Montag, 2. Februar 2026

Mitteilung

Den halbgebildeten Tefaukrimikritikern, die homo homini lupus auf Hobbes zurückführen, sei mitgeteilt, dass die Formulierung in Wahrheit auf Plautus zurückgeht, der fast neunzehn Jahrhunderte vor Hobbes lebte.

Stand der Dinge (3)

„Steuern senken und Sozialleistungen kürzen!“ In meine Ausdrucksweise übersetzt: Die Reichen reicher und die Armen ärmer machen. Es wundert mich, dass den neoliberalen Arschlöchern ihre ewig gleichen Forderungen nicht langweilig werden. Noch mehr aber wundert es mich, dass es Leute gibt, die dumm oder böswillig genug sind, um derlei zuzustimmen und um Parteien, die es umzusetzen versprechen, auch noch zu wählen.
Soll man sich vorstellen, dass da Menschen, denen es eigentlich ganz gut geht, damit ihre Abstiegsängste bekämpfen und ihre Aufstiegshoffnungen stimulieren wollen? Was hat jemand mit gutem Einkommen davon, wenn jemand anderem (ihm selbst ja bloß nicht!) die Sozialleistungen gekürzt werden? Keinen Cent, weder jetzt noch je. Allenfalls die Befriedigung, dass jemand, der angeblich zu faul zum Arbeiten ist, bestraft wird. Was freilich, außer in Kazetts und Gulags, noch nie jemanden motiviert hat, zum „Leistungsträger“ zu werden.
Die Angehörigen der Mittelschicht, die den Lakaien der Reichen und ihrem sehnlichen Wunsch nach Sozialabbau zustimmen, täuschen sich gewaltig: Von den Krümeln, die da abgezwackt werden, wird ihr Anteil am Kuchen nicht größer. Wenn der Kuchen wächst, bekommen die Reichen mehr davon. Wenn er schrumpft, ebenfalls.
Nur ein vernünftig organisiertes Zusammenleben, in dem es für alle reicht, jeder genug hat und es allen gut geht, ist eine tragfähige Grundlage für die Verteilung von Mehrwert nach beitragender Leistung.
Es stimmt, was verteilt werden soll, muss erst erwirtschaftet werden. Warum aber erwirtschaften im herrschenden System viele so viel, was an nur wenige verteilt wird? Nämlich an genau die, die längst mehr als genug haben? (An die Unbedürftigen also, statt an die Bedürftigen.) Denn ungerechte Eigentumsverhältnisse sind auch eine (vorausgesetzte) „Umverteilung“.
 Warum erwirtschaften also stattdessen nicht alle alles für alle? Zweck des Wirtschaftens ist Bedürfnisbefriedigung. Nicht freilich des Bedürfnisses nach Übernmaß, Verschwendung und Macht. Sondern zunächst und vor allem der einfachen Bedürfnisse, die bei jedem mehr oder minder die gleichen sind. Wenn das Ziel der Wirtschaftsweise nicht grundsätzliche Gleichheit (mit einer allenfalls darauf aufbauenden Belohnung von Verdiensten) ist, sondern zerstörerisches Unrecht ist, ist der Sozialstaat nur eine Art von Feuerpause im wirtschaftlichen Bürgerkrieg aller gegen jeden.

Unterwegs (38)

Vor sechs Jahren war ich im Februar in Venedig. Noch vor Karnevalsbeginn reiste ich ab. Aber schon in den Tagen davor stieß ich immer wieder auf Stellen in der Stadt, wo morgens der Gehweg mit Konfetti bedeckt war. Ich hatte Gefallen daran, mir vorzustellen, dass da nachts kleine Gemeinschaften von Einheimischen schon mal ein bisschen vorfeierten, bevor Touristen und professionelle Karnevalisten mit Gedränge und Getue alles unerträglich machen würden.