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Freitag, 24. März 2023

Uganda und anderswo

Wer das ugandische Gesetz, das homosexuelle Handlungen (und deren Nicht-Denunziation) unter Strafe stellt, als „antihomosexuell“ und „homosexuellenfeindlich“ bezeichnet, ist selbst antihomosexuell. Warum? Weil homosexuelle Handlungen keineswegs nur von Homosexuellen, verstanden als einer vom Rest der Mensch unterschiedene Spezies („born that way“), vollzogen werden können und vollzogen werden. Geschlechtliche Handlungen mit einer Person des eigenen Geschlechts sind etwas jedem Menschen Mögliches, und ihre restriktive „Auslagerung“ auf eine angeblich definierbare Personengruppe sachlich nicht gerechtfertigt und ideologisch fragwürdig. Es scheint dabei um eine „saubere“ Heteroxualität zu gehen, die faktisch weiter als natürliche Norm gelten soll, während die Abweichung davon etwas ist, was nur einer derzeit in den westlichen Gesellschaften zwar als hinnehmbar geltenden, aber eben abgegrenzten Art von Sonderfällen zukommt.
Das ugandische Gesetz bedroht alle, ob sie homosexuell „sind“ oder nicht, sofern sie sich homosexuell verhalten. Entsprechend müsste auch der politische Kampf gegen dieses Gesetz aufgestellt sein.
Wer hingegen immer noch Homosexualität zur Sache bloß von „Homosexuellen“ macht, denkt genauso wie die Verfolger (vgl. Verbot von „Homo-Propaganda“ in Russland), nur eben mit umgekehrten Vorzeichen: Die einen hassen die Schwuchteln (und Lesben), die anderen haben sie gerade gern (weil sie eh so brav und anspruchslos, familienwerteorientiert und konsumistisch sind). Vorzeichen aber können sich leicht ändern. Darum muss man, wenn man sicher gehen will, die ideologischen Grundlagen der negativen wie der positiven „Homosexuellenpolitik“ zerstören. 
Wem es um Gerechtigkeit und Vernunft geht, dem kann es nicht darum gehen, für „LGBTIQsternchen-Rechte“ einzutreten (als ob das besondere Rechte wären oder sein sollten), sondern nur darum, dass jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung dieselben Rechte hat.
Eine Befreiung der Homosexuellen kann es nur in einer sich befreienden Gesellschaft geben. Erst wenn die potenzielle Homosexualität jedes Menschen als Selbstverständlichkeit gilt, ist Repression wirklich ausgeschlossen. Bloße Duldung kann jederzeit zu neuer Diskriminierung, Unterdrückung, Auslöschung werden. Wer „Homosexualität“ nur als Homosexuellsein der Homosexuellen gelten lassen will, hat den Pfad der Homosexualiätsabwertung noch nicht verlassen.

