Ich mag diese Mitteilungen von Oxfam Erst neulich wurde bekannt gegeben, seit 2020 habe das Vernögen der Milliardäre um 80 Prozent zugelegt. Solche Zahlen kann und will ich nicht überprüfen. Ich möchte sie gern glauben. Sie werden schon stimmen. Sie bestätigen mich. Sie beziffern die Verhältnisse, die ich kritisiere und verwerfe. Ich sage dann gern: Na bitte, der Kapitalismus funktioniert. Die Reichen werden reicher, die Superreichen noch superreicher. Die Mittelschichten halten still (oder treten nach unten und buckeln nach oben). Die Armen können sowieso nichts machen. (Ihnen fehlen die Mittel, das definiert sie. Sie könnten nur ihre Leiber selbst in eine Schlacht werfen. Worauf die Mächtigen mit der Gewalt der Maschinen reagierten.)
So ein bisschen Bestätigung tut gut, auch wenn das, was bestätigt wird, also eine schlechte Meinung über schlechte Zustände und schlechte Aussichten, nichts Gutes ist.
Jahrein, jahraus rede und schreibe ich gegen das Böse an, gegen den Staat, gegen die Weltwirtschaftsunordnung, gegen Krieg und Elend, gegen das globale System der Ausbeutung, Zerstörung, Unterdrückung und Verdummung. Man hört nicht auf mich. Man widerspricht mir nicht einmal, sondern ignoriert mich und macht genau das weiter, wovor ich warne und was ich als verantwortungslos, bescheuert und destruktiv anprangere.
Da kommen mir Zahlen wie die von Oxfam ganz gelegen. Sie könnten auch anders sein. 70 Prozent oder 90 Vermögenszuwachs bei Milliardären. Was liegt daran. Wichtig ist: Es steht schlimm und wird immer noch schlimmer. Alle machen mit. Die ganz wenigen, die nicht mitmachen, erreichen fast nichts.
Das es so nicht weitergehen kann, wenn nicht alle draufgehen sollen, ist offensichtlich. Mit Händen zu greifen. Jeder Optimismus, der auf Rationalität und Technologie setzt, ist absurd. Was uns in die Scheiße reitet, zieht den Karren nicht aus dem Dreck. Es geht nicht um technische Probleme. Es geht um Moral. Also um Politik.
Wichtig wären Einsicht, Empörung, Bruch, Entwickung von praktischen Alternativen. Es darf nicht so weitergehen. Und weil es trotzdem so weitergeht, braucht es Kraft, Haltung zu bewahren. Darum bin ich dankbar, wenn Zahlen wie die von Oxfam mich bestätigen und meine Einschätzung bekräftigen.
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