Dienstag, 20. Oktober 2026

Witz und Wirklichkeit

Das ist sehr lustig. Und völlig falsch. Die Plünderer sind sehr wahrscheinlich nicht die Schüler, die für bessere Bilödung demonstrieren, sondern Kleinkriminelle (oder solche, die es werden wollen), die die Gelegenheit nutzen, einmal nicht mit Louis-Vuitton-Fälschungen aus China, sondern mit dem echten Zeug ein paar Euros zu verdienen. Daran ist nicht viel auszusetzen. Die Hersteller und Verkäufer von Luxusmarken sind, entgegen dem herrschenden Bild, nicht die Verschönerer des Lebens, sondern die Ausbeuter der Ausbeuter. Eine Art von verkürzten Robin Hoods: Sie nehmen von den Reichen und behalten das Geld. Luxuswaren tragen nichts zum gesellschaftlichen Reichtum bei, sie verführen die Leute zu falschen Träumen und sind angesichts des Elends in der Welt unanständig. Wenn gelegentlich die Hoflieferanten der Allzureichen illegal ein bisschen enteignet werden (was bestimmt die Versicherung zahlt und ihnen auch sonst nicht weh tut), ist das beinahe Gerechtigkeit. Und Gerechtigkeit, Freiheit, Würde und Wohlergehen steht auch den Palästinensern zu. Die haben nichts davon, wenn in den teuren Läden teures Zeug rumliegt oder verkauft wird. Wenn Ruhe und Ordnung herrscht und das Rathaus nicht brennt. Wenn es aber zu Revolten in den Metropolen kommt, ist das wenigstens ein Zeichen, dass nicht alles so bleiben muss, wie es scheint, aber gar nicht ist. Diese Plünderungen (die ich als Straftaten nicht gutheiße, ich doch nicht!) sind im Grunde Gegenplünderungen: Gewaltakte gegen eine Welt der Gewalt, Ausdruck berechtigter Frustration, lustvolle Vorgriffe auf bessere Verhältnisse. Im Endeffekt wirkungslos, aber spontan berechtigt. Die Hoffnung bleibt: From the river to the sea never again luxury.

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