Sonntag, 24. Juli 2022

Abschied von der Homosexualität

Wahrscheinlich bin ich einfach zu alt. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, in denen es unter politisch bewussten Schwulen als unterdrückerische Unverschämtheit galt, wenn nach Ursachen für Homosexualität gefragt wurde. Heute, wo es keine Schwulen und keine Homosexualität mehr gibt, sondern nur noch „queere Menschen“ (und die je länger desto mehr ins Reich der Fabel gehörenden heterosexuellen Cismänner und Cisfrauen), brauchen solche Fragen gar nicht mehr gestellt zu werden, weil in jedem Fall vorab entschieden ist: I’m born this way. Wo das überhaupt noch reflektiert wird, gilt das Dogma: Es liegt alles am Gehirn.
Der Zerebralismus (also die Reduktion des Menschen auf „sein“ Gehirn) ist in Zeiten wie diesen die populäre Erklärung für alles. Offensichtlich gibt es jetzt ― nach Jahrzehnten feministischer Gegenbehauptung ― doch wieder männliche und weibliche Gehirne, die allerdings in falschen Körpern stecken können (m. in w., w. in m.); wobei es etwas rätselhaft bleibt, wie dieselbe genetische Ausstattung das Hirn und den Restkörper verschieden vergeschlechtlichen kann … Jedenfalls sind anscheinend manche Gehirne auch „inter“ und es muss wohl auch hetero-, bi- und homosexuelle Hirne geben.
Der Zerebralismus ist die biologistische Variante des Calvinismus (was sich aus der US-amerikanischen Herkunft des Queer-Geschwätzes erklärt). So wie in der protestantischen Häresie die Menschen zu Himmel oder Hölle vorherbestimmt sind, ihre Taten also aus ihrem Sein folgen ― während nach katholischer Lehre die Handlungen eines Menschen diesen zum Heiligen oder zum Sünder machen, also das Tun und Lassen das Sein bestimmt, nicht umgekehrt ―, so wurde im Zuge der konzeptuellen Amerikanisierung schließlich Homosexualität nicht mehr als homosexuelle Aktivität (also Sex von Männern mit Männern) bestimmt, sondern als Homosexuellsein der Homosexuellen quasi naturalisiert ― was etwaige homosexuelle Handlungen und Wünsche von Nichthomosexuellen als unnatürliche Verfehlungen erscheinen lassen muss; es sei denn, man behilft sich mit der reichlich verwaschenen Kategorie der „Bisexuellen“ (wobei Bisexualität nicht mehr, wie früher, eine prinzipielle Offenheit jedes Menschen meint, sondern ein bestimmtes Sein bestimmter Menschen). Von einer „homosexuellen Phase“ (in der Jungend) oder einer „Nothomosexualität“ (Gefängnis, Militär) ist schon lange keine Rede mehr. Wer es mit Personen gleichen Geschlechts treibt oder treiben will, soll gefälligst zu seiner inneren Wahrheit stehen und sich outen. Wer Schwules treibt, ist eben schwul, basta.
Nur dass es eigentlich längst gar keine Schwulen mehr gibt. Lediglich den Buchstaben G in der trüben Brühe der LGBTICQsternchen-Buchstabensuppe. Früher sollte „queer“ etwas bezeichnen, was irritierend außerhalb der Norm steht, etwas kategorial nicht Fassbares und Nichtidentes. Heute ist „queer“ zum identifizierenden Attribut und essenziellen Kollektivnamen für Angehörige einer „community“ geworden, die angeblich homo (L und G), bi (B), trans (T), inter (I), neugierig (C), queer (Q) und alles mögliche andere (Asteriskus) umfasst, also bloß nicht die (siehe oben) cis und hetero Fabelwesen, aber vielleicht sogar die. Ich weiß nicht, ob es diese Gemeinschaft/Gemeinde (das englische Wort ist uneindeutig) außerhalb des politischen Imaginären selbsternannter Avantgarden wirklich gibt, ich gehöre ihr jedenfalls nicht an. Ich bin ein Mann, der auf Männer steht, all die anderen Phänomen haben mit mir genauso wenig zu tun wie klassische Heterosexualität. Aber damit bin ich vermutlich zum Aussterben verurteilt wie ein Dinosaurier.
