„Schanze schlimmer als Auschwitz.“Na gut, das haben sie sich bis jetzt noch nicht zu schreiben getraut. (Aber ich.)
Dienstag, 11. Juli 2017
Nachtrag zum Fragment über die „marodierenden Banden“
Die Wut der Politiker und ihres journalistischen Trosses gegen die „marodierenden Banden“ erklärt sich mir aus dem Neid auf den Lustgewinn bei der karnevalistischen Sachbeschädigung. Neonazis, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden, sind einfach nur jämmerlich, mit denen mag man sich nicht identifizieren (auch wenn ihre Taten nur Effekte der eigenen Politik der rassistischen Abschottung sind). Randalierende Jugendliche hingegen, die sich nicht Schwächere, sondern die verkörperte Staatsmacht zum Gegner wählen und die die Grundlage des bürgerlichen Staates, das Eigentum, brutal missachten — die umweht ein Hauch von apokalyptischer Befreiung. Eben nicht nur für die Sympathisanten daheim auf der Couch und im Netz. Sondern gerade auch für die, die sie darum hassen. Die ganze Härte des Gesetzes soll jene treffen, die mehr Spaß haben als man selbst und die fremde Götter anbeten. Nur so kann man das gute Gewissen davor bewahren, heimlich Räuschen entgegenzufiebern, die den Gang der Geschäfte verwirren könnten. Gewalt (wenigstens im Wort) gegen Gegengewalt, das ersetzt dem staatstragenden Bürger die dionysische Erfahrung. Auch nichts Neues.
Etwas Grundsätzliches
Was mich am meisten ärgert, ist gar nicht die Scheiße selbst; die ist selbstverständlich widerlich und gehört weg. Sondern was mich am meisten ärgert, ist die massenhafte Zustimmung zum Beschissenwerden und die Lust am eigenen Bescheißen.
Aufgeschnappt (bei Max Frisch)
Dass mit Gewalt nichts zu verändern sei, das sagen auch die Inhaber der Macht. Man kann ihren Ärger verstehen, wenn es zu Unruhen kommt; zwar werden sie damit fertig, aber die gewaltlose Unterdrückung, Repressalie in Ruhe und Ordnung, ist ungefährlicher auch für sie, denn die Anwendung von Staatsgewalt hat immer etwas Aufreizendes, etwas Lehrreiches, sie bringt zum Bewusstsein, dass die Botschaft von der Gewaltlosigkeit immer an die Unterdrückten gerichtet ist.
Offene Frage
Darf ich mal fragen: Warum ist bei den diversen „Pride Parades“ immer von Liebe die Rede, aber nicht vom Ficken?
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