auch noch zu wählen.
Soll man sich vorstellen, dass da Menschen, denen es eigentlich ganz gut geht, damit ihre Abstiegsängste bekämpfen und ihre Aufstiegshoffnungen stimulieren wollen? Was hat jemand mit gutem Einkommen davon, wenn jemand anderem (ihm selbst ja bloß nicht!) die Sozialleistungen gekürzt werden? Keinen Cent, weder jetzt noch je. Allenfalls die Befriedigung, dass jemand, der angeblich zu faul zum Arbeiten ist, bestraft wird. Was freilich, außer in Kazetts und Gulags, noch nie jemanden motiviert hat, zum „Leistungsträger“ zu werden.
Die Angehörigen der Mittelschicht, die den Lakaien der Reichen und ihrem sehnlichen Wunsch nach Sozialabbau zustimmen, täuschen sich gewaltig: Von den Krümeln, die da abgezwackt werden, wird ihr Anteil am Kuchen nicht größer. Wenn der Kuchen wächst, bekommen die Reichen mehr davon. Wenn er schrumpft, ebenfalls.
Nur ein vernünftig organisiertes Zusammenleben, in dem es für alle reicht, jeder genug hat und es allen gut geht, ist eine tragfähige Grundlage für die Verteilung von Mehrwert nach beitragender Leistung.
Es stimmt, was verteilt werden soll, muss erst erwirtschaftet werden. Warum aber erwirtschaften im herrschenden System viele so viel, was an nur wenige verteilt wird? Nämlich an genau die, die längst mehr als genug haben? (An die Unbedürftigen also, statt an die Bedürftigen.) Denn ungerechte Eigentumsverhältnisse sind auch eine (vorausgesetzte) „Umverteilung“.
Soll man sich vorstellen, dass da Menschen, denen es eigentlich ganz gut geht, damit ihre Abstiegsängste bekämpfen und ihre Aufstiegshoffnungen stimulieren wollen? Was hat jemand mit gutem Einkommen davon, wenn jemand anderem (ihm selbst ja bloß nicht!) die Sozialleistungen gekürzt werden? Keinen Cent, weder jetzt noch je. Allenfalls die Befriedigung, dass jemand, der angeblich zu faul zum Arbeiten ist, bestraft wird. Was freilich, außer in Kazetts und Gulags, noch nie jemanden motiviert hat, zum „Leistungsträger“ zu werden.
Die Angehörigen der Mittelschicht, die den Lakaien der Reichen und ihrem sehnlichen Wunsch nach Sozialabbau zustimmen, täuschen sich gewaltig: Von den Krümeln, die da abgezwackt werden, wird ihr Anteil am Kuchen nicht größer. Wenn der Kuchen wächst, bekommen die Reichen mehr davon. Wenn er schrumpft, ebenfalls.
Nur ein vernünftig organisiertes Zusammenleben, in dem es für alle reicht, jeder genug hat und es allen gut geht, ist eine tragfähige Grundlage für die Verteilung von Mehrwert nach beitragender Leistung.
Es stimmt, was verteilt werden soll, muss erst erwirtschaftet werden. Warum aber erwirtschaften im herrschenden System viele so viel, was an nur wenige verteilt wird? Nämlich an genau die, die längst mehr als genug haben? (An die Unbedürftigen also, statt an die Bedürftigen.) Denn ungerechte Eigentumsverhältnisse sind auch eine (vorausgesetzte) „Umverteilung“.
Warum erwirtschaften also stattdessen nicht alle alles für alle? Zweck des Wirtschaftens ist Bedürfnisbefriedigung. Nicht freilich des Bedürfnisses nach Übernmaß, Verschwendung und Macht. Sondern zunächst und vor allem der einfachen Bedürfnisse, die bei jedem mehr oder minder die gleichen sind. Wenn das Ziel der Wirtschaftsweise nicht grundsätzliche Gleichheit (mit einer allenfalls darauf aufbauenden Belohnung von Verdiensten) ist, sondern zerstörerisches Unrecht ist, ist der Sozialstaat nur eine Art von Feuerpause im wirtschaftlichen Bürgerkrieg aller gegen jeden.
Dienstag, 27. Januar 2026
Stand der Dinge (2)
Ja, protestiert nur in großer Zahl Das wird Trump und die Seien sicher beeindrucken und umstimmen. Das sind ja alles hochanständige Leute, die vernünftigen Argumenten immer zugänglich sind. Besonders, wenn sie von besorgten Bürgern kommen.
Gewalt ist keine Lösung. Aber friedlicher Protest wird auch keiner sein. Was also tun? Dass ich auch nicht weiß, was die Lösung wäre, heißt nicht, dass es eine gibt.
Das Regime arbeitet zweifellos auf Destabilisierung hin. Am liebsten wohl bis zu dem Punkt, an dem es heißt: Na, unter solchen Umständen sind natürlich keine Wahlen möglich. (Besonders in Staaten mit Hegemonie des politischen Gegners).
Das wird die nicht freuen, die glauben, das Problem ließe sich durch Wahlen lösen. Dabei haben doch Wahlen überhaupt erst das Problem geschaffen. Wenn die Mehrheit einer Wahlbevölkerung faschistisch ist, kommt bei Wahlen eben ein Mandat für ein faschistisches Regime heraus.
Soll man etwa Demokratie einschränken, um sie vor sich selbst zu schützen? Einschränkung der Demokratie, gerade das ist es doch, was die Autoritären wollen.
Was also tun? Verzweifeln? Abwarten? Ignorieren?
Gewalt ist keine Lösung. Aber friedlicher Protest wird auch keiner sein. Was also tun? Dass ich auch nicht weiß, was die Lösung wäre, heißt nicht, dass es eine gibt.
Das Regime arbeitet zweifellos auf Destabilisierung hin. Am liebsten wohl bis zu dem Punkt, an dem es heißt: Na, unter solchen Umständen sind natürlich keine Wahlen möglich. (Besonders in Staaten mit Hegemonie des politischen Gegners).
Das wird die nicht freuen, die glauben, das Problem ließe sich durch Wahlen lösen. Dabei haben doch Wahlen überhaupt erst das Problem geschaffen. Wenn die Mehrheit einer Wahlbevölkerung faschistisch ist, kommt bei Wahlen eben ein Mandat für ein faschistisches Regime heraus.
Soll man etwa Demokratie einschränken, um sie vor sich selbst zu schützen? Einschränkung der Demokratie, gerade das ist es doch, was die Autoritären wollen.
Was also tun? Verzweifeln? Abwarten? Ignorieren?
Samstag, 24. Januar 2026
Stand der Dinge (1)
Die Wahrheit nicht nur verdrehen, sondern frontal attackieren. Das Offensichtlich leugnen und lügen, lügen. lügen, bis alle mürbe und müde werden, und nicht mehr die Wahrheit Thema ist, sondern die Unwahrheit, wie lächerlich, dumm und gemein sie auch sein mag. Kein Gedächtnis haben (außer für Feinde), rasch das Thema wechseln, persönlich scharf angehen, übertreiben, Zahlen erfinden, Fakten erfinden. Was man gesagt hat, abstreiten. Nur von sich selbst überzeugt sein, nicht von irgendwelchen Normen und Werten. Moralische Vorhaltungen als antiquiert und sachfremd zurückweisen, aber versuchen, andere moralisch zu diskreditieren.
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