Auf der Höhe der Zeit, auf der ich nicht bin, ist freilich alles gerade ein bisschen kompliziert. Zwar scheinen die in „queer“ zusammengefassten Begriff wie „schwul“ (Mann mit Mann), „lesbisch“ (Frau mit Frau), , „trans“ (Mann zu Frau, Frau zu Mann), „inter“ (mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen) relativ stabil die gute alte Zweigeschlechtlichkeit vorauszusetzen ― wie könnte sonst zum Beispiel ein im falschen, nämlich weiblichen Körper geborene Person „in Wahrheit“ ein Mann sein? ―, aber tatsächlich ist, so die neueste Dogmatik, alles doch wieder anders, es gibt gar keine festgelegten Geschlechter (außer als repressive soziokulturelle Normativität) oder es gibt beliebig viele davon. Alles fließt, hat man beschlossen, oder doch immerhin manches oder wenigsten einiges, und Genderfluidität und die sich scharf von Binarität abgrenzende Nicht-Binarität sind in diesem neuesten Süppchen en vogue.
Etwas mysteriös bleibt, wie ein solches diverse Identitäten stiftendes Fließen irgendwelche Gemeinsamkeiten konstituieren und abgesehen von Paraden und anderen Partys ausleben lassen kann. Zumal das, was früher einmal politische Bewegung sein wollte, anfangs noch ausdrücklich etwas mit Begehren und Sexualakten zu tun hatte, aber längst niemand mehr auf „bloß Sexuelles“ festgelegt werden will. Praktizierte Sexualität ist wieder unpolitisch geworden und eher Thema von Pornographie, Versandhandel und Ratgeberformaten. Je bunter und vielfältiger hingegen das öffentliche Auftreten der „community“, desto asexueller. Das ist auch kein Wunder: Einerseits beansprucht man, genau so spießbürgerlich zu sein wie die immer noch als Mehrheit fabulierten geschlechtsstabilen Heterosexuellen, mit einvernehmlichem Erwachsenensex, „Ehe für alle“, angeschafftem Kind und Bausparvertrag. Andererseits ist die mehr oder minder schrille Tunte immer noch die populärste Repräsentation der systemimmanenten Abweichung. Dieses Paradoxon von Grau und schreiend Bunt verkörpert „queer“ heutzutage perfekt.
Was aber hat ein Mann, der auf Männer steht, mit Frauen, die auf Frauen stehen, zu tun, außer dem Formalismus in der Formulierung „gleiches Geschlecht“? Was mit einem Mann, der früher mal eine Frau war (nein, immer schon eine war!), oder einer Frau, die früher mal usw.? Was mit Zwittern, die nicht mehr so heißen dürfen? Was mit Nichtbinären, Genderfluiden und Asexuellen? Eigentlich nichts. Aber das darf er nicht allzu laut sagen, weil er damit hinter „queer“ zurückfällt.
So oder so: Ein altes Problem ist gelöst, um nicht zu sagen: liquidiert. Der ewige Skandal, dass Männer Männer begehren und es mit ihnen treiben könnten, eine Zeit lang unter dem Titel „Homosexualität“ (früher Sodomie, Päderastie usw.) abgehandelt, ist definitiv beseitigt. Erstens gibt es streng genommen gar keine Männer mehr. Und wenn zweitens doch, sind sie (zerebral) Frauen oder zumindest irgendwie weiblich oder weder noch oder auf jeden Fall nicht mehr eindeutig. Einerseits gibt es ein wahres Geschlecht (alles andere wäre respektlos gegenüber Menschen im oder nach dem Transitionsprozess) und das Gehirn sagt, welches. Andererseits gibt es gar kein richtiges Geschlecht (sexus), sondern