Mittwoch, 27. Mai 2026

Fragment über die Leute und ihren Tod

Sie sorgen sich sehr darum, dass sie sterben könnten. Dass sie oder so sterben werden, wissen sie zwar, aber sie wollen es nicht wahrhaben. Sie wollen nicht sterblich sein. Zumindest jetzt nicht und nicht in absehbarer Zeit. Jeder Tod, der nicht sehr spät kommt, erscheint ihnen verfrüht. Dass dauernd andere Leute sterben, beunruhigt sie nicht, es sei denn, es wären ihnen Nahestehende oder gar Gleichaltrige. Mit dem Tod der übrigen haben sie eigentlich nichts zu tun. Hunger und Elend, Naturkatastrophen und Krieg betreffen sie zum Glück nicht. Das sind alles schreckliche Dinge, gewisse, aber das kann man doch nicht vergleichen mit ihrem eigenen Tod. Ein verhungertes Kind, ein von Bomben zerfetztes, das hat doch gewissermaßen Pech. Was soll man da machen. Wenn aber sie selbst schon mit 40, 50. 60 Jahren schon sterben müssten, dann erschienen ihnen das als Unrecht und Ungeheuerlichkeit. Krankheit, wieso denn, es gibt doch Ärzte. Warum ist nicht alles heilbar? Warum sollten ausgerechnet sie sterben? Sie doch nicht! Noch nicht jetzt. Später. Viel später.

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