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Montag, 12. Oktober 2026

Überlegungen zur Jugend von heute

Die Jugend von heute, das sind die, über die die Jugend von gestern nur den Kopf schütteln kann.
 
Wenn die anderen jung sind, ist man selbst es nicht mehr. Das ist unverzeihlich.
 
Die Jugend von heute, das sind schubweise immer andere. Aber immer sind es unverantwortliche, unerfahrene, ungebildete, rechthaberische Nervtöter mit schlechtem Geschmack.
 
Der Geschmack der heutigen Jungend ist grundfalsch, weil er so perfekt ist. Weil sie ihn schon fix und fertig erwerben. Weil sie gar keinen haben, sondern nur simulieren.
 
Ich selbst war nie jung, sage ich immer. Weshalb ich weder die heutige Jugend verstehe noch irgendeine andere und sowieso dagegen bin.
 
Mir kommen die jungen Leute oft so verwaschen, so schwammig, so teigig vor. Selbst dort, wo alles vorschriftsmäßig wohldefiniert ist. Oder besonders dort.
 
Wie man bloß so lasch und prall zugleich sein kann.
 
In Wahrheit pickelig, haben sie geradezu übertrieben glatte Haut. Und die schreit wohl nach Tätowierungen.
 
Auch als Kulturpessimist kann ich nur ungläubig staunen, mit welcher Vehemenz die einen enthemmten Konsumismus praktizieren, die noch nicht geboren waren, als ich mir diese Vokabel zu eigen machte.
 
Haben ist Sein und Sein ist Haben: Wer besitzt, was ihn ausmacht, ist ungefähr genau der, der er sein muss. Die rasche Folge der Versatzstücke hat als Fortschritt zu gelten. (Er ist hier selbstverständlich vor allem auch sie.)
 
Man muss sich immer in Erinnerung rufen: Wie jede Mode wird auch diese vergehen. Was wohl den Fanatismus erklärt, mit dem sie befolgt wird.
 
Aus der seit langem vorhergesagten, ja nachgerade versprochenen Androgynität ist immer noch nichts geworden. Äußerlich ist der Geschlechtsunterschied merkbar wie eh und je. Und erstaunlicherweise sogar in den „Rollen“.
 
Die Ballerina-Prinzessin, dieser Kinderzimmertraum in Rosa, geht nahtlos über in die Influencerin, diese Verschmelzung von Ego, Reklame und Produkt zu einer leeren Hülle. Was unterdessen die Jungs machen, wenn sie nicht im Fitnessstudio sind, interessiert keinen. (Wichsen?)
 
Sie wissen nichts, aber alles besser. Das konnte man immer schon sagen, aber heute soll es mehr denn je stimmen.
 
An ihren Selbstverständlichkeiten sollt ihr sie erkennen, was sie nicht in Frage stellen, macht sie aus. Das stimmt heute noch wie früher schon.
 
Was man weiß, ist ein Ding unter anderen, auf den Tauschwert kommt es an.
 
Ich verträte diese bestimmte Meinung, weil ich eben Ü50 sei, erklärte mir einer, der selbst U30 war. Ach, Herzchen, ich war dieser meiner Meinung schon, als ich so alt war wie du, und ich konnte sie sogar ohne Internet begründen.

Sonntag, 14. Juni 2026

Vielleicht sind die Leute heutzutage nicht dümmer als früher, aber sie haben sehr viel mehr Möglichkeiten, ihre Dummheit zu zeigen.

Donnerstag, 20. Februar 2025

Aphorismen (2)

Philosophie hätte der Versuch zu sein, die Leute mit dem zu behelligen, was sie sich selbst hätten denken können.

Philosophie sollte nicht das Bemühen sein, den Leuten ihre Vorurteile vorzukauen, damit sie daran gewöhnt werden, alles zu schlucken, was ihnen die Obrigkeit vorsetzt.
 
Pöbel, das sind nicht etwa die Unterschichten. Überhaupt handelt es sich nicht um eine Klasse, sondern um ein Benehmen. Pöbel, das sind die Verwahrlosten und Verrohten. (Trump ist Pöbel.)
 
Zu wissen, was falsch läuft und wie es besser zu machen wäre, nützt einem gar nichts, wenn die Sache, um die es geht, das Zusammenleben ist und die andern einfach nicht tun, was sie sollen.
 
Ob für zwei oder drei oder alle, es gilt immer dieselbe Regel: Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andern zu. 

Die Einsicht, dass andere ebenfalls Rechte haben und dass die sogar über dem eigenen Recht stehen können (über den eigenen Wünschen sowieso), ist die Grundlage jeder vernünftigen Weise des Miteinanders.
 
Es ist einfacher, als man denkt,  aber komplizierter, als man es brauchen kann.
 
Die Leute wollen eher durch vermeintliche Tiefe beeindruckt werden, als sich auch beim Philosophieren ums Naheliegende und Machbare zu kümmern.
 
Ein Denken, das keinen Unterschied macht, muss man sich leisten können. Mir ist der Preis zu hoch.

Samstag, 10. August 2019

Aphorismen

Welche Sau genau denn gerade heute durchs Dorf getrieben wird, ist nicht wichtig (außer vielleicht für die Sau). Dass aber immer Säue durchs Dorf getrieben werden, könnte bedeutsam sein.

Aktualität verhält sich zu Gegenwart wie die Erwähnung von Zuckerwatte zum Verzehr von Schweinsbraten mit Knödeln.

Vergangenheit gibt es nur in der Gegenwart. Ob es auch in Zukunft noch Vergangenheit geben wird, hängt ebenfalls von der Gegenwart ab.

Um sich, was viele tun möchten, hinter der eigenen Endlichkeit zu verstecken, müsste man aus ihr heraustreten können.

Sich selbst für belanglos zu halten, scheint die ultimative Entlastung zu sein.

Gibt es etwas Ungehörigeres, als geliebt zu werden und sich nicht dazu zu verhalten?

Der Unmut über solche, die sich, wie man meint, für etwas Besseres halten, hat mit der Befriedigung darüber zu tun, dass man selbst sich immerhin nicht für etwas Besseres hält.

Jemand: Sie machen es sich zu einfach. Ich: Stimmt. Aber gerade das ist das Beste an mir.