ganz viele davon oder etwas Uneindeutiges und Flüssiges, das sagt vermutlich auch das Gehirn in seiner Diskussion mit Hormonen, Genen, Geschlechtszellen, und ansonsten gibt es nur ein soziales und kulturelles Geschlecht (genus), das einerseits willkürlich festgelegt ist, andererseits von nahezu natürlicher Verbindlichkeit ― sonst müssten ja zum Beispiel Männer, die eigentlich Frauen, und Frauen, die eigentlich Männer sind, im Zuge der Angleichung an ihr „wahre Geschlecht“ die Genus-Normen nicht üblicherweise so penibel einhalten.
Ein Mann, der auf Männer steht, ist gleich doppelt antiquiert und zudem etwas bedenklich, da Männlichkeit eigentlich nur noch als toxische vorkommt. Er ist aus der Mode. Vermutlich trauert er dem Patriarchat nach. Seine „Steckverbindung“ ist nur noch eine von vielen und in ihrer Altbackenheit ein bisschen lächerlich. Wer hingegen auf der Höhe der Zeit ist, weiß, dass es viele Geschlechter und viele Verbindungen gibt. Und das, obwohl man (siehe oben) trotz allen Geredes und aller Sprachregelungen aus der Zweigeschlechtlichkeit nicht wirklich herausgekommen ist. Noch immer wird man nämlich, wenn man (außerhalb gewisser inszenierter Sonderfallzonen) Menschen begegnet, in jedem Fall eine Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter vornehmen können und, unter Anwendung weiterer Kategorien der Attraktivität, sein zumindest potenzielles Begehren daran orientieren. Es ist eben einfach nicht wahr, dass Selbstverhältnis und Vorlieben beliebig sind und so formbar und steuerbar wie anderes Konsumverhalten auch. Es gibt immer noch Männer und immer noch werden Männer von Männern begehrt.
Allerdings hat die modische „Verqueerung“ dessen, was einmal Homosexualität war ― mannmännliches Begehren, mannmännliche Lust und Liebe ―, zur natürlichen Variante innerhalb eines in Regenbogenfarben schillernden Spektrums von Identitäten die Homosexualität um ihren Skandal gebracht. Sie ist nichts Besonderes mehr. Und damit, wie fast alles andere Sexuelle auch (außer Pädophilie, Inzest und Kannibalismus), wurde sie auch um ihr emanzipatorisches oder gar revolutionäres Potenzial geprellt. Wo es nur noch darum geht, partikuläre Anpassungsbedürfnisse und Normalisierungsphantasien als Sonderrechte durchzusetzen ― und nicht mehr um das, was einmal als Emanzipation galt: Rechte und Pflichten unabhängig von Identität und Orientierung zu haben ―, ist Gesellschaftskritik jenseits der Integration postperverser Normabweichungen in die bestehenden Verhältnisse gar nicht mehr vorstellbar. Es soll alles bleiben, wie es ist, man will bloß ungestört ein Teil davon sein. Darum soll bei passender Gelegenheit die Regenbogenflagge allüberall gehisst werden, vorzugsweise auf Gebäuden der Staatsmacht. Kommen Staat und Mehrheitsgesellschaft dem, was die medienaffinen Avangardisten als Interessen der Mitglieder der „community“ definieren, entgegen, gibt es keinen Grund mehr, gesellschaftliche Missstände, gar gesellschaftliches Unrecht zu kritisieren, weder lokal noch global, zumindest nicht aus der Sicht eines grundsätzlich anderen, unangepassten, unvereinnahmbaren Begehrens. ― Wer also trotz des hegemonialen Projekts der Fluidität (politisch-ökonomisch gesprochen: der totalen Warenförmigkeit und der kontrollierten Verfügbarkeit) immer noch darauf besteht, ein Mann zu sein, der auf Männer steht, ist überflüssig und wird verschwinden wie ein Schneemann in der Mikrowelle.

