Freitag, 30. Januar 2026

Übrigens (7)

Ich bin recht dankbar dafür, dass Verlage oft sogenannte Leseproben zur Verfügung stellen. Denn ab und zu lese ich irrgendwo etwas über einen Roman, meist eine Rezension, und denke mir, wenn dort gelobt wird: Wie schlimm ist es wirklich? Eine Leseprobe erlaubt mir dann, mit eigenen Augen zu sehen, wie es um den Text steht. Das ist naturgemäß nur ein kleiner, fast zufälliger Eindruck (die Leseproben sind ja fast immer bloß die ersten Seiten eines Buches), also nur eine unmethodische Stichprobe. Und darum nur in dem Maße aussagekräftig. Wenn mir aber schon im ersten Absatz Tempusfehler, falsche Konjunktive, ungelenke Wortwahl und stilistische Affigkeit entgegentreten, reicht mir das. Ich bin kein Literaturkritiker. Ich muss nicht alles lesen, was man so liest. Ich darf mich entscheiden. Und ich entscheide mich dagegen. 
Dabei ist so eine Leseprobe sozusagen nur ein weiterer Beleg. Ich habe gelernt, schon anhand einer Rezension zu ahnen, ach was, zu wissen, wie schlecht die Prosa ist, die da angepriesen wird. Ich darf mich zum Glück darauf verlassen, dass der Geschmack meiner Zeitgenossen zielsicher meinem entgegengesetzt ist. Je übler der Dreck, desto erfolgreicher. Erst die Jubelrezensionen, dann die Umsatzzahlen, dann die Buchpreise. Untrüglich Indizien des Minderwertigen. Auch dafür bin ich dankbar.

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