Sonntag, 24. April 2022

Reklame (III)

Immer wenn ich unfreiwilligerweise die Tefauwerbung für die Tefausendung „Queen of the Universe“ sehe, sympathisiere ich spontan mit Homo- und Transphobie.

Dienstag, 5. Oktober 2021

„Naturally despised“ (Fundstück)

„For Cleaver1, who wrote in his memoir that he had practised raping black women before graduating to white women, Bigger2 embodied an authentic, revolutionary black masculinity that Baldwin, a gay man, naturally despised.“ (Adam Shatz)

So ist das ja oft mit diesen Schwulen. Weil sie selbst keine richtigen Männer sind ― sonst müsste man sie ja nicht explizit als schwule Männer von nicht weiter zu markierenden Männern unterscheiden ―, haben sie kein Verständnis für Brutalität als Ausdruck echter, also heterosexueller Männlichkeit.

1 Eldridge Cleaver war Mitbegründer der Black Panther Party.
2 Bigger Thomas ist eine Figur in Richard Knights Roman „Native Son“ („Sohn dieses Landes). Er wird zu Unrecht einer Vergewaltigung verdächtigt und tötet zwei Frauen.

Mittwoch, 9. Januar 2019

Fall Spacey

Ein erwachsener Mann macht einem anderen erwachsenen Mann Avancen, die diesem nicht recht sind. Schließlich greift der Interessierte dem Nichtinteressierten in die Hose. Dieser filmt drei Minuten lang die unerwünschte Berührung. Das war’s schon.
Dieser Vorfall kann sicher als ungebührliches Verhalten des Älteren gegenüber dem Jüngeren gewertet werden. Um ein Verbrechen aber handelt es sich ohne jede Zweifel nicht. Nicht wenn es nach Vernunft und Anstand geht.
Dass die Sache trotzdem nach Jahren vor Gericht landet, hat mit Recht nichts zu tun, sondern mit der Schwachsinnigkeit US-amerikanischer Gesetze und dem hysterischen Puritanismus der US-amerikanischen Öffentlichkeit. Hätte Kevin Spacey William Little nicht Alkohol ausgegeben, sondern ihn zu Schießübungen eingeladen, wäre alles in schönster Ordnung.

Montag, 7. Januar 2019

Sehe ich einen Mann und eine Frau einander küssen, ist mir, als sähe ich einen Hund, der sich zwischen den Beinen leckt. Es mag sehr natürlich sein, aber appetitlich finde ich es nicht.

Montag, 17. Dezember 2018

Dass Männer, die keinen abgekriegt haben, sich mit Frauen einlassen, na meinetwegen. Aber dass gut aussehende Männer heterosexuell sind, dafür fehlt mir jedes Verständnis. Ich finde das unnatürlich.

Dienstag, 19. Juni 2018

Puto!

Warum um alles in der Welt ist „homophob“, wenn Fußballfans Fußballspielern „puto“ zurufen? Ein Stricher zu sein ist nichts per se Negatives. Inwiefern ist es homophob, jemandem die Bezeichnung eines Berufs oder einer Tätigkeit an den Kopf zu werfen, für deren Ausübung man nicht homosexuell sein muss? Dass die Fans es anders meinen, stimmt sicher. Aber will man Gesinnungen bestrafen oder Äußerungen? Was, wenn englischsprachige Fußballfans Fußballspieler als „queers“ bezeichnen und damit nicht die stolze community der Buchstabensalatsternchen meinten, sondern einfach Schwuchteln? Gälte dann, der Gesinnung halber, „queer“ doch wieder als homophobes Schimpfwort und wäre zu bestrafen?

Samstag, 9. Juni 2018

Regenbogen, marsch, marsch!

Wenn die Demonstrantsterncheninnen zu Warschau im Ernst glauben, durch ihr ausgiebiges Wedeln mit Regenbogenfahnen werde auch nur eine einzige Person in Polen auch nur ein bisschen weniger homophob, sind sie dümmer, als man heutzutage sein darf.

Freitag, 8. Juni 2018

Heterosexualität und Gewalt (2)

Ein Neunjähriger wird von seiner Mutter und seinem Stiefvater im Internet gegen Entgelt zur Vergewaltigung angeboten. Der Stiefvater vergewaltigt den Jungen auch schon mal selbst. In der Berichterstattung darüber fehlt mir das Wort „heterosexuell“. Immerhin war es ein Heteropaar, das hier Verbrechen beging und Verbrechen herbeiführte. Der Ausdruck „Pädophilie“ hingegen erscheint mir entbehrlich, denn offensichtlich handelt es sich bei dem Paar nicht um Personen, die ausschließlich Sex mit Kindern wünschten.
Man stelle sich vor, was in den Medien und sozialen Netzwerken loswäre, wenn zwei miteinander verpartnerte oder verheiratete Männer als Vater und Stiefvater ein Kind vergewaltigt und zwecks Vergewaltigung vermietet hätten! Da wäre sofort Homosexualität als Ursache der Kriminalität ausgemachte Sache.
Zugegeben, die „Kunden“ des Heteropaares waren womöglich Fremde. Aber die Verbrechen fanden sehr wohl „im Schoß der Familie“ statt. Familien gefährden unsere Kinder. Sie gehören verboten!

Heterosexualität und Gewalt (1)

In Kalifornien wurde ein Mann zum Tode verurteilt, weil er den achtjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin zu Tode gefoltert hatte, in der Annahme, der Junge sei schwul.
Ich habe es schon früher gesagt und sage es wieder: Heterosexuelle gefährden unsere Kinder!
Und habe ich es verpasst oder war da nichts: Wo bleibt die Entschuldigung der Heterosexuellenverbände?

Montag, 4. Juni 2018

'tschuldigung für die Schwulenverfolgung

Offensichtlich ist von den staatstrunkenen Schwuchteln keiner aufgefallen, dass Steinmeier sich ausdrücklich nur bei den nach § 175 strafverfolgten Deutschen entschuldigt hat: „Ihr Land hat Sie zu lange warten lassen.“ Dass auch Männer ohne deutsche Staatsbürgerschaft vom deutschen Staat gelegentlich wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen behelligt worden sein könnten, kann bei einem solchen Festspiel deutscher Bewältigungskultur schon mal unter den Tisch fallen ...

Montag, 5. März 2018

Nur so eine Vermutung

Ich nehme mal an, der Film „Call Me By Your Name“ wäre weniger populär und erfolgreich, wenn darin der 17-jährige Sohn der Akademikerfamilie nicht mit dem 24-jährigen Akademiker aus den USA, sondern, sagen wir mal, mit einem 42-jährigen Bauarbeiter aus Algerien vögelte.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Geständnis zum Ende des schwulen Buchhandels

Zeit für ein Geständnis. Ich bin einer von denen … denen das Herz bricht, wenn sie an irgendeinen für immer geschlossen Buchladen denken; die von Meldungen vom Aufgeben schwuler Buchläden irgendwo auf der Welt am Boden zerstört werden, auch wenn sie nie dort waren; die biblioman (nicht bibliophil) sind und mehr Bücher kaufen, als man lesen kann, deren Wohnung überquillt von bedrucktem Papier wie eine schlecht geordnete Bibliothek und die trotzdem nicht aufhören können, zu viel Geld für zu viele Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Zeitungen auszugeben. 
Und ich bin ein Extremist. Mit erschreckenden Wünschen. Ich möchte in jeder Großstadt fünf schwule Bauchläden und in den Universitätsstädtchen sieben. Ich möchte, dass sie sich bekriegen, na ja, dass sie unterschiedlich ausgerichtet sind und das auch zeigen. Ich möchte, dass sie alle florieren, auch die angeschlossenen Cafés, Galerien, Verlage. Und ich möchte bei ihnen allen einkaufen können, mit den Buchhändlern Gespräche von connaisseur zu connaisseur führen und das Zweitschönste, was es auf der Welt nach den Männern gibt, vor Ort ausgiebig genießen: Bücher. Träumen darf man ja. Das ist immer kontrafaktisch und anachronistisch. Aber wie gestaltetet man Realität und wozu?
„Eine Zukunft ganz ohne schwule Buchläden ist vorstellbar. Aber wer will sie?“ Habe ich geschrieben, um die Frage zu provozieren: Wer will sie nicht, diese Zukunft? Warum nicht? Aus Gewohnheit und Sentimentalität beispielsweise? Weil jenseits eines an der gesellschaftlichen Realität Geschäftsmodelles manche gerne Bücher verkaufen und kaufen, wie sie es früher schon gemacht haben? Gibt es eine Zukunft für schwule Buchläden (oder meinetwegen LGBTIQsternchen-Bookshops), die diese als Orte lebendiger Auseinandersetzung notwendig erweist und nicht bloß als interaktive Museen der Mediengeschichte?
Dass es einige gibt, die die verbliebenen schwulen Buchläden gerne erhalten sehen möchten, steht außer Frage. Aber wer braucht sie? Und wofür? Oder ist das falsch gefragt …? Mir scheint, eine befriedigende Antwort wird es erst geben, wenn es nicht nur gelingt (wofür auch ich sehr bin!), Bestehendes zu erhalten, sondern wenn irgendwann ein neuer schwuler Buchladen aufmacht und sich hält. Träumen darf man ja.

Montag, 2. Oktober 2017

Zum Ende des schwulen Buchhandels

„In den 70er Jahren haben die Schwulen über ihre Verhältnisse gelesen.“ Mit diesen Worten hat Joachim Bartholomae einmal Martin Dannecker zitiert. (Der sich auf Nachfrage nicht daran erinnern konnte, das je gesagt, geschweige denn geschrieben zu haben.) Das ist ein wunderbarer Satz, ein schrecklicher. Wunderbar, weil er eine retrospektive Utopie benennt, schlichter gesagt: eine ehemalige Möglichkeit anderer Zustände. „Über ihre Verhältnisse“. das kann ja beides meinen: darüber, wie ihre Verhältnisse sind; und: mehr, als ihnen eigentlich hätte möglich sein sollen, mehr, als eigentlich zu erwarten war, mehr, als ihnen zugestanden wurde (analog zu „jemand lebt über seine Verhältnisse“).
Es gab also Zeiten, da war das geschriebene Wort, auch und gerade das in Bücher gedruckte, ein wesentliches Medium der Verständigung und Selbstverständigung, Teil jener Selbstermächtigung, die Emanzipation sein wollte. Nicht nur für einzelne, versprengte, verborgene Leser, sondern für „die Schwulen“ überhaupt, also — ohne den etwas haltlosen und zu Recht aus anderer Sprache geborgten Ausdruck „community“ bemühen zu wollen — für eine unbestimmte, aber spürbare Zahl von solchen, die gerade als Leser und wohl eben unter anderem auch durch ihre Leserschaft aus der Vereinzelung, Versprengung, Verborgenheit heraustraten und zu einem wenigstens imaginären Kollektiv wurden, das nach und nach eine Geschichte bekam und damit womöglich auch eine Zukunft hatte. Das also ist das Wunderbare an dem zitierten Satz, dass es offenbar eine Zeit gab, in der Schwule über ihre Verhältnisse lasen; das Schreckliche daran ist, dass es damit offensichtlich vorbei ist. Und zwar nicht erst seit heute.
Als Inizialzündung dessen, was sich als Bewegung begriff, gilt in Deutschland ein Film. Aber ohne Zeitschriften und Bücher wäre nichts weiter passiert. Und nicht ohne die Orte, an denen ganz besondere Zeitschriften und Bücher nicht nur verkauft, sondern vermittelt wurden. Der schwule Buchladen als Ort der Begegnung, ausnahmsweise nicht primär zwecks sexueller Kontaktaufnahme, sondern der emotionalen und intellektuellen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, in der solche Läden Inseln, Schutzräume und Archive waren, mit anderen und mit sich selbst; der schwule Buchladen als harmloseste Form der Kommerzialisierung des Begehrens; der schwule Buchladen als natürliches Biotop für ein studentisches Milieu ebenso wie als Anlaufstelle für bildungswilliges Bürgertum; der schwule Buchladen als Symbol und Realität einer gewissen Präsenz wenigstens in gewissen Großstädten — der schwule Buchladen also war unersetzbar.
Das blieb er nicht. Die Themen wurden andere, die Vergesellschaftungsformen, die gesellschaftlichen Reaktionen, das Kaufverhalten. Die AIDS-Krise kam, die Entpolitisierung, das Reaktionärwerden des Politischen. Emanzipation als Ansatz, der immer viel Rhetorik, Analyse und erwerbbare Kenntnisse voraussetzt, also auch Bücher, wurde durch Integration als Ziel ersetzt, das sich als voraussetzungslos gibt und mehr praktisch veranlagt ist. Literatur hörte auf, Herausforderung für wen auch immer durch was auch immer zu sein und kehrte dazu zurück, das zu sein, was sie im behaglich eingerichteten Bürgertum immer gewesen war: Sie wurde wieder zu Dekoration. Kleine Buchläden jedweder Ausrichtung und auch ohne irgendeine wurden von Ladenketten und dem Internet verdrängt, geschluckt, ersetzt. Niemand braucht heutzutage mehr schwule Buchläden, außer allenfalls den Buchhändlern, versteht sich, und einer Handvoll leicht anachronistischer Stammkunden.
Kaum jemand hat heutzutage noch Interesse, Bedürfnis, Kraft und Lust, über seine Verhältnisse zu lesen. Das Buch ist kein Schatz mehr, den man auf Grund besonderer Berufung an verstecktem Ort entdeckt, und dessen märchenhafter Reichtum einen aus den gegebenen Verhältnissen herauszureißen verspricht. Es ist Ware, Accessoire, Unterhaltungsstoff, Informationsmedium. Der Zauber ist verflogen. Der schwule Buchladen ist funktionell von der Filiale der Buchhandelskette nicht zu unterscheiden. Das Geschäft findet vor allem im Netz statt.
Gewiss kann man versuchen, zu retten, was zu retten ist. Viele mussten aufgeben, wenige halten sich noch. Vielleicht noch ein bisschen länger. Aber man kann die Uhr nicht zurückdrehen. Wenn man draufschaut, sieht man, wie spät es ist. Schon so spät? Zu spät gar? Früher war nicht alles besser, aber es ging um anderes. Die Uhr der Lesenden geht immer ein bisschen nach, aber das macht nichts, weil sie nie nur die heutige Zeit anzeigt. Eine Zukunft ganz ohne schwule Buchläden ist vorstellbar. Aber wer will sie?

Donnerstag, 21. September 2017

Visibilità

Zwei Männer, Typ Sportskanone, gehen neben einander die Straße entlang. Ich sehe sie von hinten. Wegen eines Bauzauns wird das Trottoir ein Stück weit gleichsam zum Tunnel. Da legt der eine dem anderen die Hand auf die Hüfte. Am Ende des Tunnels nimmt er sie wieder weg.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Notiz zur Zeit (149)

Von 2010 auf 2016 steigerte sich der Anteil der Heterosexuellen unter denen, die den Berliner CSD besuchten, von 28 auf 42 Prozent. Bleibt es bei dieser Steigerungsrate, sind es noch vor 2030 100 Prozent. Ich halte das für eine gute Nachricht.

Wer demonstriert hier wem?

Von 2010 auf 2016 steigerte sich der Anteil der Heterosexuellen unter denen, die den Berliner CSD besuchten, von 28 auf 42 Prozent. Bleibt es bei dieser Steigerungsrate, sind es noch vor 2030 einhundert Prozent. Ich halte das für eine gute Nachricht.

Dienstag, 11. Juli 2017

Offene Frage

Darf ich mal fragen: Warum ist bei den diversen „Pride Parades“ immer von Liebe die Rede, aber nicht vom Ficken?

Freitag, 30. Juni 2017

Mutti schenkt den Homos eine Ehe

Bismarck sagte: Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden … Und die bleierne Kanzlerin ergänzt: … sondern durch Sitzfleisch und Überzeugungslosigkeit.
Ich würde es nicht Respekt nennen, was ich empfinde. Es ist eher eine Mischung aus Erstaunen und Ekel. Wie wenn man einer Spinne zusähe, die in ihrem Netz gefangene Marienkäfer bei lebendigem Leib aussaugt. Erst erweckt Merkel den Eindruck, die „Ehe für Homos“ sei mit ihr zu machen, dann läuft die SPD in die Falle, und bei der Abstimmung schließlich stimmt Merkel dagegen. So gekonnt alle Richtungen bedient hat nicht einmal Hitler.